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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.03.2024

Albtraum Heimatdorf

Lügendorf
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Als an einem Bach spielende Kinder menschliche Knochen finden, ist Diana Heller in unmittelbare Nähe und verständigt die Polizei. Das hätte sie tunlichst unterlassen sollen, denn sofort beginnt der gerade ...

Als an einem Bach spielende Kinder menschliche Knochen finden, ist Diana Heller in unmittelbare Nähe und verständigt die Polizei. Das hätte sie tunlichst unterlassen sollen, denn sofort beginnt der gerade eben zu Ende geglaubte Albtraum von vorne, denn die Knochen sind jene von Steffi, einer Freundin, von der alle Welt glaubt, vor 14 Jahren weggelaufen zu ein. Als dann noch Steffis Tagebuch auftaucht, wird Diana, neben Nora, verdächtigt, Steffi ermordet zu haben.

Der Spießrutenlauf von Diana im Dorf beginnt von Neuem. Dazu trägt auch bei, dass sie ihre Vergewaltigung durch mehrere Männer aus dem Dorf angezeigt und vor Gericht gebracht hat. Die Täter sind zu Haftstrafen verurteilt worden. Schnell machen Gerüchte, Halbwahrheiten und Lügen die Runde.

Als Diana versucht, Beweise für Noras Unschuld zu finden, kommt sie dem wahren Täter so nahe, dass dieser sich genötigt fühlt, auch Diana zu töten, nicht ohne vorher noch falsche Spuren zu legen.

Meine Meinung:

Dieser Abschluss der Trilogie rund um Diana Heller hat es in sich!

Die eingeschworene, hinterhältige Dorfgemeinschaft macht Diana das Leben, seit ihr Mann Oliver ermordet worden ist, zur Hölle. Der Standardsatz, den sie häufig zu hören bekommt ist: „Seit du hier bist, sterben die Leute.“. So, als ob Diana für die jeden unnatürlichen Tod (deren gibt es in der Trilogie einige) verantwortlich ist. Doch weglaufen ist für Diana keine Option, wie sich im Vorgänger herausgestellt hat.

Eva Reichl gelingt es vortrefflich, die Strukturen der dörflichen Gemeinschaft darzustellen. Dazu gehört, dass in dieser patriarchalisch-archaischen Welt, Frauen an ihrer Vergewaltigung selbst schuld sind. Die „armen“ Täter sind ja provoziert und „eingeladen worden“, den Frauen, in diesen Fall Diana, Gewalt anzutun. Unrechtsbewusstsein bei den Tätern und ihren Familien ist nicht vorhanden.

Fazit:

Diesem Thriller, der Diana Heller im Albtraum des heimatlichen Dorfes gefangen hält, gebe ich gerne 5 Sterne.

Veröffentlicht am 03.03.2024

Salzburg einmal anders

Schattenorte
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Die meisten Reiseführer zeigen ihren Lesern nur sogenannte schöne Orte, Orte an denen Berühmtheiten gelebt und gewirkt haben, Orte, die auf Grund ihrer Lage, Umgebung oder Baulichkeiten bekannt sind sowie ...

Die meisten Reiseführer zeigen ihren Lesern nur sogenannte schöne Orte, Orte an denen Berühmtheiten gelebt und gewirkt haben, Orte, die auf Grund ihrer Lage, Umgebung oder Baulichkeiten bekannt sind sowie Orte die ein besonderes, oft historisches Flair verströmen. Vor allem Stadt und Land Salzburg können mit einer Vielzahl „schöner“ Ort aufwarten.

Das Autorinnen-Duo Anna Boschner & Simona Pinnwinkler geht einen anderen Weg. Es deckt in diesem Buch zahlreiche Orte in Salzburg Stadt und Land auf, an denen Gewalt sowie Verbrechen geschehen sind. Dabei sparen sie Verbrechen, die im Namen der Staatsgewalt und der Kirche verübt worden sind, nicht aus. Auch Krankheiten und (Natur)Katastrophen finden hier Platz.

Die Orte des Schreckens und der Geheimnisse sind in fünf Kategorien zusammengefasst:

Hexen, Zauber und Legenden
Verbrechen, Strafe und Tod
Krankheiten und Katastrophen
Gewalt, Kampf und Vertreibung
Zweiter Weltkrieg und Nationalsozialismus

Meine Meinung:

Als Tourist und schon gar nicht als Einheimischer darf man an Schattenorten vorüber gehen. Sie bewusst wahrzunehmen, das versuchen die Autorinnen mit diesem etwas anderen Reiseführer. Aus zahlreichen historischen Quellen, die im Anhang angeführt sind, haben sie dreißig dieser Schattenorte oder Lost Places zusammengesucht. Um sie leicht zu finden, gibt es auf den Vorsatz- und Nachsatzblättern jeweils eine Landkarte, auf der die Orte eingezeichnet sind.

Natürlich können weder alle Details noch alle Schattenorte genannt werden. Als Denkanstoß, bei einem Besuch der Stadt Salzburg nicht nur die Schokoladenseite, sondern auch deren Schattenorte zu betrachten, ist dieses Buch vorzüglich geeignet.

Fans von True Crime und Lost Places werden einige Anregungen für den Urlaub finden.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Reiseführer, des sich mit den weniger schönen Seite von sehenswerten Orten Salzburgs beschäftigt 4 Sterne.

Veröffentlicht am 03.03.2024

Eine Romanze mit Verwicklungen

Mein magischer Sommer mit Shakespeare
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Dieser Roman führt uns in die Welt des Theaters, genauer gesagt in die Welt einer kleinen, aber feinen exzentrischen Theatergruppe in Barcelona, unter der Leitung des renommierten Intendanten Max Borges ...

Dieser Roman führt uns in die Welt des Theaters, genauer gesagt in die Welt einer kleinen, aber feinen exzentrischen Theatergruppe in Barcelona, unter der Leitung des renommierten Intendanten Max Borges Stücke von William Shakespeare aufführt. Sein größter Traum ist es, einmal Shakespears „Hamlet“ zu inszenieren, und das am besten an einem der Originalschauplätze. Doch im Moment rauft er sich die Haare und steht kurz vor einem Nervenzusammenbruch, denn er soll „Macbeth“ auf die Bühne bringen. Beinahe alles geht schief: Die Krone von König Duncan ist zerbrochen, der Darsteller des Macbeth liebt den schottischen Whisky mehr als seinen Text und die Hexen sind nicht nur viel zu schön (dagegen kämpft die Maskenbildnerin mit wechselndem Erfolg) sondern auch noch schwanger (hier hilft nur abwarten). Eine ziemliche Katastrophe, denn vom Gelingen der Inszenierung hängt die Zukunft der Truppe ab.

Allerdings gibt es noch Elsa, jene rothaarige, elfenhafte junge Frau, die Borges immer wieder daran erinnert, dass, egal was passiert, das Leben weitergeht. Elsa ist aus dem Leben von Max nicht wegzudenken, ist sie doch diejenige, im Hintergrund alles am Laufen hält.

Wider Erwarten ist die Aufführung von „Macbeth“ ein voller Erfolg und die Truppe wird eingeladen, am berühmten Edinburgh Fringe Festival teilzunehmen. Man übersiedelt in die schottische Stadt, probt, kämpft mit den Tücken der Krone (also der von Duncan und nicht der von Schottland), die abermals zerbricht und plötzlich, am Vorabend der Premiere ist Elsa verschwunden. Panik breitet sich aus. Was niemand weiß, Elsa hat einen Vertrag für das weitere Engagement der Schauspieltruppe entdeckt, in der ausgerechnet ihr Name fehlt.

Was dann folgt, könnte aus der Feder von William Shakespeare höchst persönlich stammen.

Meine Meinung:

Ich bin ja kein Fan von Liebesgeschichten, aber mich hat das Flair im Umfeld von William Shakespeare und seinen Theaterstücken interessiert, habe ich doch vor gefühlten hundert Jahren zu meiner mündlichen Englisch-Matura ausgerechnet seinen „Hamlet“ als Thema ausgesucht.

Dieser Roman ist ähnlich wie ein Shakespeare-Drama gestaltet. Zahlreiche Missgeschicke, Konkurrenzdenken zwischen Regisseuren, Verwechslungen, Nicht-miteinander-sprechen und natürlich Liebe, die Mann und Frau sich nicht eingestehen wollen/können, wechseln einander ab.

Die Geschichte ist sehr leicht und flüssig erzählt. Der Geist von William Shakespeare schwebt mit Wortwitz und Drama durch diesen gelungener Roman.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem, einem Shakespeare’schen Drama nachempfundenen Roman, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 03.03.2024

Galavakis persönlichster Fall

Mitleidloses Kreta
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In seinem 6. Fall wird Kommissar Hyeronimos Galavakis vor die größten Herausforderungen seines Lebens gestellt. Obwohl er eigentlich viel lieber den Feierabend genießen und über die Ereignisse aus dem ...

In seinem 6. Fall wird Kommissar Hyeronimos Galavakis vor die größten Herausforderungen seines Lebens gestellt. Obwohl er eigentlich viel lieber den Feierabend genießen und über die Ereignisse aus dem letzten Fall nachdenken möchte, die das Leben in der kretischen Mordkommission zahlreiche Veränderungen verursacht haben, wird er von der neuen Chefin zu einem Sondereinsatz abkommandiert: Seine heimliche Geliebte Kassia und ihr Mann, Thanasis Petropoulos, ein einflussreicher Politiker reisen auf die Insel und Galavakis muss ausgerechnet für Kassia den Bodygard spielen. Es kommt wie es kommen muss, auf der Fahrt ins Landesinnere wird das Auto, in dem Kassia und Hyeronimos sitzen von Rest des Konvois getrennt, der Fahrer getötet, Galavakis angeschossen und Kassia entführt. Eigenartig ist einerseits, dass zunächst keine Forderungen der Entführer gestellt werden und andererseits der Ehemann völlig ungerührt zu scheint.

Wer hat hier seine Hand im Spiel? Und wer oder was soll erpresst werden? Sind die Separatisten, die einen eigenen kretischen Staat wollen oder doch die albanische Mafia, die den kretischen Clans den Rang ablaufen wollen die Drahtzieher oder geht es hier um ganz etwas anderes?

Meine Meinung:

Zunächst einmal muss ich anmerken, dass es diesmal notwendig ist, den unmittelbaren Vorgänger („Unheilvolles Kreta“) zu lesen. Ich muss das auch nachholen.

Der aktuelle Krimi ist recht komplex und auf Grund einiger Unkenntnis der griechischen bzw. kretischen politischen Verhältnisse nicht ganz einfach zu lesen.

Hier sind Kräfte am Werk, die ziemlich unübersichtlich miteinander verstrickt sind. Manchmal ist nicht ganz klar, wer die Guten und wer die Bösen sind, welche Rolle Kassias Ehemann und sein Kollege in diesem Ränkespiel um Macht und Einfluss übernehmen.

Der Leser darf hier ziemlich lange um Kassia und Hyeronimos zittern. Ob es für die beiden im nächsten Band ein Happy End geben wird?

Fazit:

Ein komplexer Krimi, bei dem wenig so ist, wie es scheint. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 03.03.2024

14 persönliche Ein- und Ansichten zu Europa

Erlebtes Europa
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Jede Generation hat ihren eigenen Blick auf Europa, der durch persönliche und familiäre Hintergründe höchst unterschiedlich und natürlich oft sehr subjektiv ausfällt. Dennoch ist es interessant zu lesen, ...

Jede Generation hat ihren eigenen Blick auf Europa, der durch persönliche und familiäre Hintergründe höchst unterschiedlich und natürlich oft sehr subjektiv ausfällt. Dennoch ist es interessant zu lesen, wie andere Europa erlebt haben bzw. derzeit erleben.

Dazu hat Helmut Brandstätter hat mit 13 Personen aus drei Generationen darüber gesprochen- Sein eigener Beitrag darf auch nicht fehlen, ist er doch Abgeordneter der NEOS im Europäischen Parlament.

Zu Wort kommen (in alphabetischer Reihenfolge):

Hannes Androsch
Helmut Brandstätter
Christa Chorherr
Vedran Džihić
Koschka Hetzer-Molden
Othmar Karas
Judith Kohlenberger
Manfred Osten
Anna Pattermann
Fari Ramic
Anna Schor-Tschudnowskaja
Timothy Smolka
Anna Stürgkh
Martin Weiss

Jede Geschichte ist nach dem selben Muster aufgebaut:

Bilder
Erlebnisse
Persönlichkeiten
Geschichte
Vision
Zukunft

Die älteste Generation (Androsch, Brandstätter, Chorherr, Hetzer-Molden, Osten und Weiß) berichtet von Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg, dem Wiederaufbau im Westen und dem Eisernen Vorhang im Osten Europas. Mehrmals werden Bundeskanzler Kreisky und Helmuth Schmidt als hervorragende Persönlichkeiten hervorgehoben. Als Urheber der Vision der „Vereinigten Staaten von Europa“ wird Richard Coudenhove-Kalergi, der Gründer der Paneuopa-Union genannt- Leider ist diese Idee nur rudimentär umgesetzt worden. Hier fehlt mir ein Hinweis auf Otto von Habsburg, der dieser Idee ebenfalls viel abgewinnen konnte.

Die mittlere Generation (Karas, Džihic und Kohlenberger) erleben den EU-Beitritt Österreichs mit, freuen sich über die Möglichkeiten, die das grenzenlose Europa bietet.

Die dritte, sieht die EU in einigen Punkten auch durchaus kritisch, die Vorteile überwiegen, wie Anna Stürgkh erzählt, die in UK studiert hat und vom Brexit direkt betroffen war. Von einem Tag auf den anderen, so hat sie es empfunden, war sie „die Andere“, nämlich die vom Kontinent.

Meine Meinung:

Diese Ansammlung von Bildern des persönlichen Europas hat mir sehr gut gefallen. Ich persönlich vermisse Beiträge von Menschen, die weder eine universitäre Bildung haben noch Gremien und Parteien angehören. Ich glaube, dass diese Menschen durchaus EU-kritischer sein könnten als jene, die die entsprechenden Informationen und Kenntnisse haben. Je weniger objektive Information, desto kritischer die Meinung. Oft bleibt nur die viel zitierte Vorschrift bezüglich der Gurkenkrümmung übrig.

Fazit:

Interessanter Einblick in persönliche Hoffnungen und Visionen zu Europa, die aus den eigenen Erlebnissen gespeist werden. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.