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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.09.2018

Ein gelungenes Buch

In besserer Gesellschaft
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Laura Wiesböck wirft mit diesem Buch ein interessantes, aber beinahe vernachlässigtes Thema auf: Nämlich, dass die Menschen geneigt sind auf andere herabzusehen, wenn sie nicht demselben Anspruch genügen ...

Laura Wiesböck wirft mit diesem Buch ein interessantes, aber beinahe vernachlässigtes Thema auf: Nämlich, dass die Menschen geneigt sind auf andere herabzusehen, wenn sie nicht demselben Anspruch genügen wie man selbst.

So werden in der heutigen Gesellschaft introvertierte Menschen, obwohl sie Bedeutendes zu sagen hätten, weniger, aber dafür als verschroben wahrgenommen, während rhetorisch begabte Blender deutlich und positiv gesehen werden.

Interessant auch der Blick auf die Arbeitsumwelt: Einige wollen der Abhängigkeit eines Angestelltenverhältnisses entfliehen und machen sich selbständig. Sie sind zwar von einem Firmenchef unabhängig, arbeiten aber dafür deutlich länger (statt 40 Stunden eher 60 und mehr). Wenn der Sprung in die Selbstständigkeit geschafft ist, werden diese Firmengründer ebensolche „Ausbeuter“, wie jene vor denen sie Jahre zuvor geflüchtet sind.

Ebenso werden momentan Handwerker ein wenig von oben herab angesehen. Doch wehe, ein Installateur, Elektriker oder Tischler ist von Nöten, weil der akademische gebildete Hausbesitzer keine entsprechenden Kenntnisse und Geschicke hat.

Meine Meinung:

Das Buch macht deutlich, dass ein selbstreflektiertes Bild auf das eigene Verhalten durchaus angebracht ist. Denn, Hand aufs Herz, wer hat noch niemals ein wenig herablassend auf andere geblickt? Auf eine Kollegin, die nicht die neuesten Klamotten trägt oder die lieber den Urlaub im nahen Umland verbringt als nach Fernost zu jetten? Eben. Niemand ist davor gefeit, sich besser zu fühlen, weil das Haus größer oder das Auto neuer ist. Auch ich habe mich dabei ertappt, den einen oder anderen Gedanken in diese Richtung gefasst zu haben.

Das Buch ist leicht und flüssig zu lesen. Die Illustrationen ergänzen die manchmal auch pointierten Kapitel. Es ist eine gute Anleitung, sein eigenes Denken zu hinterfragen. Die angeführten Beispiele sind griffig und lassen sich gut nachvollziehen.

Diese Lektüre ist für Menschen, die auf sich selbst schauen, und ihre Gedanken hinterfragen. Es kann helfen, genauer hinzusehen oder hinzuhören und ein wenig bewusster durch das Leben zu gehen.

Fazit:

Ein gelungenes Buch, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 30.09.2018

Anton Geigensauer ermittelt wieder ..

Tod im Zickenwald
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Wer aufgrund des Titels schräge Blondinen vermutet ist hier falsch. „Zicken“ ist ein kleiner Weiler im Rehgrabental im südburgenländischen Bezirk Güssing.

Weil Peter Drabits noch Licht im Haus seiner ...

Wer aufgrund des Titels schräge Blondinen vermutet ist hier falsch. „Zicken“ ist ein kleiner Weiler im Rehgrabental im südburgenländischen Bezirk Güssing.

Weil Peter Drabits noch Licht im Haus seiner betagten Tante sieht, geht er nachsehen und verschwindet zunächst spurlos.
Wenig später wird die Leiche eines Mannes gefunden, die von Irmgard als Egon Drabits, Peters Bruder, identifiziert wird.

Anton Geigensauer, nunmehr stolzer Vater eines Sohnes, ermittelt statt in der Bundeshauptstadt Wien, im Südburgenland, seiner alten Heimat. Bestens vertraut mit der Mentalität den Einheimischen, findet er recht bald heraus, dass es neben Peter und Egon noch einen dritten Bruder namens Erich gegeben hat. Die drei Brüder haben eine Liegenschaft geerbt, auf die mehrere Leute scharf sind.
Neben dem rätselhaften Verschwinden von Peter Drabits kommt Geigensauer das plötzlich Auftauchen eines Russen doch ein wenig spanisch vor. Vor allem, als herauskommt, dass Peter seine beiden Brüder, von denen seit knapp zehn Jahren jede Spur fehlt, für tot erklären lassen will, um das Grundstück zu verkaufen.
Als dann plötzlich der argentinische Geschäftsmann Egon Larta erscheint und angibt als Egon Drabits geboren zu sein, ist klar, dass der Tote Erich sein muss. Da stellt sich nun die Frage, warum Irmgard einen falschen Namen angegeben hat. Ist sie auch scharf auf das Erbe oder gibt es einen anderen Grund?

Meine Meinung:

Wie wir es von Autor Thomas Himmelbauer gewöhnt sind, verbindet er die manchmal kauzigen Charaktere mit dem entsprechenden Lokalkolorit.

Die Lösung des Falles ist nicht ganz unerwartet, zählen doch persönliche Beziehungen oder Geld, zu den häufigsten Mordmotiven.

Fazit:

Mir hat der Krimi, der ziemlich unblutig daherkommt wieder recht gut gefallen.

Veröffentlicht am 30.09.2018

Frauen zu Beginn des 20.Jahrhunderts

Was wir zu hoffen wagten
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Es ist der Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Tage der großen Monarchien von Russland, Deutschland und Österreich-Ungarn sind gezählt. In dieser Zeit der Veränderung spielt das Drama der Geschwister Felice, ...

Es ist der Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Tage der großen Monarchien von Russland, Deutschland und Österreich-Ungarn sind gezählt. In dieser Zeit der Veränderung spielt das Drama der Geschwister Felice, Ille und Willi zur Nieden. Die Träume der Drei könnten unterschiedlicher nicht sein: Felice will Juristin werden, darf aber der Gesetze wegen nur den ersten Abschnitt des Jura-Studiums beenden. Willi interessiert sich nur für das Kino, soll aber die väterliche Bank übernehmen. Nur Ille entspricht den Erwartungen, träumt sie doch von einer glanzvollen Hochzeit und einer glücklichen Familie.

Als sich Felice weigert, den reichen Metzgereibesitzer zu heiraten, der die väterliche Bank vor der Pleite retten soll, springt die naive Ille brav ein.
Felice verlässt das Elternhaus und Willi mogelt sich durchs Leben. Er mimt den Banker, treibt sich aber in den Filmstudios im Babelsberg herum.

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht, sind die Träume der Geschwister zum größten geplatzt. Not, Verzweiflung und Tod greifen in die Leben ein und verändern die Welt der Drei abermals nachhaltig.

Meine Meinung:

Die Leben der drei Geschwister sind unterschiedlich intensiv geschildert. Felice wirkt auf mich stellenweise egoistisch. Willi wächst letzten Endes an den Folgen des Ersten Weltkrieges. Über Ille habe ich mich stellenweise geärgert, weil sie so duckmäuserisch ist und allen gefallen will. Die Rechnung bekommt sie letztlich präsentiert.

Die Erlebnisse an der Front sind sehr genau und authentisch geschildert. Da werden einige Leserinnen zu kiefeln haben, weil sie so nahe an der Realität sind.
Gut sind sowohl der aufkeimende Antisemitismus also auch die Lebensumstände der inzwischen nicht mehr wohlhabenden Adelsfamilie beschrieben. Dass das einfache Volk hier ein wenig ausgespart bleibt, ist für mich ok. Darüber gibt es andere Romane.

Über die Umstände, wie Ille gemeinsam mit dem schwer versehrten Gabriel ihren Mann umgebracht hat, hätte ich doch gerne mehr gelesen. Nd überhaupt, der Prozess, in dem Felice unerlaubterweise plädiert, ist für mein Dafürhalten zu kurz gekommen. Es scheint, als ob eine Seitenbegrenzung oder ein Abgabetermin, die Autorin zu einem schnellen Ende kommen hat lassen. Schade!
Denn eigentlich ist Felices Traum, Juristin zu sein, in Erfüllung gegangen, wenn auch auf andere Weise als gedacht.

Fazit:

Ein gut recherchierter historischer Roman, der noch ein wenig Luft nach oben hat, daher gibt es von mir 3 Sterne.

Veröffentlicht am 30.09.2018

Eine ewig Unangepasste

Mit Vivienne Westwood an der Nähmaschine
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Die Kurzbiografie gehört zu der Reihe „Die Bibliothek der Wagemutigen“ aus der Feder von Gernot Uhl.

Der Autor setzt hier einer schillernden Persönlichkeit der Modewelt ein Denkmal: Vivienne Westwood.

Die ...

Die Kurzbiografie gehört zu der Reihe „Die Bibliothek der Wagemutigen“ aus der Feder von Gernot Uhl.

Der Autor setzt hier einer schillernden Persönlichkeit der Modewelt ein Denkmal: Vivienne Westwood.

Die 1941 geborene Engländerin gilt ja als Enfant Terrible der Modewelt. Genauso wie sie dem bürgerlichen Leben widersetzt, so stellt sie die Haute Couture in Frage. Sie polarisiert noch heute.
Mehrmals steht sie vor der Pleite, weil profane Buchhaltung nicht das Ihre ist. Sie ist der kreative Kopf. Alles andere ist lästig. Interessant ist, dass sie trotz aller Tiefschläge den Mut hat, weiterzumachen. Manchmal kommt ihr der Zufall zu Hilfe. Erst in späteren Jahren ist sie anerkannt.

Ich finde sie einfach schräg. Konvention? Das ist ein Fremdwort für sie.

Veröffentlicht am 30.09.2018

Wien abseits des imperialistischen Gepräges

111 Orte in Wien, die man gesehen haben muss
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Wieder ein Reiseführer aus dem Emons-Verlag, der sich abseits der üblichen touristischen Trampelpfade bewegt. Wer schon mehrmals in Wien war oder hier in der Bundeshauptstadt lebt, wird einige unbekannte ...

Wieder ein Reiseführer aus dem Emons-Verlag, der sich abseits der üblichen touristischen Trampelpfade bewegt. Wer schon mehrmals in Wien war oder hier in der Bundeshauptstadt lebt, wird einige unbekannte Ecken der Stadt entdecken können.

Wir streifen durch die Stadt und lassen das imperiale Gepräge eher links liegen und können einen Blick auf Märkte, Kaffeehäuser und Vergnügungsstätten werfen. Die ein oder andere, wie zum Beispiel das Hohe-Warte-Stadion liegen haben ihre beste Zeit längst hinter sich und liegen in Agonie. Für mich ist gerade dieser Fußballplatz eine Kindheitserinnerung.

Anders als in den Hochglanzreiseführern zeigt der Autor auch den einen oder anderen hässlichen Ort Wiens. Der internationale Busbahnhof in Erdberg, von dem es vor allem gegen Osten und Südosten geht, ist so wirklich das Schäbigste, was die Millionenstadt zu bieten hat. Doch derzeit laufen (wieder einmal) Gespräche, einen neuen Busbahnhof an attraktiver Stelle zu errichten.

Mir persönlich sind in diesem Reiseführer zu viele Kaffeehäuser enthalten. Aber, vielleicht bin ich auch nur neidisch, weil ich zu wenig Zeit habe, sie zu besuchen.