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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.07.2024

Wenig Neues für mich

Wie Faschismus funktioniert
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Der amerikanische Philosophie-Professor Jason Stanley widmet sich in zehn Kapiteln dem Wiedererstarken des Faschismus:

Die mystische Vergangenheit
Propaganda
Anti-Intellektualismus
Unwirklichkeit
Hierarchie
Opferrolle
Recht ...

Der amerikanische Philosophie-Professor Jason Stanley widmet sich in zehn Kapiteln dem Wiedererstarken des Faschismus:

Die mystische Vergangenheit
Propaganda
Anti-Intellektualismus
Unwirklichkeit
Hierarchie
Opferrolle
Recht und Ordnung
Sexuelle Ängste
Sodom und Gomorrha
Arbeit macht frei

So untersucht er die politischen Methoden zur Machtgewinnung und Machterhaltung in verschiedenen Staaten, darunter auch oder besonders die USA. Das „America First“ von Donald Trump bzw. seine europäischen Kopien sind Paradebeispiele, wie die nostalgische Sehnsucht nach der „guten alten Zeit“ (auch wenn sie gar nicht gut war, sondern nur alt ist) geschürt wird. Fake News und dauernde Wiederholungen frei erfundener und zurecht gebogener Pseudowahrheiten, die mit der Vergesslichkeit der Menschen spekuliert, sind an der Tagesordnung. Was nicht passt, wird passend gemacht.

Erschreckend ist die Nivellierung der Bildung nach unten. Die Menschen künstlich dumm zu halten, ist sichtlich ein gewünschtes Ziel.

Die Spaltung der Gesellschaft wird mittels Propaganda mehr oder weniger subtil betrieben. Nur wenn man die Mechanismen des Faschismus erkennt, lässt er sich verhindern.

Fazit:

Dieses Buch enthält nicht allzu viel Neues für mich, daher gibt es gute 3 Sterne.

Veröffentlicht am 03.07.2024

Toller Architekturführer

Architektur in Linz
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Dieser aktualisierte und komplett überarbeitete Architekturführer zur oberösterreichischen Landeshauptstadt hat mir sehr gut gefallen. Ich gehe gerne mit offenen Augen durch eine Stadt und sehe mir deren ...

Dieser aktualisierte und komplett überarbeitete Architekturführer zur oberösterreichischen Landeshauptstadt hat mir sehr gut gefallen. Ich gehe gerne mit offenen Augen durch eine Stadt und sehe mir deren Gebäude an. Nachdem seit der ersten Auflage, die anlässlich des Ernennung von Linz zu Kulturhauptstadt des Jahres 2009 erschienen ist, zahlreiche Häuser abgerissen und noch viel mehr neu errichtet worden sind, hat sich das Stadtbild von Linz doch in einigen Bereichen stark verändert.

Auf 336 Seiten stellen uns Andrea Bina und Lorenz Potocnik rund 240 der interessantesten Bauwerke vor, die von Gregor Graf wunderschön in Szene gesetzt sind. Dabei dürfen Fotos von gerade im Abriss befindlicher Gebäude nicht fehlen.

Mit dem Velodrom hello yellow (2022) und der Neuen Eisenbahnbrücke (2021) geraten zwei Bauwerke in den Fokus, die man vielleicht sonst nicht so ganz genau in Augenschein nehmen würde.

Sehr gut gefällt mir, dass hier auch die gelungenen Verbindungen zwischen alt und neu besonders betrachtet wird. Siehe dazu die Katholische Privatuniversität (S. 211) oder das Schauspielhaus (S. 140).

Manches ist nach wie vor fast eine Beleidigung des ästhetischen Empfindens wie das Rathaus in Urfahr und harrt einer „Erweckung“. Aber, Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters und so gibt es vielleicht auch Fans dieses Gebäudes.

Wunderbar dazu der herausnehmbare Stadtplan von Linz, an Hand dessen man sich bestens orientieren kann, um bei einem Linz-Besuch auf den Spuren der Architektur seit 1900 zu wandeln.

Bei meinem nächsten Linz-Besuch ist er mit dabei. Ob dann das Arcotel an der Donaulände noch stehen wird?

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Architekturführer 5 Sterne.

Veröffentlicht am 02.07.2024

Im Wein liegt Wahrheit

Das geerbte Weingut
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Im Wein liegt Wahrheit – und Blut ist ein ganz besonderer Saft

Roland Zingerle schickt Heinz Sablatnig, den Klagenfurter Berufsdetektiv, in seinem 8. Fall auf eine „Mission Impossible“.

Völlig unerwartet ...

Im Wein liegt Wahrheit – und Blut ist ein ganz besonderer Saft

Roland Zingerle schickt Heinz Sablatnig, den Klagenfurter Berufsdetektiv, in seinem 8. Fall auf eine „Mission Impossible“.

Völlig unerwartet erbt Heinz Sablatnig das Lavanttaler Weingut Urban. Er ist weder verwandt noch verschwägert mit Daniel Vallant, dem Erblasser. Daher ist ihm schleierhaft, warum er - wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind - zu einem Weingut kommt, wo er doch lieber Bier trinkt. Die Antwort ist ziemlich ungewöhnlich: Daniel Vallant ist sich sicher, mit Arsen vergiftet worden zu sein und beauftragt Sablatnig, den Mörder zu finden.

Nun muss Heinz also mit den Enterbten sowie zwei Angestellten und einem geistig Behinderten unter einem Dach leben. Jeder könnte der Mörder sein: Tochter Marie, Thomas, der Bruder des Erblasser, der nach einem Unfall im Weingarten auf den Rollstuhl angewiesen ist, Fritz Pollheimer, der Winzer, der um seinen Job bangt. Selbst Angelika, die stumme Haushaltshilfe und den naschhaften Gidi kann er nicht ausschließen.

Und dann verschwindet eine historische Fahne einer alten Weinbruderschaft aus Daniel Vallants Büro ....

Meine Meinung:

Roland Zingerle hat sich für diesen 8. Fall für Heinz Sablatnig eine ziemlich komplexe und ungewöhnliche Geschichte ausgedacht. Ein Mann wird vergiftet und diktiert im Angesicht des unmittelbar bevorstehenden Todes, einem Notar sein Testament mit zahlreichen Klauseln. Das ist schon recht ungewöhnlich und sorgt damit für Spannung.

Dass die quasi enterbte Familie maßlos enttäuscht und wütend ist, ist menschlich nachvollziehbar. Die familiären Hintergründe, die Sablatnig nach und nach enthüllt, reichen einige Jahrzehnte zurück. Sehr geschickt tauchen wir in die Geschichte des Weinbaus in Österreichs südlichstem Bundesland ein. Sablatnig (und wir Leser) erfahren einiges, vielleicht bislang Unbekanntes über den Weinbau.

Der Diebstahl der Fahne hat mich ein wenig auf den Holzweg abbiegen lassen. Interessant auch der Einblick in die unterirdische Welt von Wolfsberg.

Die Auflösung ist ein wenig überraschend, doch stimmig.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem komplexen Krimi 5 Sterne.

Veröffentlicht am 02.07.2024

Fesselnde Fortsetzung

Das Dorf der acht Gräber
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Dieser Krimi ist der dritte der Reihe rund um den verschrobenen Privatdetektiv Kosuke Kindaichi. Obwohl er diesmal eher im Hintergrund agiert und erst zum Schluss (s)einen großen Auftritt hat, ist der ...

Dieser Krimi ist der dritte der Reihe rund um den verschrobenen Privatdetektiv Kosuke Kindaichi. Obwohl er diesmal eher im Hintergrund agiert und erst zum Schluss (s)einen großen Auftritt hat, ist der Krimi wieder fesselnd.

Worum geht’s?

Das Dorf der acht Gräber verdankt seinen Namen einer düsteren Legende: Im sechzehnten Jahrhundert wurden acht Samurai, die dort mit einem Goldschatz Zuflucht gesucht hatten, von den Bewohnern ermordet. Dieses Verbrechen löst nicht nur eine hektische, aber erfolglose Schatzsuche sondern mehrere weitere Verbrechen aus. Es scheint, als läge ein Fluch über dem Dorf.

Als dann Jahre später ein geheimnisvoller Fremder im Dorf erscheint, beginnt das große Morden wieder. Daneben spielen Familienfehden und geheime Liebschaften sowie Neid und Misstrauen eine große Rolle. Doch was bedeuten die kryptischen Verse?

„Wer betritt die Höhle des Schatzes im Wahn
Bekommt zu spüren den Drachenzahn.

Gänge hat der Fuchsbau hundertacht
dunkler als die schwärzeste Nacht

Trinke niemals Wasser aus dem Teufelsschlund
Auch wenn der Durst verbrennt deinen Mund.“

Interessant ist, dass dieser Krimi aus der Sicht des Hauptverdächtigen erzählt wird.

Anmerkungen zum Autor:

Seishi Yokomizo (1902-1981) ist einer der berühmtesten und beliebtesten japanischen Autoren von Kriminalromanen. Die Reihe um Kosuke Kindaichi besteht aus 77 Büchern. Es ist dem Verlag Blumenbar zu verdanken, dass Yokomizos Krimis nun auch im deutschen Sprachraum zu lesen sind. Neben diesem dritten Krimi sind »Die rätselhaften Honjin-Morde« und »Mord auf der Insel Gokumon« auf Deutsch erschienen. Mögen diesen drei Fällen noch zehlreiche andere folgen!

Dieses Buch ist somit ein wahrer Schatz für Liebhaber der japanischen Kultur sowie klassischer Krimis zum Mitraten.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi 5 Sterne.

Veröffentlicht am 30.06.2024

Schöne Lesestunden

Unsere kurze Ewigkeit
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„Wenn du als Dienstbotin arbeiten willst, brauchst du dich hier nicht mehr blicken zu lassen. Dann bist du nicht mehr meine Tochter.“

Mit diesen harschen Worten beginnt Melanie Metzenthin beginnt die ...

„Wenn du als Dienstbotin arbeiten willst, brauchst du dich hier nicht mehr blicken zu lassen. Dann bist du nicht mehr meine Tochter.“

Mit diesen harschen Worten beginnt Melanie Metzenthin beginnt die Romanbiografie um Margarethe von Ende,
Doch Margarethe von Ende pfeift auf den Standesdünkel ihrer Mutter und tritt ihre Stellung bei einer bürgerlichen Familie in England an. Ein Affront für die aus verarmten Adel stammende Mutter, die Margarethe dann bei ihrer Rückkehr nach Deutschland ein Dienstbotenzimmer zuweist.

Anschließend begleiten wir Margarethe von 1878 bis 1912 durch zahlreiche Höhen und Tiefen ihrer Ehe mit Friedrich „Fritz“ Krupp, der zuvor zehn lange Jahre braucht hat, um seinen Vater die Heiratserlaubnis zu bitten! Da Fritz häufig kränkelt, muss sie ihn, nach dem Tod seines Vater 1887, oft gesellschaftlich und geschäftlich vertreten. Nach wie vor begegnen sich die Eheleute mit Respekt und Zuneigung, Platz für große Gefühle gibt es nicht. Liebe ist nur für das Küchenpersonal - so lautet die gängige RegeI.

Doch als Fritz in den Jahren 1899-1902 die Wintermonate auf der Insel Capri verbringt, dort als Sponsor (natürlich) gerne gesehen ist und sich mit einem etwas eigenartigen Freundeskreis umgibt, scheint es mit dem respektvollen Umgang vorbei zu sein. Margarethe versucht, den Schaden, den verleumderische Zeitungsberichte über Fritz verbreitet haben abzuwenden. Als „Dank“ dafür soll sie sich, „wegen überreizter Nerven“ in ein Sanatorium zurückziehen. Als Fritz 1902 plötzlich stirbt, lt. Totenschein an einem Schlaganfall, übernimmt sie es, die Firma für die gemeinsame Tochter und Erbin Bertha weiterzuführen ...

Meine Meinung:

Melanie Metzenthin orientiert sich in ihrem historischen Roman an der Biografie Margarethe Krupps Urenkelin Diana Maria Friz „Margarethe Krupp - Das Leben meiner Urgroßmutter“. Da Melanie Metzenthin Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie ist, gelingt es ihr, sich in die Gedankengänge und das Seelenleben der Protagonisten einzufühlen.

Das Buch, das rund dreißig Lebensjahre einer sehr modernen Frau beschreibt, hat mir sehr gut gefallen. Gut gelungen ist auch der Standesdünkel des oft verarmten Adels gegenüber der reichen, aber bürgerlichen Industriellen darzustellen. Gleichzeitig kommt auch ein wenig Sozialkritik auf, wenn mit Geld oder den Einfluss bei Hofe das eine oder andere planiert werden kann.

Ich persönlich hätte gerne noch mehr über die diversen Fabriken, mit denen die Familie Krupp ihr Vermögen gemacht hat, gelesen. So bleibt lediglich der „Krupp-Stahl“ und die Waffenerzeugung in Erinnerung.

Interessant finde ich, dass man Margarethe Krupp, die „Erfindung“ der Fabrikswohnungen zugesteht. Solche Werkswohnungen gibt es in Augsburg seit den Fuggern.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der in geschliffener Sprache, rund 30 Jahre im Leben der Margarethe Krupp erzählt, 5 Sterne.