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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.08.2018

Wieder ein fesselnder Krimi

Tod in der Kaisergruft
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Sarah ist Journalistin beim „Wiener Boten“ und hat schon durch ihre rasche und unkonventionelle Auffassungsgabe bei der Aufklärung von sieben Verbrechen mitgeholfen. Immer wieder wird sie von Chefinspektor ...

Sarah ist Journalistin beim „Wiener Boten“ und hat schon durch ihre rasche und unkonventionelle Auffassungsgabe bei der Aufklärung von sieben Verbrechen mitgeholfen. Immer wieder wird sie von Chefinspektor Stein gefragt, ob sie nicht zur Polizei wechseln will.

In diesem nun achten Krimi handelt es um einen Geiselnehmer, der ausgerechnet in der Kapuzinergruft mehrere Menschen als gefangen hält. Sarah ist mir ihrem Fotografen genauso wie Dutzende andere Reporter am Schauplatz. Doch während die Konkurrenz reißerische Un- und Halbwahrheiten verbreiten, versucht Sarah die Hintergründe dieses Dramas herauszufinden.

Sie recherchiert, interviewt und nutzt so manchen nicht ganz legalen Kontakt. Im Zuge dieser Recherchen lernen wir gemeinsam mit Sarah zwei höchst unterschiedliche Frauen kennen: Isabella Schönegg-Bach, Schwester der Ermordeten und Chefin eines traditionellen Modeunternehmens und Maria Baldauf, Mutter des Geiselnehmers und mutmaßlichen Mörders.

Während Isabella Schönegg-Bach, der Bindestrich steht für das seit 1919 verbotene adelige „von“, ein strenges und äußerst konservatives Regiment im Familienbusiness führt und ihre Kinder am Gängelband führt, ist Maria Baldauf als Mutter das andere Extrem. Sie lässt ihrem „Buben“ alles, aber auch wirklich alles durchgehen, setzt ihm keine Grenzen und so ist sie völlig von den Socken, als ihr Bubi einer solchen Tat bezichtigt wird. Das kann doch nur ein Irrtum sein! Er war ja während der Tatzeit bei der Firma von Otto, Marias Freund, wegen eines Jobs vorstellen, oder?

Meine Meinung:

Beate Maxian ist wieder ein komplexer Krimi gelungen, in dem nicht nur die Tat oder der Täter im Fokus stehen, sondern auch die subtil ausgetragenen Machtspiele in den betroffenen Familien.

Anders als bei den anderen Krimis, weiß der Leser gleich zu Beginn, wer der Täter ist. Trotzdem ist es sehr spannend sowohl Sarah als auch den polizeilichen Ermittlern über die Schulter zu schauen.

Diesmal ist wieder mehr zum Thema „Aberglaube, Symbolik und Glücksbringer“ zu lesen. Denn diesmal hat der Täter Totenköpfe (aus Kunststoff) in die Kaisergruft mitgebracht.

Fazit:

Wieder ein fesselnder Krimi aus der Feder von Beate Maxian, der besonders durch seinen interessanten Blick auf Wiens Gassen und Plätze auffällt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 02.08.2018

Der 5. Fall für Luca Brassoni

Venezianische Intrigen (Ein Luca-Brassoni-Krimi 5)
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In seinem fünften Fall bekommen es Commissario Luca Brassoni gleich mit mehreren Verbrechen zu tun, deren Spuren zu einer sozialen Einrichtung führen: Da ist zum einem der Tod der Mitarbeiterin dieser ...

In seinem fünften Fall bekommen es Commissario Luca Brassoni gleich mit mehreren Verbrechen zu tun, deren Spuren zu einer sozialen Einrichtung führen: Da ist zum einem der Tod der Mitarbeiterin dieser Einrichtung, Loredana, die an einem anaphylaktischen Schock stirbt, weil sie auf Erdnüsse allergisch ist. Noch während die Ermittler sich mit Massimo Giovanelli, dem übergriffigen und eifersüchtigen Freund Loredanas beschäftigen, wird ihr Chef erstochen und gleichzeitig rastet ein Mann, dem Loredana wegen wiederholter häuslicher Gewalt, den kleinen Sohn abnehmen hat lassen, aus. Doch welche Rolle spielt Miriam, die Kollegin Loredanas? Ist sie die Drahtzieherin oder das nächste Opfer?

Meine Meinung:

Ich habe recht den Täter sehr schnell im Visier gehabt, denn die Hinweise haben eindeutig in diese Richtung gezeigt.

Daniela Gesing lässt ihren charmanten Commissario wieder ermitteln. Inzwischen ist er Vater des kleinen Luis geworden. (Warum eigentlich die französische Variante des Vornamens und nicht Luigi, die italienische?) Seiner Frau, der Gerichtsmedizinerin fällt im Mutterschaftsurlaub ein wenig die Decke auf den Kopf, und so hilft stundenweise in der Pathologie aus. Eine Entwicklung, die mir gut gefällt. Arbeitsteilung heißt das Motto!

Schade finde ich, dass Caruso diesmal nur einen kleinen Auftritt bekommen hat. Seinem Lebensgefährten Francesco sollte er demnächst den Laufpass geben. Der ist irgendwie mühsam.

Ein bisschen dick aufgetragen finde ich allerdings, dass Brassoni und sein Team gleich mehrere Verbrechen in einem Aufwischen aufklären. Die finanziellen Ungereimtheiten in der sozialen Einrichtung in die der Chef verwickelt war, den Diamantenschmuggel sowie die Fälle von häuslicher Gewalt in mindestens zwei Familien.

Fazit:

Wieder ein netter Sommerkrimi, der zu den aktuellen Temperaturen bestens passt. Gerne gebe ich 4 Sterne.

Veröffentlicht am 01.08.2018

Jede geweinte Kinderträne ist eine zuviel.

Die letzten Zeugen
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Die in der Ukraine geborene und lange in Weißrussland lebende Autorin hat in den Jahren 1978-2004 Interviews mit Menschen geführt, die beim Einmarsch der deutschen Wehrmacht ab 1941 kleine Kinder waren.

So ...

Die in der Ukraine geborene und lange in Weißrussland lebende Autorin hat in den Jahren 1978-2004 Interviews mit Menschen geführt, die beim Einmarsch der deutschen Wehrmacht ab 1941 kleine Kinder waren.

So unterschiedlich wie die Kinder damals waren, so unterschiedlich sind ihre Erinnerungen an den Krieg. Allen ist jedoch gemeinsam, dass mit dem Erleben des Grauens ihre Kindheit ein jähes Ende genommen hat.

Swetlana Alexijewitsch hat diesen nunmehr erwachsenen Kindern zugehört und hat ihnen eine Stimme gegeben. Sehr einfühlsam und wie eine Chronistin hat sie die schrecklichen Erinnerungen puristisch niedergeschrieben, um sie für die Nachwelt zu erhalten.

Manche können sich nur mehr vage an einen Geruch oder eine Farbe erinnern. Manchen haben sich die grauenvollen Erlebnisse tief in ihre Seele gebrannt.

Die Autorin hat die, oft kindlich anmutenden Aussagen genau zitiert. Damit kann der Leser einen kleinen Einblick in die zerstörten Kinderseelen nehmen, denn kaum ein Kind ist unbeschadet davongekommen.

Viele der Interviewten mussten miterleben, wie Väter und Mütter direkt vor ihren Augen ermordet wurden, wie Väter sich verabschiedeten um niemals wiederzukehren. Der eine oder andere spricht von Aufnahme in Partisanengruppen oder vom Verstecken eines jüdischen Kindes.

Schreibstil:

Swetlana Alexiejewitschs Sprache und Stil sind einfühlsam und präzise. Dieses Buch ist eine gelungene, vielschichtige Komposition von vielen Zeitzeugengesprächen. Jeder Zeitzeuge wird mit Namen, dem damaligen Alter und dem aktuellen Beruf vorgestellt. Sie erhalten eine der Erinnerung angemessene Überschrift.

Wir lesen sehr häufig von Überlebenden des Holocaust als „Zeitzeugen“. Doch diese russischen Kinder sind ebenfalls Zeitzeugen. Zeugen des Größenwahns eines Diktators.

Fazit:

Dieses Buch zu lesen, bedeutet schwere Kost. Dennoch sehr empfehlenswert.

Veröffentlicht am 25.07.2018

Fesselnd bis zur letzten Seite

Tiefer denn die Hölle (Ein Martin-Bauer-Krimi 2)
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Der evangelische Polizeiseelsorger Martin Bauer steht wieder einmal vor großen Herausforderungen. Da ist einmal die bevorstehende Geburt seines zweiten Kindes und das wackelige Gefüge seiner Ehe. Andererseits ...

Der evangelische Polizeiseelsorger Martin Bauer steht wieder einmal vor großen Herausforderungen. Da ist einmal die bevorstehende Geburt seines zweiten Kindes und das wackelige Gefüge seiner Ehe. Andererseits der aktuelle Fall: Sein katholischer Kollege Rüdiger Vaals liegt mit einem schweren Herzinfarkt in der Klinik.
Was ist passiert?

Bei einem Kontrollgang in einem aufgelassenen Flöz tief unter der Oberfläche findet ein Bergmann eine nackte und mit Honig übergossene Leiche. Der hinzugezogene Polizist, ein gläubiger Katholik erleidet eine Panikattacke und weigert sich den Förderkorb zu betreten. Vaals ist in die Tiefe um den Polizisten zu beruhigen und hat beim Anblick der Leiche einen Herzstillstand. Kennt er den Toten?

Erst Bauer, der für diesen Einsatz wieder einmal seine Frau versetzt, gelingt es die Eingeschlossenen ans Tageslicht zu befördern. Auf dem Weg ins Krankenhaus flüstert Vaal ein paar kryptische Worte, die Bauer zum unbefugten Ermitteln anstiften …

Meine Meinung:

Nach „Glaube, Liebe, Tod“ ein weiterer fesselnder Krimi rund um Martin Bauer und die KHK Dohr. Dohr hat nach wie vor einen schweren Stand bei Kollegen Guido Karman, der nur allzu gerne ihre Stelle haben möchte, und Direktor Lutz, der Frauen im Polizeidienst im Allgemeinen und die kompromisslose Dohr im Speziellen, nicht leiden kann.

Die Charaktere haben ihre Ecken und Kanten. Sie wirken aus dem Leben gegriffen. Intrigante Kollegen und ignorante Chefs – wer kennt das nicht?

Gut gefällt mir, wie die Geschichte des Bergbaus im Ruhrgebiet eingeflochten wird. Der Leser erhält einen Eindruck der Stimmung als eine Zeche nach der anderen geschlossen wird.

Die privaten Schwierigkeiten von Martin Bauer sind glaubhaft dargestellt. Bauer ist mit Leib und Seele Seelsorger und „vergisst“ daher häufig auf die eigene Familie. Schön, dass Teenagertochter Nina nun ihren eigenen Weg geht. Ob er dadurch eine Sorge weniger hat?

Das Autorenduo versteht es gut, die Spannung hochzuhalten. Auch wenn sich der eine oder andere stellenweise heldenhaft verhält, so sind die Protagonisten Menschen mit ihren Stärken und Schwächen, mit ihren Wünschen, Träumen und dem Leben, das nicht immer fair ist.

Fazit:

Ein fesselnder Krimi bei dem nicht alles so ist, wie es scheint. Gerne gebe ich 5 Sterne.

Veröffentlicht am 24.07.2018

Hat mich zwiegespalten zurückgelassen

Franziska zu Reventlow
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Kerstin Decker, selbst Philosophin, hat mit ihrer Biografie über Franziska zu Reventlow das Bild einer Unangepassten geschaffen.

Wer ist sie nun diese Frau, die mit vollem Namen Fanny Liane Wilhelmine ...

Kerstin Decker, selbst Philosophin, hat mit ihrer Biografie über Franziska zu Reventlow das Bild einer Unangepassten geschaffen.

Wer ist sie nun diese Frau, die mit vollem Namen Fanny Liane Wilhelmine Sophie Auguste Adrienne Gräfin zu Reventlow hieß?

Geboren 1871 als fünftes von sechs Kindern in ein, nicht allzu vermögendes adelige Haus, entspricht sie von klein auf nicht den Gepflogenheiten und Erfordernissen der Zeit. Von den Eltern geringgeschätzt ja beinahe missachtet, versucht sie alles um Aufmerksamkeit zu erregen, erreicht leider das Gegenteil. Nach dem Hinauswurf aus dem strengen Mädcheninternat muss sie sich – unter Androhung der Einweisung in eine Irrenanstalt und Entmündigung – in einem Pfarrhaushalt verdingen. Die Flucht von dort, mittellos und ohne Ziel, ist der Beginn eines unsteten Lebens.

Ihr Aufbegehren gegen die Konventionen und ihr (angeblich) selbstbestimmtes Leben haben sie zu einer Ikone der Frauenbewegung werden lassen. Doch bei genauerer Betrachtung lebt sie von der Hand in den Mund, ist von diversen reichen oder ebenso armen Männern abhängig, die sie allerdings selbst wählt. Doch wenn das alles an Selbstbestimmung ist, hat sich das Aufbegehren gelohnt? Sie erfüllt sich den Wunsch, Romane zu schreiben. Doch um die verfassen zu können, muss sie sich in die profanen Niederungen des Geldverdienens begeben. Sie übersetzt französische Autoren ins Deutsche.

Zu Beginn hat mir ihre unkonventionelle Art zu leben noch halbwegs gefallen. Doch als sie, nach der Geburt ihres Sohnes Rolf, das unstete Leben weiterführt, weil sie sich nicht einengen lassen will, hat sie einige Sympathiepunkte bei mit verspielt. Ihr Standpunkt „Ein Kind zu haben ist vorsätzliche Freiheitsberaubung." (S. 139), zeigt deutlich, dass sie nicht gewillt ist, ihren Lebenswandel zugunsten des Kindes zu ändern. Trotzdem meint sie philosophisch "Mutter zu sein heißt, einem anderen Leben mehr verpflichtet zu sein als dem eigenen."

Und überhaupt die Philosophie: Sie nimmt in diesem Buch einen großen Raum ein. So wird häufig aus Fannys Briefen, Schriften und Tagebüchern sowie auch aus anderen philosophischen Traktaten zitiert, so dass diese Biografie ein wenig detailverliebt in andere Sphären abgleitet. Sprachlich schön ausformuliert, doch ein wenig zu weitschweifig was die Gedankengänge von Zeitgenossen Franziskas angeht.

Ich bin über Franziskas Charakter ziemlich zwiegespalten. Einerseits will sie unabhängig von gesellschaftlichen Konventionen leben, andererseits lässt sie sofort, wenn es ihr opportun erscheint, die Gräfin heraushängen. Sie ist hier leider inkonsequent.

1918 stirbt sie nach einem Fahrradunfall mit knapp 47 Jahren. Was bleibt sind mehrere Romane, zahlreiche Übersetzungen und ein Sohn, dem sie während des Ersten Weltkrieges zur Desertion verholfen hat.

Ein paar weiterführende Informationen zu Rolf, der ja einen großen Anteil an Franziskas Leben hatte, sowie einige Fotos wären wünschenswert gewesen. Dann wäre die Biografie in meinen Augen etwas „runder“ gewesen.

Fazit:

Mich hat diese ungewöhnliche Biografie einer Unangepassten ziemlich zwiegespalten zurückgelassen. Die weitschweifigen philosophischen Ergüsse haben mir ein wenig den Blick für’s Wesentliche verstellt, daher leider nur 3 Sterne.