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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.01.2019

Very british

Miss Daisy und der Mord unter dem Mistelzweig
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Auf dem Anwesen von Lord Westmoor versammelt sich, in Abwesenheit des eigentlichen Hausherren, dessen Familie zu beinahe gemütlichen Weihnachtsfeiern. Mit dabei Daisy Fletcher mit ihrem Mann Alex, Ermittler ...

Auf dem Anwesen von Lord Westmoor versammelt sich, in Abwesenheit des eigentlichen Hausherren, dessen Familie zu beinahe gemütlichen Weihnachtsfeiern. Mit dabei Daisy Fletcher mit ihrem Mann Alex, Ermittler beim Scotland Yard, deren Tochter Bettina und die ewig nörgelnde adelige Mutter Daisys, Lady Dalrymple. Die hat sich auch nach vielen Jahren nicht mit der unstandesgemäßen Gattenwahl ihrer Tochter abgefunden und äußerst dies auch bei jeder Gelegenheit. Allerdings sie verschweigt zu Beginn, dass Alex Polizist ist.

Ein weiterer Gast ist ein Geistlicher, der durch seine Engstirnigkeit auffällt und mit einem Messer im Rücken tot aufgefunden wird. Aufgrund des schlechten Wetters und des einsam gelegenen Anwesens, übernimmt Alex Fletcher die ersten Ermittlungen. Nun ist es Lady Dalrymple recht, einen Ermittler als Schwiegersohn zu haben.

Doch warum musste der Geistliche sterben? Cui bono? – fragt sich auch Alex, der letztendlich einen offiziellen Ermittlungsauftrag erhält. Alex erhält Unterstützung nicht nur von Daisy, sondern auch von Tochter Bettina und ihrem Spielkameraden Derek. Die beiden Kinder nutzen das geheimnisumwitterte Anwesen für ihre fantasievollen Detektivspiele und fördern ein paar wichtige Beweisstücke zu Tage.

Meine Meinung:

„Miss Daisy und der Mord unter dem Mistelzweig“ ist für mich der erste Krimi einer längeren Reihe von ruhigen Krimis im Stil von Agatha Christie. Carola Dunn entführt ihre Leser in das England von 1928. Standesdünkel und Etikette bestimmen das Leben der Upper Class, auch wenn sie kaum mehr das nötige Geld für ihre Aufwendungen auftreiben können.

Dieser „closed-room“-Krimi legt viel Wert auf feine Zwischentöne. So gibt es mehrere Personen, die einige Vorteile davon hätten, wenn der Vikar am Leben geblieben wäre. Anderen passt dessen Tod perfekt in den Kram. Alex muss sich durch die vielen großen und kleinen Geheimnisse dieser Familie durcharbeiten. Dabei ist ihm Daisy eine unschätzbare Hilfe, weil sie als adelige Tochter mit dessen Konventionen bestens vertraut ist.

Für mich, die sich in solchem Klüngel nicht so gut auskennt, hätten einige Szenen ruhig kürzer ausfallen können. Nervig sind die beiden Schwestern Norville, jede auf ihre Art.

Der Krimi lässt sich leicht und locker lesen. Die Hochnäsigkeit von Lady Dalrymple zaubert mehrmals ein Grinsen in mein Gesicht.
Die Auflösung ist schlüssig.

Fazit:

Ein netter, britischer Krimi für zwischendurch. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 15.01.2019

ein fesselnder Roman um Verrat, Intrige und Rache

Die Farben des Feuers
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Pierre Lemaitre entführt uns in das Frankreich der Zwischenkriegszeit. Die Armen sind nach wie vor arm und die Reichen werden immer reicher. Die Privatbank Péricourt gehört ebenfalls zu den Gewinnern. ...

Pierre Lemaitre entführt uns in das Frankreich der Zwischenkriegszeit. Die Armen sind nach wie vor arm und die Reichen werden immer reicher. Die Privatbank Péricourt gehört ebenfalls zu den Gewinnern. Doch mit dem Tod des Patriarchen 1927 wendet sich das Blatt, zumal sich, während der Trauerzug am Palais Péricourt vorbeizieht, die persönliche Tragödie seiner Tochter Madelaine ereignet: Ihr siebenjähriger Sohn Paul stürzt aus einem der oberen Stockwerke und bleibt schwer verletzt auf dem Sarg seines Großvaters liegen. Paul überlebt, ist aber querschnittgelähmt. Madeleine muss all ihre Kraft in die Betreuung ihres Kindes stecken und ahnt nicht, dass ihre Vertrauten sie schändlich hintergehen.

Letztendlich ist das Vermögen aufgrund einer gewagten Spekulation ihres Bankvorstandes genauso verloren wie das Palais und die Bank. Einzig die polnisch sprechende Pflegerin hält noch zu Madelaine und ihrem Sohn.

Als Madelaine hinter die Drahtzieher dieser Machenschaften kommt, begibt sie sich auf einen subtilen Rachefeldzug.

Meine Meinung:

„Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird.“

Mit dieser Redewendung kann Madelaines Wandlung von der behüteten Tochter zur starken, überlegten Frau bestens umschreiben. Es dauert eine Weile bis Madelaine ihre Widersacher und deren wunde Punkte ausfindig gemacht hat. Auch der Grund, warum Paul damals aus dem Fenster gestürzt ist, offenbart sich. Alles, was die ehemaligen Vertrauten, Familienmitglieder und Angestellten Madelaine und Paul angetan haben, kommt, um im Bankenjargon zu bleiben, mit Zins und Zinseszins zurück.

Lemaitres Schreibstil ist gewaltig, anspruchsvoll und fordert einige Konzentration, da immer wieder auch die Weltgeschichte eine feste Größe in diesem Roman ist. Die häufigen Perspektivenwechsel machen dieses Buch zu einer fesselnden Lektüre.
Die Charaktere sind ausgefeilt und neigen, wie Madelaine und Paul, zu überraschenden Entwicklungen, die man so nicht für möglich gehalten hat.

Fazit :

Ein großartiges Werk, dem ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung gebe.

Veröffentlicht am 11.01.2019

Eine Hommage an eine Stadt

Istanbul
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Die Historikerin und Autorin Bettany Hughes hat mit diesem fast 1.000 Seiten umfassenden Buch eine Hommage an eine Stadt geschaffen, die sich als Mittlerin zwischen Orient und Okzident versteht. Dazu passt ...

Die Historikerin und Autorin Bettany Hughes hat mit diesem fast 1.000 Seiten umfassenden Buch eine Hommage an eine Stadt geschaffen, die sich als Mittlerin zwischen Orient und Okzident versteht. Dazu passt das prächtige Cover, das einen großartigen Blickfang abgibt.

„Istanbul kennen heißt wissen, was es bedeutet Kosmopolit zu sein. Die Stadt erinnert uns daran, dass wir tatsächlich Weltbürger sind.“ (S. 752)

Byzantion, Byzanz, Konstantinopel oder Istanbul – die Stadt ist so vielfältig wie ihre Namen.

In acht großen Kapiteln stellt uns die Autorin die Metropole vor:

• Byzantion – Stadt des Byzas(bis ca. 311 n. Chr.)
• Konstantinopel – Stadt Gottes (bis ca. 475 n. Chr.)
• Das Neue Rom (bis ca. 565 n. Chr.)
• Das Sehnen der Welt (bis ca. 1050 n. Chr.)
• Stadt des Krieges (bis ca. 1320)
• Allahs Stadt (bis ca. 1575)
• Reichsstadt (bis ca. 1800)
• Stadt der Revolten – Stadt der Chancen (bis in die Gegenwart)

Die Autorin erzählt die Entwicklung der Stadt zum überwiegenden Teil chronologisch, doch gibt es, wenn nötig, Seitenblicke und Zeitsprünge.

Das umfangreiche Werk liest sich trotz der vielen Seiten angenehm, an manchen Stellen wie ein Roman. Viele Zitate, Anekdoten, Fotos und Landkarten bereichern dieses Buch.
Der rund 200 Seiten starke Anhang mit Quellen- und Literaturangaben, einem Orts- und Personenregister ist eine üppige Ergänzung für alle jene, die noch tiefer in die Materie eindringen wollen.


Für meinen Geschmack ist der Zeit vor 1050 ein kleinbisschen zu viel Raum gegeben. Das letzte Kapitel bis zur Gegenwart hätte für mich persönlich ein wenig detaillierter und länger ausfallen dürfen. Aber, das ist jammern auf höchstem Niveau. Bettany Hughes ist ja Historikerin und nicht Politikwissenschaftlerin.

Wie sagte schon Sultan Murad IV. im Jahr 1638:
„Oh mein Gott! Gewähre, dass diese Stadt bis ans Ende der Zeiten wächst und gedeiht!“

Dem ist wohl wenig hinzu zu fügen. Man kann nur hoffen, dass die aktuelle Politik diesem frommen Wunsch nicht entgegen wirkt.

Veröffentlicht am 06.01.2019

hat mich diesmal nicht vollends überzeugt

Der Kommissar und das Biest von Marcouf
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In seinem 9. Fall als externer Berater muss sich Commissaire Philippe Lagarde mit dem Mord an einem Liebespaar und der extrem dünnen Personaldecke der französischen Polizei herumschlagen.
Während der ...

In seinem 9. Fall als externer Berater muss sich Commissaire Philippe Lagarde mit dem Mord an einem Liebespaar und der extrem dünnen Personaldecke der französischen Polizei herumschlagen.
Während der Ermittlungen, ihm steht wieder eine junge, engagierte Gendarmin zur Seite, werden allerlei Spuren entdeckt, die alle samt in den diversen Sackgassen enden. Da wird, sogar von einem Verdächtigen, ein weiteres Liebespaar gefunden. Die Todesursache ist dieselbe wie beim ersten Fall. Treibt hier ein Serienmörder sein Unwesen?

Meine Meinung:

Im nunmehr neunten Fall scheint die Krimi-Reihe um Philippe Lagarde ein wenig abgenützt zu sein. Jedes Jahr einen Krimi zu schreiben, ist bestimmt anstrengend. Immer mehr Tote – das kann wohl nicht das Rezept für hohe Verkaufszahlen sein. Auch die Abwesenheit von qualifizierten Personal und die Anwesenheit von Annie, einer hübschen, ehrgeizigen und jungen Mitarbeiterin der örtlichen Gendarmerie, die den Profi Lagarde unterstützt, haben wir schon mehrmals gehabt.

Das Motiv des Täters erscheint ein wenig banal, aber das ist wohl ein wenig aus dem Leben gegriffen. Wie oft töten Menschen aus Langeweile, Eifersucht oder Geltungsdrang?

Die Kulisse des Krimis ist wieder die Normandie, genauer gesagt die einsame Vogelinsel Île de Terre. Das Lokalkolorit, inklusive kulinarischem Streifzuge durch die Speisekarten der örtlichen Gasthäuser kommt nicht zu kurz.

Fazit:

Es gibt eindeutige bessere Fälle für Philippe Lagarde, daher diesmal nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 05.01.2019

Ein vielschichtiger Krimi - fesselnd bis zur letzten Seite

Totwasser
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Die Anwältin Linn Geller ist als Pflichtverteidigerin von Grace Riccardi, einem Model, bestellt worden. Grace steht unter dem Verdacht, in England ihren Ehemann, einen beliebten Serien-Darsteller ermordet ...

Die Anwältin Linn Geller ist als Pflichtverteidigerin von Grace Riccardi, einem Model, bestellt worden. Grace steht unter dem Verdacht, in England ihren Ehemann, einen beliebten Serien-Darsteller ermordet zu haben. Obwohl alle Indizien für diese These sprechen und Grace auch ein Geständnis ablegen will, ist Linn von der Schuld ihrer Mandantin nicht restlos überzeugt.

Die Anwältin, die nach einem schweren Unfall noch nicht wieder völlig hergestellt ist und sich eine neue Existenz aufbauen muss, fliegt nach England, um nochmals mit den Zeugen zu sprechen. Hilfe erfährt sie vom örtlichen Ermittler Harris, der ihr nach anfänglichem Zögern, auch Unterlagen zur Verfügung stellt, die sie eigentlich gar nicht einsehen dürfte.

Meine Meinung:

„Totwasser“ ist ein Krimi, der an der Grenze zum Thriller balanciert. Schon der mehrfache Ortswechsel zwischen Stuttgart und Cornwall sowie der mehrmalige Perspektivenwechsel erhöhen die Spannung. Nahezu mühelos wechselt Linn Geller in die englische Sprache, was die Ermittlungen erheblich erleichtert. Während sie in Stuttgart sich immer wieder den Dämonen der Vergangenheit und dem drohenden Konkurs ihrer neu eröffneten Kanzlei ausgesetzt fühlt, kann sie in Cornwall ihre wahre Klasse ausspielen. Akribisch recherchiert sie, stößt auf einige Ungereimtheiten, die die Ermittler sowohl in Deutschland als auch in England nicht ganz so toll aussehen lassen.
Die Charaktere sind vielschichtig und haben allerlei Ecken und Kanten. Davon sind nicht nur die Anwältin, Oper und Täter sondern auch der Staatsanwalt und die Richterin betroffen. Theoretisch sollten die beiden ja unabhängig voneinander arbeiten. Doch in diesem Fall, greift eine ehemalige persönliche Beziehung in die Zusammenarbeit ein.

Ich gehe davon aus, dass der Unfall, der Linn Geller so schwer traumatisiert hat, in einem zweiten Band aufgearbeitet werden kann. Denn dieses Geheimnis muss doch auch noch gelüftet werden.

Fazit:

Ein fesselnder Krimi, den ich in einem Tag gelesen habe. Bitte mehr davon! Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.