Platzhalter für Profilbild

Venatrix

Lesejury Star
offline

Venatrix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Venatrix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.01.2024

GUte Krimiunterhaltung

Elmflüstern
0

Giovanni Beck, seine verstorbene Mutter war Italienerin, ist, wie man so schön sagt, aus der Art geschlagen. Sein Vater ein bekannter Schönheitschirurg, hätte es vorgezogen, wenn sein einziger Sohn in ...

Giovanni Beck, seine verstorbene Mutter war Italienerin, ist, wie man so schön sagt, aus der Art geschlagen. Sein Vater ein bekannter Schönheitschirurg, hätte es vorgezogen, wenn sein einziger Sohn in seine Fußstapfen getreten wäre und die Klinik übernommen hätte. Nein, der Giovanni musste ja unbedingt Kriminalpolizist werden, was Beck senior und junior nur mäßigen Gesprächsstoff beschert. Nun muss Giovanni mit dem eher mieselsüchtigen Kollegen Wagner Verbrecher jagen, der noch dazu Raucher ist.

Diesmal müssen sie vorerst einmal eine sechzehnjährige Schülerin suchen, die augenscheinlich dem häuslichen Elend in Form einer alkoholkranken und überforderten Mutter entfliehen will. Je mehr Erkundigungen die beiden höchst unterschiedlichen Ermittler über das Umfeld des verschwundenen Mädchens einholen, desto sicher sind sie sich, dass es nicht ganz freiwillig verschwunden ist.

Meine Meinung:

Dieser dritte Fall für KHK Giovanni Beck ist mein Erster von Autorin Bettina Owczarski. Gleich vorweg, die Autorin hat mich auf die beiden Vorgänger 'Elmfeuer' und Elmsühne' neugierig gemacht.

Sowohl Beck als auch Wagner stehen mit beiden Beinen im Leben, wenn auch mit unterschiedlichen Charakterzügen. Während es so aussieht, als ob Giovanni Beck vom Leben begünstigt aufgewachsen ist, hat Wagner einen etwas schwierigen Start ins (Berufs)Leben und beneidet Beck ein wenig. Wir Leser können uns ein eigenes Bild machen, ob wir lieber mit Beck oder Wagner tauschen wollten.

Doch nicht nur die beiden Ermittler sind sehr gut getroffen, sondern auch das „Hilfspersonal“ dieses Krimi. Da ist zunächst der achtjährige Philipp, der kleine Bruder des verschwundenen Mädchens, der weit über seine Jahre gereift scheint, weil das häusliche Umfeld, Kinder schnell erwachsen werden lässt. Die alkoholkranke Mutter, die niemals erwachsen wurde, ist das krasse Gegenteil zu ihren Kindern. Interessante Charaktere sind Sarah, Giovannis Freundin, und ihre beiden Tanten, die in einem kleinen, renovierungsbedürftigen Schloss leben. Die drei Frauen haben ihr Herz am rechten Fleck. Besonders die beiden Tanten sind echt patente Personen, die selbst die ungeplante Zwillingsschwangerschaft ihrer Nichte nicht aus der Ruhe zu bringen scheint.

Der Schreibstil ist flott und lässt sich gut lesen. Die Mischung aus Ermittlung, Gesellschaftskritik und Privatleben ist ausgewogen.

Fazit:

Diesem bodenständigen Regionalkrimi, der ein gelungener Mix aus Spannung, Liebe und Wortwitz ist, gebe ich gerne 5 Sterne.

Veröffentlicht am 18.01.2024

Fesselnd bis zu letzten Seite

Deine Welt wird brennen
0

Dieser 13. Krimi rund um KHK Bodo Völxen hat mir wieder sehr gut gefallen. Was ist passiert?

Mitten in der Nacht wird Völxen von Feuerwehrsirenen aus dem Schlaf gerissen: Der Stadel auf dem Hof des als ...

Dieser 13. Krimi rund um KHK Bodo Völxen hat mir wieder sehr gut gefallen. Was ist passiert?

Mitten in der Nacht wird Völxen von Feuerwehrsirenen aus dem Schlaf gerissen: Der Stadel auf dem Hof des als Hühner-Baron bekannten Nachbarn, der ihn an Arnold Becker, einen Hobby-Maler, vermietet hat, steht in Flammen. Als beim „Brand aus“ eine verkohlte Leiche in der „Fechter-Stellung“ gefunden wird, geht alle Welt davon aus, dass es sich um Arnold Becker, der im Brotberuf Teilhaber einer Fracking-Firma ist. Ist er ein Opfer einer radikalen Umweltschutzorganisation geworden?

Die Trauer um Becker hält sich sowohl bei Tochter und Bruder in Grenzen. Aus vorerst nicht nachvollziehbaren Gründen ist Arnold plötzlich vom Saulus zum Paulus geworden und engagiert sich für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen.

Blöderweise stellt sich wenig später heraus, dass die verkohlte Leiche eine Frau ist. Die Aufregung um Arnold Becker scheint umsonst zu sein, nur wer ist die tote Frau?

Meine Meinung:

Die Völxen-Reihe, von der ist noch nicht alle Bände gelesen habe, kommt ohne rasante Verfolgungsjagden und Ähnlichem aus. Vielmehr setzt Autorin Susanne Mischke auf solide Polizeiarbeit im Team, auch wenn das vielleicht ein wenig langweilig klingen mag.

Der Krimi punktet durch unterschiedliche Charaktere, die hin und wieder auch ziemlich schrullig daherkommen. Daneben wird dem Privatleben aller Ermittler Raum gegeben. Dass der Arbeitsplatz die größte Partnerbörse ist, hat zusätzlich seinen Reiz, denn dadurch kommen und gehen immer wieder Mitarbeiter ohne große Aufregung.

Schmunzeln musste ich darüber, dass der Staatsanwalt, der ja in vielen Krimis der Widersacher der Ermittler ist, gemeinsam mit einem anderen Mitarbeiter Bodo Völxen beim Schafe scheren hilft.

Es bleibt auch Platz für aktuelle Themen wie Restitution von geraubten Kunstschätzen oder Klimaklebern. Wie sich die Umweltschutzdebatte in den letzten Jahren verändert hat, kann anhand des Gesprächs zwischen Bodo und seiner Tochter, die eine Vergangenheit als Umweltschützerin hat, beobachtet werden. Show, don’t tell! Das ist hier die Devise der Autorin.

Die Autorin schickt sowohl Ermittler als auch Leser in die eine oder andere Sackgasse. Die Auflösung dieses Mordfalls durch das Team um Bodo Völxen ist stimmig.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem fesselnden Krimi, der ohne allzu viel Action auskommt, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 18.01.2024

Ein gelungener Regionalkrimi

Rügentod
0

Die in Berlin erfolgreiche Krimi-Autorin Dorothee von Stresow besucht im Jahr 1920 auf Einladung ihrer früheren Schule die Insel Rügen, die sie nach dem Brand und dem Tod ihrer Eltern vor achtzehn Jahren ...

Die in Berlin erfolgreiche Krimi-Autorin Dorothee von Stresow besucht im Jahr 1920 auf Einladung ihrer früheren Schule die Insel Rügen, die sie nach dem Brand und dem Tod ihrer Eltern vor achtzehn Jahren verlassen hat. Nach der Lesung trifft sie nicht nur ihre alten Schulkameradinnen, darunter auch die wenig beliebte Margarethe von Klippholm, sondern auch Albert, ihren Freund aus unbeschwerten Kindertagen, wieder.

Margarethe macht Dorothee mit der Nachricht, Informationen über den Brand des Streswo‘schen Anwesen zu haben, neugierig. Man verabredet sich für den nächsten Tag. Blöderweise liegt Margarethe erschossen vor dem Jagdhaus und Dorothee wird hinterrücks niedergeschlagen.

Wenig später werden Schafe von einem Wolf gerissen, was naturgemäß auf der Ferieninsel Rügen für Panik sorgt. Gemeinsam mit Albert, der nun der Tierarzt der Insel ist, sowie dem Kriminalbeamten Gustav Breesen beginnt Dorothee zu ermitteln.

Natürlich steht Breesen den Nachforschungen der Schriftstellerin äußerst skeptisch gegenüber, muss aber Abbitte leisten, als sie zielführende Hinweise liefert.

Allerdings und das lässt auf eine Fortsetzung hoffen, kommt sie ihrem Ziel, Näheres über den Brand und den Tod ihrer Eltern herauszufinden, nicht näher.

Meine Meinung:

Dieser Auftakt zu einer neuen historischen Krimireihe auf der Insel Rügen hat mir gut gefallen. Er führt uns nach Binz, das mit seinen mondänen Hotels und seinen illustren Gästen punktet.

Der Krimi selbst ist gut strukturiert und zeigt, dass auch ohne DNA-Analysen oder großartige Forensik à la CSI Mordfälle gelöst werden können. Man braucht dazu eine schnelle Auffassungsgabe, eine Portion Menschenkenntnis sowie ein bisschen Fantasie. Über das alles verfügt Dorothee. Daher kann sie die Erkenntnisse, die sich ihr und Albert erschließen, Kommissar Gustav Breesgen schlüssig erklären.

Der Krimi lässt sich locker und flüssig lesen. Allerdings finde ich den Schreibstil hin und wieder ein wenig zu modern.

Ich hatte recht bald eine Idee, wer der Täter sein könnte, und habe mit meiner Hypothese recht behalten.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe 4 Sterne.

Veröffentlicht am 18.01.2024

Eine skurrile Geschichte

Das Geschäft der Toten
0

Der kongolesische Schriftsteller Alain Mabanckou lässt in seinem Roman "Das Geschäft der Toten" die Verstorbenen aus ihren Gräbern steigen, um sich an korrupten Lebenden zu rächen.

Wir begleiten Liwa ...

Der kongolesische Schriftsteller Alain Mabanckou lässt in seinem Roman "Das Geschäft der Toten" die Verstorbenen aus ihren Gräbern steigen, um sich an korrupten Lebenden zu rächen.

Wir begleiten Liwa Ekimakingaï, den Küchengehilfen im Hotel Victory Palace in Pointe-Noire, der am Abend des kongolesischen Nationalfeiertags die geheimnisvolle Adeline in einem Nachtklub trifft. Ganz Gentlemen, begleitet er sie nach Hause und findet sich am nächsten Morgen in einen Sarg, auf dem Weg Richtung Friedhof Frère-Lachaise wieder.

Seiner eigenen Beerdigung zuzusehen? Klingt doch ein wenig schräg, oder?

"Von Weitem siehst du deinen Leichnam unter einem Unterstand aus Palmblättern liegen, umgeben von weinenden Frauen im fortgeschrittenen Alter. Der Anblick einer solchen Körperhaltung gefällt dir gar nicht, und du weigerst dich, zu glauben, der Leichnam, an dem hier Totenwache gehalten wird, sei deiner, der von Liwa Ekimakingaï."

Wer jetzt noch irritiert den Namen des Friedhofs liest und an den in Paris denkt, hat recht, denn dieser Roman ist auch eine bitterböse Satire auf die französische Kolonialzeit.

"Diese Erde gehörte den Schwarzen, die anderen Rassen sind gekommen, um uns auszulöschen, weil wir schön, stark, tapfer und gastfreundlich waren. (…) Der Herr ist hier bei uns, mit uns! Die Weißen haben alles auf der Erde verdorben mit Kriegen, Sklaverei, Nazismus, Kolonialismus und seinen bizarren Auswüchsen!"

Der Autor Alain Mabanckou kehrt mit diesem Buch erneut in seine Heimatstadt Pointe-Noire in der Republik Kongo zurück, aus der er Ende der 1980er-Jahre zwecks Jura-Studium nach Paris aufgebrochen ist.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Roman, der skurrile Begegnungen im Zwischenbereich von Diesseits und Jenseits beschreibt, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 18.01.2024

Hat mir gut gefallen

Goisern
0

Erstmalig in der 39-jährigen Geschichte der „Kulturhauptstädte Europas“ schließen sich 23 Gemeinden im ländlich geprägten inneralpinen Raum zu einer Kulturhauptstadt zusammen: Das Salzkammgut und seine ...

Erstmalig in der 39-jährigen Geschichte der „Kulturhauptstädte Europas“ schließen sich 23 Gemeinden im ländlich geprägten inneralpinen Raum zu einer Kulturhauptstadt zusammen: Das Salzkammgut und seine Orte sind Kulturhauptstadt 2024. Aus diesem Anlass kann man aus einer Vielzahl von Büchern wählen. Eines davon ist erzählt von den Menschen in Goisern, heute Bad Goisern. Autorin und Historikerin Marion Wisinger begibt sich auf Spurensuche der Bewohner in der Zeit zwischen 1900 und 1950.

Im Vorwort beschreibt sie, welche Wege sie beschreitet, um ein Bild des Ortes im Laufe dieser 50 Jahre zu erhalten. Sie stöbert in Archiven und fragt Menschen aus Goisern (aus). Viele behaupten, sich selbst nicht zu erinnern, aber jemanden zu kennen, der sich mit „sowas“ beschäftigt.

Goisern ist ein ganz normaler bäuerlicher Ort, der seit Jahrhunderten vom Salz und Holz geprägt ist. Tradition ist den Goiserern wichtig. Doch auch modernen Errungenschaften, wie dem Fahrrad ist man nach anfänglicher Skepsis durchaus zugetan. Man hat eine evangelische und katholische Kirche und seit 1931 Luftkurort und Heilbad. (Der begehrte Namenszusatz BAD wird allerdings erst 1955 gewährt.)

Das Ergebnis dieser Recherchen sind 50 Jahre Ortsgeschichte, die ohne Weltgeschichte nicht existieren könnten und die in sechs Kapitel eingeteilt sind.

1900-1914
1914-1918
1918-1933
1933-1938
1938-1945
1945 und danach

In diesen Kapiteln kommen unterschiedliche Quellen zu Wort, was durch verschiedene Schriftarten zum Ausdruck gebracht wird, was auch schon im Vorwort zu sehen ist. Leider ist nicht vermerkt, wofür oder für wen diese unterschiedlichen Schrifttypen stehen. Da hätte eine Legende ein wenig Klarheit bringen können.

Neben Auszügen aus Briefen, Sitzungsprotokollen oder seltenen Tagebucheintragungen fließen die Chroniken des Ortes in dieses Buch ein. Für die späteren Kapitel bedient sich die Autorin der Aufzeichnungen der „Oral History“. Auch die alte Architektur oder was davon übrig geblieben ist, fließt in diese Chronik ein. Gut ausgewählte Abbildungen von Personen, die den Ort mitgestaltet haben, der Umgebung sowie persönliche Erinnerungsfotos bereichern dieses Buch.

Diese unterschiedlichen Quellen bilden ein sehr heterogenes Bild von Goisern, das wie durch ein Kaleidoskop betrachtet scheint. Doch genau diese Collage macht den Reiz dieses Buches aus. So vielfältig wie die Menschen an sich, sind hier die Perspektiven auf Goisern. Dabei verschweigt Marion Wisinger weder Kriegsverbrechen aus dem Ersten noch aus dem Zweiten Weltkrieg sowie den Umgang damit. Goisern ist ja nicht der einzige Ort in Österreich, in dem „man ja nichts gewusst hat“ oder „niemand dabei gewesen ist“. Eine Haltung, die weit verbreitet ist und der Goisern lediglich als ein Beispiel dient.

Das Buch ist in gediegener Ausführung im Verlag Kremayr & Scheriau erschienen. Das Hardcover besticht durch sein haptisches Erleben als Leinenprägung. Das Cover zeigt einen Blick auf Goisern als schwarz-weiß-Foto, das sich auf dem hinteren Buchdeckel als Farbfoto wiederfindet.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser erzählten Ortsgeschichte 5 Sterne.