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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.08.2018

Das imperiale Wien und seine Schattenseiten

Halbseidenes kaiserliches Wien
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Der dritte Band aus der Serie "Halbseidenes Wien" beschäftigt sich mit dem Fin de Siècle und dem bevorstehenden Untergang der Donaumonarchie.
In zwölf echten bzw. fiktiven Kriminalfällen gelingt es Autor ...

Der dritte Band aus der Serie "Halbseidenes Wien" beschäftigt sich mit dem Fin de Siècle und dem bevorstehenden Untergang der Donaumonarchie.
In zwölf echten bzw. fiktiven Kriminalfällen gelingt es Autor Günther Zäuner die Stimmung der Bevölkerung gut einzufangen. Die bittere Armut der sogenannten "Ziegelbem" (=Arbeiter in den Ziegelwerken) und als Gegensatz dazu die Eskapaden eines Erzherzog Ottos, der nur mit einem Säbel bekleidet im Hotel Sacher randaliert.
Dieser Band gefällt mir außerordentlich gut. Jeder Kriminalfall beginnt mit einer Jahresübersicht von historisch Bedeutsamen. Sei es, dass eine hist. Persönlichkeit geboren oder verstorben ist. Toller Einfall! So lassen sich die Krimi bestens in die Zeit eintakten.
Sprachlich wie immer gut gelungen, besticht dieser Band durch eine Fülle historischer Details, die geschickt in die einzelnen Fälle eingewoben sind, ohne belehrend zu wirken.

Veröffentlicht am 13.08.2018

Eine ausführliche Biografie einer streitbaren Frau

Herrscherin im Paradies der Teufel
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Ursprünglich sollte Maria Carolinas ältere Schwester Maria Josepha (1751-1767) den neapolitanischen Kronprinzen heiraten. Doch leider starb sie kurz vor der Hochzeit.
Also bestimmte Maria Theresia dann ...

Ursprünglich sollte Maria Carolinas ältere Schwester Maria Josepha (1751-1767) den neapolitanischen Kronprinzen heiraten. Doch leider starb sie kurz vor der Hochzeit.
Also bestimmte Maria Theresia dann die nächstälteste Tochter Maria Carolina (1752–1814) Königin von Neapel zu werden. »Sie sind Opfer der Politik«, sagte Maria Theresia über ihre Töchter. Wie auch bei Marie Antoinette sollte sich dieser Seufzer der Mutter bewahrheiten.

Maria Theresia rät allen ihren Töchtern sich von der Politik fern zu halten, obwohl sie das beste Beispiel einer Herrscherin abgibt. Nicht alle beherzigen diesen Rat. An der Seite des ungehobelten, kindischen und ausschließlich an der Jagd interessierten Thronfolgers, muss sie in einem rückständigen kleinen Königreich leben. Die Ratschläge der Mutter werden in den Wind geschlagen und Maria Carolina mischt nach der Entlassung des greisen Ministerns Tanucci 1776 selbst in der Politik mit. Dabei mag ihr die eigene Mutter als Vorbild erschienen sein. Leider umgibt sich Neapels Königin mit falschen Beraten, und wird für ihre Bemühungen, dem Land Fortschritt und Wohlstand, zu bringen, wie es die Verwandtschaft in der Toskana zuwege gebracht hat, gedemütigt und als herrschsüchtig abgekanzelt.
Ihr infantiler Gemahl spielt hier natürlich auch eine intrigante Rolle.
Maria Carolinas Bestreben eine fortschrittliche Monarchin zu sein, ändert sich mit der Französischen Revolution und der Ermordung ihrer jüngeren Schwester Marie Antoinette um 180 Grad. Aus der glühenden Bewunderin der Freimaurer wird eine fanatische Reaktionärin, die alle Reformen rückgängig macht. Zweimal wird sie aus Neapel vertrieben und muss mit ihrer Familie nach Sizilien fliehen, während Napoleon seiner Schwester Caroline und deren Ehemann Joachim Murat als Herrscher von Neapel einsetzt.
Hilfe findet sie zeitweilig bei den Engländern, die Neapel und dann später Sizilien als Operationsbasis für ihre Flotte im Mittelmeer brauchen. Doch ihre Sprunghaftigkeit, die durch übermäßigen Opiumkonsum bedingt ist, vergrätzt auch diesen Bündnispartner. Von ihrem Vetter und Schwiegersohn, dem Kaiser Franz I. in Wien kann sie auch keine Hilfe erwarten. Der hat andere Sorgen, kämpft er doch mit seinen Truppen in jeweils wechselnden Koalitionen gegen Napoleon Bonaparte. Nach dem verlorenen 5. Koalitionskrieg muss er seine Tochter Marie Louise mit Napoleon verheiraten. Das Blöde ist nur: Die Braut ist nicht nur Franzens Tochter, sondern gleichzeitig die Enkelin von Maria Carolina, deren Tochter wiederum die 2. Frau von Franz ist. Die Königin von Neapel ist, wie sie selbst so treffend sagt „des Teufels (=Napoleons) Großmutter“.
1813 erzwingen die Briten die Abreise der Königin nach Wien, wo sie nicht wirklich willkommen ist. Sie versucht weiter mit völlig untauglichen Mitteln ihr Königreich zu retten. Das endgültige Ende ihres Erzfeindes Napoleons wird sie nicht mehr erleben.

Meine Meinung:

Friederike Hausmann präsentiert eine sehr schwungvolle und farbige Biografie einer intelligenten und selbstbewussten Frau. Mit einem Mann, wie ihrem Vater Franz Stephan, an ihrer Seite hätte sie das rückständige Königreiche Neapel bzw. Sizilien aus ihrem Dämmerschlaf holen können. Mit dem infantilen und an Regierungsgeschäften desinteressierten Ehemann ist leider kein Staat zu machen – im wahrsten Sinne des Wortes. Mit ein wenig mehr Fingerspitzengefühl und Einbindung der alteingesessenen Familien, wäre es vielleicht gelungen, dem Königreich trotz der widrigen Umstände ein wenige Wohlstand zu bringen. Dazu hat es Maria Carolina eindeutig an politischem Einfühlungsvermögen gefehlt.

Ihre Feinde (vor allem jene im eigenen Land) stellen sie als Inbegriff einer anmaßenden und herrschsüchtigen Frau, die nur Unheil anrichtet und ihr Land ins Unglück stürzt. Dabei ist das kleine Königreich Neapel nie mehr als ein Spielball der europäischen Mächte. Eine eigenständige Außenpolitik konnte das Königreich nicht betreiben.

Die Biografie ist bestens recherchiert. Die Rollen und Charaktere anderer historischer Persönlichkeiten wie Horatio Nelson, Lord und Lady Hamilton oder des Nachfolgerkönigspaares Murat sind vortrefflich gelungen.

Diese Biografie gibt einen guten Einblick in die Heiratspolitik der Habsburger, in das Leben einer jungen Erzherzogin, die mit einem völlig ungeeigneten Mann verheiratet wurde. Einer jungen Frau, die voller Tatendrang das alte, verkrustete Feudalsystem ihrer neuen Heimat aufbrechen wollte und letzten von allen gemieden, einsam und opiumsüchtig in Wien verstorben ist.

Fazit:

Mir hat diese Biografie über Königin Maria Karolina von Neapel sehr gut gefallen. Die Autorin hat vielfältige Literatur und Quellen verarbeitet. Gerne gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 13.08.2018

Hat mich leider nicht überzeugt

Die Kunst, einfache Lösungen zu finden
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Der Autor verspricht einfache Lösungen für schwierige Probleme anzubieten. Zu diesem Thema gibt es Ratgeber wie Sand am Meer.

Die Idee, etwas Unerwartetes zu tun, klingt einmal vielversprechend. Frei ...

Der Autor verspricht einfache Lösungen für schwierige Probleme anzubieten. Zu diesem Thema gibt es Ratgeber wie Sand am Meer.

Die Idee, etwas Unerwartetes zu tun, klingt einmal vielversprechend. Frei nach dem Motto „Wenn du sie nicht überzeugen kannst, verwirr‘ sie!“

Dieser Ratgeber ist in drei Teile gegliedert:

• „Über einfache Lösungen im Allgemeinen“
• „Über einfache Lösungen im Einzelnen“
• „Über die gute Seite von Problemen“

Mich haben die Ideen eines nicht psychologisch geschulten Autors interessiert, kann doch diese Sicht einen ungewöhnlichen, neuen Blickwinkel geben. Das ist allerdings auch gleichzeitig die große Schwäche des Buches und der Ratschläge. Ohne therapeutischen Ansatz Lösungen oder Ratschläge anzubieten, kann sprichwörtlich ins Auge gehen.

Dass Probleme nicht ausschließlich negativ gesehen werden sollen, ist ein vernünftiger Ansatz.

Das Beispiel mit Mutter und Kind, lässt mir die Haare zu Berge stehen: Die genervte Mutter soll ihren kleinen (oder größerem) Trotzkopf mit einer Wasserpistole anspritzen? Wie bitte? Ich dachte immer, Gewalt und Waffen haben in der heutigen Erziehung nichts mehr verloren. Und wer wischt dann die Sauerei weg? Eh klar, die genervte Mutter. Also diesen Rat kann ich nicht gutheißen. Was lernt das Kind? Mit der Waffe in der Hand erreiche ich (m)ein Ziel. Nein, das geht für mich gar nicht!

Hier hätte ich mir doch ein wenig Hausverstand gewünscht.

Bei einem Meeting Plätze zu tauschen, ist nicht wirklich etwas Neues. Die Bettseite zu wechseln, kann funktionieren oder auch nicht.
Wir sind alle in ein System eingebettet. Wenn man an einer Schraube dreht, ändern sich notgedrungen die anderen Teile oder es zerbricht (was aber auch eine Änderung ist). Niemand ist alleine auf der Welt, daher gibt es auf eine Aktion immer eine Reaktion.

Sprachlich hat das Buch humorvoll begonnen, im weiteren Verlauf finde ich es nicht mehr ganz so spritzig, weil sich
einige Ratschläge wiederholen.

Die Brille auf dem Cover hat leider mit dem Inhalt so rein gar nichts zu tun. Die hätte man getrost weglassen können. Sollte die auf etwas Unerwartetes hinweisen? Wenn ich meine abnehme, tappe ich wie ein Maulwurf herum. Also, für mich keine Option.

Fazit:

Hier habe ich eindeutig mehr erwartet, daher leider nur 2 Sterne.

Veröffentlicht am 12.08.2018

Ein hist. Krimi mit Sprengkraft

Mord im Balkanexpress
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Wir schreiben das Jahr 1895. In der Donaumonarchie rüsten verschiedene Gruppen und Grüppchen von Nationalisten, die Grundfeste des Kaiserreiches zu destabilisieren.

Aktuell erschüttert ein Bombenattentat ...

Wir schreiben das Jahr 1895. In der Donaumonarchie rüsten verschiedene Gruppen und Grüppchen von Nationalisten, die Grundfeste des Kaiserreiches zu destabilisieren.

Aktuell erschüttert ein Bombenattentat im Wiener Burgtheater das Reich. Ein als Kellner verkleideter Terrorist legt eine Bombe, die Kaiser Franz Josef töten soll. Nur aufgrund einer zufälligen(?) Verspätung ist der Monarch dem Tod entronnen.
Natürlich ruft das Attentat sofort die Mitarbeiter diverser Geheimdienste auf den Plan. Unter ihnen Albrecht, ein Cousin des deutschen Kaisers und Geliebter der Burgtheaterdiva Christine Mayberger, die dem Anschlag unverletzt entkommen ist. Christine ist eine scharfe Beobachterin und kann mit einigen sachdienlichen Hinweisen Albrecht davon überzeugen, dass die Urheber dieses Verbrechens Richtung Balkan unterwegs sind. Und so macht man sich auf, den flüchtigen, mutmaßlichen Bombenlegern nach Belgrad zu folgen.
Im Balkan-Express treffen dann Albrecht und Christine dann auf den Impresario Yuri Tarasow mit seinem Mitarbeiter Fritz Matern sowie auf Oberst Lazar vom serbischen Geheimdienst, der sein eigenes Süppchen kocht.
Werden die beiden ein weiteres Attentat auf den Kaiser verhindern können?

Meine Meinung:

Dem Autoren-Duo Wittekindt & Wittkamp ist ein fesselnder Kriminalroman in der Zeit des Fin de Siècle gelungen. Wir tauchen ein in die Zeit der langsam, aber sicher untergehenden Donaumonarchie. Deutlich sind die Spannungen zwischen den Nationalitäten spürbar. Auf der einen Seite, die schwierigen Lebensbedingungen für die meisten Menschen auf der anderen Seite werden Unsummen für Theateraufführungen oder pompöse Feste ausgegeben. Auf dem Balkan versucht Österreich-Ungarn seinen Einfluss weiter geltend zu machen.

Sprachlich finde ich diesen Krimi wunderbar in die Zeit passend erzählt. Für manche Leser scheint die etwas versnobte Sprechweise der Adeligen und Militärs gestelzt anmuten, doch diese Sprachmelodie ist ausgezeichnet recherchiert. Da werden Worte wie „blümerant“ (= ein flaues Gefühl haben, eigenartig) oder „Plumeau (=Federbett, Bettdecke) von den Mitwirkenden verwendet.

Elegant sind einige historische Persönlichkeiten eingeflochten. Die Aktionen der unterschiedlichen Geheimdienste können sich so oder so ähnlichen abgespielt haben. Denn keiner traut dem anderen. Und, dass Bordelle Umschlagplatz geheimdienstlicher Informationen sind, ist auch hinlänglich bekannt. Genauso wie die Rekrutierung von Spitzeln oder Geheimnisträger, die man zuvor beim Kartenspiel ausgenommen oder beim unerlaubten Liebesspiel beobachtet hat und danach erpresst.

Mit den Protagonisten begeben wir uns auf einen Spaziergang durch die Hauptstadt des Kaiserreichs. Wir trinken Kaffee im Café Landtmann, jenem Kaffeehaus, das die Burgtheaterschauspieler und Literaten als ihr „Wohnzimmer“ betrachten, begegnen ganz kurz Arthur Schnitzler im Café Central (Herrengasse) und sitzen mit den, Dynamitarden genannten, Verschwörern im Café Frauenhuber (Himmelpfortgasse). Auch von Belgrad erhalten wir Eindrücke der serbischen Hauptstadt.

Nachdem Oberst Lazar entkommen ist, schreit das förmlich nach einer Fortsetzung.
Das Personenverzeichnis zu Beginn des Krimis gibt einen guten Überblick über die handelnden Personen.

Fazit:

Ein gut gelungener historischer Krimi, der Auftakt einer neuen Krimi-Reihe sein könnte. Mich würd’s freuen. Gerne gebe ich 5 Sterne.

Veröffentlicht am 10.08.2018

Ein hochprozentiger Krimi - slainté!

Whisky mit Mord
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Die erfolgreiche Fotojournalistin Abigail Logan erbt von ihrem Onkel Ben, der sie nach dem Unfalltod ihrer Eltern als Kind, wie eine eigene Tochter aufgezogen hat, eine Whisky-Destillerie in Balfour, Schottland. ...

Die erfolgreiche Fotojournalistin Abigail Logan erbt von ihrem Onkel Ben, der sie nach dem Unfalltod ihrer Eltern als Kind, wie eine eigene Tochter aufgezogen hat, eine Whisky-Destillerie in Balfour, Schottland. Noch bevor sie ihr Erbe in Besitz nehmen kann, erhält sie Drohbriefe. Kaum angekommen, kommt es zu Sabotageakten in der Destillerie. Jedermann ist verdächtig: Die eingeschworene Whiskybrenner-Clique duldet keine Frauen in ihren Reihen. Und dann gibt es auch schon den ersten Toten. Duff Morgan, ein Helfer der Destillerie, wird im Gärbottich liegend aufgefunden. Und, er wird nicht der letzte Tote sein.

Will einer der Kaufinteressenten den Kaufpreis von „Abbey Glen“ drücken? Je mehr sie über die Brennerei und die Menschen erfährt, desto klarer wird, was sie tun wird.

Abi vertraut außer ihrem Kollegen und Whisky-Kenner Patrick niemandem. Abi hat eine recht interessante Eigenschaft: Sie kann mit drei Eigenschaftswörtern, die ihr in den Sinn kommen, wenn sie die Person das erste Mal sieht, charakterisieren. Doch diesmal lässt sie diese Gabe beinahe im Stich.

Meine Meinung:

Da ich selbst gerne Whisky trinke, habe ich mich hier gut unterhalten gefühlt. Mir kommt auch nur ein Single Malt ins Glas! So ganz nebenbei wird der Leser in die Kunst des Whisky-Brennens eingeführt. Besonders gut hat mir Nell Ferguson gefallen. Eine alte Dame, die viele Geschichten rund ums Whisky-Brennen weiß. Unter anderem auch einiges übers Schwarzbrennen in der Kriegszeit, in der die Männer an der Front und die Frauen auf sich alleine gestellt waren.

Dass der Name „Abbey Glen“ nichts mit einer Abtei (abbey) sondern ihr, Abigail, zu Ehren benannt ist, habe ich recht schnell herausgefunden. Dem Täter bin ich erst ein wenig später auf die Spur gekommen. Ich hatte, aufgrund der vielen Verdächtigen und falschen Fährten, jemanden anders auf dem Radar.

Die Charaktere sind recht gut beschrieben. Die, Fremden gegenüber, sehr reserviert agierenden Schotten brillieren durch manche kauzigen Aussagen. Eine interessante Figur ist auch Hunter, der ein ungewöhnliches Exemplar der Schotten ist: Hunter ist recht redselig und versorgt Abi mit allerlei Informationen.

Sowohl Wheaten Terrier Liam als auch der bezaubernden Landschaft kommt eine tragende Rolle zu. Das Lokalkolorit lässt Urlaubsfeeling aufkommen. Man bäckt Scones und Abi liebt die Schokolade aus Floss Robinsons Laden.

Das kleine Manko, dass manchmal die Hilfsverben „haben und „sein“ zu häufig eingesetzt werden, ist vermutlich der Übersetzung geschuldet.

Fazit:

Ein schwungvoller Krimi, der den Lesern die Whisky-Herstellung einfach näherbringt. Slainté!