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Venatrix

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Veröffentlicht am 26.08.2024

Ein gelungener Reihen-Auftakt

Die wilden Robbins (Band 1)
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Dieses Buch ist der erste Teil einer Kinderbuch-Serie von Nina Weger ab dem Lesealter von ca. 8 Jahren.

Worum geht’s?

Sommerrode ist ein typischer Reißbrett-Stadtteil: Breite Radwege, bepflanzte Vorgärten, ...

Dieses Buch ist der erste Teil einer Kinderbuch-Serie von Nina Weger ab dem Lesealter von ca. 8 Jahren.

Worum geht’s?

Sommerrode ist ein typischer Reißbrett-Stadtteil: Breite Radwege, bepflanzte Vorgärten, getrimmte Rasen und eine nach ökologischen Gesichtspunkten angelegte Insektenwiese. Alles muss seine Ordnung haben. Der Müll muss getrennt werden und die Hinterlassenschaft von Murkel, Riekes und Minnas Hund, muss, stets beäugt von Fr. Krone-Essing, in den dafür vorgesehen Behälter entsorgt werden.

Um das letzte Fleckchen Wildnis in dem idyllischen Sommerrode ein Kampf ausgebrochen. Zwei Kinderbanden, die Dirt Bike Ritter und die Robins, wollen die „G’stetten“, wie man in Wien sagt, jeweils für sich allein als Abenteuerspielplatz. Die Robins, zu denen Rieke, ihre kleine Schwester Minna, Liesel und Bretti gehören, sind dabei ihr ‚Sommerwood Forest‘ zu errichten: Ein Baumhaus und eine Hängebrücke sind in Arbeit, eine Wasserleitung ist geplant.

Die Dirt Bike Ritter hingegen wollen die Wildnis für sich, um Erdhügel als Fahrradrampen zu benützen und als wilde Ritter auf Rädern, ihre Geschicklichkeit zu demonstrieren.

Die beiden Gruppen, man könnte es auch als Geschlechterkampf sehen, bekämpfen sich ideereich und übersehen beinahe, dass die Gefahr für ihre Wildnis von einem mächtigeren Gegner ausgeht. Denn der Bürgermeister will einen, nach allen Regeln der Sicherheit und Pädagogik sterilen Spielplatz anlegen lassen. Ein Spielplatz, der vor allem für Eltern gedacht ist, die ihre Sprösslinge beim kalkulierten Toben, beobachten wollen.

Für die fantasiebegabten Kinder beider Gruppen ein absoluter Albtraum!

Die beiden verbünden sich und sieben kleine Revoluzzer trotzen Bürgermeister und Eltern.

Meine Meinung:

Dieses Kinderbuch hat mir sehr gut gefallen! Es zeigt deutlich, dass das was sich Stadtplaner und Eltern unter Spielplatz vorstellen, wenig mit dem zu tun hat, was Kinder in ihrer Entwicklung fordert und fördert. Ein Stück Wildnis bedeutet Entdecken mit allen Sinnen, regt die Fantasie an während die Spielplätze aus dem Katalog nach wenigen Stunden und Tagen enttäuscht verlassen werden.

Gut gelungen ist auch die Zusammensetzung und Beschreibung der Kinderbanden. So dürfen Mädchen wie Rieke energisch und der Bretti, ein wenig ängstlich sein. An Ideen, wie sie den Bürgermeister und die Eltern austricksen, um ihren Abenteuerspielplatz als Wildnis überlassen zu bekommen, mangelt es nicht.

Die Geschichte ist schwungvoll erzählt und durch die liebevollen Illustrationen Iris Hardt lebendig gestaltet. Zu Beginn sieht man den Plan der Reißbrettsiedlung.

Fazit:

Diesem gelungenen Reihen-Auftakt voller Humor und Action, der weder ins Alberne, Absurde oder Zerstörerische abdriftet, gebe ich gerne 5 Sterne.

Veröffentlicht am 24.08.2024

Hat mich nicht ganz überzuegt

Die Villa der Architektin
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Wenn heute endlose Touristenströme durch Rom fluten und über die prunkvollen Palazzi staunen, wird man kaum daran erinnert, dass auch Frauen als Künstlerinnen ihren Anteil hatten.

In ihrem historischen ...

Wenn heute endlose Touristenströme durch Rom fluten und über die prunkvollen Palazzi staunen, wird man kaum daran erinnert, dass auch Frauen als Künstlerinnen ihren Anteil hatten.

In ihrem historischen Roman "Die Villa der Architektin" schildert die italienische Autorin Melania G. Mazzucco das Rom des 17. Jahrhunderts in seiner ganzen Widersprüchlichkeit. Die Stadt erlebt in dieser Zeit einen Bau-Boom und wächst in ihrem barocken Glanz. Wie es in diesem Business, heute wie damals üblich ist, hofieren mächtige Männer andere mächtige Männer und schanzen sich gegenseitig prestigeträchtige Aufträge zu.

Frauen führen in dieser Zeit ein Leben im Verborgenen. Die meisten sind Ehefrauen und Mütter manche Kurtisanen oder Klosterfrauen. Künstlerinnen sind sie kaum, auch wenn so manche Tochter eines Künstlers Malunterricht erhält. Sie dürfen sich an kleinformatigen Blumenbildern wagen, bis es zu ihrer Verheiratung kommt. Danach sind sie - siehe oben - Ehefrauen und Mütter.

Eine Ausnahme hier ist die Römerin Plautilla Bricci (1616-1705), die als Tochter eines Malers und Komödianten Malunterricht erhält. Schon als Kind malt sie Heiligenbilder, die angeblich durch göttliche Eingebung entstanden sind - zumindest verkauft sich diese Geschichte recht gut. Berühmt wird sie durch das Altargemälde „Madonna mit Kind“, das sie mit 13 Jahren als Auftragsarbeit malt. Damit ist sie die erst vierte Frau, die einen solchen Auftrag aus dem Klerus erhält. Später wird sie für ein paar Jahre als Ehrenmitglied in die Accademia di San Luca, einer 1577 gegründeten Künstlervereinigung, aufgenommen.

Sie arbeitet mit dem Bildhauer Gian Lorenzo Bernini zusammen und macht die Bekanntschaft mit dem kunstsinnigen und umtriebigen Abt Elpidio Benedetti. Dieser ist der Kunstagent von Kardinal Jules Mazarin und König Ludwig XIV.. Mit Elpidio Benedetti wird sie zeitlebens ein Verhältnis haben, das vermutlich über eine reine Freundschaft hinausgeht, bevor sie sich entschließt, ihren Lebensabend hinter Klostermauern zu verbringen.

Benedetti verschafft ihr zahlreiche Aufträge. Unter anderem gestaltet sie in der Kirsche San Luigi dei Francesi eine barocke Kapelle. Bekannt ist Plautilla Bricci durch die 1663 von in Trastevere ihr entworfene Villa Benedetta. Dort feilscht sie mit dem Baumeister um passendes Baumaterial und eignet sich Kenntnisse in der Verarbeitung von Stuck an. Das Bauwerk als „Il Vascello“ (Das Schiff) bekannt, wird während des Risorgimentos und den damit verbundenen Kämpfen durch französische Truppen 1849 zerstört.

Obwohl Plautilla Bricci als erste Architektin gilt, sind kaum Dokumente oder Bauten überliefert. Melania G. Mazzucco hat zahlreiche Archive durchforstet. In der Urkunde zur Villa Benedetta lässt sich der Begriff „architettice“, also die weibliche Form zu „architetto“ entdecken.

Soweit die wenigen Fakten, die belegt sind. Die großen Lücken dazwischen füllt die Autorin mit Geschichten und G’schichtln aus der damaligen Zeit, sowie mit viel Fantasie aus. Manche Stellen ihres Romans ähneln jenem über das Leben einer anderen Barockkünstlerin: Artemisia Gentileschi (1593 - 1654). Intrigen bestimmen das Leben beider Frauen, wechselnde Vermögensverhältnisse ebenso. Briccis Familie muss mehrmals umziehen, da man die Miete nicht mehr zahlen kann und sie daher schuldig bleibt - Mietnomaden im Barock.

Dieser historische Roman, als Biografie kann ich das Buch nicht sehen, zeichnet ein von Männern dominiertes Bild des Barock, in dem auch Herrscherinnen wie Anna von Österreich (Ehefrau von Ludwig XIII., also Königin von FRankreich) als mögliche Mäzenin Briccis, wenig ausrichten können.

Vielleicht finden sich ja in anderen Archiven mehr Hinweise auf Plautilla Briccis Werke. Ganz kann ich die Vorschusslorbeeren, die Mazzuccos Roman erhält, nicht nachvollziehen. Die Persönlichkeit Plautilla wird durch die Beschreibung des Zeitgeschehens wie hohe Säuglings- und Müttersterblichkeit sowie der Pestepidemie von 1656 und den Quarantänemaßnahmen überlagert. Breiten Raum nimmt das (wahrscheinliche) Liebesverhältnis zwischen Elipidio und Plautilla ein. Dass hohe Geistliche Geliebte und Kinder haben, ist im Rom des Barock nichts Außergewöhnliches.

Das Buch liest sich angenehm und ist durchaus lesenswert, auch wenn es eher Abbild der Zeit mit allen ihren Intrigen, Glanz und Elend sowie der barocken Üppigkeit ist, als die Biografie einer Frau, die Malerin und Architektin war.

Fazit:

Diesem historischen Roman, der versucht, der lange in Vergessenheit geratenen Plautilla Bricci ein literarisches Denkmal zu setzen, gebe ich gute 3 Sterne.

Veröffentlicht am 21.08.2024

Eine Leseempfehlung

Freunderlwirtschaft
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Dass Alma Oberkofler in ihrem ersten Fall als leitende Ermittlerin der Abteilung Leib und Leben in Wien ausgerechnet den Tod des Landwirtschaftsministers untersuchen muss, hätte sie sich nicht gedacht. ...

Dass Alma Oberkofler in ihrem ersten Fall als leitende Ermittlerin der Abteilung Leib und Leben in Wien ausgerechnet den Tod des Landwirtschaftsministers untersuchen muss, hätte sie sich nicht gedacht. Ein einfacher Eifersuchtsmord oder einer im Drogenmilieu hätte es als Einstand in der neuen Dienststelle wohl auch getan.

Nun stellt sich die Frage: Mord oder Unfall? Und wo ist die Lebensgefährtin des Ministers? Schon auffällig, dass die ausgerechnet jetzt verschwunden ist. Während Almas Team auf die Suche nach der jungen Frau geht, beschäftigt sich Alma mit der beruflichen Seite des Toten, denn als Politiker hat man neben Parteifreunden auch einige Feinde.

Und immer, wenn es um einen toten Politiker geht, gibt es Einflussnahmen von allen Seiten. Alma Oberkofler, die schon als Kind Polizistin werden wollte, bekommt selbstredend einen Mitarbeiter des Staatschutzes an die Seite gestellt. Doch davon lässt sie sich nicht irritieren und deckt einige Geheimnisse auf, die einige aus dem Dunstkreis des Toten lieber unentdeckt gesehen hätten....

Meine Meinung:

Dieser Krimi ist der erste aus Petra Hartliebs Feder. Die Autorin ist durch ihre Bücher wie „Frühlinge in Wien“ oder „Meine wundervolle Buchhandlung“ bekannt. Der vorliegende Krimi „Freunderlwirtschaft“ ist nicht nur eine Hommage an Wien, sondern eine ironische Betrachtung der österreichischen Innenpolitik in der smarte Slim-Fit Politiker hinter den Kulissen so manche Freunderlwirtschaft innerhalb ihrer Buberlpartie pflegen. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind natürlich nicht beabsichtigt und daher gänzlich ausgeschlossen. Eon Schelm, der da denkt, die Autorin hätte ihr Anleihen an der aktuellen oder den vergangenen Bundesregierungen genommen. Herzlich lachen musste ich über die fiktive Wirtschaftsministerin mit den Initialen MS, denn reale war von 2017-2022 „meine“ Ministerin.

Geschickt sind politische Intrigen, alte Freundschaften und neue Allianzen in die Ermittlungen verwoben. Die Autorin versteht es meisterhaft, die Spannung bis zum Ende aufrechtzuerhalten. Hervorheben möchte ich, dass dieser Krimi ohne unnötige Gewalt oder übertriebene Dramatik auskommt. Daher werden Liebhaber von Action-Thrillern hier nicht auf ihre Rechnung kommen. „Freunderlwirtschaft“ lebt der Roman von seiner atmosphärischen Dichte und dem subtilen Witz.

In einem Zeitalter, in dem sich die aktuellen Politiker täglich selbst karikieren, ist es nicht einfach, einen humorvollen Krimi zu verfassen. Petra Hartlieb ist es hier gelungen.

Die Charaktere sind liebevoll gestaltet. Besonders Alma Oberkofler, deren Kindheit durch den gewaltsamen Tod ihrer Schwester geprägt war, ist sehr gut gelungen. Geschickt zeigt Petra Hartlieb mögliche Beziehungen zwischen Politikern, die verschiedene Netzwerke unterhalten, auf.

Neben Alma ist die verschwundene Verlobte des Ministers ein spannender Charakter. Anfangs ein wenig unterschätzt und versteht sie es, elegant die Kurve zu kratzen, was man ihr gar nicht zugetraut hätte.

Das Cover, das in der Farbe türkis gehalten ist, lässt natürlich Assoziationen aufkommen, hebt sich von den sonst üblichen dunklen oder blutigen, die für Krimis verwendet werden, wohltuend ab.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem lesenswerte Krimi, der mir unterhaltsame und spannende Lesestunden beschert hat, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 20.08.2024

Sprachlich ein Genuss

Nur nachts ist es hell
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Nach „Über Carl reden wir später“ ist dies nun der zweite Teil der Familien-Saga rund um die Familie Brugger. Diesmal steht Elisabeth, die einzige Tochter im Mittelpunkt. Die Geschichte wird aus ihrer ...

Nach „Über Carl reden wir später“ ist dies nun der zweite Teil der Familien-Saga rund um die Familie Brugger. Diesmal steht Elisabeth, die einzige Tochter im Mittelpunkt. Die Geschichte wird aus ihrer Sicht erzählt, wobei Elisabeth auch gleichzeitig als Erzählerin fungiert.

Vater Albert Brugger, scheint ein moderner Vater zu sein, denn die aufgeweckte Elisabeth darf nach der Volksschule eine höhere Schule besuchen. Dazu muss ein Teil der Familie nach Wien übersiedeln: Bruder Gustav, der Medizin studieren will und Elisabeth übersiedeln mit der Mutter in die Großstadt. Der Vater und Bruder Carl bleiben im Mühlviertel, Eugen, sein Zwillingsbruder wandert in die USA aus. Elisabeth maturiert 1913 in der Rahlgasse, einem der ersten Mädchengymnasien Wiens, beginnt ihr Medizinstudium. Wenig später bricht der Erste Weltkrieg aus und sie verpflichtet sich als Krankenschwester. Gustav kehrt aus dem Krieg nicht zurück. Dafür steht plötzlich Georg, einer seiner Studienkollegen und Nachfahre einer Ärztedynastie, kriegsversehrt, vor ihrer Tür. Man heiratet, Elisabeth absolviert zwischen zwei Schwangerschaften ihr Studium, macht die Facharztausbildung zur Gynäkologin und teilt später sich mit ihrem Mann eine Praxis.

Elisabeth liebt ihren Beruf und die Anliegen der Frauen sind ihr wichtig. Vor allem jene, der benachteiligten, die
für Hungerlöhne arbeiten müssen und Jahr um Jahr ein Kind bekommen. Diese Haltung bringt ihr dann auch einen kurzen Gefängnisaufenthalt ein.

Der Zweite Weltkrieg bringt den Selbstmord ihres Mannes und das Nichtwissen über den Verbleib des älteren Sohnes sowie die ärztliche Tätigkeit an der Ostfront.

Nun, wir sind in den 1970er-Jahren angekommen, rekapituliert sie ihr Leben, schreibt es für ihre Großnichte, die bei ihr lebt, auf.

Meine Meinung:

Dieser zweite Teil der Familiengeschichte ist penibel recherchiert und gekonnt in die Weltgeschichte eingebettet. Wir erfahren so manches Familiengeheimnis wie den Tausch der Lebensläufe der Zwillingsbrüder Carl und Eugen sowie die daraus entstehenden Komplikationen. Warum der Identitätstausch? Das müsst ihr selbst lesen.

Sehr gut haben mir die vielen Details, die der feinen Beobachtungsgabe von Elisabeth geschuldet sind, gefallen. Mit ihren Emotionen hält sie sich ein wenig zurück. So ist sie erzogen worden und passt ausgezeichnet zu ihrem Charakter.

Der Erzählstil ist ausgewogen und bezieht auch ihre Eltern und die Brüder, sowie Ehemann und Schwiegerfamilie in ihre Betrachtungen ein. Geschickt wird der Eindruck erweckt, dass Elisabeth wirklich neben dem Leser sitzt und erzählt. Als Hörbuch muss das grandios sein! Und genau wie in gesprochenen Erinnerungen wird nicht alles chronologisch erzählt. Manchmal springt sie in ihrem Leben nach vor und dann gibt es einen Gedanken, der sie an ein lange zurück liegendes Ereignis erinnert. Das katapultiert Elisabeth weit in ihre Vergangenheit zurück. Auch die eine oder andere Wiederholung kommt vor, was aber aus meiner Sicht nicht störend ist. Das passiert einfach in der Rückschau auf ein langes Leben.

Sprachlich ist der Roman ein Genuss. Nun muss ich mir noch den Vorgänger besorgen

Fazit:

Gerne gebe ich diese wunderbar erzählten Familien-Saga 5 Sterne.

Veröffentlicht am 18.08.2024

Eine gelungene Fortsetzung

Die toten Engel vom Montmartre
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„Es war weder die Nachtigall noch die Lerche, die Commissaire Geneviève Morel an diesem frühen Sonntagmorgen im August aus dem Schlaf riss.“

Der erfahrene Krimi-Leser weiß, dass es das Diensthandy der ...

„Es war weder die Nachtigall noch die Lerche, die Commissaire Geneviève Morel an diesem frühen Sonntagmorgen im August aus dem Schlaf riss.“

Der erfahrene Krimi-Leser weiß, dass es das Diensthandy der toughen Ermittlerin ist, das zur Unzeit läutet.

Genevièvs traute Zweisamkeit mit Dr. Henry Martel wird jäh durch einen bizarren Mord an einer jungen Frau gestört. Man findet die Leiche auf einem Flügel der bekannten La Moulin de la Galette wie gekreuzigt festgebunden, bekleidet mit einem Kostüm aus dem Varieté Moulin Rouge.

Noch während sie ihr Team organisiert, entdeckt sie, dass Olivia, ihre Großmutter etwas im Schilde führen muss, kauft sie doch am bekannten Pariser Flohmarkt getragene, hässliche Kittelschürzen. Für ein Kostümfest mit dem Motto „Vintage Pöbel“, was wie Geneviève denkt, wieder gut zu ihrer Mamie passt. Ganz nebenbei erfährt sie von Mamie noch, dass zwei französische Politiker ermordet worden sind, angeblich mit Nervengift und, dass eines der berühmten Fabergé-Eier beim renommierten Juwelier Tassos als Leihgabe des St. Petersburger Museum nur mehr wenige Tage in Paris zu sehen sein soll.

Da sich Geneviève zunächst sich mit dem Mord beschäftigen muss, misst sie diesen Informationen wenig Bedeutung bei.

Wenig später erfährt Geneviève, dass die junge Frau, Charlene Garcia, schwanger war und in einem luxuriösen Appartement in der sündteuren Metropole gelebt hat und, dass es ein zweites Opfer gibt: Ambre Denaux, eine vielversprechende junge Opernsängerin, deren Tod und die Umstände, dem Charlenes gleichen.

Doch die Ermittlungen gestalten sich schwierig, dann außer, dass die beiden toten Frauen keine Französinnen sind und keine Familie haben, ist nichts über sie herauszufinden. Selbst Lunette Lizeroux, ihre rechte Hand und Spezialistin, wenn es darum geht, geheime Informationen zu beschaffen und ihre Verbindungen fördern nichts zutage.

Als sich nun die BRI, die Brigade recherche et d’intervention, in Person ihres Leiters Olivier Guyon einmischt und ihr den Fall entziehen will, ist klar, dass hier mehr dahinter stecken muss. Die Frage ist nur WAS?

Verärgert aktiviert Geneviève die Kontakte ihrer Familie und sticht die eine oder andere Information zu einem ehrgeizigen Journalisten durch.

„Was erwarten Sie davon? Außer, dass sich die BRI grün und blau ärgern wird?“
„Wäre das nicht schon genug?“

Allerdings darf Geneviève Olivier Guyon nicht unterschätzen, denn seine Andeutung über das Business der Familie Morel Bescheid zu wissen, könnte gefährlich werden.

Meine Meinung:

Dieser Krimi ist eine gelungene Fortsetzung, der mich grundsätzlich begeistern konnte. Allerdings mit einer Ausnahme, nämlich der Entwicklung, die Lunette Lizeroux durchmachen muss. Die ehemalige Mitarbeiterin der BRI, die beim Terroranschlag auf Bataclan ein Bein verloren hat, wird, nachdem sie im ersten Fall als intelligente und scharfsinnige Frau vorgestellt worden ist, zu einem dümmlich kichernden, Champagner schlürfenden Mäuschen degradiert. Nein, lieber Herr Autor, das geht gar nicht!

Herzlich lachen musste ich über Mamies Auftritt beim Juwelier Tassos als exzentrische Madame Pommery. Tja, so ist das eben: Man sieht nur, was man kennt oder zu kennen glaubt.

Und der kleine Einkaufsbummel von Mamie, Geneviève und Letizia, ihrer zu Besuch weilenden Schwägerin, ist einfach zum Wiehern.

Der Schreibstil ist locker und leicht. Hinter dem Autorennamen René Laffite steckt ein österreichischer Krimiautor, der seiner Liebe zu Frankreich und dem savoir-vivre hier ausgiebig frönen darf. Geschickt nimmt er seine Leser auf eine kleine Besichtigungstour abseits der sonst üblichen touristischen Trampelpfade mit. An der Seite von Geneviève und Letizia erkunden wir den Montmartre, lassen uns bei einem formidablen Diner auf dem Eiffelturm verwöhnen und schnuppern in das Leben der Tänzerinnen des Moulin Rouge, das nicht nur aus Applaus und Glitzer, sondern vor allem aus harter Arbeit besteht.

Fazit:

Dieser gelungenen Fortsetzung gebe ich gerne 4 Sterne. Die Degradierung von Lunette Lizeroux kostet den 5. Stern.