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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.02.2019

The Best of Bruno Kreisky

Ich bin der Meinung ...
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In diesem leider nur 80 Seiten dünnen Buch stellt uns Wolfgang Petritsch den früheren Bundeskanzler Österreichs Bruno Kreisky vor.
Kreisky ist durch seine markigen Sprüche, deren Ironie von vielen nicht ...

In diesem leider nur 80 Seiten dünnen Buch stellt uns Wolfgang Petritsch den früheren Bundeskanzler Österreichs Bruno Kreisky vor.
Kreisky ist durch seine markigen Sprüche, deren Ironie von vielen nicht erkannt wurde, der breiten Öffentlichkeit bekannt.
Seine Interviews beginnen häufig mit den Worten „Ich bin der Meinung“.

Kreiskys rhetorische und intellektuelle Brillanz ist legendär. Da könnten sich heutige Politiker, die oft inhaltsleer Floskeln daherstammeln, eine dicke Scheibe abschneiden.

Wolfgang Petrisch war langjähriger Mitarbeiter Kreiskys. Er fasst die Zitate seines ehemaliges Chefs in folgende Gruppen zusammen:

 Persönliches
 Über Politik, Mach und Moral
 Der Welterklärer und Visionär
 Der Journalistenkanzler
 Über Österreich
 Philosophisches

Schmunzeln musste ich über folgendes Zitat, das mir nicht so recht in Erinnerung ist: „Wenn ich Urlaub mache, fahre ich am liebsten nach Bayern. Da bin ich nicht mehr in Österreich und noch nicht in Deutschland.“

Für sein politisches Credo der Vollbeschäftigung, wird er von seinen politischen Gegnern gescholten. „Mir bereiten ein paar Milliarden Schilling mehr Schulden weniger schlaflose Nächte als ein paar hunderttausend Arbeitslose mehr.“ Eine Aussage, die heutzutage nicht mehr möglich wäre.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Zitatenschatz, der mich an eine Zeit der Modernisierung Österreichs erinnert, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 14.02.2019

Eine echte Fälschung?

Der Turm der blauen Pferde
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Historischer Hintergrund:

Dieser Krimi rankt sich rund um das gleichnamige Bild des deut-schen Malers Franz Marc. Marc, der im Ersten Weltkrieg gefallen ist, hat dieses Bild 1913 gemalt. Es ist als bekanntestes ...

Historischer Hintergrund:

Dieser Krimi rankt sich rund um das gleichnamige Bild des deut-schen Malers Franz Marc. Marc, der im Ersten Weltkrieg gefallen ist, hat dieses Bild 1913 gemalt. Es ist als bekanntestes Werk des Expressionisten, das seit der Machtübernahme der Nazis als „Entartete Kunst“ gilt. 1937 wird es von Hermann Göring konfisziert und dessen Kunstsammlung einverleibt. Danach verliert sich seine Spur. Das Bild ist bis heute verschollen.

Inhalt:

Die Münchner Detektei Schleewitz, die sich auf Provenienznachweise von Kunstobjekten spezialisiert hat, erhält den Auftrag, die Herkunft des plötzlich wiederaufgetauchten Gemäldes von Franz Marc, zu dokumentieren. Immerhin soll das Gemälde ja seit 1945 verschollen sein.

Das Team, bestehend aus Inhaber Rupert von Schleewitz, der Kunsthistorikerin Klara Ivanovic und Recherche-As Max Müller gehen mit Verve den Spuren nach. Dabei entdecken sie, dass es noch ein zweites, völlig identes Bild der blauen Pferde gibt. Welches ist nun das Original? Oder sind beides Fälschungen?

Auf der Jagd nach Beweisen für die Echtheit oder Fälschung geraten die Mitarbeiter der Detektei in allerlei gefährliche und manchmal auch skurrile Situationen.

Meine Meinung:

Die Idee zu diesem Krimi finde ich grandios. Die Umsetzung halte ich nicht ganz so perfekt gelungen.

Gut ist die Besessenheit des Schraubenfabrikanten, der eine Menge Geld für das Bild bezahlt hat, dargestellt, zu beweisen, dass es sich um das lange verschollene Bild handelt.

Genauso intensiv ist der vierzehnjährige Hitlerjunge Ludwig ge-troffen, der sich unsterblich in das Bild verliebt und dafür tö-tet. Diese Leidenschaft ist beinahe schon krankhaft, aber glaub-haft.
Die Rückblicke, u.a. nach 1945, lassen die Leser vermuten, wie und wohin das Bild verschwinden hätte können. Hier lässt der Autor den Lesern Raum für eigene Spekulationen.

Nicht so gut haben mir die Einblicke in die Privatleben der Detektive gefallen. Vor allem jenes von Max Müller halt ich für zu üppig ausformuliert. Denn, ob seine Töchter Monique oder Madeleine heißen, Ballett tanzen oder nicht, ein Sudelbuch schreiben oder nicht, ist für Krimihandlung völlig unerheblich. Das hätte getrost kürzer dargestellt werden können.
Klara Ivanovic‘ Familiengeschichte wiederum hat durch die Präsenz ihres Vaters, der sich als Performance-Künstler sieht, immerhin einen Bezug zur Kunst(szene). Ihn hatte ich kurz als Drahtzieher der Entführung des Bildes in Verdacht.

Und da ist dann noch Rupert von Schleewitz, der sich, gegen seine übliche Art Hals über Kopf in eine junge Frau verliebt, die sich als eine ganz andere entpuppt.

In der Auflösung sind dann die losen Enden der „Bildergeschich-te“ zu einem überraschenden Abschluss zusammengeführt.

Der Schreibstil des Autors ist flüssig und stellenweise humorvoll bis ironisch. Die Kunstszene und ihre oft völlig absurden Preisvorstellungen kommen manchmal nicht so gut weg.

Die eine oder andere unerwartete Wendung sowie die Überraschung zum Schluss, bereiten den Lesern Vergnügen. Wissenswerte Informationen aus der Welt der Künstler und Kunst werden subtil und unterschwellig vermittelt.

Fazit:

Ein interessanter Krimi, der als Auftakt einer neuen Reihe gedacht ist. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 14.02.2019

Hat mich leider nicht überzeugt

Punschkrapfen, Kipferl und ein Mord
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Emma Wolf hat mit ihrer Bäckerei „Lust & Sahne“ eine Marktnische in Linz gefunden. Sie bäckt Cakpops, Cupcakes und Torten in ungewöhnlichem Design: Penisse und Busen, die sie „Möpschen“ nennt. (Ob da wohl ...

Emma Wolf hat mit ihrer Bäckerei „Lust & Sahne“ eine Marktnische in Linz gefunden. Sie bäckt Cakpops, Cupcakes und Torten in ungewöhnlichem Design: Penisse und Busen, die sie „Möpschen“ nennt. (Ob da wohl die Aussage einer Society-Lady Pate stand?).

Ob dieses ungewöhnlichen Backwerks wird sie für die Serie „In 80 Bäckereien um die Welt“ gefilmt. Doch bevor die Dreharbeiten so richtig in Schwung kommen, fällt der Moderator dieser Show, Benedikt Diebenkorn, gut gekühlt aus Emmas Kühlschrank. Diebenkorn ein Widerling, wie er im Buche steht, hat mehr Feinde als Freunde - aber ihn deswegen gleich, ermorden? Und warum wird dann noch die Aufnahmeleiterin der Filmcrew, Viktoria, aus dem 5. Stock ihres Hotelzimmers geschubst? Und vo allem, von wem?


Meine Meinung:

Das für einen Krimi ungewöhnliche rosa Cover hat mich verleitet, dieses nur 192 Seiten dicke Buch zu lesen.

Der Schreibstil ist flott, flapsig und sehr leicht zu lesen. Ich habe gerade einmal 2 Stunden für die Lektüre gebraucht.
Es gibt einige Ungereimtheiten. Z. B.: Benedikt fällt tiefgekühlt aus einem Kühlschrank, in dem sonst Torten und ähnliches gelagert werden. Das geht wohl kaum. Der Ermittler wird als Oberkommissar bezeichnet - die gibt es bei der österr. Polizei nicht.

Einige Gedanken werden aufgeworfen und nicht zu Ende geführt. Unter anderem kommt der kriminelle Lebenslauf von Emmas Vater ins Spiel und verglüht gleich einer Sternschnuppe. Was der Klatschreporter René Loser, der die Rad fahrende Emma sogar rammt, im Schilde führt, bleibt ebenso in der Luft hängen, wie die nervige Mutter, die plötzlich wieder abtaucht.

Die polizeilichen Ermittlungen sind hier nur am Rande erwähnt und mäßig spannend. Der Fokus liegt eher auf Emma und ihren erotischen Kuchen. Die Auflösung geht dann ein bisschen zu hurtig über die Bühne. 50, 60 Seiten mehr hätten dem Buch gut getan.

Die für mich witzigste Szene war die Ausstellung im Lento „Nackte Tatsachen“, für die Emma ihre Cakepops gebacken und geliefert hat.

Auch aus dem Konflikt mit der zickigen Gemeinderätin hätte sich mehr machen lassen. So kreisen die Gedanken häufig nur um die „Möpschen“ und die Kuchenpenisse. Das ist mir ein bisschen zu wenig.

Fazit:

Wer eine kurzweilige, eher anspruchslose Lektüre für Zwischendurch sucht, ist hier richtig. Mich haben die Story und ihre Umsetzung leider nicht überzeugt, daher kann ich nur 2 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 10.02.2019

Ein fesselnder Krimi, abseits des "Ballermann"-Images

El Gustario de Mallorca und der tödliche Schatten
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Sven Ruge, Journalist und Gastrokritiker, den man hier auf Mallorca nur „El Gustario“ nennt, hat seinen Wohnsitz nun auf der Insel aufgeschlagen. Allerdings muss er nun Aufträge an Land ziehen. Da kommt ...

Sven Ruge, Journalist und Gastrokritiker, den man hier auf Mallorca nur „El Gustario“ nennt, hat seinen Wohnsitz nun auf der Insel aufgeschlagen. Allerdings muss er nun Aufträge an Land ziehen. Da kommt ihm die „Tour de Menue“, an der sein Freund und Gastronom Manuel teilnimmt, gerade recht. Doch ausgerechnet jetzt, treffen einige seltsame Ereignisse zusammen: Manuel wird mit vergammelten Fisch beliefert, seine Küche wird abgefackelt und er selbst landet nach einem Autounfall im Krankenhaus.
Was geht hier vor? Ist Manuel ein so großer Konkurrent im kulinarischen Wettstreit, dass die Mitbewerber zu diesen drastischen Mitteln greifen müssen?
Sven macht sich auf die Suche nach den Urhebern. Dabei gerät er in wahrhaft brenzliche Situationen, denn hier ist nichts wie es scheint, und die Ursache der Anschläge sind in der Vergangenheit zu finden.

Meine Meinung:

Brigitte Lamberts ist wieder ein vielschichtiger Krimi gelungen, der die köstliche Kulinark der Insel vor ihren Lesern ausbreitet. Die Rezepte im Anhang lassen sich zur Einstimmung nachkochen.

Der Ausflug in die spanische Geschichte von 1936 lässt so manches aktuelle Ereignis in einem anderen Licht erscheinen. Anders als in anderen Ländern Europas ist der Bürgerkrieg in Spanien nach wie vor nicht wirklich aufgearbeitet. Noch immer gibt es Familien, die im Ungewissen über den Verbleib von Angehörigen leben. Die ihre Männer, Brüder oder Väter betrauern, aber keinen Ort für diese Trauer haben, weil die Vermissten in einem unbekannten Massengrab verscharrt worden sind.
Brigitte Lamberts ist es gelungen, die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen. Gut gefallen haben mir die Rückblenden in das Jahr 1936.
Hier hätte ich mir im Anhang einen kurzen Abriss der Geschichte gewünscht. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Ich habe dann selbst nachgelesen, weil ich zuwenig über diese Zeit weiß.

Wie immer, geht es nicht nur um politische Weltanschauungen, sondern vorrangig um Macht und Geld.

Der Schreibstil ist gewohnt anschaulich, flott und flüssig. Es kommt kein bisschen Langeweile auf. Dieser Krimi hat mir sogar noch einen Hauch besser gefallen als der erste Band.

Fazit:

Ein fesselnder Krimi, der abseits des „Ballermann-Image“ der Insel angesiedelt ist. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 07.02.2019

fesselnd bis zur letzten Seite

Der Papiermörder
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Uwe Rademacher entführt seine Leser in die ehemalige Stadt der Schwerindustrie, die aktuell eine der höchsten Arbeitslosenraten Deutschlands hat, nach Duisburg.

Binnen vier Wochen werden vier Menschen ...

Uwe Rademacher entführt seine Leser in die ehemalige Stadt der Schwerindustrie, die aktuell eine der höchsten Arbeitslosenraten Deutschlands hat, nach Duisburg.

Binnen vier Wochen werden vier Menschen ermordet, die scheinbar in keinem Zusammenhang stehen. Der Profiler Jonathan Dawson und sein kleines Team werden mit den Ermittlungen beauftragt. Recht bald wird das einzig Gemeinsame, ein Zettel in deren Mund, mit einem Vers aus Novalis‘ „Hymnen an die Nacht“, entdeckt. Irritierend, dass der Vers ein klein wenig adaptiert wurde und die Todesart des nächsten Opfers bekannt gemacht wird. Nachdem der Hymnus aus zehn Strophen besteht, ist Dawson sicher, einen Serienmörder vor sich zu haben, der zehn Personen ermorden will.

Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn der Täter besitzt ein, wie Dawson aus den kaum vorhanden Spuren herausliest, ein äußerst intelligentes, wenn auch krankes Gehirn.

Wird es Jonathan Dawson und seinem Team gelingen, die Mordserie rechtzeitig zu stoppen?

Meine Meinung:

Ein Thriller, der es in sich hat! Vor allem, weil sowohl Jonathan Dawson als auch der Täter in der Ich-Form präsentiert werden. Kurz hatte ich den Verdacht, dass Dawson selbst in der Sache mit drinnen hängt. Man kann durch dieses Stilmittel sowohl in den Kopf von Dawson als auch in den des Täters schlüpfen.

Der Leser wird genauso wie die Polizei mehrmals in die Irre ge-führt. Fesselnd finde ich, dass wir Leser hier miträtseln können und auch nicht viel mehr wissen, als die Polizei. Der Showdown ist dann auch noch recht heftig.

Dawson, der zu Beginn ein wenig glatt und wie der strahlende Held daherkommt, macht den einen oder anderen Fehler, der ihm bzw. seinem Team beinahe das Leben kostet. Das macht ihn wieder menschlich.
Ein bisschen Klischee muss auch sein: Die toughe (und auch hüb-sche) Kollegin und der übliche Computer-Nerd, der kaum Schlaf braucht, ist genauso vorhanden, wie der örtliche Polizeichef, der sich seiner Kompetenz beraubt sieht. Fremde Ermittler in „seiner“ Stadt? Das sieht er nun gar nicht gerne. Dass sich das mit weit reichenden Befugnissen ausgestatteten Sonderermittler im Netz der Bürokratie verfangen, ist leider inzwischen auch Bestandteil jedes Krimis oder Thrillers. Sind die Bürokraten in Deutschland wirklich im Vormarsch?

Gut gefallen haben mir die vielen Dialoge im örtlichen Dialekt. Das mag ich gerne!

Fazit:

Ein fesselnder Thriller, dem ich gerne 5 Sterne gebe.