Platzhalter für Profilbild

Venatrix

Lesejury Star
offline

Venatrix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Venatrix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.06.2024

Eine gelungene Fortsetzung

Unheilvolles Lançon
0

Autor Cay Rademacher ist mit „Unheilvolles Lançon“ ein vielschichtiger Krimi gepaart mit einer großen Portion Lokalkolorit der Provence gelungen. Vielleicht nicht ganz so spannend, wie andere Teile der ...

Autor Cay Rademacher ist mit „Unheilvolles Lançon“ ein vielschichtiger Krimi gepaart mit einer großen Portion Lokalkolorit der Provence gelungen. Vielleicht nicht ganz so spannend, wie andere Teile der Reihe.

Zunächst sieht es einmal so aus, als gäbe es gar keinen Fall, obwohl Capitaine Roger Blanc von Alice Merlin, der Eigentümerin des bekannten Weinguts Château Richelme eine Drohnenaufnahme gezeigt bekommt, auf der eine leblose Frau auf einem Felsen liegt. Blanc fährt zu dem mutmaßlichen Tatort und findet keine Leiche, keine Spuren, einfach gar nichts. Sein berühmtes Bauchgefühl lässt ihn dennoch ermitteln, auch wenn Commandante Nkoulou und Madame le Juge, Aveline Vialaron-Allègre, das ein wenig anders sehen. Er möge den Ball ganz flach halten und möglichst unauffällig nachforschen, so der einhellige Tenor der beiden. Das Weingut ist ein weit über die Provence bekanntes, daher möge Blanc vorsichtig agieren. Diese eigenartige Haltung der beiden lässt bei Roger Blanc seinen üblichen Widerspruchsgeist aufkommen.

Bei seinen Ermittlungen auf dem Weingut stößt er auf zahlreiche Ungereimtheiten. Halb- und Viertelwahrheiten sowie auf Francis Merlin, den todkranken Winzer und seinen enterbten Sohn Justin sowie auf einen Immobilienmakler, der wie ein Aasgeier über dem Weingut kreist.

Meine Meinung:

Die Schilderung der Umgebung und des (fiktiven) Weingutes, auf dem sich ein Großteil der Geschichte abspielt, ist gute gelungen, kennt sich doch der Herr Autor in der Provence recht gut aus. Hilfreich dazu ist der Lageplan in der Buchklappe, der die Lesern die Umgebung leicht verorten lässt.

Trotz der zögerlichen Haltung von Commandante Nkoulou und Madame le Juge, Aveline Vialaron-Allègre, geht Rober Blanc methodisch vor und findet sich unversehens in einem veritablen Familiendrama wieder, dessen Wurzeln in die Vergangenheit reichen.

Gut gefällt mir, dass mit Carmen und Manuel Rodriguez zwei Vertreter der Gens du Voyage (des Fahrenden Volkes) Platz in diesem Krimi finden. Zwar fehlt es nach wie vor an Verständnis für diese Art zu leben wie es diese Minderheit in Frankreich betreibt, aber man bietet ihnen zumindest ordentliche Campingplätze an. Dass die Mitglieder des Clans nicht gar so gerne mit den Flics reden wollen, ist wegen ihrer schlechten Erfahrungen mit Behörden aller Art nur zu verständlich.

Stellenweise wirkt der Krimi bedächtig. Blanc macht sich allerdings Sorgen um seine Mitarbeite Marius und Fabienne. Der eine, ein trockener Alkoholiker (?) scheint wieder zur Flasche zu greifen und Fabienne ist wieder schwanger und hat Ambitionen die Provence und damit das Team um Capitaine Roger Blanc gemeinsam mit ihre Frau zu verlassen. Blanc hat ohnehin kein gutes Gefühl, wenn Fabienne mit dem Motorrad durch die Landschaft braust und ihre Schwangerschaft abermals gefährdet ist.

Ich habe recht bald den Täter und sein Motiv ausgemacht. Allerdings sind die Familienangelegenheiten der Merlins noch um eine Facette komplexer.

Fazit:

Wer auf der Suche nach einem Kriminalroman mit einem sympathischen Ermittlerteam und viel Lokalkolorit ist, ist hier richtig, wenn auch dieser 11. Fall nicht ganz so fesselnd ist, wie andere Teile der Reihe. Diesmal gibt es 4 Sterne.

Veröffentlicht am 31.05.2024

Hat mich zwiegespalten zurückgelassen

Salzburg – ein Festspiel
0

Auf dieses Buch, das in schlichter, aber edler Aufmachung daherkommt, war ich ziemlich neugierig. Einerseits, weil ich Salzburg ein wenig kenne und andererseits, weil es mit den Worten „Ein festliches, ...

Auf dieses Buch, das in schlichter, aber edler Aufmachung daherkommt, war ich ziemlich neugierig. Einerseits, weil ich Salzburg ein wenig kenne und andererseits, weil es mit den Worten „Ein festliches, spielerisches, barock-dadaistisches Vergnügen vor großartiger Kulisse!“ beworben wird.

Zwar wird der zukünftige Leser gleich zu Beginn ob der Besonderheiten des Buches wie folgt, vorgewarnt, trotzdem hat es mich aber dann doch verwundert zurückgelassen.

„Es braucht nicht weiter, als beim Lesen und Flanieren in einen Zustand der Offenheit zu geraten. Dieses Buch ist kein klassischer Stadtführer. Die angesteuerten Salzburger Orte wachsen eher in die Tiefe und spannen von dort aus ihr ungewohntes Panorama auf.“

Ja, das Panorama ist in der Tat ungewohnt. Statt scharf gestochener Fotos sind gewollt (?) verwackelte und verwaschene Details abgebildet, die sich nur ausgesprochenen Salzburg-Insidern erschließen.

Am Beginn jedes Spazierganges findet sich ein Ausschnitt einer Art Stadtplan, der an ein mit einer Textverarbeitung erstellten Grafik erinnert. Grünflächen wie Mirabellgarten und Kapuzinerberg, die Salzach und die Straßennamen sind in unterschiedlichen Farben und Schriften dargestellt. Zu Orientierungszwecken wird der erstaunte Tourist vielleicht doch auf eine elektronische Navigationshilfe oder einen analogen Stadtplan zurückgreifen müssen.

Diese sechs Kapitel oder Spaziergänge, die auch als Parcours, Promenade und Prozession bezeichnet werden, heißen:

Mirabellgarten
Hotel Bristol
Sebastiansfriedhof
Max-Reinhardt-Platz
Franziskanerkirche
Museum der Moderne

Auf diesen Spaziergängen wird man von Zitaten und Anmerkungen von und zu berühmter Persönlichkeiten wie W. A. Mozart, Erwin Wurm, Elias Canetti, INgeborg Bachmann oder Paracelsus begleitet. Manches lässt einen schmunzeln oder anderes zu Widerspruch anregen. Auch das von Kaiser Friedrich kreirte AEIOU, mit er er sich in seinem Reich verewigt hat, und zu allerlei Spekulationen über die Bedeutung der Abkürzung anregt, findet ein modernes Pendant. Man darf zu den überlieferten möglichen Auflösungen (S. 82) auch gerne eine neue, eigene dazu erfinden.

Die Bekannteste ist: Alles Erdreich Ist Oesterreich Untertan.

Für eigene Gedanken und Anmerkungen hat die Autorin leere Seiten vorgesehen, also ein „Arbeitsbuch“.

Meine Meinung:

Ich bin ja eine Vielleserin, die in unterschiedlichsten Genres zu Hause ist. Doch bei Büchern wie diesem, eröffnen sich mir einige Fragen:

Was will mir die Autorin (der Autor) sagen?
Wer soll die Zielgruppe sein?

Für mich ist das Buch eine Art Collage aus der langen Geschichte seit der Gründung von Salzburg bis heute. Jede/jeder darf seine Gedanken zu haben.

Trotzdem bin ich mit dem Buch, den Abbildungen und dem Schreibstil nicht recht warm geworden. Für mich ist persönlich das nichts, weil ich als Technikerin gerade was Stadtpläne anlangt, die mathematische Art bevorzuge (nach Norden ausgerichtet inklusive).

Fazit:

Ein kaleidoskopartiger Blick auf die Stadt Salzburg, auf den man sich einlassen und mögen muss. Nichts für mich, aber vielleicht für andere, daher nur 2 Sterne.

Veröffentlicht am 31.05.2024

Eine gelungene Fortsetzung

Tödlich rauscht die Brandung
0

Während man sich für das Fest der Seenotretter rüstet, wird Jez Cardew vermisst. Wenig später entdeckt man seinBoot führerlos auf der dem Meer treibend. Als dann seine abgetrennte Hand, an die eine Medaille ...

Während man sich für das Fest der Seenotretter rüstet, wird Jez Cardew vermisst. Wenig später entdeckt man seinBoot führerlos auf der dem Meer treibend. Als dann seine abgetrennte Hand, an die eine Medaille für besondere Verdienst der Seenotretter gewickelt ist, gefunden wird, ist klar, dass Jez einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Und er wird nicht der einzige Tote bleiben.

Ben Kitto ist erschüttert, denn die Seenotretter wie er, setzen ehrenamtlich ihr Leben aufs Spiel, um andere zu retten. Die Ermittlungen stellen sich als komplex heraus, zumal alle anderen Seenotretter ebenso wie Jez anonyme Briefe mit einer Broschüre des Rettungsteams sowie einem handschriftlichen Zitat aus Shakespeares „Der Sturm“ und der Zeichnung eines Galgenmännleins erhalten.

Recht schnell wird Sam Austell, ein Freund des Ermordeten, der vor kurzem nach einem dreijährigen Gefängnisaufenthalt wegen Drogendelikten auf die Scilly-Inseln zurückgekehrt ist, von den Bewohnern verdächtigt. Einmal Verbrecher immer Verbrecher?

Ben Kitto, der in wenigen Tagen heiraten will, findet bald heraus, dass es noch andere Personen gibt, die mit Jez ein Hühnchen zu rupfen haben. Denn Jez ist nicht nur ein Held, sondern auch ein Womanizer, was eingen Männern nicht gar so gut gefällt.

Und wie passt das Verschwinden von Molly Bligh ins Bild, die wenig später schwerverletzt gefunden wird? Auch sie hat eine Medaille für eine gelungene Rettung bei sich.

Will sich da jemand an einem Mitglied dieser Organisation rächen? Wenn ja, warum? Ist eine Rettung missglückt?

Meine Meinung:

Wie gewohnt weist auch der dieser Band der Reihe zwei Handlungsstränge auf. Der eine ist jener von Ben Kitto in der Ich-Form, die andere in der von Sam Austell, der quais als „Außenstehender“ berichtet. Sam hat es als ehemaliger Drogen- und Alkoholabhängiger nicht leicht, weil er für jede Gesetzesübertretung, die passiert, verantwortlich gemacht wird. Er fühlt sich seinem Freund Jez verpflichtet und beginnt heimlich mit eigene Nachforschungen.

Ben Kitto, vor wenigen Monaten Vater geworden, steht kurz vor der Hochzeit mit Nina und hat für die Vorbereitungen weder Zeit noch Kopf, was naturgemäß Nina nicht gar so gut gefällt. Wieder mit dabei ist Shadow, Bens treuer vierbeiniger Begleiter. Und der wortkarge Onkel Ray macht eine interessante Verwandlung durch.

Wie schon in den sechs Vorgängern ist der Erzählstil eher ruhig. Kate Penrose erfreut ihre Leser mit detaillierten Beschreibungen der Scilly-Inseln und den Lebensbedingungen der manchmal rau erscheinenden Bevölkerung. Zwischendurch kommt deutlich mehr Spannung auf.

Die Suche nach dem Täter und seinem Motiv gestaltet sich als schwierig, denn die Auswahl an Verdächtigen ist beschränkt. Daher ist sowohl bei Ben Kitto als auch bei den Lesern die Überraschung groß, wer als Täter entlarvt wird.
Die Überführung des Täters ist schlüssig, das Motiv auch.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser gelungenen Fortsetzung 5 Sterne.

Veröffentlicht am 31.05.2024

Süße Köstlichkeiten

Der süße Zauner
0

Wer Bad Ischl sagt, muss auch Zauner sagen oder umgekehrt?

Josef Zauner, Seniorchef des gleichnamigen Betriebes, der inzwischen seit mehreren Generationen in Familienbesitz ist, erzählt aus dem Nähkästchen. ...

Wer Bad Ischl sagt, muss auch Zauner sagen oder umgekehrt?

Josef Zauner, Seniorchef des gleichnamigen Betriebes, der inzwischen seit mehreren Generationen in Familienbesitz ist, erzählt aus dem Nähkästchen. Doch zuvor dürfen wir uns über eine durchaus launige Einleitung des im Jänner 2024 verstorbenen Schriftstellers Alfred Komarek erfreuen. Komarek, ein gebürtiger Ausseer (das „Bad“ lassen die Einheimischen auch in Ischl weg) kennt Ischl und seine Bewohner recht genau.

Neben zahlreichen Anekdoten spielen die natürlich die kulinarischen Köstlichkeiten des Zauners die Hauptrolle. Der Zauner ist nicht nur ein Kaffeehaus, in dem Schön und Reich (oder wer sich dafür hält) ein und aus geht, sondern eine Institution.

Mehr als zwanzig vom Seniorchef sorgfältig ausgewählte Rezepte werden erstmals (?) zum Nachbacken veröffentlicht. Das, des berühmten „Zauner-Stollen“ bleibt allerdings nach wie vor ein Familiengeheimnis. Meine absoluten Favoriten sind: das Erdbeer-Biskuit-Omelette (S. 60) und der Kastanienreis mit Obers, Eis und Schokoladensauce (S. 86).

Fans der Habsburger kommen vermutlich am Sisi-Parfait (S. 98) und am Schratt-Gugelhupf (S. 55) nicht vorbei.

Wer sich nun an den köstlichen Mehlspeisen gütlich getan hat, kann die erworbenen Kalorien bei einem Spaziergang durch Ischl oder eine Wanderung auf den Jainzen und/oder die Katrin, die Hausberge Ischls, wieder loswerden.

Das Buch besticht durch seine gediegene Aufmachung als Hardcover mit Lesebändchen und seinen zahlreichen tollen Fotos. Dabei sind auch viele historische Ansichten aus Ischl, wobei manches auf Nimmerwiedersehen verschwunden ist.

Fazit:

Ein gelungenes Buch, das eine Liebeserklärung an den Zauner ist und sich perfekt als Gescgenk eignet. Gerne gebe ich dieser guten Melange (um im Kaffeehaus zu bleiben) aus Rezepten, Fotografien und Geschichten rund um Ischl 5 Sterne.

Veröffentlicht am 31.05.2024

"Der Graf ist immer im Dienst"

Herrschaftszeiten
0

Dieses Buch ist die Zusammenfassung einer mehrteiligen TV-Serie in der Johann-Philipp Spiegelfeld 17 Burgen und Schlösser in Österreich (und eines in Südtirol) besucht und mit den Schlossherren und Burgfräuleins, ...

Dieses Buch ist die Zusammenfassung einer mehrteiligen TV-Serie in der Johann-Philipp Spiegelfeld 17 Burgen und Schlösser in Österreich (und eines in Südtirol) besucht und mit den Schlossherren und Burgfräuleins, die häufig auch noch weitläufig mit ihm verwandt sind, über die Geschichte der Gebäude spricht.

Der Aufbau ist immer der selbe: Johann-Philipp Spiegelfeld verbringt jeweils zwei Tage mit den Familien, übernachtet dort und macht auch Ausflüge mit den Menschen. Und nach einem gemeinsamen Abendessen, folgt dann noch ein spannendes Kamingespräch, in denen man dann auch Privates erfährt. Natürlich darf die Frage nach einem Schloss- oder Burggespenst nicht fehlen.

Bleibt zum Schluss nur noch die Frage offen: Wie wohnt eigentlich Johann-Philipp Spiegelfeld, der zerzauste Adelige, der für‘s Fernsehen Seinesgleichen in ihren Schlössern und Burgen besucht, selbst?

Meine Meinung:

Das Buch ist die gelungene Zusammenfassung der aktuell drei Staffeln umfassende Sendereihe. Johann-Philipp Spiegelfeld ist studierter Historiker, Linienpilot und Rettungssanitäter und hat gemeinsam mit Regisseur Martin S. Pusch dieses Buch geschrieben.

Viele Menschen haben vom Leben auf Schlössern und Burgen eine falsche Vorstellung. Opulent, manchmal dekadent und reich - so ist häufig die Meinung. Bei den Gesprächen, die Johann-Philipp Spiegelfeld führt, wird schnell klar, dass sich „Reichtum“ schnell relativiert, wenn man weiß, dass Tausende Quadratmeter Dach neu einzudecken sind und das Vermögen hauptsächlich aus kaum veräußerbaren Land- und Forstwirtschaftsbetrieben besteht. Daher haben fast alle Schloss- und BurgbesitzerInnen einen Brotberuf. Das beschreibt Johann-Philipp Spiegelfeld in einem Interview wie folgt:

"Die Adeligen sind ganz normale Normalos. Das sind Menschen, die auch ganz normale Berufe haben. Es ist natürlich ein "First World Problem", ein Schloss vererbt zu bekommen, aber es ist gleichzeitig auch eine irre Verantwortung und die spürt man auch. Niemand will ja der letzte in einer Linie sein, der dieses Schloss erhalten kann. Denn so ein Schlossbesitz ist mit vielen Aufgaben und vielen Sorgenfalten verbunden. Viele in diesen Familien sind auch gar nicht glücklich darüber, dass sie solche Aufgaben auferlegt bekommen haben."

Mir hat das Buch, ebenso wie die Sendereihe sehr gut gefallen. Johann-Philipp Spiegelfeld plaudert ziemlich ungezwungen und erzählt von einigen Hoppalas, die im Fernsehen nicht zu sehen sind.

Das Buch ist in gediegener Ausstattung im Amalthea-Verlag als Hardcover erschienen. Es eignet sich sehr gut als Geschenk.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Buch 5 Sterne.