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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.09.2024

Eine gelungene Fortsetzung

Die rauen Nächte von Graz
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Charlotte hat gemeinsam mit den Kindern Armin Trost endgültig verlassen. Nur Zeus, der Berner Sennenhund ist bei ihm, als er bei einem Spaziergang beobachtet, wie ein Bündel aus einem weißen Lieferwagen ...

Charlotte hat gemeinsam mit den Kindern Armin Trost endgültig verlassen. Nur Zeus, der Berner Sennenhund ist bei ihm, als er bei einem Spaziergang beobachtet, wie ein Bündel aus einem weißen Lieferwagen geworfen wird. Als er Nachschau hält, entdeckt er eine schwer verletzte unbekannte Frau, die wenig später im Krankenhaus stirbt. Beinahe gleichzeitig verschwindet die junge Freundin von Balthasar Gierack, seinem ehemaligen Vorgesetzten und aktuellen Todfeind. Blöderweise ist sie noch dazu die Tochter eines hochrangigen Politikers. Daher erteilt man höheren Ortes, entgegen Gieracks Willen, dem Einzelgänger Trost den Auftrag, den Mörder bzw. die Vermisste zu finden. Das ehemalige Team von Armin Trost ist auch nicht untätig und ermittelt unter anderer Leitung und größter Geheimhaltung ebenfalls. Das führt dazu, dass man in Trosts Wohnung eine Kommandozentrale einrichtet und alle Ermittler, Trost inklusive, verkabelt sind und Decknamen haben. So wird Trost zum „Schwarzen Mandl“ und Anne Lemberg zur Schöcklhex.

Als dann noch eine junge Frau verschwindet, sieht Armin auch seine Nachbarin, die Schauspielerin Eva Schön, in Gefahr. und flugs dichtet im Gierack ein Gspusi mit der Schauspielerin an.

Es wäre kein Krimi von Robert Preis, wenn sich nicht auf den letzten Seiten die mystische Stimmung in einem gewaltigen Showdown entladen würde.

Meine Meinung:

Ich kenne ja Armin Trost schon seit seinem ersten Fall und beobachte gespannt seine Entwicklung. Obwohl er immer wieder durch riskante Alleingänge sein Leben und seine Gesundheit gefährdet, schafft er eine nahezu 100% Ausklärungsquote, was ihm den Hass und Neid von Balthasar Gierack, einträgt. Dabei schmückt er sich dann gerne mit Trosts Erfolgen. Während Gierack ein geschniegelter Schreibtischtäter ist und seine italienischen Schuhe nicht schmutzig machen will, legt Trost keinen Wert auf irgendwelchen Komfort. Und auch die Beweihräucherung durch Politiker oder Medien sind Trost zuwider. Das Rampenlicht überlässt er gerne Gierack. Bezeichnend für Gieracks Charakter ist, dass er Trost ein Gspusi mit der Nachbarin andichtet, ohne auch nur einen realen Beweis zu haben. Er manipuliert damit Anne Lemberg, die nach wie vor Gefühle für Trost hegt. Gierack selbst ist natürlich Ehemann und Vater, kann aber die Finger von ziemlich jungen Frauen nicht lassen. Ob ihm demnächst endlich einmal einer auf die Finger klopft?

Für alle jene, die erst jetzt in die Reihe einsteigen, ist vieles nicht ganz klar. Es ist für das Verständnis von Armin Trosts Charakter bzw. seine oft eigenartig anmutenden Handlungen hilfreich, die Vorgängerbände zu kennen. Unbedarfte Leser könnten sonst den Eindruck haben, Trost stolpere nur durch seine Ermittlungen.

Robert Preis schafft es immer wieder, tief in die Abgründe der menschlichen Seele einzutauchen. Dabei nimmt er auch Anleihen bei steirischen Sagen und Mythen. Diesmal spielen die Raunächte, also jene Zeit zwischen 21. Dezember und 6. Jänner, und die Wilde Jagd eine große Rolle.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem durchaus spannenden 9. Fall für Armin Trost 5 Sterne.

Veröffentlicht am 23.09.2024

Herrlich skurriler Krimi aus der Schweiz

Frau Morgenstern und das Vermächtnis
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Violetta Morgenstern, die pensionierte Lehrerin und ehemalige Auftragsmörderin im Namen des Schweizer Staates genießt seit acht Monaten ihren Ruhestand gemeinsam mit Maurice von Brandenberg auf der Insel ...

Violetta Morgenstern, die pensionierte Lehrerin und ehemalige Auftragsmörderin im Namen des Schweizer Staates genießt seit acht Monaten ihren Ruhestand gemeinsam mit Maurice von Brandenberg auf der Insel Gozo. Doch mit der Ruhe ist es augenblicklich vorbei, als Morgensterns ehemaliger Chef Meier auftaucht und ihr im Namen des Killerministeriums „Tell“ einen allerletzten (?) Auftrag erteilt: Sie soll ihren Ex-Kollegen, Miguel Schlunegger, der ohne offiziellen Auftrag und ersichtlichen Grund den Bodyguard eines Rappers umgebracht hat, und nun im Gefängnis sitzt und eisern schweigt, zum Reden bringen. Denn mit Angestellten, die fremde Aufträge annehmen und die auch noch vermasseln, geht das Ministerium nicht zimperlich um - sie werden eliminiert, egal welche Verdienste sie sich vorher erworben haben.

Also vertauscht Violetta das Haus auf der sonnigen Insel Gozo mit der alten Heimat und versucht Schluneggers Leben zu retten.

Meine Meinung:

Dieser Krimi aus dem Grafit-Verlag ist der 6. aus der Reihe um die pensionierte Lehrerin und Auftragsmörderin Violetta Morgenstern. Für mich ist es der erste Krimi von Marcel Huwyler.

Dieser Krimi ist bissig und glänzt mit schwarzem Humor. Die acht so korrekte Schweiz betreibt ein Killer-Ministerium? Was für eine grandiose Idee! Aber wer weiß, was hinter den verschlossenen Türen der Eidgenossen so alles abläuft.

Die Charaktere sind herrlich schräg, unkonventionell und unkorrekt. Schmunzeln muss ich über Violetta Morgenstern, die stets mit einer riesigen roten Tasche unterwegs ist, in der alles für Notfälle verstaut ist, eine Sammlung von speziellen Giften inklusive. Trotz ihres Pensionsalters ist sie mehr als tough. Nur mit ihren Hörgeräten hadert sie, zumal sie jedem auffallen. Lachen musste ich über ihre Rache an dem Fischverkäufer, den sie mit Baldrian einsprüht, weil er eine streunende Katze mit Fußtritten verjagt hat. Der geneigte Leser kann sich vorstellen, was darauf passiert ist.

Herrlich auch Violettas Tarnnamen, die sie der Schweizer Schi-Nationalmannschaft der 1980er und 1990er entlehnt: Erika Hess, Vreni Schneider etc..

Nach der Lektüre stellt sich nun die Frage, warum ich diesen Autor nicht schon längst beachtet habe, denn seine unkonventionellen Charaktere sind nicht nur eigenwillig und sarkastisch sondern liebenswert. Gepaart mit hoher Erzählkunst ist dieser Krimi ein wahrer Lesegenuss. Jetzt muss ich mir die fünf Vorgänger besorgen! Denn dieses Lesevergnügen möchte ich mir nicht länger entgehen lassen.

Fazit:

Diesem herrlich schwarzhumorigen Krimi, der mich bestens unterhalten hat, gebe ich sehr gerne 5 Stern und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 22.09.2024

Schwere Kost

»Unser Schwert ist Liebe«
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Jin, Jiyan, Azadi - Frau, Leben, Freiheit

Der Titel dieses Buches, dessen Inhalt kaum zu ertragen ist, stammt aus dem Lied des iranische Rappers Toomaj Salehi. Der Untertitel „Die feministische Revolte ...

Jin, Jiyan, Azadi - Frau, Leben, Freiheit

Der Titel dieses Buches, dessen Inhalt kaum zu ertragen ist, stammt aus dem Lied des iranische Rappers Toomaj Salehi. Der Untertitel „Die feministische Revolte im Iran“ verrät, wie sich die nun heranwachsende Generation von Mädchen und Frauen nicht mehr stillschweigend dem Terror der Religionspolizei beugen will, koste es, was es wolle - und wenn es das eigene Leben ist. Gilda Sahebi beleuchtet die vielfältigen Aspekte der Proteste im Iran und zeigt, wie tiefgreifend diese sind.

Die Autorin Gilda Sahebi ist selbst Kurdin, im Iran geboren und lebt seit ihrer Kindheit in Deutschland, nachdem ihre Familie vor der Verfolgung durch die Mullah fliehen musste.

In ihrem Buch gibt die Autorin allen jenen eine Stimme, die durch das Regime verfolgt, gefoltert und ermordet worden sind. Auslöser dieses Buch zu schreiben war unter anderem, die Ermordung von Jina Mahsa Amini im Jahr 2022 durch die Behörden. Die junge Frau hat angeblich ihren Schleier nicht vorschriftsmäßig getragen.

Es braucht keinen wirklich Grund, Frauen im Iran zu verhaften und in überfüllten Gefängnissen verschwinden zu lassen. Es braucht auch keinen wirklichen Grund, um Kinder und Jugendliche beiderlei Geschlechts zu verhaften und hinrichten zu lassen oder sie einfach auf der Straße nieder zu schießen. Sie könnten ja subversive Gedanken haben.

Gilda Sahebi zitiert mehrmals Shirin Ebadi, die in ihrem Buch „Mein Iran“ erzählt, wie sie und MIllionen anderer Frauen plötzlich in einer dystopischen Welt erwacht sind, die sie 1400 Jahre nach hinten gebeamt haben. Frauen sind ihrer Rechte beraubt worden, zählen nur die Hälfte und sind aus der Öffentlichkeit verdrängt worden.

Eine besonders krasse Aussage eines Mullahs zu Frauen ist auf (eBook) Seite 102 zu lesen. Hier behauptet der Geistliche Sadeq Shirazi:

„Gott habe drei Arten von Tieren erschaffen. Zum einen Tiere, die dazu da seien, Menschen zu transportieren wie Pferde oder Kamele. Zum zweiten Tiere, die erschaffen wurden, Menschen zu ernähren wie Schafe, Ziegen und Kühe. Die dritte Art von Tieren seien die Frauen. Wie Schafe, Ziegen und Kühe seien sie geschaffen worden, damit Männer sie benutzen könnten. Sie sind also auch nur ganz gewöhnliche „Nutztiere“ zur Befriedigung des Mannes. Gott habe diesen Tieren das Aussehen von Frauen gegeben, damit Männer keine Angst vor ihnen haben müssten.“

Trotz des hoch emotionales Themas, das bei Leserinnen und Lesern Tränen der Wur aufsteigen lässt, bemüht sich die Autorin um sachliche Berichterstattung. Das mag manchmal etwas distanziert wirken, ist aber für Gilda Sahebi selbst überlebenswichtig.

Manche Ereignisse werden von mehreren Seiten erzählt. Diese Wiederholungen mögen vielleicht den Lesefluss stören, zeigen aber, wie gut vernetzt die Regimekritiker trotz aller Repressionen und Terrors sind.

Das Buch ist sehr gut strukturiert und liefert gleich nach jedem Kapitel die Quellen angaben dazu. Trauriger Abschluss bildet die unvollständige Liste der Namen von rund 500 vom Regime getöteten Menschen aller Altersstufen.

Fazit:

Diesem Buch, das den mutigen Frauen (und Männern) im Iran, die gegen das Frauen verachtende Regime protestieren und dabei nicht selten ihr Leben opfern, gebe ich eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

Veröffentlicht am 21.09.2024

Hat mich leider enttäuscht

La Louisiane
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Ach, wie hätte dieses Buch ein großartiger historischer Roman über starke Frauen, denen das bisherige Leben übel mitgespielt hat, sein können! Doch leider ist es nicht nur anders als ich erwartet habe, ...

Ach, wie hätte dieses Buch ein großartiger historischer Roman über starke Frauen, denen das bisherige Leben übel mitgespielt hat, sein können! Doch leider ist es nicht nur anders als ich erwartet habe, sondern auch noch ziemlich zäh. Es gibt kaum kaum Höhepunkte, der Alltag plätschert sowohl im Paris des Jahres 1720 als auch dann während der Überfahrt nach La Louisiane und dem späteren Leben dort.

Doch von Beginn an:

In der bekannten Irrenanstalt Salpêtrière leben Hunderte, aus verschiedensten Gründen untergebrachte Frauen. Da sind zum Beispiel die freche Waise Charlotte, die verarmte adelige Pétronille, die auf Grund eines entstellenden Muttermals auf dem Heiratsmarkt als unvermittelbar gilt und die Engelmacherin Geneviève, die nur Frauen liebt.

Dann wird beschlossen neunzig dieser Frauen in die französische Kolonie La Louisiane zu verbringen, einerseits, um die Anstalt zu entlasten und andererseits, den durchwegs männlichen Siedlern Ehefrauen zu bescheren, um die Siedlung zu vergrößern. An die ausgewählten Frauen denkt niemand. Die sind in Paris nur lästig.

In der einen oder anderen keimt Hoffnung auf ein besseres Leben auf, die sich - wie man lesen wird - nicht erfüllt. Harte Arbeitsbedingungen, unzureichende Ernährung sowie Krankheiten und Schwangerschaften raffen die Frauen dahin.

Meine Meinung:

Leider wird dieses höchst interessante Thema für meine Empfindung ziemlich spannungslos erzählt. Die Handlung plätschert einfach so dahin. Eigentlich müssten die Frauen bei ihrer Abreise aus Paris und bei ihren Hochzeiten aufgeregt sein. Doch sie wirken abgestumpft und retardiert. Selbst der Piratenüberfall ist nur eine emotionslose Episode. Manches wird auch nur angedeutet. Die eine oder andere ferne Erinnerung wie an blühende Lavendelfelder der Provence episch ausgewälzt.

Die Beschreibung der sehr unterschiedlichen Charaktere kratzt lediglich an der Oberfläche. Hier hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht. Mich hätte noch interessiert nach welchen Kriterien die Ehemänner für die Frauen ausgewählt worden sind. Insgesamt bleibt hier einiges im Verborgenen.

Schade, dass dieses so interessante Thema nicht lebendiger umgesetzt worden ist. Ich hätte mir hier eine fesselnde Siedlergeschichte aus Sicht von Frauen gewünscht.

Fazit:

Der Klappentext verspricht hier mehr, als das Buch dann hält, daher erhält es nur 2 Sterne.

Veröffentlicht am 21.09.2024

Hat micht diesmal nicht ganz überzeugt

Seelenglut
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Diesmal ist der Krimi auf zwei, mehrere Tausend Kilometer entfernte Erzählstränge aufgeteilt, denn zum einen befinden sich Landpolizist Werner Adler mit seiner Freundin Helena und deren Sohn Alexandros ...

Diesmal ist der Krimi auf zwei, mehrere Tausend Kilometer entfernte Erzählstränge aufgeteilt, denn zum einen befinden sich Landpolizist Werner Adler mit seiner Freundin Helena und deren Sohn Alexandros auf der schönen Insel Korfu, um an einer echt griechisch-orthodoxen Taufe teilzunehmen, denn Helena ist Taufpatin des Babys ihrer Cousine Gaia. Neben kulinarischen Genüssen erlebt Werner ein griechisches Brauchtum, das auch den Gebrauch von Waffen mit scharfer Munition einschließt.

Aber, das ist ja nicht seine Baustelle. Die hat er gleich nach seiner Rückkehr, denn beinahe gleichzeitig brennt es in seiner Heimat am Attersee gleich mehrmals. Dummerweise gerät Petra, eine 17-jährige HTL-Schülerin und Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr in Verdacht, die Brandstifterin zu sein, um gleich ihren Eifer beim Löschen zeigen zu können.

Aber, stimmt das wirklich?

Meine Meinung:

Diesmal hat Autor Erich Weidinger meiner Ansicht nach zu viel gewollt. Für mich waren die beiden Handlungsstränge Griechenland und Feuerteufel genug, da hätte es jenen mit der eigenartigen Touristin nicht unbedingt gebraucht. Ich bin sicher, es gibt genügend Anhänger von allerlei Verschwörungstheorien, die solches interessant finden.

Gut gefallen hat mir die Entwicklung von Alexandros, dem elfjährigen Sohn von Helena, der Werner als Vater und Werner Vater als Großvater einfach adoptiert. Das Geheimnis um Alexandros leiblichen Vater wird auch diesmal nicht gelüftet, zumal Beni, der IT-Nerd, den Werner mit Nachforschungen beauftragt hat, bei einer der Brandstiftungen stirbt. Warum Helena darum so ein Gewese macht, erschließt sich mir nicht. Andererseits ist sie extrem eifersüchtig. Misst sie da mit zweierlei Maß? Oder was steckt dahinter? Hier ist nur zu hoffen, dass Werner Adler nicht unsanft aus seinen Träumen von einer Familie herausgerissen wird.

Fazit:

Diesmal hat mich der Krimi nicht ganz überzeugt, daher nur 3 Sterne.