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Venatrix

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Veröffentlicht am 24.11.2017

Adele Spitzeder - Die Mutter des Schneeballsystems

Adele Spitzeder
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Autor Julian Nebel widmet sich in seinem Debüt einer schillernden Figur des 19. Jahrhunderts: Der Schauspielerin und Betrügerin Adele Spitzeder.

Anhand von Gerichtsakten, Zeitungsberichten und ihrer eigenen ...

Autor Julian Nebel widmet sich in seinem Debüt einer schillernden Figur des 19. Jahrhunderts: Der Schauspielerin und Betrügerin Adele Spitzeder.

Anhand von Gerichtsakten, Zeitungsberichten und ihrer eigenen Aufzeichnungen versucht Julian Nebel dem Phänomen Adele Spitzeder auf den Grund zu kommen.

Im Vorwort erwartet uns eine Einleitung wie es überhaupt zu einem solchen Betrug (man schätzt mehr als 30.000 Geschädigte). Es werden die Lebensumstände der Menschen in Bayern erklärt.

Das Buch ist teilweise wie ein Theaterstück aufgebaut, also in Akte unterteilt. Ein gute Idee, ist ja die Spitzeder ursprünglich eine Schauspielerin gewesen.

In weiterer Folge erfahren wir, wie skrupellos Adele einerseits war, und wie sie andererseits bedrängt worden ist, fremdes Geld anzunehmen.

Die Leichtgläubigkeit der Menschen ist unglaublich, doch das hat sich bis heute nicht wesentlich geändert. Sonst käme es nicht mehr zu Pyramidenspielen und/oder ähnlichen Schneeballsystemen.

Ein bisschen muss man auch die Behörden tadeln, die hier nicht rechtzeitig eingeschritten sind.
Geschickt ist sie ja schon vorgegangen, die gute Adele. Sie hat sich vieler Zeitungen bedient, hat die Gier und die Gutgläubigkeit der Leute ausgenützt.

Drei Jahre lang hat sie ihre Kunden an der Nase herumgeführt, ihr Vertrauen missbraucht, bis letztendlich das Kartenhaus zusammengebrochen ist.
Trotz ihrer Gerissenheit ist Adele Spitzeder selbst dem einen oder anderen Betrüger aufgesessen. Zu guter Letzt steht die Betrügerin selbst betrogen und bestohlen da.

In einem kurzen Nachwort werden noch die Mechanismen dieser Betrügereien, die es ja auch heute noch gibt, beleuchtet.

Meine Meinung:

Julian Nebel ist es gelungen, die Lebensgeschichte der Adele Spitzeder und der “Dachauer Bank” leicht und flüssig zu erzählen. In vielen Zitaten kommt sie selbst zu Wort. Sie sieht sich häufig als Wohltäterin. Das Fremdbild und Selbstbild klaffen (wie häufig) ziemlich auseinander.
Gut gefällt mir, wie der Autor die historischen Umstände mit König Ludwig II. von Bayern, seinem nach wie vor mysteriösen Tod, der Einverleibung Bayerns ins Deutsche Reich, fortschreitende Industrialisierung und deren Folgen beschreibt.

Das Buch wird durch eine Vielzahl von Fotos bzw. Faksimiles und einer Karte von München ergänzt.

Der Untertitel "Der größte Bankenbetrug aller Zeiten" stimmt so nicht ganz. Ähnliche Betrüger sind Camillo Castiglioni (1879-1957) oder wie in jüngster Zeit die diversen Bankenskandale.

Fazit:

Ein buntes Bild einer schillernden Persönlichkeit, die als größte Betrügerin Deutschlands in die Annalen der Geschichte eingeht. 4 Sterne

Veröffentlicht am 20.11.2017

dunkle Schatten der Vergangenheit

In einem anderen Licht
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Journalistin Miriam Raven recherchiert für die bevorstehende Verleihung des “Preises für Zivilcourage”, der von der Sartorius-Stiftung ausgelobt wurde.
Während sie sich mit dem Leben der Stifterin beschäftigt, ...

Journalistin Miriam Raven recherchiert für die bevorstehende Verleihung des “Preises für Zivilcourage”, der von der Sartorius-Stiftung ausgelobt wurde.
Während sie sich mit dem Leben der Stifterin beschäftigt, erhält sie mehrere anonyme Briefe, in denen sie aufgefordert wird, Dorothea Sartorius nach “Marguerite” zu fragen.
Miriam entdeckt, dass Dorothea in ihrer Jugend Mitglied einer Splittergruppe der RAF war, die Peter Sartorius entführen und damit inhaftierte Mitglieder der Baader-Meinhof-Bande freipressen sollte. Dass es anders kam, und sich die potentielle Täterin in ihr Opfer verlieben würde, wurde einfach totgeschwiegen.

Diese “andere Licht” stürzt Miriam in einen tiefen Gewissenskonflikt. Und sie hat niemanden, mit dem sie sich austauschen kann, ist doch ihr Ehemann Gregor bei einer Reportage einem Querschläger zum Opfer gefallen.

Was wird Miriam nun tun? Wird sie Dorothea bloßstellen oder weiter schweigen?

Meine Meinung:

Normalerweise bin ich nicht so ein großer Fan von sogenannten “Frauenromanen”, doch dieser hat mich so gefesselt, dass ich ihn in einer Nacht durchgelesen habe.

Die Autorin spinnt eine tolle mehrschichtige Geschichte rund um die Journalistin Miriam, die obwohl der sinnlose Tod ihres Mannes schon zwei Jahre her ist, nach wie vor in tiefer Trauer gefangen ist. Denn sie hat nicht nur Gregor sondern auch das ungeborene Geschwisterchen für ihren Sohn Max verloren.

Ein zweiter, dramatischer Erzählstrang ist Dortheas Biographie. Heute schwerreiche Erbin und Mäzenin, war sie ein ihrer Jugend ein typisches Kind der 1968er. Einem kurzen Beziehung mit Brian Jones von den Rolling Stones, soll ihr Sohn entsprungen sein, den sie zur Adoption freigegeben hat.
Die Hinwendung zu den RAF-Terroristen ist zwar frei erfunden, doch gibt dies die Situation in den 1970er wieder. Ich kann mich noch gut erinnern, dass auf jedem Postamt, jeder Wachstube oder in den Gemeindeämtern die Steckbriefe der Baader-Meinhof-Bande ausgehängt waren. In Wien gab es 1977 einen echten Entführungsfall: Der Textilindustrielle Walter Palmers wurde von drei Studenten entführt und gegen Zahlung eines hohen Lösegelds nach Tagen wieder freigelassen. Das Geld diente zur Finanzierung des linken Terrors und ist nie wieder aufgetaucht.

Die Erkenntnisse, die Miriam aus Interviews mit Dorothea und der letzten anderen Überlebenden gewinnt, lässt sie an ihrem Beruf zweifeln. Schweigen oder Aufdecken? Zivilcourage zeigen?
In der Gestalt von Miriam wird der Konflikt, den auch der eine oder andere Leser (wenn vielleicht auch nur im Kleinen) führen kann, gut herausgearbeitet und authentisch dargestellt.
Das einzige, das mir nicht ganz passend erscheint, ist die Sprache und der Umgang mit dem fünfjährigen Max. Bestimmt ist Max durch den Tod seines Vaters reifer als andere Kid in seinem Alter, doch sein Verhalten wirkt in wenig unnatürlich auf mich.

Dennoch finden die unterschiedlichen Handlungsstränge am Ende zu einer beinahe harmonischen Verknüpfung.

Bei der Gala zur Verleihung des Preises zur Zivilcourage sieht die versammelte Festgesellschaft die Mäzenin in “einem anderen Licht”.

Fazit:

Ein vielschichtiger Roman, der hochpolitisch ist. Man muss nur die Botschaft der Terroristen austauschen. Gerne gebe ich fünf Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 19.11.2017

Ein ungewöhnliches Ermittler-Duoa

Dunkel Land
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Aus finanziellen Gründen übernimmt die Literaturwissenschafterin Verena Hofer einen höchst ungewöhnlichen Job: Sie soll sich drei Monate lang um den Neffen der Gutbesitzerin von Wuthenow kümmern. Die Überraschund ...

Aus finanziellen Gründen übernimmt die Literaturwissenschafterin Verena Hofer einen höchst ungewöhnlichen Job: Sie soll sich drei Monate lang um den Neffen der Gutbesitzerin von Wuthenow kümmern. Die Überraschund ist groß als sie bei ihrem Eintreffen auf dem Gut entdeckt, dass es sich bei ihrem Schützling nicht um ein Kind oder einen Halbwüchsigen handelt, sondern um Dr. Carl von Wuthenow. Carl ist Profiler und nach einem Kopfschuss leidet er unter Störungen des Kurzzeitsgedächtnisses.

Obwohl sich Verena getäuscht fühlt und am liebsten abreisen möchte, nimmt sie die Herausforderung an. Es bleibt ihr auch gar nicht viel übrig, muss sie ja den Lebensunterhalt für sich und ihre kleine Nichte Amelie, die nach dem Tod ihrer Mutter, bei Verena lebt, bestreiten.

Verena lässt sich überreden, Carl bei seiner Arbeit als Kriminalist zu unterstützen. Anfänglich fungiert sie als Chauffeur, doch bald macht sie sich mit ihrem inkonventionellen Blick auf Kriminalfälle beinahe unentbehrlich.

Der grausame Mord an einem jugendlichen Stricher erinnert die Polizei an ähnliche Verbrechen, für die ein Täter bereits einsitzt. Gehen die neuerlichen Morde auf das Konto eines Mit- oder Nachahmungstäters?

Meine Meinung:

"Dunkel Land" ist der Auftakt zu einer neuen Krimireihe rund um das ungewöhnliche Ermittlerteam Dr. Carl von Wuthenow und Verena Hofer.

Die Charaktere sind recht gut gezeichnet. Ich hätte mir nur ein wenig mehr Konflikte zwischen Carl und Verena gewünscht. Die beiden gewöhnen sich zu schnell aneinander und wirken auf weite Strecken zu harmonisch.

Aufgefallen ist mir, dass Amelie, das Kindergartenkind eine viel zu erwachsene Sprache spricht. Seite 51:

„“Da bist du ja Verena“ sagte sie, ohne sich umzublicken, „Schade, dass du schon da bist. Du hättest ruhig länger wegbleiben können. Wir habe hier alles im Griff“

Oder ein paar Zeilen später

„Klar. Das machen wir. Nachher. Aber zunächst habe ich hier zu tun.“

Als versierte Krimileserin hatte ich gleich den richtigen Riecher, was den Täter angeht. Trotzdem habe ich mich auf die diversen falschen Fährten begeben, die zwar nicht ganz falsch aber dennoch nur über Umwege zum wirklichen Täter führen.
Ich habe das Buch in einer Nacht gelesen.

Fazit:

Mir hat der Krimi gefallen und würde mich über einen weiteren Band mit dem ungewöhnlichen Duo freuen. Gerne gebe ich 4 Sterne.

Veröffentlicht am 16.11.2017

Slainte

111 Whiskys, die man getrunken haben muss
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Mit diesem Buch erfreut der Emons-Verlag Whisky-Freunde und solche, die es noch werden möchten.
Fein säuberlich werden 111 Whisky-Marken alphabetisch geordnet vorgestellt. Der Bogen spannt sich vom bekannten ...

Mit diesem Buch erfreut der Emons-Verlag Whisky-Freunde und solche, die es noch werden möchten.
Fein säuberlich werden 111 Whisky-Marken alphabetisch geordnet vorgestellt. Der Bogen spannt sich vom bekannten schottischen Single Malt über amerikanische Bourbons zu Exoten wie japanische und/oder deutsche bzw. österreichische Whiskys.

Der Charakter jedes Whiskys wird – ähnlich einer Weinverkostung – beschrieben. Ein kurzer Abriss der Entstehungsgeschichte der Destillerie bzw. bisschen Ausblick auf die lokalen Gegebenheiten machen so richtig Lust, den Entstehungsort des „uisge beatha“ (gälisch für „Wasser des Lebens“)
Kennenzulernen.

Zu guter Letzt gibt es eine kurze Zusammenfassung inklusive der Angabe in welches Preissegmnet ( = niedrig, = mittel und ** = hoch) die Spirituose fällt.

Die Fotos der einzelnen Flaschen sind ansprechend und gut gelungen. Das in schwarz/gold gehaltene Cover wirkt edel und die erhabene Prägung macht das Angreifen zu einem haptischen Erlebnis.

Leider haben nicht alle Whisky-Marken Aufnahme in das Buch gefunden. Aber, das ist eine andere Geschichte …

Fazit:

Aufgrund der gelungenen Fotografien und der eleganten Beschreibung ein gelungenes Mitbringsel. 5 Sterne

Veröffentlicht am 14.11.2017

toller Serienauftakt

Schwarzbubenland
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„Schwarzbubenland“ ist der Auftakt einer neuen Krimi-Reihe von Christof Gasser, der seinen Lesen schon durch die „Solothurn-Krimis“ mit Dominik Dornach bekannt ist.

Hier in diesem Krimi spielt die investigative ...

„Schwarzbubenland“ ist der Auftakt einer neuen Krimi-Reihe von Christof Gasser, der seinen Lesen schon durch die „Solothurn-Krimis“ mit Dominik Dornach bekannt ist.

Hier in diesem Krimi spielt die investigative Journalistin Cora Johannis die Hauptrolle. Cora ist alleinerziehende Mutter zweier Kinder. Beide wirken durch die häufigen Abwesenheiten der Mutter ein wenig verloren und suchen außerhalb der engen Familie nach Bestätigung. Sohn Julian ist mit der 15 Jahre älteren Lara liiert und Nesthäkchen Mila, mitten in der Pubertät, chattet mit „Austin“, der gerne Nacktfotos von ihr hätte.
Und, als wenn Cora mit der Familie nicht schon genug Zores hätte, geht ihr ein gut dotierter Auftrag durch die Lappen. Kurze Zeit später erhält sie von Daniel vom Staal, einem ehemaligen Regierungsmitglied, den Auftrag, seine seit fast zwölf Jahren vermisste Ehefrau Elisabeth zu finden – tot oder lebendig.
Auf ihren Recherchen dringt sie tief in die Geheimnisse des (fiktiven) Ortes Gilgenberg ein. Sie erliegt dem Charme eines Burgherrn und kaum scheint sie der verschwundenen Elisbeth einen Schritt näher zu sein, stirbt ein Informant nach dem anderen.

Wird es Cora gelingen, das mysteriöse Verschwinden von Elisabeth vom Staal nach so langer Zeit aufzuklären?

Meine Meinung:

Mit diesem Buch ist Christof Gasser wieder ein fesselnder Krimi gelungen. Anders als bei den Solothurn-Krimis spielt nicht die Polizei und deren Ermittlungsarbeit die große Rolle, sondern die Recherche einer unorthodoxen Journalistin. Cora ist zerrissen zwischen ihrem Beruf, der sie oft an die Grenzen bringt, und ihrer Familie. Sie ist oft inkonsequent und übersieht, dass die 14-jährige Mila, leidet.

Gut gefallen haben mir die Gastauftritte von Dominik Dornachs Team. Eine nette Idee, hier eine Querverbindung zu schaffen.

Fazit:

Ein fesselnder Krimi aus dem Hause Emons, dem hoffentlich noch einige Fälle folgen.5 Sterne.