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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.02.2018

Ein zwiespältig angelegter Ermittler

Bretonische Brandung
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Commissaire George Dupin lebt sich langsam aber stetig in der Bretagne ein. Die Lebensart der Bretonen, die von Wind und Wetter gegerbt, archaischen Gedankengut angehören, ist ihm nach wie vor fremd. Allerdings ...

Commissaire George Dupin lebt sich langsam aber stetig in der Bretagne ein. Die Lebensart der Bretonen, die von Wind und Wetter gegerbt, archaischen Gedankengut angehören, ist ihm nach wie vor fremd. Allerdings die Vorliebe für gutes Essen, vornehmlich Fisch und anderes Meeresgetier, hat er schon übernommen. Staunend betrachtet er das Farbenspiels des Atlantiks und kämpft andererseits mit der Phobie auf Boote zu steigen.
In diesem, seinem zweiten Fall muss er gleich mehrmals auf größere und kleinere Schiffe steigen, gibt es doch drei Tote auf den Glenans, den zauberhaften Inseln. Was ursprünglich wie ein Schiffsunglück während eines Sturmes aussieht, entwickelt sich zu einem veritablen Mordfall, bei dem es mehr Verdächtige gibt, als Dupin lieb ist.
Die Ermittlungen sind langwierig und stellenweise langatmig (vermutlich „normaler“ Polizeialltag). Die Auflösung des Falles kommt dann ein wenig abrupt, da die Figur des Täters bis zu seinem Geständnis nur eine marginale Nebenrolle spielt.

Bannalec hat seinen Dupin zwiespältig angelegt. Einerseits lässt er ihn sich sehr gewählt ausdrücken, verwendet Wörter, die manchmal gestelzt daherkommen, andererseits ist sein Lieblingssatz „So ein Scheiß“.

Die Vorliebe des Commissaires für starken Kaffee ist ebenso ein Markenzeichen, wie die etwas rüde Art Telefongespräche zu beenden. Der Kampf mit den schlechten Mobiltelefonverbindungen und das häufige wortlose Auflegen, sind in dieser Geschichte ein wenig inflationär. Inzwischen haben es alle Leser mitbekommen, dass die Dichte der Sendestationen in der Bretagne zu wünschen übriglässt.

Man merkt, dass er mit sich nicht im Reinen ist. Er, der „echte“ Pariser, strafversetzt in die Bretagne, deren Bewohner sich wie Asterix und Obelix gegen die Römer, gerne gegen die Franzosen und da vor allem gegen Paris, stellen. Man lässt ihn häufig auflaufen, doch trägt er durch sein schroffes Wesen auch dazu bei. Seine Mitarbeiterin Nolwenn gibt sich alle Mühe ihm nicht nur dienstliche Informationen zu geben.

Die Meinung, dass die „Bretonischen Krimis“ denen von Donna Leons Brunetti stark ähneln, teile ich nicht. Ja, es gibt hier wie dort einen Präfekten/Vice-Questore der sich mehr oder weniger geschickt in die operativen Geschehnisse einmischt. Sowohl Nolwenn und Signorina Elettra versorgen ihren Ermittler mit Informationen, aber damit hat es sich schon auch. Da gibt es eine Reihe von Krimis, die ähnlich aufgebaut sind.

Bin schon auf den nächsten Fall gespannt.

Veröffentlicht am 18.02.2018

Witzige Wortgefechte

Bretonisches Gold
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Georges Dupin geht dem unbestimmten Hinweis einer befreundeten Journalistin über Unregelmäßigkeiten bei der Salzgewinnung nach und findet sich unversehens in einem gefährlichen Schusswechsel wieder. Ganz ...

Georges Dupin geht dem unbestimmten Hinweis einer befreundeten Journalistin über Unregelmäßigkeiten bei der Salzgewinnung nach und findet sich unversehens in einem gefährlichen Schusswechsel wieder. Ganz blöd noch, dass er sich außerhalb seines Zuständigkeitsbereiches bewegt. Doch diesmal hat der ungeliebte Präfekt eine gute Seite: er besteht darauf, dass Dupin unzuständigerweise ermitteln darf. Immerhin können sich beide Präfekten nicht ausstehen.
Nachdem es dann auch noch eine Menge Tote gibt, kommt es dazu, dass der eigenbrötlerische Commissaire mit einer Kollegin ermitteln muss, die ihm nichts, aber auch gar nichts schenkt und ähnlich stur ist wie er selbst.

Die Wortgefechte, die oft unterbleiben, sind recht erfrischend. Nur hin und wieder gibt es Widerworte. Doch schließlich ist das Zusammenspiel für beide lehrreich. Ein bisschen habe ich es zwischen den beiden Polizeibeamten knistern gespürt. Ob das der Autor im nächsten oder übernächsten Fall wieder aufgreift? Schaden täte es Dupin nicht, wenn ihm endlich eine toughe Frau in den Hintern tritt.

Sehr spannend finde ich die Erklärungen zur Salzgewinnung in der Bretagne, die dort „Ernte“ heißt. Als Österreicherin kenne ich Salzabbau nur in Salinen und bergmännisch. Die manuelle Salzgewinnung, langsam und sorgfältig passt zum beschaulichen Temperament der Bretonen.

Veröffentlicht am 18.02.2018

Toller Auftakt einer neuen Krimiserie

Bretonische Verhältnisse
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Inhalt:

Dieser Krimi ist der Auftakt zu einer spannenden, jedoch weitgehend unblutigen Krimiserie rund um Commissaire Georges Dupin. Schauplatz ist die Bretagne, genauer gesagt das Finistère und die Gegend ...

Inhalt:

Dieser Krimi ist der Auftakt zu einer spannenden, jedoch weitgehend unblutigen Krimiserie rund um Commissaire Georges Dupin. Schauplatz ist die Bretagne, genauer gesagt das Finistère und die Gegend rund um Pont-Aven.

Der einundneunzigjährige Hotelier Pierre-Louis Pennec wird in seinem Hotel ermordet aufgefunden.

Dupin, vor einigen Jahren aus Paris in die Bretagne strafversetzt, nimmt die Ermittlungen auf. Im Zuge der Befragungen verdichtet sich der Kreis der Verdächtigen auf folgende Personen: Francine Lajoux, Fragan Delon, Frédéric Beauvois sowie Pierres Sohn Loïc, dessen Frau Catherine und seinen Halbbruder André Pennec.
Besonders Sohn Loic erscheint verdächtig, da das Vater-Sohn-Verhältnis schon ein wenig getrübt ist. Als Loic selbst tot aufgefunden wird, ist alles wieder offen.

Über das Motiv herrscht anfangs Unklarheit. Erst als Dupin bei einer weiteren Tatortbegehung entdeckt, dass die Klimaanlage für Reproduktionen von Gaugins Bildern überdimensioniert erscheint, beginnt sich der Nebel zu lichten.

Dupin zieht die Kunstexpertin Marie Cassel, die eine Entdeckung macht, für die es sich zu morden lohnt.

Erzählstil/Spannung/Charaktere:

Bannalec hat einen wunderbaren Erzählstil. Er beschreibt Land und Leute ohne Schnörkel, kein Buchstabe ist zu wenig oder zuviel. Wir erfahren eine Menge über die Bretagne, lernen einige Gericht kennen, die Hunger auf mehr machen. Man kann förmlich die Seeluft schnuppern und den Fischern bei der Arbeit zusehen. Der Autor gönnt uns einen Blick auf die künstlerische Vergangenheit der Gegend, die durch Paul Gaugin recht bekannt ist.

Der Spannungsbogen ist schön aufgebaut und es kommt kaum Langeweile beim Lesen auf. Die Methoden der Kunstexpertin, Kopien und/oder Fälschungen zu entlarven sind interessant geschildert.

Hervorstechender Charaktere sind der Kommissar und das Mordopfer. Beide ziemlich dickköpfig sind sie sich in vielen Dingen ziemlich ähnlich.
Über Dupin erfahren wir, dass er ein Problem mit der Obrigkeit hat und dies auch offen sagt, was ihm, den eingefleischten Pariser, die Strafversetzung in die raue Bretagne eingebracht hat. Doch auch hier – was sollte ihm noch passieren? – legt er sich mit den (dörflichen) Autoritäten an und lässt sich nicht vor deren Karren spannen.

Fazit:

Ein gelungener Auftakt einer neuen Krimi-Reihe, die ich gerne weiterempfehle.

Veröffentlicht am 18.02.2018

Eine verschwundene Leiche

Bretonischer Stolz
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Dieser, nunmehr vierte Fall für Georges Dupin beginnt mit einer verschwundenen Leiche. Außer Dupin glaubt niemand so recht der betagten Mme. Bandol. Doch dann wird ein wirklicher Toter gefunden, Kadeg ...

Dieser, nunmehr vierte Fall für Georges Dupin beginnt mit einer verschwundenen Leiche. Außer Dupin glaubt niemand so recht der betagten Mme. Bandol. Doch dann wird ein wirklicher Toter gefunden, Kadeg jagt Sandräubern nach und Dupin hat alle Hände voll zu tun, die richtige Fährte aufzunehmen.


Es gibt eine Menge Spuren, eine Menge Verdächtiger – doch so recht nachweisen kann man niemanden etwas. Doch dann, knapp bevor Dupin aufgibt, die überraschende Wendung.

Diesmal kommt mir der Kommissar ein wenig gesetzter vor. Liegt es daran, dass er die Ratschläge des Hausarztes befolgt und sich ein bisschen um seine Gesundheit sorgt? In sein Privatleben scheint ebenfalls ein wenig Konstanz zu erfahren, nachdem Claire eine Wohnung in Georges Nähe bezieht.


Für mein Gefühl sagt er weniger oft „So ein Scheiß“, doch die Zores mit seinem Präfekten gehen weiter. Diesmal muss Dupin sogar Hundemarke und Waffe abgeben, weil er suspendiert wird.

Sehr liebevoll ist die Marotte der Bretonen, alles und alle für sich zu reklamieren. So, hätte Kolumbus erst lange nach den Bretonen Amerika entdeckt usw..
Ja, sein Team schreckt nicht einmal davor zurück auch aus Dupin, dessen Familie aus dem Jura stammt, einen Bretonen zu machen. Ich denke, das wird uns in den nächsten Fällen noch weiter beschäftigen…


Fazit:

Spannende Ermittlungen, Details zu Land und Leuten und der Einblick in das Geschäft mit den Austern, haben mich bestens unterhalten. Ich halte es hier mit Dupin: ich muss keine haben.

Veröffentlicht am 18.02.2018

Tanz auf dem Vulkan

Die Akte Vaterland
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Die Serie rund um den unkonventionellen Mordermittler Gereon Rath geht weiter. Wir befinden uns im Jahr 1932. Die politischen Entwicklungen stehen auf Sturm. Noch immer erkennen die wenigsten, die heraufziehende ...

Die Serie rund um den unkonventionellen Mordermittler Gereon Rath geht weiter. Wir befinden uns im Jahr 1932. Die politischen Entwicklungen stehen auf Sturm. Noch immer erkennen die wenigsten, die heraufziehende Gefahr durch die Nazis. Man tanzt den Tanz auf dem Vulkan.

Im „Haus Vaterland“, einem bekannten Vergnügungsetablissement, wird ein Toter gefunden. Schnell ist klar, dass er auf sonderbare Weise ums Leben gekommen ist: durch ein indianisches Pfeilgift betäubt und anschließend im Fahrstuhl ertränkt. Als dann weitere Mordopfer gefunden werden, die ebenso ermordet wurden, ist klar – ein Serienmörder geht um.

Wer mordet auf solche Weise?

Die wenigen verwertbaren Spuren führen die Ermittler nach Ostpreußen, in die Spirituosenfabrik „Mathée“, die für ihren Luisenbrand bekannt ist.

Man schickt Rath nach Ostpreußen, um ihn wieder einmal mit beinahe aussichtslos erscheinenden Fällen zu beschäftigen.

Diesmal hat der Autor für Charlotte „Charly“ Ritter eine größere Rolle vorgesehen. Sie beginnt ihre Arbeit als Kommissaranwärterin im Berliner Alex. Allerdings ist sie der Inspektion G (weibliche Kriminalbeamte) zugeteilt, die sich hauptsächlich mit kriminellen Jugendlichen und Frauen beschäftigen. Doch auf Grund ihres kriminalistischen Spürsinns, wird sie an die Mordkommission ausgeliehen. Dort hat sie sofort mit Vorurteilen und dem Macho-Gehabe so mancher Mitarbeiter zu tun.

Dieser nun vierte Fall für Gereon Rath ist politischer denn je. Er beschäftigt sich unter anderen mit der Situation der Masuren in Ostpreußen, die nach der Entstehung Polens, nur über den polnischen Korridor erreichbar sind. Das kleine Städtchen Treuburg, in dem Rath wegen seiner Ermittlungen festsitzt, ist Symbol für Deutschland zu jener Zeit. Die Menschen dort fühlen sich von der aktuellen Regierung verlassen. Die Stimmung ist explosiv. Niemand traut sich gegen die Mitglieder der SA und NSDAP aufzutreten, obwohl einigen die Zusammenhänge zwischen verschiedenen Todesfällen bekannt sind.

Das einzige, das mir nicht ganz stimmig und ein wenig bemüht erscheint, ist die Szene in der Gereon in den masurischen Sumpf gelockt und dort allein gelassen wird, letztendlich aber vom Hauptverdächtigen gerettet wird.

Während Rath in Treuburg festsitzt, wird in Berlin geputscht. Die aktuelle Führungsspitze der Berliner Polizei wird gegen Nazi-Affine ausgetauscht. Welche Konsequenzen wird das in Zukunft für Gereon Rath und Charly Ritter haben?

Ganz toll wieder das Cover, auf dem das Vergnügungsetablissement „Haus Vaterland“ abgebildet ist.

Der interne Codename der Ermittlungen „Akte Vaterland“ ist für mich ein Symbol des Niedergangs des bisher bekannten Vaterlandes.

Fazit:

Das Buch ist spannend aufgebaut und hervorragend recherchiert, sodass man es unmöglich aus der Hand legen kann. Ein absolutes Muss für politisch Interessierte und Krimifans.