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Venatrix

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Veröffentlicht am 24.02.2019

EInmal Himmel und Hölle und zurück - Bagdad

Mörderische Freiheit
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ie deutsche Journalisten Birgit Svensson lebt seit 2003 im Irak. In diesem Buch sind ihre Beobachtungen, Erfahrungen und Reportagen zusammengefasst.
In zehn Kapiteln versucht sie Ursache und (Aus)Wirkung ...

ie deutsche Journalisten Birgit Svensson lebt seit 2003 im Irak. In diesem Buch sind ihre Beobachtungen, Erfahrungen und Reportagen zusammengefasst.
In zehn Kapiteln versucht sie Ursache und (Aus)Wirkung der Politik in dieser Region darzustellen. Für den interessierten Leser eröffnen sich neue Sichtweisen.

Das Unverständnis der USA für diese Region, die seit Jahrzehnten durch Diktatoren und Stammesfehden beherrscht wurde, und das Aufzwingen einer Demokratie nach westlichem, amerikanischen Vorbild, (wobei das auch ein Widerspruch in sich ist), hat erst die religiösen Fanatiker erstarken lassen. Das Grundübel ist allerdings im 19. Jahrhundert zu suchen, als vor allem die Briten willkürlich Länder und Grenzen schufen, ohne Rücksicht auf Religionen, Ethnien oder Traditionen zu nehmen.

Denn mit dem Sturz von Saddam Hussein 2003 bricht nicht der Weltfrieden aus, sondern im Gegenteil, die seinerzeit mit eiserner Klammer zusammengehaltenen unterschiedlichsten Interessen implodieren in ein nicht beherrschbares Chaos.

Seit dem Bürgerkrieg in Syrien sind die Konflikte im Irak ein wenig aus dem Fokus der Öffentlichkeit entschwunden. Daher sind Bücher, wie das vorliegende, notwendig. Der Irak ist nicht ausschließlich ein Tummelplatz des IS und anderer militanter Gruppierungen.

Die Herausforderungen, denen sich das Land und seine Bevölkerung stellen müssen, reichen weiter: Da ist zum Beispiel der Ölreichtum, der Fluch und Segen zugleich ist. Oder die Lage der Frauen und/oder Jugend dort – brachliegendes Potenzial, versäumte Gelegenheiten.

Meine Meinung:

Dieses Buch hat mich fasziniert. Es ist eine Reportage aus dem Inneren eines Landes, das nach dem Wegfall der eisernen Klammer und dem Terror des IS, sich neu erfinden muss, sich seines brachliegenden Potenzials bewusst werden muss. Wahrscheinlich wird es eine Herkulesaufgabe sein, ein funktionierendes Justizwesen zu errichten. Derzeit scheint ein Rückschritt eingetreten zu sein, dass die Rechtsprechung wieder an die jeweiligen Stammesfürsten „delegiert“ werden, die dann den status quo zementieren.

Nebenbei und unterschwellig lernen wir hier das Denken, die Wahrnehmung, die Hoffnungen und Ängste der irakischen Menschen kennen. Nur die ältesten können sich an eine Zeit ohne Krieg, Bürgerkrieg, Verbrechen, Unruhen, Diktatur und Exil erinnern. Eine ganze Generation ist von Gewalt und Terror geprägt. Es ist an der jungen Generation, die seit einigen Monaten darangeht, konfessionelle Gegensätze zu überwinden und die Geschicke ihres Landes in eigene Hände zu nehmen. Hier kommt vor allem den Frauen große Bedeutung zu, die ihre traditionelle Rolle in islamischen Gesellschaften zunehmend in Frage stellen. Immerhin wird Bagdad als erste arabische Großstadt überhaupt, von einer Oberbürgermeisterin regiert.

Der Schreibstil ist eingängig und das Buch lässt sich gut lesen.
Für die Autorin besteht die Region und besonders Bagdad nicht ausschließlich aus der Hölle, sondern bedeutet auch Himmel, selbst wenn der noch Verbesserungsmöglichkeiten bietet.

Der Titel passt perfekt, denn die Menschen sind nach dem Sturz von Saddam Hussein in eine mörderische Freiheit hineingestoßen worden, die sie sich (die Freiheit nämlich) wohl so nicht vorgestellt haben.

Fazit:

Wer sich also für diese Region und ihre Konflikte interessiert, kommt an diesem außergewöhnlich sachlichen und beeindruckenden Buch nicht vorbei. Gerne gebe ich für dieses Buch 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 24.02.2019

Google & Co eine Art Ersatzreligion?

Google Unser
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Schon der Titel lässt ahnen, dass hier Anleihen in der Bibel bzw. Religion genommen werden. Gleich zu Beginn steht ein Richtung Google adaptiertes Vater Unser.

In 5 Hauptkapiteln, die noch weiter unterteilt ...

Schon der Titel lässt ahnen, dass hier Anleihen in der Bibel bzw. Religion genommen werden. Gleich zu Beginn steht ein Richtung Google adaptiertes Vater Unser.

In 5 Hauptkapiteln, die noch weiter unterteilt sind, versucht der Autor die Ähnlichkeiten dieses Konzerns mit Religion aufzuzeigen.

Glaube, Geld & Google
Die Kirche der digitalen Neuzeit
Die neuen digitalen Believers
Diagnose der digitalen Moderne
Digitale Aufklärung

Hoffmeister deutet an, dass die aktuelle säkulare Welt nach einer Art Ersatz-Religion sucht. Alle möglichen Ansichten werden zu einer „Pseudoreligion“ erhoben. So gibt es eingefleischte Fans des Wiener Fußballklubs „Rapid“, die bei der Frage nach dem religiösen Bekenntnis „Rapid“ angeben. (Das steht nicht im Buch.)

Wenn Karl Marx, die Religion als „Opium für das Volk“ bezeichnet, so gilt das in viel stärkerem Maße für Google & Co. Ob der chronische Google-Abusus gesünder als Opium ist, mag dahingestellt bleiben. Dazu gibt es noch zu wenige Langzeitstudien.

„Digitale Aufklärung beginnt mit Ideen, Konzepten und Erkenntnissen der Quantenphysik.“ (S.192) Wirklich? Die Menschheit hat seit je gemessen und gewogen.

Wenn, wie Hoffmeister ausführt, Elon Musk glaubt, die Menschheit befindet sich in einer Art Computerspiel, warum jagt Musk dann höchst irdischem Geld und Erfolg nach?

Hoffmeister versucht, mit diesem Buch zu provozieren. Manchmal verliert er sich, dort wo kurze prägnante Aussagen nötig und passend wären, in allzu vielen Details.
Nicht der schöpferische Geist wird zum Göttlichen erhoben, sondern die Möglichkeit der weltumspannenden Verbreitung durch das Internet entpuppt sich als Dienst am Götzen.

Kaum jemand entkommt der allumfassenden Präsenz des www und seiner Inhalte. Die Menscheit wird beeinflusst, manipuliert und in eine bestimmte Richtung gedrängt.

Der Autor gibt einige Denkanstöße und jeder Leser kann sich seine eigene Meinung bilden.

Fazit:

Ein interessantes Buch, das sich zu lesen lohnt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 24.02.2019

Ein bissige kritischer Blick auf Österreichs POlitik

Biedermeiern
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Unter Biedermeier versteht man die Politikverdrossenheit, das Abwenden von der gefährlichen Politik, die Resignation, den Rückzug ins Privatleben und die Fokussierung auf sein eigenes kleines Glück. Kommt ...

Unter Biedermeier versteht man die Politikverdrossenheit, das Abwenden von der gefährlichen Politik, die Resignation, den Rückzug ins Privatleben und die Fokussierung auf sein eigenes kleines Glück. Kommt uns das bekannt vor? Diese Epoche (1815-1848) ist die Antwort auf das Ende der Napoleonischen Kriege, auf die „feste“ Hand der Reaktion, der Zensur und die Resignation der Bürger, die sich mehr Gedankenfreiheit erhofft hatten. Und jetzt, mehr als 200 Jahre später, scheint sich die Bevölkerung auf ähnliches zu besinnen?

Dieses Buch ist die Zusammenfassung ihrer Kommentare, die sie seit der Nationalratswahl 2017 bis November 2018 geschrieben hat. („An diesem wahlergebnis sind die Inländer schuld.“ Biedermeiern Tag 1).
Das Buch ist als Blog gestaltet und durchgängig in Kleinbuchstaben gehalten, was für mich persönlich anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig war. Nicht gewöhnungsbedürftig ist der pointierte, bissige und kritische Schreibstil. Mit vielen ihrer politisch unkorrekten Kommentare spricht sie auch mir aus der Seele.

Herrlich sind die Verballhornungen wie fezbuch, witzekanzler und bubenkanzler. Die Karikaturen sind ebenso treffend wie der Blick auf die unglücklich agierende Opposition. Dazu siehe Tag 277:
„Besonders unerträglich macht diese schlechte regierung erst diese schlechte opposition.“ Dem ist leider wenig hinzuzufügen.

Mir gefällt „Biedermeiern Tag 24“ ausnehmend gut:

„Früher hatte ich keinen respekt vor politikern, weil ich jung und ahnungslos war.
Heute habe ich keinen respekt vor Politikern, weil die jung und ahnungslos sind.“

Der Schlusssatz der Betrachtung von Tag 374, „hauptsach’ die sozen san weg“ scheint überhaupt das Credo der aktuellen Bundesregierung zu sein., egal wie sinnvoll ein Vorschlag, eine Aktion der Sozialdemokraten war oder ist, alles was eine „soz’n“ Handschrift trägt, muss weg. Auch das hatten wir schon einmal ...
Bin schon gespannt, wann die ersten, die diese Regierung gewählt haben, entdecken, dass viele Änderungen, z.B. im Sozialbereich, nicht "für den kleinen Mann" sondern gerade zu gegen dieses Klientel gerichtet ist.
Da muss ich doch glatt noch ein Zitat von François de Neufchâteau (1750-1828) anbringen: "Das Volk wird der Regierung nur dann vertrauen, wenn es ihm gut geht."

Livia Klingl ist Journalistin und hat bereits mehrere Sachbücher herausgebracht. Als Auslandskorrespondentin sieht sie die österreichische Politik mit einem kritischen Auge.

Dem Verlag Kremayr & Scheriau ist hier ein tolles Buch gelungen. Schon das Cover, das als Biedermeier-Tapete gestaltet ist, und ein Guckloch gleich einem Schlüsselloch aufweist, weckt Interesse und macht neugierig auf den Inhalt.

Gerne gebe ich 5 Sterne.

Veröffentlicht am 20.02.2019

26 Geschichten, die das Leben so schrieb

Marillen & Sauerkraut
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Harald Jöllinger hat in seinem Debüt 26 teilweise bitterböse Ge-schichten aus dem Leben aufgeschrieben, die dem Geschmack „Marille“ (für fruchtig, süßsauer) und „Sauerkraut“ (für vergoren, lange haltbar) ...

Harald Jöllinger hat in seinem Debüt 26 teilweise bitterböse Ge-schichten aus dem Leben aufgeschrieben, die dem Geschmack „Marille“ (für fruchtig, süßsauer) und „Sauerkraut“ (für vergoren, lange haltbar) zugeordnet sind.

Ein Großteil der Geschichten ist herrlich skurril, wie z.B. die Schneckengeschichte oder die arme Gelse, die sich den Stechrüssel an einem fettleibigen Mann verbiegt. Auch die „hinige Puff’n“ habe ich ein wenig ins Herz geschlossen.

Einige Erzählungen befassen sich mit jenen Menschen, die sich auf der Schattenseite des Leben befinden: Mit den Obdachlosen, den Alkoholikern und auch mit den demenzkranken Alten, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen, sie aber im hektischen Alltag nicht erhalten. Apropos Alkohol – der fließt in Strömen. Sei es als Bier oder Wein oder gar als hochprozentiges „Marillenzeug vom Ferdl“.

Die beiden Geschichte(n), die einen Heiratsantrag zum Thema haben, sind sowohl in der „Marillen-Fraktion“ als auch in der „Sauerkraut-Abteilung“ zu finden. Die scheinen, jeweils den Übergang zur andern Geschmacksrichtung oder zur anderen Gemütsverfassung zu bilden.

Meine Meinung:

Es scheint, als schriebe Harald Jöllinger so, wie ihm der Schna-bel gewachsen ist. Kurzweilig, manchmal derb, im Wiener Dialekt, der vielleicht Lesern außerhalb der Bundeshauptstadt Schwierigkeiten machen könnte. Aber nur vielleicht, denn im Anhang ist ein ausführliches Glossar vorhanden. Sehr aufmerksam!

Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Grant und dem Scharfsinn des legendären Helmut Qualtinger ist wohl nicht ganz zufällig und auch nicht ganz ungewollt.

Fazit:

Geschichten, die das Leben so schreibt. Gerne gebe ich für die Anthologie 4 Sterne.

Veröffentlicht am 18.02.2019

Hat mich nicht ganz überzeugt

Sühneopfer
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Matt Hunter zieht mit seiner Frau Wren und den beiden Töchtern in die kleine Ortschaft Hobbs Hill. Wren, die Architektin, soll dort eine alte Kirche renovieren. Matt, Ex-Pfarrer und Buchautor will diese ...

Matt Hunter zieht mit seiner Frau Wren und den beiden Töchtern in die kleine Ortschaft Hobbs Hill. Wren, die Architektin, soll dort eine alte Kirche renovieren. Matt, Ex-Pfarrer und Buchautor will diese Zeit nützen, ein Buch zu schreiben.

Gleich bei der Ankunft entdeckt er, dass der dortige Pfarrer ein Studienkollege ist und die Menschen irgendwie eigenartig religiös wirken. Vor jedem Haus stehen Kreuze. Das irritiert Matt, der nach einem schweren Schicksalsschlag mit Gott hadert.
Als dann noch mehrere Frauen spurlos verschwinden, ist es mit der Idylle vorbei. Matt, der schon mehrmals der Polizei bei religiös motivierten Verbrechen zur Seite gestanden ist, bietet auch den örtlichen Polizisten sein Knowhow an.

Meine Meinung:

Dieser Thriller hat mich nicht wirklich überzeugt, was vermutlich meiner Distanz den Religionen gegenüber geschuldet ist. Religiöser Wahn und Fundamentalismus im Glauben sind jetzt sogar nicht meines.

Die seltsame Spannung, die in diesem Dorf in der Luft liegt, ist deutlich spürbar. Dass ausgerechnet Wren den Auftrag erhalten soll, scheint ebenfalls ein abgekartetes perfides Spiel zu sein genauso wie die Versuche des Pfarrers Matt wieder auf den (seiner Meinung nach) richtigen Weg zum Glauben zu drängen. Matt hat gute Gründe, sich von der Kirche abzuwenden und die müssen akzeptiert werden.

Fazit:

Wie gesagt, hier bin ich nicht überzeugt und kann daher nur 3 Sterne vergeben.