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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.07.2024

Eine gelungene Fortsetzung

Der goldene Tod
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"Der goldene Tod" von Florian Wacker ist bereits der zweite Krimi rund um die Frankfurter Staatsanwältin Greta Vogelsang, die sich mit der Aufklärung von Straftaten im Bereich Umwelt und Artenschutz befasst. ...

"Der goldene Tod" von Florian Wacker ist bereits der zweite Krimi rund um die Frankfurter Staatsanwältin Greta Vogelsang, die sich mit der Aufklärung von Straftaten im Bereich Umwelt und Artenschutz befasst. Diesmal allerdings hat sie es gleich mit zwei, eigentlich mit drei, Fällen zu tun: Robert Altmann, Ex-Lover und militanter Linker, übergibt ihr heimlich ein Kuvert mit brisanten Informationen. Wenig später wird er ermordet im Sperrmüll hinter einem besetzten Haus aufgefunden.

Der zweite Fall ist nicht weniger brisant, werden sie und ihr Kollege doch von ihrem Vorgesetzten beauftragt, heimlichen Ermittlungen gegen Oberstaatsanwalt Richard Wassermann-Schlotz anzustellen. Der steht im Verdacht, in unsaubere Geschäfte verwickelt zu sein.

Gleichzeitig stirbt der egozentrische Geschäftsmann Marc Bretone nachdem er auf seiner Geburtstagsparty ein mit Blattgold überzogenes Steak gegessen hat, an einer Vergiftung mit Milzbrand besser bekannt als Anthrax. Niemand kann sich zunächst erklären, wo er sich mit diesem gefährlichen Bazillus angesteckt hat.

Ob und wie die drei Handlungsstränge zusammenhängen, kann man in diesem fesselnden Krimi lesen.

Daneben muss ich Greta noch um ihre demente Mutter kümmern. Alles in allem balanciert Greta Vogelsang am Rande eines Burnout, denn der Mord an Robert Altmann geht ihr näher als sie es vermutet hat, denn die beiden haben eine gemeinsame Vergangenheit.

Meine Meinung:

Dem Vernehmen nach beruht dieser Krimi auf wahren Vorfällen, die vor einiger Zeit die Frankfurter Staatsanwaltschaft erschüttert haben. Als Österreicherin habe ich davon nicht mitbekommen, dafür einen spannenden Krimi gelesen. Interne Ermittlungen sind für niemanden angenehm. Weder für die Ermittler noch für den ins Visier geratenen oder die Behörde.

Zunächst einmal ist mir der Schmuggel mit illegal eingeführtem Fleisch afrikanischer Wildtiere nicht bekannt gewesen. Nun ja, die Dekadenz und Geschäftemacherei kennt wohl keine Grenzen. Es wird schon etwas Wahres dran sein, denn auch in Wien gibt es das eine oder andere Lokal in dem man exotische Speisen konsumieren kann. Woher die Zutaten kommen? Keiner weiß es und will es vermutlich auch gar nicht wissen. Ich halte mich lieber an österreichisches Fleisch. Der Schmuggel mit bushmeat scheint ein lukrativer Job zu sein, wobei die afrikanische Jäger davon am wenigsten haben. Obwohl das Risiko beim Schmuggeln erwischt zu werden, nicht allzu groß ist, sind die Gewinnmargen riesig.

Wie schon im ersten Fall („Spur der Aale“) entwickelt sich der aus Sicht der Staatsanwaltschaft verfasste Krimi nur langsam und kommt ohne quietschende Reifen bei Verfolgungsjagden aus. Das bedeutet aber nicht, dass beim Lesen Langeweile aufkommt. Im Gegenteil! Wir dürfen hinter die Kulissen der Arbeit der Staatsanwälte blicken. Der Leser ist den Staatsanwälten immer einen Schritt voraus. Trotzdem ist für Spannung gesorgt. Wie heißt es so schön? „Der Weg ist das Ziel“. Das ist auch hier der Fall. Es ist eher der Weg zu Aufklärung, das Thema bushmeat und korrupte Behördenvertreter, die für Spannung im Krimi sorgen.

Greta Vogesang balanciert am Rande eines Burnout, denn der Mord an Robert Altmann geht ihr näher als sie es vermutet hat, denn die beiden haben eine gemeinsame Vergangenheit. Auch die Belastung durch ihre demente Mutter ist heftig, denn mehrmals muss Greta sie, gemeinsam mit ihrem Lebenspartner Mike und ihrem Vater, in der Stadt suchen. Wir lernen nicht nur die toughe Staatsanwältin kennen, sondern eine Frau, die an ihrem Job zweifelt. Das macht sie sehr menschlich.

Die Samen für einen dritten Fall ist auch schon gelegt, denn Mikes Schwester, die in einer Firma arbeitet, die sich mit industrieller Produktion von Wasserstoff arbeitet, kommt unverhofft zu Besuch.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem, von einem wahren Ereignis inspirierten, Krimi 5 Sterne.

Veröffentlicht am 07.07.2024

Leider nichts für mich

Totholz
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Nach der Lektüre dieses 11. Fall für das Ermittler-Duo Wallner & Kreuthner weiß ich wieder, warum die fünf anderen Krimis im Keller verstauben.

Da ist zunächst einmal der wenig glaubhafte Plot, dass ...

Nach der Lektüre dieses 11. Fall für das Ermittler-Duo Wallner & Kreuthner weiß ich wieder, warum die fünf anderen Krimis im Keller verstauben.

Da ist zunächst einmal der wenig glaubhafte Plot, dass ein Polizist mit einer Kanone des 18. Jahrhunderts seine ebenfalls (schwarz) Schnaps brennende Konkurrenz ausschalten will und dabei beträchtlichen Sachschaden anrichtet, die Geschädigte aber keine Anzeige erstattet, aber einen Deal mit der Polizei eingehen will, der eine unbekannte Leiche zu Tage fördert.

Des weiteren komme ich mit den Charakteren ebenso wenig zurecht, wie mit dem (angeblich) bayrischen Humor. Der Schreibstil gleitet manchmal in slapstick-artige Szenen ab, die auf mich leider sehr konstruiert und bemüht wirken. Es tut sich sehr viel, ja, eigentlich zu viel. Fast jeder hat etwas zu verbergen.

Nein, das ist leider keine Reihe für mich. Ich denke, ich werde die Krimis in die nächsten Bücherzelle bringen. Vielleicht finden die Krimis ein neues Zuhause.

Fazit:

Leider kann ich diesem Krimi nicht viel abgewinnen, daher nur 2 Sterne.

Veröffentlicht am 07.07.2024

Ein sehr gut gelungenes Krimi-Debüt

Kleopatras Grab
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"Gerechtigkeit erfordert bisweilen Opfer."

Alexandria, die ägyptische Stadt am Mittelmeer hat eine wechselhafte Geschichte. Sie hat zahlreiche Herrscher kommen und gehen gesehen. Daher ist sie ein Konglomerat ...

"Gerechtigkeit erfordert bisweilen Opfer."

Alexandria, die ägyptische Stadt am Mittelmeer hat eine wechselhafte Geschichte. Sie hat zahlreiche Herrscher kommen und gehen gesehen. Daher ist sie ein Konglomerat ihrer Vergangenheit. Moderne trifft Tradition, unterschiedliche Religionen existieren nicht immer friedlich nebeneinander und das Patriarchat erfreut sich bei Männern größter Beliebtheit. Frauen in einem Männerberufen? Etwa bei der Polizei?

Das ist der Hintergrund dieses Krimis in dem Kommissarin Theodora „Theo“ Costanda den Mord an einem griechisch-orthodoxen Priester aufklären soll. Dazu wird ihr der junge Fadi al-Sawi zur Seite gestellt. Theo ist gewöhnt, alleine zu arbeiten und vermutet überdies in Fadi einen Konkurrenten zumal er kurzfristig nach Alexandria versetzt worden ist.

Bei den Ermittlungen stoßen sie im Umfeld des Toten auf eine Mauer des Schweigens, aber auf einen reichen französischen Hobby-Archäologen, der sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt hat: Er will das geheimnisumwitterte Grab der Kleopatra finden.

Wenig später, Theo und Fadi gehen einer vagen Spur nach, werden ihre Ermittlungen nicht nur behindert, nein, Theo wird von diesem Fall abgezogen. Fadi al-Sawi soll alleine weiterarbeiten.

Doch Aufgeben ist für Theo keine Option. Das entspricht nicht ihrem Charakter, zudem ist schon viel zu tief in die Materie eingedrungen. Noch ahnt sie nicht, wie nahe sie jenem Geheimnis ist, das um jeden Preis, auch um den des eigenen Lebens, geschützt werden muss.

Meine Meinung:

Dieses Krimi-Debüt des Nachrichtensprechers Constantin Schreiber, der sich als arabisch sprechender Kenner Berater zahlreicher Politiker einen Namen gemacht hat, hat mir sehr gut gefallen.

Obwohl in Alexandria so ziemlich jedes Gebäude, jeder Stein auf seine Historie abgeklopft worden ist, scheint die Suche nach einer bislang unbekannten archäologischen Sensation weiter zu gehen. Er beleuchtet die unterschiedlichen Gruppierungen innerhalb der Gesellschaft bzw. der Religionen ebenso wie die Politik. Es gelingt ihm sehr gut, die Spannungen in der Gesellschaft aufzuzeigen. Obwohl es den Anschein hat, dass Christen, säkulare und traditionell denkende Muslime, wenn schon nicht miteinander, zumindest nebeneinander existieren können, brodelt es unter der dünnen Lackschicht. Ein Klima, in dem alte und neue Geheimgesellschaften regen Zulauf finden. Und es ist genau dieses Umfeld, in dem die toughe Kommissarin ermitteln muss. Nichts ahnend, dass die Arme einer dieser elitären Geheimbünde bis weit in die Regierungskreise hineinreichen. Immerhin gibt es ein Geheimnis, das um jeden Preis, auch um den des eigenen Lebens, geschützt werden muss.

Constantin Schreiber gelingt es sehr gut, das pulsierende Leben in Alexandria darzustellen. Das schließt auch häusliche Gewalt, in der Ehemänner ihre Frauen und Väter ihre Töchter misshandeln mit ein. Die Frauen haben keine Hilfe von außen zu erwarten. Auch die (männlichen) Vertreter der griechisch-orthodoxen Kirche verweigern ihnen Hilfe. Frauen hätten einfach zu dienen - Punktum.

"Anklage erheben? Wir? Frauen? Männer misshandeln in dieser unseren Gesellschaft Frauen und bekommen Recht!"

Sehr geschickt werden historische Fakten über Kleopatra und ihre Schwestern Arsinoë und Berenike, die ja griechische Prinzessinnen waren, sowie die politische Liebesgeschichten mit Caesar und Marcus Antonius in den Krimi eingeflochten. Die Herleitung des Marienkultes in vielen christlichen Bekenntnissen wird vielleicht für den einen oder anderen Leser neu sein. Mir ist diese Verknüpfung von alten vorchristlichen Riten mit dem Christentum schon lange bekannt.

Der Schreibstil ist sehr gut gelungen. Durch die gewählte Erzählzeit, das Präsens, ist der Leser nahe am Geschehen dran.

Der Spannungsbogen ist hoch gehalten, denn Theodora Costanda weiß lange Zeit nicht, wer Freund oder Feind ist. Ich hatte recht bald eine Idee, wer der Maulwurf im Kommissariat sein müsse und bin letztlich bestätigt worden. Der Showdown gliedert sich in zwei Teile, von denen der erste recht spektakulär ist und der zweite stark an Agatha Christies Auflösungen erinnert.

Die Charaktere, allen voran Theodora Costanda sind sehr gut ausgearbeitet.

Eine Fortsetzung ist bereits angekündigt. In „Echnatons Fluch“ bekommt es Theodora Costanda mit einer Endzeitsekte zu tun. Erscheinungstermin Mai 2025. Ich freue mich schon drauf.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem gelungenen Krimi-Debüt, das durch einen spannenden und vielfältigen Plot, gut gestalteten Charakteren und geschichtlichem Hintergrund Ägyptens aufwarten kann, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 06.07.2024

Ein gelungener Auftakt einer neuen Reihe

Baskerville Hall - Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente
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Auch Bestsellerautoren waren ein Mal jung und Schüler. Hier wird mit viel Fantasie und Humor die fiktive Schulzeit von Arthur Conan Doyle, der wie man weiß Autor der Sherlock Holmes Kriminalromane ist, ...

Auch Bestsellerautoren waren ein Mal jung und Schüler. Hier wird mit viel Fantasie und Humor die fiktive Schulzeit von Arthur Conan Doyle, der wie man weiß Autor der Sherlock Holmes Kriminalromane ist, präsentiert. Natürlich ist dieses Buch keine Biografie, sondern ein Abenteuerroman für Kinder ab 10 Jahren.

In diesem Auftakt zu einer mehrteiligen Krimi-Reihe begegnen wir dem analytisch denkenden Arthur Conan Doyle, der frustriert die Schule Schule sein lassen will, weil ihm langweilig ist und alle bisherigen Rätsel gelöst sind. Als er einem Baby das Leben rettet, wird er als Held gefeiert. Wenig später erhält er die Einladung für das geheimnisumwitterte Internat Baskerville Hall.

"Wir verschwenden unsere Zeit nicht mit Grammatiklektionen oder halten uns mit sinnlosen Benimmregeln auf."
erklärt Mr. Challenger, der Direktor des Internats, der seinen neuesten Schüler mit einem Luftschiff abholt.

Das klingt doch nach einer besonderen Schule, oder?

Meine Meinung:

Dieses Buch über ein besonderes Internat ist Auftakt einer Reihe von Detektivgeschichten für Kids ab 10 Jahren.
Über den Inhalt möchte ich nichts verraten.

Freut euch auf die Abenteuer der ungewöhnlichen Schülerinnen und Schüler. Die agierenden Charaktere haben spezielle Namen: Da ist z.B. das Mädchen Pocket, dessen Kleidung nur aus Taschen zu bestehen scheint, und ein Physiklehrer namens Dr. Watson.

Der Schreibstil ist locker und flüssig und lässt die Seiten nur so dahin fliegen. Junge Hobbydetektive werden ihre Freude an den zahlreichen Rätseln haben.

Eine kleine Anmerkung: Das eine oder andere beschriebene Experiment scheint ein wenig waghalsig zu sein. Da hätte ich mir schon eine Anmerkung auf die Gefahren gewünscht. Das kostet einen Stern.

Fazit:

Gerne gebe ich diesen Abenteuergeschichten 3 Sterne.

Veröffentlicht am 05.07.2024

Eine Hommage an eine fast Vergessene

Der Blick einer Frau
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„Für Gerda Taro, die ein Jahr an der spanischen Front verbrachte und dort blieb.“

Caroline Bernard, die schon mehrere Romanbiografie über bekannte Frauen wie Frida Kahlo, Lisa Fittko oder Alma Mahler-Werfel ...

„Für Gerda Taro, die ein Jahr an der spanischen Front verbrachte und dort blieb.“

Caroline Bernard, die schon mehrere Romanbiografie über bekannte Frauen wie Frida Kahlo, Lisa Fittko oder Alma Mahler-Werfel geschrieben hat, widmet sich in dieser hier einer beinahe Vergessenen: Nämlich Gerta Pohorylle, die 1910 als älteste Tochter eines aus Galizien (Österreich-Ungarn) eingewanderten jüdischen Ehepaares geboren wurde. Wie aus der Sozialistin Gerta Pohorylle die Fotografin Greta Tao wird, erzählt Caroline Bernard in diesem Roman.

Als die junge Christina 1996 bei der Entrümpelung eines Hauses in Mexico City auf dessen Dachboden einen alten Koffer mit Negativen findet, ist ihr, als Fotografin recht schnell klar, dass sie einen interessanten Fund gemacht hat. Wie wertvoll diese Fotos, die großteils im Spanischen Bürgerkrieg entstanden sind und welche Bedeutung ein besonderes Foto für sie haben wird, ist die Rahmenhandlung zu Greta Taros Geschichte.

Man schreibt das Jahr 1935. Gerta lebt wie viele andere deutsche Juden im Pariser Exil. Ohne Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung ist das Leben ein Drahtseilakt. Sie lernt Endre Friedmann kennen, einen jüdischen Flüchtling und Fotografen aus Ungarn. Friedmanns Fotos verkaufen sich schlecht, vor allem weil er einen ungepflegten Eindruck macht. Gerta erkennt sein Potenzial und ihre Chance. Endre, der sich in Paris André nennt, soll sie das Fotografieren lehren und sie kümmert sich um den Verkauf der Bilder. Gemeinsam streifen sie durch Paris und fotografieren, was ihnen vor die Linse kommt. Dabei entwickelt Gerta für ein und dasselbe Motiv ihren eigenen Blick: Den Blick einer Frau. Um nicht als jüdische Flüchtlinge erkannt zu werden, denen Zeitungen und Agenturen nur einen Bruchteil des üblichen Honorar zahlen, ändert sie ihre Namen in Gerda Taro und Robert Capa. Das kongeniale Duo ist geboren.

Als 1936 der Spanische Bürgerkrieg ausbricht, reist das Paar nach Spanien. Schon die Anreise ist recht spektakulär: Das Flugzeug legt in der Nähe von Barcelona eine Bruchlandung hin. Wenig später beginnen sie Fotos zu machen.
Während Robert Capa möglichst heldenhafte Posen für seine Fotos sucht, fotografiert Gerda vor allem Frauen, abseits jeder Heldenverehrung.

So entstehen die berühmten Fotos. Capas Bild eines jungen Soldaten just im Augenblick des Todes sowie Gerdas Fotos von jungen Frauen, die in ihrem Mono Azul, einer Art Uniform exerzieren und das Schießen lernen.

Auf der Suche nach spektakulären Fotos dringen sie immer tiefer in den Bürgerkrieg ein, schließen sich Soldaten oder Flüchtlingskolonnen an und werden dabei beschossen.

„Robert Capa ist immer auf der Suche nach dem spektakulärstem Foto, dem gefährlichsten. Du willst die fliegende Kugel zeigen. Ich zeige, was die Kugel mit dem Menschen macht, den sie trifft.“

Dabei kommt es immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden, denn wenn ihre Fotos erscheinen, wird ausschließlich Capas Name genannt, auch wenn das Foto von Gerda und ihrer Mittelformatkamera stammt.

Gerda Taro stirbt am 26. Juli 1937 an ihren schweren Verletzungen, die sie bei der Kollision ihres Lastwagens mit einem Panzer erlitten hat - Berufsrisiko? Kollateralschaden? Sie wird an ihrem 27. Geburtstag, dem 1. August 1937 auf dem Friedhof Père Lachaise beigesetzt. Zunächst wird sie von den Kommunisten als Heldin gefeiert und gerät wenig später in Vergessenheit. Erst mit dem Auffinden des sogenannten „mexikanischen Koffers“ im Jahr 1996 erfährt die Weltöffentlichkeit von Gerda Taro, der ersten Kriegsfotografin, der im Zweiten Weltkrieg Frauen wie Lee Miller folgen werden.

Meine Meinung:

Caroline Bernard erzählt die Geschichte Gerda Taros in eindringlichen Worten. Ihr Leben als jüdischer Flüchtling in Paris gleicht den Tausenden anderen, die vor dem NS-Regime geflüchtet sind. Da ich diese Beschreibungen schon aus zahlreichen anderen Büchern kenne, waren diese Kapitel für mich persönlich zu ausführlich. Wir begegnen in Paris zahlreichen Persönlichkeiten wie dem späteren deutschen Bundeskanzler Willy Brandt, dessen Untergrundtätigkeit die meisten von uns eher in den Norden Europas verorten, bevor Paris und später ganz Frankreich von den deutschen Truppen besetzt wird.

Ich hätte mir ein wenig mehr über die politischen Hintergründe zum Spanischen Bürgerkrieg gewünscht, über den im Allgemeinen nur wenig bekannt ist. Ja, viele wissen, dass es die Internationalen Brigaden, die an der Seite der Republikaner gekämpft haben sowie die sogenannte „Legion Condor“, jener deutsche Luftwaffenverband, der Franco unterstützt hat, gegeben hat. Man kennt berühmte Namen wie Pablo Picasso, der untrennbar mit dem Bombardement der Stadt Guernica verbunden ist, Ernest Hemingway, George Orwell oder zahlreiche andere Prominente, die gegen den Faschismus aufgetreten sind.

„Wenn dieser Krieg verloren geht, wenn Franco und seine Generäle und die Pfaffen gewinnen, dann hat nichts mehr Bestand, dann werden die Faschisten die Welt in Brand setzen, dann war Spanien nur der Anfang, ein Probelauf. Dann können wir Juden und alle, die an Gerechtigkeit glauben, nur beten.“

Geschickt verknüpft die Autorin Fakten und Fiktion. Darüber berichtet sie im Nachwort. Des weiteren erfahren wir vom späteren Leben Robert Capas und anderen Weggefährten der beiden. Gerta Pohorylles Familie wird bis auf ein Familienmitglied in den Vernichtungslagern des NS-Regimes ermordet.

Fazit:

Eine beeindruckende Romanbiografie einer jungen Frau, die beinahe vergessen worden ist. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.