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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.05.2019

EIn toter Bayer im Watt

Ins Watt gebissen
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Als im Nachbarhaus eine Familie mit fünf Kindern einzieht, ist der wortkarge Müller Ino Tjarks so richtig sauer. Statt heiliger Ruhe, toben Tertius und Quartus rund um Inos Haus herum und stolpern über ...

Als im Nachbarhaus eine Familie mit fünf Kindern einzieht, ist der wortkarge Müller Ino Tjarks so richtig sauer. Statt heiliger Ruhe, toben Tertius und Quartus rund um Inos Haus herum und stolpern über eine Leiche.

Kurdirektor Alois Winterscheid wird ausgerechnet hinter dem Haus von Ino Tjarks, dem größten Gegner seiner hochfliegenden Ausbaupläne, ermordet aufgefunden.
Die Ermittler schießen sich recht schnell auf Ino ein, der mit seiner Abneigung Alois gegenüber auch gar nicht hinter dem Berg hält. Als Inos Verhaftung im Raum steht, beschließen Gerda und Theda, die eine Haushälterin bei Ino, die andere Bäckerin im Dorf, die Sache in ihre eigenen Hände zu nehmen.

Die neugierigen Damen entdecken, dass es noch andere gibt, die auf Alois nicht gut zu sprechen waren…

Meine Meinung:

Dieser Krimi liest sich leicht und locker. Die humorvolle Komponente lässt dieses Buch das Richtige für den Strandkorb sein.

Herrlich sind die schrulligen Dorfbewohner. Da ist zum eine Ino selbst, der Neuerungen so gar nicht mag. Wenn es nach Alois‘ Willen gegangen wäre, so hätte er für dämliche Touristen Korn zu Mehl mahlen sollen. Geht doch gar nicht, oder?
Und Gerda, die sich als „Facility Managerin“ samt selbst gebastelten Ausweis vorstellt und die friesische Ausgabe von Miss Marple mimt. Immerhin hat sie ja alle Krimis von Agatha Christie gelesen.

Genial die Familie von Tertius und Quartus mit ihrem Latein-Fimmel und der römischen Nummerierung ihrer Kinder.
Überhaupt, das ganze Dorf hält in einer Sache zusammen: Man braucht den Bullen nicht immer alles sagen.

Fazit:

Der Auftakt einer neuen Krimi-Reihe, die mit Witz und schrulligen Personen punktet. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 07.05.2019

Ein fesselnder Krimi abseits des Mainstreams

Der schlaflose Cheng
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Dieser Krimi ist mein erster aus der Reihe um den einarmigen Detektiv Markus Cheng aus Wien.

Markus Cheng macht während seines Urlaubs auf Mallorca die Bekanntschaft mit Peter Polnitz, der deutschen Synchronstimme ...

Dieser Krimi ist mein erster aus der Reihe um den einarmigen Detektiv Markus Cheng aus Wien.

Markus Cheng macht während seines Urlaubs auf Mallorca die Bekanntschaft mit Peter Polnitz, der deutschen Synchronstimme eines britischen Schauspielers. Man spricht miteinander, doch dann trennen sich die Wege wieder – eine seichte Urlaubsbekanntschaft eben.
Daher ist Cheng mehr als erstaunt als er ein Jahr später den Auftrag von Polnitz‘ Tochter erhält, ihren Vater aus dem Gefängnis zu holen. Polnitz hätte den Schauspieler ermordet.

Widerwillig nimmt Markus Cheng den Auftrag an und beginnt zu recherchieren. Seine Nachforschungen führen ihn unter anderem bis nach Island, wo er weitere Geheimnisse in Polnitz‘ Leben aufdeckt.

Meine Meinung:

Heinrich Steinfest hat einen eigenwilligen Erzählstil, der – wie man an den höchst unterschiedlichen Bewertungen sieht - polarisiert. Stellenweise schreibt der Autor poetisch (oder wie einige sagen würden, langatmig) und dennoch kann der Leser tief in die Atmosphäre eintauchen. Philosophische Gedankengänge erhöhen die Spannung, denn es ist nicht immer klar, ob sich Chengs Gedanken mit der Wirklichkeit in Koinzidenz bringen lassen.
Undurchsichtige Charaktere prägen diesen Krimi. Ein vielschichtiger Charakter ist auch Chengs Sekretärin, die – wie man am Ende sieht, das Heft fest in der Hand hält.

Wer Lesestoff abseits der üblichen Kriminalgeschichten sucht, wird hier bestens bedient. Allerdings halte ich es für opportun, beim ersten Band zu beginnen, was ich demnächst nachholen werde.

Fazit:

Für Liebhaber von geschliffener Sprache und Krimis abseits des Mainstreams ein Lesegenuss. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 07.05.2019

Nichts ist, wie es scheint

Die Tote vom Titlis
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In diesem nunmehr 5. Fall für Ermittler Cem Cengiz ist nichts, so wie es scheint.
Cem verbringt mit seiner frisch angetrauten Ehefrau, der Staatsanwältin Eva Roos, eine Flitterwochenende auf dem Titlis. ...

In diesem nunmehr 5. Fall für Ermittler Cem Cengiz ist nichts, so wie es scheint.
Cem verbringt mit seiner frisch angetrauten Ehefrau, der Staatsanwältin Eva Roos, eine Flitterwochenende auf dem Titlis.
Doch das als kurze Auszeit vom Alltag geplante Wochenende entpuppt sich schnell als arbeitsintensiver Albtraum. Denn kurz bevor eine junge Frau aus der besseren Gesellschaft ihrem Bräutigam das Ja-Wort geben kann, wird die Braut erschossen. Doch damit nicht genug, sind die Teilnehmer der Hochzeitsgesellschaft auf dem Berg gefangen, weil wegen des Schneesturms die Seilbahn ihren Dienst einstellen muss.

Als dann noch eine zweite Leiche gefunden wird, bricht Panik aus. Der Mörder muss einer von ihnen sein, aber wer?

Meine Meinung:

Wie wir es von Monika Mansour gewöhnt sind, spart sie nicht mit Abgründen und Verwicklungen. Da sind zum einen die eckigen Charaktere der Hochzeitsgäste und zum anderen der besorgte Vater im Tal, dessen Sohn abgängig ist. Hängen die beiden Fälle zusammen? Wenn ja, wie?

Cem und Eva beginnen sofort auf dem Titlis mit den Ermittlungen. Doch nicht jeder glaubt, dass sie echte Polizisten sind. Mehrmals droht die Stimmung zu kippen.

Monika Mansour ist es wieder vortrefflich gelungen, Spannung zu erzeugen und diese bis zum Showdown aufrecht zu erhalten. Ein echt fieser Cliffhanger deutet daraufhin, dass eine Figur aus einem der früheren Bände wieder eine Auferstehung feiert. Darauf freue ich mich schon sehr…

Bestens gelungen ist wieder das Cover, das durch seine Farbgebung die eisige Stimmung noch verstärkt.

Fazit:

Ein gelungener Krimi mit Hochspannung und einem aufregendem Showdown. Gerne gebe ich hier wieder 5 Sterne.

Veröffentlicht am 28.04.2019

Regt zum Nachdenken an

Wütendes Wetter
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Klimaforscherin Friederike Otto versucht dem interessierten Leser, den Unterschied zwischen Wetter und Klima begreiflich zu machen. Anhand von vielen aktuellen Beispielen erklärt sie, dass der Klimawandel ...

Klimaforscherin Friederike Otto versucht dem interessierten Leser, den Unterschied zwischen Wetter und Klima begreiflich zu machen. Anhand von vielen aktuellen Beispielen erklärt sie, dass der Klimawandel tatsächlich existiert (auch, wenn das so mancher Regierungschef dies abzuleugnen pflegt).

Viele der derzeit extremen Wetterphänomene lassen sich auf den Klimawandel zurückführen, allerdings nicht alle. Am Beispiel von Hurrikan „Harvey“, den sie und ihr Team genau untersucht haben, konnte bewiesen werden, dass der Hurrikan jedenfalls entstanden wäre. Der ihn begleitende ungewöhnlich intensive Starkregen jedoch, ist ein ziemlich eindeutiges Zeichen für die Erderwärmung.

Sie legt ihre Analysen zu den Forschungsergebnissen offen. Das liest sich manchmal nicht ganz so spannend, ist aber zum Verständnis der komplexen Materie durchaus notwendig. Interessant finde ich dieses Projekt, dass Menschen Computerrechenzeit für die Simulationsberechungen zur Verfügung stellen. Ich dachte, das ist inzwischen nicht mehr nötig – falsch gedacht.

Immer wieder stellt sich die Frage, ist das aktuelle Wetterereignis noch „normal“ oder bereits eine Folge des Klimawandels? Hier kann es natürlich keine exakte Aussage geben, denn extremes Wetter hat es in der Vergangenheit auch immer wieder gegeben. Da braucht man nur die bisher bekannten meteorologischen Aufzeichnungen ansehen. Manchmal lassen sich abnormale Wetterphänomene durch Naturkatastrophen erklären, wie z.B. „das Jahr ohne Sommer von 1816“, das auf die Eruption des Vulkans Tambora 1815 zurückzuführen ist.

Gefährlicher sind meiner Meinung nach die vielen kleinen, stetigen und schleichenden Beiträge zum Klimawandel. Das Abholzen des Regenwaldes, der unkontrollierte Ausstoß von CO2 etc.. Hier muss man die Scheinheiligkeit der diversen Regierungen an den Pranger stellen: Statt die echten Verursacher (Großkonzerne, Frächter, Schwerindustrie, Agrarfabriken etc.) endlich an die Kandare zu nehmen, schikaniert man die einfachen Bürger.

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, zeigt es doch die Arbeit der Klimaforscher aus deren Sicht. Durch die Offenlegung von Zahlen, Daten und Fakten lassen sich die Gefahren, die uns durch den Klimawandel drohen, besser verstehen, als die gebetsmühlenartigen Wiederholungen von nebulösen Katastrophenszenarien.

Was mich wirklich schwer nervt, sind die Gender-Sternchen, die den Text stellenweise regelrecht verstümmeln. Dafür ziehe ich einen Stern ab.

Fazit:

Ein interessantes Sachbuch, das den Zusammenhang „Wetter“ und „Klima“ recht gut erklärt. Der Genderwahn kostet den 5. Stern, daher nur 4 Sterne.

Veröffentlicht am 28.04.2019

Penibel recherchiert und fesselnd erzählt

Bronstein
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David Bronstein, seines Zeichens Oberst der Wiener Kriminalpolizei im Jahre 1936, hat wieder einmal einen Mord an einem Arbeiter aufzuklären. Doch bevor er sich intensiver mit dem Tod von Hans Binder auseinandersetzen ...

David Bronstein, seines Zeichens Oberst der Wiener Kriminalpolizei im Jahre 1936, hat wieder einmal einen Mord an einem Arbeiter aufzuklären. Doch bevor er sich intensiver mit dem Tod von Hans Binder auseinandersetzen kann, wird er als „Zuschauer“ zu einem politischen Prozess in den Gerichtssaal beordert.

Es sind die Jahre des Ständestaates, also jene zwischen Bürgerkrieg (1934) und dem Anschluss an Hitler-Deutschland (1938), die Österreichs Justiz in den Fokus des Auslandes geraten lassen. Die Oppositionellen werden seitens der Regierung gnadenlos verfolgt, während man die noch im Untergrund agierenden Nazis nicht so ernst nimmt.

Das selbstbewusste Auftreten einiger sozialistischer Angeklagter bringt Bronstein dazu, den Mord an Hans Binder von einer anderen Seite zu betrachten. Nochmals begibt er sich mit seinem Kollegen Cerny nach Simmering, wo Binder in einem heruntergekommenen Mietshaus gewohnt hat. Bei den Befragungen der wenigen anderen Mieter, entdeckt Bronstein ein kleines Detail, dem er noch weitere Nachforschungen folgen lässt. Ist hier das Mordmotiv zu suchen? Wie heißt es doch so schön? „Folge der Spur des Geldes“ – egal wie hoch die Summe ist.

Meine Meinung:

Andreas Pittler hat mit diesem Fall wieder ein großartiges Sittenbild von Wien (und Österreich) der Jahre vor dem Anschluss geschrieben.
Allerdings kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass er auch ein wenig die aktuelle politische Situation in Europa meint, wenn er seinen Oberst nachdenken lässt:
„Damals waren die Polen aus dem demokratischen Konsens in Europa ausgeschert und hatten ein autoritäres Regime etabliert. Das war achselzuckend zur Kenntnis genommen worden, weil es ja in Ungarn und vor allem in Italien nicht anders aussah. Drei Jahre später hatte der König von Jugoslawien eine Diktatur errichtet, und heute, heute war man als Demokrat auf dem Kontinent bereits so etwas wie ein Exot. Die Demokratie, so verkünden die Politiker aller Orten, könne die enormen Probleme, vor denen man stehe, nicht lösen. Es brauche eine starke Hand, die Ordnung schaffe. Der Worte seien nun genug gewechselt, Taten seien gefragt. Und wohin genau sollte das führen? Ging es den Polen, den Ungarn oder den Italienern nun vielleicht besser? Nein! Es durfte, nur nicht mehr offen thematisiert werden, das war der einzige Unterschied.“ (S. 167)

Aus Angst vor dem Bolschewismus hat die damalige Politik die drohende Gefahr von rechts, weder wahrnehmen, noch etwas dagegen unternehmen wollen.

Sprachlich ist dieser Krimi wieder ein großer Genuss. Der tschechisch-stämmige Cerny gewinnt bei den Befragungen das vertrauen so mancher Person durch den Einsatz seiner Muttersprache.
Die meisten Personen sprechen im Wiener Dialekt, aber keine Angst, ein ausführliches Glossar übersetzt die wichtigsten Begriffe. Das macht Pittlers Krimis so lebendig, genauso wie die doch eher unangepasste Art seines Ermittlers Bronstein. Der geneigte Leser wird bestimmt ahnen, dass der Oberst in den nächsten Jahren mit allerlei Ungemach zu rechnen haben wird, wie sich hier auf S. 178 abzeichnet.

Pittler lässt wieder historische Personen auftreten. Diesmal ist es der spätere Bundeskanzler Bruno Kreisky, der als blutjunger Jura-Student seinen Auftritt vor Gericht hat (S. 120).

"Eine Idee wird zur Gewalt, wenn sie die Massen ergreift". Dieser Satz von Seite 122 lässt mich an die zunächst friedlichen Proteste der "Gelbwesten" in Frankreich denken, die inzwischen eskaliert sind.

Fazit:

Wieder ein gut recherchierter historischer Krimi, der sich die eine oder andere Anspielung auf das hier und heute nicht verkneifen kann. Gerne gebe ich 5 Sterne und empfehle das Lesen der gesamten Reihe rund um David Bronstein.