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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.07.2023

Hat mich nicht ganz gepackt

Schönwald
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Die Familie Schönwald scheint auf den ersten Blick eine saturierte Familie zu sein. Die Eltern Ruth und Harry, sind seit Jahrzehnten verheiratet, er ein emeritierter Staatsanwalt, sie hätte gerne eine ...

Die Familie Schönwald scheint auf den ersten Blick eine saturierte Familie zu sein. Die Eltern Ruth und Harry, sind seit Jahrzehnten verheiratet, er ein emeritierter Staatsanwalt, sie hätte gerne eine Universitätskarriere gelebt, doch mit drei Kindern gesellschaftlich seinerzeit nicht möglich, eine heimliche Affäre aber schon. Die drei gemeinsamen Kinder Chris, Karolin und Benni sind erwachsen und führen jeweils ihr eigenes Leben.

Doch wenn man ein wenig an der glänzenden Oberfläche kratzt, ist der Lack schnell ab und die Familie entpuppt sich schnell als allzu durchschnittlich.

Chris, der Älteste früher als Wunderkind apostrophiert, ist bereits in jungen Jahren Professor für Literatur an der Uni in New York. Als er über einen peinlichen Vorfall stolpert, bringt er es nicht fertig, seine Familie über sein Karriereende zu informieren.

Tochter Karolin, geschieden, kann sich nicht zwischen hetero- und homosexuellen Beziehungen entscheiden und führt in Brandenburg eine Buchhandlung.

Und dann gibt es noch den Nachzügler Benni, der mit seiner vermögenden Frau in einem bescheidenen Haus in der Uckermark lebt.

Klingt alles nicht so spektakulär, oder?

Just bei der Eröffnung der Buchhandlung, die sich als queere Buchhandlung outet, kommt es zu einem Anschlag von Aktivisten, die behaupten, das Geld für den Buchladen stamme aus dem Vermögen des Großvaters, der es in der NS-Zeit angehäuft hätte.

Meine Meinung:

Leider bin ich mit dieser Familiengeschichte nicht wirklich warm geworden. Zum einen erscheinen mir die Charaktere ziemlich blass, haben wenig Ecken und Kanten und zum anderen habe ich erwartet, dass die Geschichte des Großvaters eine größere Rolle spielt. Tut er irgendwie nicht. Jedes der drei Kinder hat Geld aus dem Nachlass des Großvaters erhalten, warum also eskaliert die Eröffnung dieses Buchladens?

Interessant ist, dass jedes Mitglied der Familie Schönwald etwas zu verbergen hat. So wirkt die Familie ziemlich dysfunktional auf mich. Dieser Eindruck wird noch verstärkt, weil Autor Philipp Oehmke in diesem Romandebüt häufig zwischen den Schauplätzen und den Charakteren herumspringt. Der häufige Perspektivenwechsel entwickelt eine eigene Dynamik, die durch einige eher langweilige Passagen abrupt stoppt. Dann nerven mehrfache Wiederholungen genauso wie die geschilderte Propaganda von Chris, der sich vom links-liberalen Professor zu einem Trump-Anhänger entwickelt hat.

Der Klappentext und der Einstieg mit dem Hinweis auf das angeblich unredlich erworbene Vermögen („Nazi-Geld“) des Großvaters haben mich in eine völlig falsche Richtung gelotst. Hierzu hätte ich mir mehr zu lesen, erwartet.

Es finden sich viel zu viele gesellschaftspolitische Themen in diesem Roman, die leider nicht alle mit der gebotenen Intensität besprochen werden können. Das eine oder andere wird lediglich angerissen und bleibt „halbfertig“ im Raum stehen. Da wäre wohl weniger mehr gewesen. Nicht alles, was einen Autor berührt oder was er weiß, muss dem Leser detailliert nahe gebracht werden.

Zu dieser Familie fallen mir gleich zwei Zitate aus Heimito von Doderers (1896-1966) Werken ein: „Wer sich in Familie begibt, kommt darin um“ oder ein „Nicht Schweigen, sondern Schwatzen ist das Gegenteil des Sprechens.“.

Fazit:

Dieser Roman hat seine eigene Dynamik, die Figuren selbst bleiben blass und haben mich nicht überzeugt. Deshalb gibt es nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 09.07.2023

Außergewöhnliche Einblicke in die Klosterwelt der Frauen

Unerhörte Frauen
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Das Autorinnen-Duo Henrike Lähnemann & Eva Schlotheuber widmet sich in diesem Buch einem interessanten Kapitel der Geschichte, das bislang nur wenig Beachtung gefunden hat: Der Rolle der mittelalterlichen ...

Das Autorinnen-Duo Henrike Lähnemann & Eva Schlotheuber widmet sich in diesem Buch einem interessanten Kapitel der Geschichte, das bislang nur wenig Beachtung gefunden hat: Der Rolle der mittelalterlichen Klosterfrauen im politischen Umfeld. Wer waren sie? Warum sind sie in ein Kloster eingetreten? Warum wissen wir so wenig über ihren Klosteralltag?

Basis dieses Buches ist eine kleine Sensation, nämlich das Tagebuch einer leider unbekannten Nonne, die das Leben im Kloster beschreibt. Über mehrere Jahre dürfen wir Leser (und die Forscherinnen) am Alltagsleben der Unbekannten teilhaben, bis das Tagebuch, während einer Pestepidemie plötzlich abbricht. Es ist zu vermuten, dass die Schreiberin der Seuche zum Opfer gefallen ist.

Neben diesem Tagebuch liegen diverse Briefe diesem interessanten Buch als Quelle zugrunde. So erfahren wir, dass die Frauenklöster oftmals Spielball der weltlichen Herrscher waren, sich immer wieder behauptet haben, wenn ihre Existenz bedroht war. Die Äbtissinnen, die häufig aus wohlhabenden bzw. einflussreichen Familien stammten, haben ihren politischen Einfluss geltend gemacht. Sie haben aus armen Klosterniederlassungen florierende Wirtschaftsbetriebe gemacht, was oft den Neid ihrer männlichen Kollegen hervorgerufen hat.

Wir erfahren einiges über die „Laufbahn“ der Nonnen, die oft schon als kleine Mädchen mehr oder weniger freiwillig in ein Kloster eintreten.

Ihre Überzeugung, dass sie und ihre Gebete von Gott erhört werden, ist tief in ihrem Glauben verwurzelt. Dass sie daneben Einfluss auf die Mächtigen ihrer Zeit haben, ist ihrem Status zuzuschreiben. Diese Frauen waren alles andere als unerhört, auch wenn ihre Bedeutung durch die durchwegs männlichen Chronisten heruntergespielt worden ist.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem außergewöhnlichen Einblick in eine mittelalterliche Lebensweise 5 Sterne.

Veröffentlicht am 09.07.2023

Fesselnd bis zur letzten Seite

Frühling lässt sein schwarzes Band (Roussillon-Krimi 4)
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Nach einer langen Schaffenspause haben wir Leser nun endlich den vierten Band der Reihe um Lieutenant Gilles Sebag in den Händen.

Der aktuelle Fall führt uns zu einer archaisch anmutenden Tradition, nämlich ...

Nach einer langen Schaffenspause haben wir Leser nun endlich den vierten Band der Reihe um Lieutenant Gilles Sebag in den Händen.

Der aktuelle Fall führt uns zu einer archaisch anmutenden Tradition, nämlich zu dem alljährlichen Büßerumzug am Karfreitag. Tausende Mitwirkende wie Zuschauer sind auf den Beinen. Wegen der allgegenwärtigen Terrorgefahr in Frankreich begleitet ein großes Polizeiaufgebot die Veranstaltung. An der Spitze mit dabei ist Lieutenant Gilles Sebag, als er zu einem Überfall auf einen Juwelier gerufen wird. Kaum hat er die Lage sondiert, muss er wieder zur Prozession, denn ein Zwischenfall hat eine Massenpanik ausgelöst. Übrig bleibt ein Toter und zahlreiche Verletzte. Vom Täter keine Spur.

Für Lieutenant Gilles Sebag beginnt die mühevolle Ermittlungsarbeit, die dadurch, dass die aktiven Teilnehmer der Prozession allesamt Kutten mit Kapuzen getragen haben ....

Meine Meinung:

Autor Philippe Georget hat mit diesem vierten Fall für Lieutenant Gilles Sebag einen komplexen Krimi geschaffen, bei dem wenig so ist, wie es scheint.

Da sind zum einen die religiösen Bräuche, die ziemlich archaisch und aus der Zeit gefallen wirken, der Überfall auf den Juwelier, der wie ein Ablenkungsmanöver aussieht sowie das Mordopfer, ein Klavierlehrer, um den sich Gerüchte über mögliche Übergriffe auf seine Schüler ranken. Die Ermittlungen erweisen sich als zäh und bekommen erst dann etwas Drive, als sich herausstellt, dass der Juwelier und der Tote ziemlich gute Freunde waren.

Interessant sind die Charaktere, mit denen wir uns hier beschäftigen. Einige sind Kleinganoven, andere wieder honorige Bürger von Perpignan. Meine Lieblingsfigur ist der Obdachlose, der Bücher liest und auch verschenkt. Auch das gesellschaftliche Gefälle zwischen arm und wohlhabend ist Thema in diesem Krimi.

Das einzige, das mir missfällt, ist der Titel: Ein grammatikalisch verstümmelter Halbsatz, den jeder Deutschlehrer rot anstreichen würde.

Fazit:

Ein komplexer Krimi, bei dem wenig so ist, wie es auf den ersten Blick erscheint. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 09.07.2023

Fesselnd bis zur letzten Seite

Trügerisches Lavandou (Ein-Leon-Ritter-Krimi 9)
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Die Tourismussaison ist angelaufen, als eine junge Frau aufgelöst auf der Polizeistation erscheint und angibt, ihre beiden Kinder Lucas und Louisa wären aus dem abgestellten Auto verschwunden. Die ersten ...

Die Tourismussaison ist angelaufen, als eine junge Frau aufgelöst auf der Polizeistation erscheint und angibt, ihre beiden Kinder Lucas und Louisa wären aus dem abgestellten Auto verschwunden. Die ersten Suchaktionen verlaufen erfolglos, bis eine Lösegeldforderung eintritt. Nun ist klar, dass die beiden Kinder entführt worden sind.

Nur von wem? Das Ehepaar ist sich uneinig, ob die Polizei bei der Übergabe des Lösegeld anwesend sein soll und dann geht die noch schief.

Capitaine Isabelle Morell, deren Tochter selbst einmal ein Entführungsopfer gewesen ist, weiß, dass es hier auf jede Stunde ankommt, das Versteck der Kinder zu finden.

Meine Meinung:

Schon der Titel weist darauf hin, dass in diesem Krimi nichts so ist, wie es scheint. Als gewiefte Krimileserin habe ich recht schnell einen Verdacht gehabt, der sich letztlich bestätigt hat.

Da die Suche nach den kleinen Kindern sowohl bei den Ermittlern, zu denen auch Dr. Leon Ritter zählt, alle über Gebühr anstrengt, bekommen wir diesmal nur wenig vom Privatleben der Ermittler zu lesen.

Die neuen Charaktere sind wieder gut gelungen. Hat der Leser zu Beginn noch ein wenig Mitleid mit der Mutter, die ihre Kinder vermisst, so wendet sich das Blatt im Laufe der Zeit. Mir war sie gleich zu Beginn an unsympathisch. Kleine Kinder in der Sommerhitze allein im Auto zu lassen, geht für mich gar nicht. Auch das Verhalten des Ehepaares zueinander ist ziemlich merkwürdig.

Der Fall bleibt bis zur letzten Seite spannend.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem fesselnden Krimi, der immerhin schon der 9. der Reihe ist, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 09.07.2023

Ein penibel recherchierter hist. Krimi

Mord im Lainzer Tiergarten
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Mit diesem Krimi verlässt Autor Beppo Beyerl sein übliches Genre des historischen Sachbuches und taucht in das aufgeheizte Klima von Wien in der Zwischenkriegszeit ein. Diesmal geht es um einen Mord im ...

Mit diesem Krimi verlässt Autor Beppo Beyerl sein übliches Genre des historischen Sachbuches und taucht in das aufgeheizte Klima von Wien in der Zwischenkriegszeit ein. Diesmal geht es um einen Mord im Lainzer Tiergarten mit weitläufigen Ermittlungen.

Kurz nachdem im Lainzer Tiergarten Schüsse gefallen sind, die aber angesichts des Jagdreviers keiner meldet, wird eine Frauenleiche entdeckt, deren Identität lange nicht klar ist. Erst die Veröffentlichung eines Fotos ihrer sogenannten Moulage, eines Wachsmodells ihres Gesichts, sowie die Ausforschung ihres Zahnarztes, gibt e den Namen der Toten preis.

Doch wer ist der Täter? Etwa der Ehemann, der in Triest mit dem Schmuggel von Diamanten beschäftigt ist? Oder doch der gierige Liebhaber, der kurz nach dem Mord den Schmuck des Opfers verkauft hat? Beim Prozess im Wiener Landesgericht wird ihr Liebhaber freigesprochen. Wer war der Mörder?

Als der Druck des Wiener Polizeipräsidenten Dr. Schober auf die Ermittler immer größer wird , nimmt sich zumal die Kontakte mit dem faschistischen Italien recht gepflegt werden. Da nimmt sich unser Kriminalinspekteur Max Mitschek Urlaub und fährt alleine nach Triest.

Meine Meinung:

Der Mord an der Frau, der bis heute ungeklärt ist, ist Fakt. Die Ermittlungen, die sich bis Karlsbad und an die Obere Adria erstrecken, sind es auch teilweise. Die eine oder andere Lücke dazwischen hat Beppo Beyerl mit seiner Fantasie ein wenig aufgefüllt.

Ich mag historische Krimis, die in Wien bzw. in den alten Kronländern spielen und die penibel recherchiert sind. Beppo Beyerls historische Stadtspaziergänge sind legendär, deshalb habe ich voll Erwartung zu diesem Krimi gegriffen.

Leider bin ich nicht ganz zufrieden damit, denn die Spannung lässt ein wenig zu wünschen übrig. Gut getroffen ist die Stimmung in Wien nach dem Brand des Justizpalastes von 1927. Die Obrigkeit und ihre Vertreter (Polizei und Justiz) werden als Feind gesehen, in deren Netz man sich tunlichst nicht verfängt. Sozialisten, Kaisertreue, Faschisten und Nationalisten begegnen einander mit Wut und oftmals mit Fäusten.

Beppo Beyerl ist Meister der Recherche und so trägt er für seinen Krimi zahlreiche Fakten der damaligen Zeit zusammen. So hat Polizeipräsident und Kanzler Johannes Schober einen kurzen Auftritt. Auch die Polizeiarbeit ist ziemlich authentisch dargestellt - wer hierzu noch etwas mehr wissen will, sollte bei einem Wien-Aufenthalt unbedingt das Wiener Kriminalmuseum aufzusuchen. Hier findet man die angesprochenen Moulagen, jene Rekonstruktionen von Körperteilen bzw. Gesichtern, um die Opfer zu identifizieren.

Fazit:

Für die penible Recherche gibt es glatte 5 Sterne, einen muss ich für die fehlende Spannung wieder abziehen - daher 4 Sterne.