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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.09.2024

Eine gelungene Fortsetzung

Wiener Enzianmord
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Dieser dritte Krimi rund um die chaotische Chefinspektorin Anna Bernini führt mich von der Leopoldstadt in Wien, die mir bestens bekannt ist, in die eher unbekannten Berge Tirols.

Worum geht’s diesmal? ...

Dieser dritte Krimi rund um die chaotische Chefinspektorin Anna Bernini führt mich von der Leopoldstadt in Wien, die mir bestens bekannt ist, in die eher unbekannten Berge Tirols.

Worum geht’s diesmal?

Anna hat vor kurzem die Enzian-Alm in Tirol geerbet und fühlt sich dort eigentlich recht wohl. Keine nervigen Kollegen oder Kriminelle, nur Ruhe, Kühe und ein paar Wanderer. Doch dann platzt Miss Biggy in das Idyll und sie findet sich im Kommissariat in der Leopoldsgasse im alten Trott wieder.

Denn während Annas Auszeit in den Bergen ist Trixi Gentian, ein reiches Mitglied der Bussi-Bussi-Gesellschaft, von der Dachterrasse ihres Wohnhauses am Wiener Graben gestürzt oder gestürzt worden. Die Ermittlungen laufen bereits und Anna sieht sich zusätzlich mit einem Controller konfrontiert, der die Abteilung durchleuchten soll. Als altgediente Beamtin weiß sie, dass es hier um Umstrukturierungen, sprich Personalkürzungen gehen wird. Die Frage ist nur, wer steht auf der Abschussliste? Annas Karriere hat in den letzten Jahren ja einiges an Auf und Ab erfahren, so dass sie um ihren Job fürchtet.

Dass sich bei den Ermittlungen Hinweise auf Menschenhandel ergeben, erleichtert die Suche nach Trixis Mörder nicht ebenso wenig, wie die Tatsache, dass das LKA den Fall an sich reißt.

Meine Meinung:

Wie schon in den beiden Vorgängern dauert es eine Weile bis die Krimihandlung so richtig Fahrt aufnimmt.
Auch der ambivalente Seelenzustand der Chefinspektorin, die Pillen unbekannten Inhaltes einwirft, ist wieder Thema. Es schon klar, dass der Job als Chefinspektorin in der Abteilung Leib und Leben fordernd und das Arbeitsklima rau ist, wirft aber ein schlechtes Licht auf die Ermittler. Es ist ja allgemein bekannt, dass der Schichtdienst, die vielen Überstunden und die menschlichen Abgründe, denen Anna & Co täglich begegnen, zu psychischen Belastungen und scheiternden Beziehungen führen. Hier wäre statt eines Controllers psychologische Beratung bzw. gruppendynamische Workshops oder ähnliches besser.

Ein wenig schmunzeln musste ich wieder über Miss Biggy, in der ja mehr steckt, als nur eine Bürokraft.

Der Mordfall selbst überrascht letzten Endes nach mehreren Sackgassen mit einer überraschenden Wendung.

Fazit:

Diesem Krimi, der mich gut unterhalten hat, gebe ich gerne 4 Sterne.

Veröffentlicht am 17.09.2024

Penibel recherchiert und fesselnd erzählt

Captain Nelson – Unter der Flagge des Königs
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Mac P. Lorne widmet sich in seinem Zweiteiler rund um Horatio Nelson dem Leben und Aufstieg des wohl bekanntesten Seehelden des Napoleonischen Zeitalters.

Zunächst begleiten wir Horatio, den jüngeren ...

Mac P. Lorne widmet sich in seinem Zweiteiler rund um Horatio Nelson dem Leben und Aufstieg des wohl bekanntesten Seehelden des Napoleonischen Zeitalters.

Zunächst begleiten wir Horatio, den jüngeren Sohn eines anglikanischen Pfarrers, der kein Erbe zu erwarten hat, auf seinen Weg zu den Kleinen Antillen, damals in englischem Besitz, wo er den sogenannten Navigation Act, also jenes Gesetzeskonvolut, das unter anderem den Handel zwischen England und den Kolonien regelt, zu überwachen hat. Denn derzeit umgehen zahlreiche vorwiegend amerikanische Schmuggler die Vorschriften. So entgehen dem Mutterland jede Menge Steuern und Zölle. Nutznießer des Schmuggels sind auch die britischen Statthalter auf den diversen Inseln, die ein komfortables Leben führen und natürlich ihre Privilegien nicht aufgeben wollen. Und genau mit diesen Statthaltern und Teilen der Bevölkerung, die vom Schmuggel profitieren, legt sich der junge Nelson an, denn er hält sich strikt an seine Befehle. Während die beschlagnahmten Schiffe der britischen Flotte einverleibt werden, gehört ein Anteil an der Schmuggelware ihm und seiner Mannschaft. Diese Vorgabe der britischen Krone soll die Kosten für eine stehende Flotte gering halten, denn die Kapitäne werden auf Halbsold gesetzt, wenn sie kein Kommando über ein Schiff führen.

So ist es nicht ganz verwunderlich, dass Horation Nelson jede unverheiratete oder verwitwete Frau nach ihrem zu erwartenden Vermögen taxiert. Dabei stellt er sich nicht unbedingt geschickt an und so muss er nach der Hochzeit mit Frances „Fanny“ Nisbet, einer Witwe, entdecken, dass weder die Mitgift noch die monatliche Rente seinen Erwartungen entspricht. Das Paar kehrt nach England zurück und muss sich fünf Jahre einschränken.

Erst 1793 als Frankreich England den Krieg erklärt und es gilt, die französische Flotte im Mittelmeer zu besiegen, erhält Horatio Nelson sein Kommando zurück. Die Belagerung von Toulon beschert ihm einen Todfeind: Napoleon Bonaparte und ein Aufenthalt in Neapel, eine neue Liebe, Emma Hamilton, die blöderweise mit dem britischen Botschafter verheiratet ist.

Wobei die nächsten vier Jahre hat Nelson nicht allzu viel Zeit für Liebschaften, denn er hat einige Seegefechte zu bestehen, bei denen er auch verwundet wird.

Meine Meinung:

Wie Autor Mac P. Lorne in seinem Nachwort erzählt, gibt es zwar einige historische Romane rund die Royal Navy während der Napoleonischen Kriege, doch keinen, der sich eingehend mit Horatio Nelson beschäftigt. Das hat er bei seinen Recherchen zu seinem anderen Roman „Jack Bannister“ entdeckt. Was lag daher näher, als einen eigenen historischen Roman über den Seehelden zu schreiben, der in der Seechlacht vor Kap Trafalgar 1805 seinen Tod findet? Aber, soweit sind wir ja noch nicht.

Dieser erste Teil widmet sich dem Aufstieg, der auf Grund Nelsons geradlinigem Charakter nicht ganz friktionsfrei verläuft. Kein Vorgesetzter, im Zivilleben und schon gar nicht beim Militär, kann es akzeptieren, wenn seinen Anordnungen nicht Folge geleistet wird. Mehrmals steht er knapp vor einem Verfahren wegen Insubordination dem Kriegsgericht. So auch 1797 vor Kap St. Vincent als er eine günstige Gelegenheit wittert, sich über alle Befehle hinwegsetzt und die spanische Flotte zerstört. Dass er die Schlacht gewinnt, rettet Nelson vor dem Kriegsgericht, bringt ihm aber, eine Menge Feinde ein wie auf S. 361 zu lesen ist. Denn nicht alle Kapitäne der Flotte stehen auf seiner Seite, wie Admiral John Jervis:.

„Mag sein, Mr. Calder. Der Unterschied ist nur: Admiral John Byung hat die Schlacht verloren, wir sie gewonnen. Eine unvorschriftsmäßige Abweichung von der vorgeschriebenen Angriffsmethode waren Commodore Nelsons Handlungen gewiss. Doch wenn Ihr jemals auf diese Weise gegen Eure Befehle verstoßen solltet, könnt Ihr sicher sein, dass ich Euch ebenfalls vergeben werde.“

Einige Handlungen von Nelson muss man im dem historischen Kontext sehen. In den Familien mit mehreren Söhnen erbt nur der Älteste, die anderen müssen schauen wo sie bleiben. Bei Nelson kommt noch dazu, dass sein Vater nur anglikanischer Pfarrer ist und über wenig Vermögen verfügt. Daher beleibt ihm nur wenig übrig, als reich zu heiraten, was auch nicht ganz so einfach ist, denn die Klassen blieben unter sich. Als er sich in die hübsche Witwe Fanny Nesbit verliebt, glaubt er das große Los gezogen zu haben, denn ihr Onkel ist ein reicher und gewiefter Kaufmann. Doch der hält sein Vermögen zusammen und düpiert Nelson mit der bescheidenen Mitgift und kargen Rente. Viel schwerer wiegt, dass Fanny ihm verschwiegen hat, dass sie nach der Geburt ihres Sohnes aus erster Ehe, keine Kinder mehr bekommen kann. Das wäre sogar nach katholischem Recht ein Grund die Ehe annullieren zu lassen. Dass er das nicht tut, ist vermutlich seinem strengen Ehrgefühl geschuldet.

Sehr gut sind seine Führungsqualitäten herausgearbeitet. Dort, wo üblicherweise die Peitsche regiert, setzt er auf den Ehrgeiz der Männer. Bei Exerzieren schenkt er seinen Männern nichts, denn jeder Handgriff muss einfach sitzen. Die Mannschaft muss sich blind aufeinander verlassen können. Nelson macht genau dasselbe, wie Napoleon aus den verwahrlosten Truppen seiner Italienarmee oder auch Arthur Wellington aus deinen Bataillonen.

Der Schreibstil ist lebendig und die Schlachtszenen sind nicht voyeuristisch beschrieben. Die langjährige Recherche beschert uns authentische Seegefechte.

Fazit:

Ich freue mich schon auf den zweiten Teil, auch wenn ich weiß, wie Horatio Nelsons Leben endet. Dem ersten Teil gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 17.09.2024

Süße Köstlichkeiten

Veronikas Backstube
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Nach „Veronikas Hofküche“ dürfen wir nun Veronika Brudl in ihrer Backstube über die Schulter schauen und unsere Nase (oder Finger) in die Schüsseln mit Teigen für flaumige Kuchen oder andere köstliche ...

Nach „Veronikas Hofküche“ dürfen wir nun Veronika Brudl in ihrer Backstube über die Schulter schauen und unsere Nase (oder Finger) in die Schüsseln mit Teigen für flaumige Kuchen oder andere köstliche Backwaren stecken.

Das Buch ist ähnlich aufgebaut wie sein Vorgänger , weshalb auch einige Grundrezepte daraus hier übernommen worden sind. Im Großen und Ganzen lassen sich die Rezepte wie folgt einteilen:

Torten, Tartes & feine Schnitten
Strudel & Rouladen
Brot & Gebäck
Pikantes Gebäck
Schmalzgebackenes & Traditionelles
Kekse & Weihnachtliches

Das Thema Keks ist noch weiter unterteilt in:

Kekse aus Mürbteig
Kekse aus Nuss-Mürbteig
Kekse aus Busserlteig/Baiserteig

Jetzt, wo die Tage wieder kürzer und die Temperaturen sinken, werde ich wohl das eine oder andere Rezept ausprobieren.

Die Zutaten sind leicht zu bekommen und die Anleitung liest sich gut strukturiert. Zu jedem Rezept ist dann die fertige Speise appetitlich abgebildet, damit Koch oder Köchin weiß, wie das Endprodukt aussehen soll.

Ich wünsche mir und allen jenen, die Rezepte aus Veronikas Backbuch ausprobieren, gutes Gelingen.

Fazit:

Ein ansprechendes Backbuch, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 09.09.2024

Wettlauf um das Leben eines Kindes

Mit kaltem Kalkül
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Dieser Thriller ist der zweite Band der Reihe rund um Dr. Sabine Yao. Wie wir aus dem Vorgänger „Mit kalter Präzision“ wissen, ist Dr. Sabine Yao, Deutsch-Chinesin und eine Rechtsmedizinerin beim BKA in ...

Dieser Thriller ist der zweite Band der Reihe rund um Dr. Sabine Yao. Wie wir aus dem Vorgänger „Mit kalter Präzision“ wissen, ist Dr. Sabine Yao, Deutsch-Chinesin und eine Rechtsmedizinerin beim BKA in Berlin. Neben ihrer anstrengenden Tätigkeit für die Spezialeinheit „Extremdelikte“ kümmert sie sich aufopfernd um ihre Schwester, die nach dem Unfalltod ihres Mannes mit den Kindern, eines davon ist behindert, alleine dasteht. Nun steht auch noch die Suche nach einer neuen Wohnung und deren Umbau an. Das bringt Sabine Yao nicht nur physisch und psychisch ans Ende ihrer Kräfte, sondern auch finanziell.

Diesmal bekommt Sabine Yao einige ungewöhnliche Tote zur genauen Obduktion, unter anderem den gelähmten ehemaligen Polizeipräsidenten, der sich angeblich selbst erschossen hat sowie zwei entstellte Leichen. An dieser Stelle seien Zartbesaitete unter den Lesern gewarnt, denn Yaos Arbeit, die auch von Dr. Herzfeld, ihrem Chef, unterstützt wird, wird ziemlich detailgetreu geschildert.

Des weiteren gibt es einen Erzählstrang rund um Hassan Khalaf, einem jordanischen Ex-Geheimdienstler, der in Deutschland ein eigenes Informationsnetz aufgezogen hat, und nun den kleinen Yasser, Kind einer illegalen Einwanderin, suchen bzw. finden soll. In einer Vier-Millionen-Stadt wie Berlin, ein achtjähriges Kind, das weder in die Schule geht, noch sonst einen Anhaltspunkt bietet, zu finden, ist auch für Khalaf keine leicht Aufgabe. Bei seiner Suche nach Yasser gerät er in ein Komplott, bei dem er letztlich selbst Hilfe benötigt, denn die Zeit um das Leben des Kindes zerrinnt ihm unter den Fingern.

Meine Meinung:

Dieser Krimi/Thriller hat mir nicht ganz so gut gefallen wie der erste bzw. die Reihe um Dr. Herzfeld.

Ja, als RechtsmedizinerIn bekommt man es mit schlimm zugerichteten Leichen zu tun, manchmal auch zeitgleich mit vielen Opfern.

Diesmal ist mir alles ein bisschen too much. Obwohl ich komplexe Krimis gerne lese, wären diese vielen Nebenhandlungen für mich nicht zwingend nötig gewesen, vor allem, weil sich der ganze Thriller innerhalb von 4, 5 Tagen abspielt. Dazu kommt noch, dass KHK Monica Monti wieder einmal auf stur schaltet und ohne Rücksicht auf sich oder andere ihre Ermittlungen durchzieht. Bislang sind ihre Aktionen mehr oder weniger gut gegangen. Aber vielleicht soll das auch ein Ausstiegsszenario für Monti sein, wer weiß.

Wir erleben die Geschichte aus unterschiedlichen Perspektiven, was sie recht spannend macht. Das Cover passt gut zum Vorgänger und strahlt durch die Blautöne auch eine gewisse Kälte aus.

Fazit:

Hat mir nicht ganz so gefallen wie der erste Band, daher gibt es diesmal nur 4 Sterne.

Veröffentlicht am 09.09.2024

Eine Hommage an einen fast Vergessenen

Wiener Herz am Sternenbanner
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Ernst Kaufmann, der als Autor von Kriminalromanen bekannt ist, hat mit dieser Biografie den Komponisten Bruno Granichstaedten (1879-1944) aus der Vergessenheit geholt.

Viele Leser werden denken, Bruno ...

Ernst Kaufmann, der als Autor von Kriminalromanen bekannt ist, hat mit dieser Biografie den Komponisten Bruno Granichstaedten (1879-1944) aus der Vergessenheit geholt.

Viele Leser werden denken, Bruno Granichstaedten?, nie gehört.

Bruno Granichstaedten war ein gefeierter Komponist jüdischer Abstammung aus Wien. Schnell wird klar, dass der Knabe musikalisch ist und erhält Klavierunterricht unter anderem von Anton Bruckner (1824-1896), dessen 200. Geburtstag aktuell gefeiert wird.

Ernst Kaufmann erzählt detailliert und pointiert aus Granichstaedtens Kindheit und Jugend sowie über die ersten Erfolge als Komponist, spart aber die eine oder andere Enttäuschung nicht aus. Der junge Granichstaedten hat viel Erfolg bei den Frauen, weshalb Privatleben mitunter ein wenig turbulent ist.

Nach der Machtübernahme der Nazis glaubt er, wie so viele andere jüdische Bewohner Österreichs, seine Teilnahme als Soldat im Ersten Weltkrieg sowie seine Bekanntheit können ihn retten, zu mal er ja katholisch getauft war. Während seine Tochter Johanna geradezu prophetisch die Gräuel des Regimes erkennt und 1938 in die USA emigriert, schafft es Bruno 1940 mit seiner aktuellen Lebenspartnerin und Sängerin Rosalie Kaufmann (1910-1979) gerade noch rechtzeitig nach Amerika. Sein Sohn Felix aus erster Ehe wird von der Gestapo abgeholt und 1943 ermordet.

Obwohl Granichstaedten einige Empfehlungen hat, kann er in Amerika nicht Fuß fassen. Zum einen hat er in den zahlreichen anderen geflüchteten jüdischen Komponisten, die es schon viel früher nach Amerika verschlagen hat, eine große Konkurrenz und zum anderen findet seine Musik nicht den Anklang wie erwartet.

Der herzkranke Bruno Granischstaedten stirbt am 30. Mai 1944 in New York.

Meine Meinung:

Ernst Kaufmann, dessen Vater der Bruder von Rosalie Granichstaedten-Kaufmann ist, hat hier eine lebendige Biografie des Komponisten geschrieben. Der Schatten, der durch die NS-Diktatur über Europa liegt, ist auch im Schreibstil zu finden. Die ersten Kapitel sind leicht und locker zu lesen. Bruno Granichsstaedten komponiert zahlreiche eingängige Melodien und hat mit seinen Operetten großen Erfolg. Nach und nach verdüstert sich Leben und Erzählung. Jüdische Musik ist nicht mehr gefragt und wird verboten, weshalb Granichstaedtens Einkommen stetig schrumpft. Er will Österreich respektive Deutschland, wie so viele seiner jüdischen Zeitgenossen, nicht verlassen. Seine Tochter Johanna (aus der Ehe mit Selma) hat hier den größeren Weitblick.

Die Jahre der Flucht in Luxemburg und die spätere Emigration in die USA haben wenig von der Leichtigkeit der Worte aus dem ersten Teil der Biografie gemein. So wie Granichstaedten als Person in eine Depression rutscht, wirkt auch die Schilderung seiner letzten Lebensjahre. Die Leichtigkeit der Zwischenkriegszeit mit Granichstaedtens Erfolgen ist verklungen.

Ernst Kaufmann, der selbst Musik studiert hat, beschreibt detailgetreu die Arbeit des Komponierens, die bei Grnaichstaedten oft bis zur Erschöpfung ging. Einmal im Flow, kann er nicht aufhören.

Das Buch enthält nicht nur die Beschreibung der wesentlichen Stationen von Bruno Granichstaedtens Leben, sondern auch zahlreiche Fotos aus seinem Nachlass, ein Werkverzeichnis, das die Vielseitigkeit des Künstler darstellt sowie Ausschnitte aus Zeitungskritiken, die in kursiver Schrift gehalten, sich vom übrigen Texte abheben und eine Zeittafel. Gut gefallen mir die Kurzbiografien von Bruno Granichstädtens Weggefährten wie Taufpate und Volksschauspieler Alexander Girardi, Komponist Anton Bruckner, Schriftsteller Frank Wedekind oder die Brüder Hubert und Ernst Marischka, die in der Nachkriegszeit mit den „Sissi-Filmen“ bekannt werden.

Im Vorwort würdigt Prof. Herbert Prikopa (1935-2015), selbst Künstler, Sänger und Kabarettist, Bruno Granischstaedten als großen Künstler.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser detaillierten Biografie des vielseitigen Künstlers Bruno Granichstaedten, der auf Grund seiner jüdischen Herkunft, im deutschen Sprachraum verfemt und zur Flucht getrieben worden ist, 5 Sterne.