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Venatrix

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Veröffentlicht am 12.06.2023

Eine Hommage an die Sommerfrische

Spazierenschwimmen zwischen Rax und Semmering
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Das Autorenduo Wilma Pfeiffer & Walter Stelzle entführt uns in die Sommerfrische rund um Rax und Semmering.
Sommerfrische - das sind im 19. Jahrhundert jene Wochen im Sommer, in denen (groß)bürgerliche ...

Das Autorenduo Wilma Pfeiffer & Walter Stelzle entführt uns in die Sommerfrische rund um Rax und Semmering.
Sommerfrische - das sind im 19. Jahrhundert jene Wochen im Sommer, in denen (groß)bürgerliche und adelige Familien mit Sack und Pack der stinkenden und heißen Großstadt Wien entfliehen, um in den Wiener Hausbergen frische Luft zu tanken.

Zu Beginn wird einmal der Begriff Sommerfrische erklärt. Dann dürfen wir die wichtigsten Orte kennenlernen, die da sind:

Reichenau
Prein an der Rax
Rax
Payerbach
Semmering

Der Hoch- und Geldadel geben sich ein Stelldichein. Dann 1854, die Eröffnung der spektakulären Gebirgsbahn (Südbahn) die sich den Semmering hinaufschlängelt, durch zahlreiche Tunnel schnauft und die 457 Höhenmeter auf zahlreichen oft mehrstöckigen Viadukten überwindet, ist Sensation und Massenverkehrsmittel. Heute ist die Strecke der Semmeringbahn Weltkulturerbe und lockt nach wie vor die Menschen nach Payerbach, Reichenau oder Mürzzuschlag. Die Bedeutung der Gegend als Urlaubsdestination ist geschwunden. Dennoch lässt sich hier, rund 100km von Wien entfernt, herrlich Urlaub machen.

Nachdem das Kaiserhaus die Gegend als Urlaubsdomizil auserkoren hat, ziehen andere nach, mieten sich in die bestehenden Gasthäuser und Hotels ein und bauen sich eigene Villen, von denen einige noch heute existieren. Wenig später reisen dann auch Wissenschaftler wie Sigmund Freud und Schriftsteller wie Peter Altenberg, Arthur Schnitzler und Robert Musil an. Robert Musil ist es, der den Begriff „Spazierenschwimmen“ geschaffen hat.

Meine Meinung:

Das Autorenduo Wilma Pfeiffer & Walter Stelzle hat einen sehr informativen Schreibstil, der durch zahlreiche Fotos der Villen und Zitate jener Schriftsteller ergänzt wird, die dort ihre Sommerfrische genossen haben.

Seit einigen Jahren wird versucht, die Tradition der Sommerfrische durch Sommerspiele, Lesungen und Konzerte wieder aufleben zu lassen. Im „Südbahnhotel“, das nach Jahren des Dornröschenschlafs nun wieder geöffnet hat, werden kulturelle Veranstaltungen hoher Qualität angeboten. Das „Panhans“ harrt noch auf die Wiedererweckung.

Fazit:

Dieses Buch ist eine Hommage an eine liebenswerte Gegend, die es wiederzuentdecken lohnt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 12.06.2023

Hedy Lamarr - auf ihre Schönheit reduziert

Die einzige Frau im Raum
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Marie Benedict, Autorin einiger Romanbiografien widmet sich diesmal der österreichisch-amerikanischen Schauspielerin Hedy Lamarr (1914-2000).

Als Hedwig Maria Kiesler, geboren, die einzige Tochter eines ...

Marie Benedict, Autorin einiger Romanbiografien widmet sich diesmal der österreichisch-amerikanischen Schauspielerin Hedy Lamarr (1914-2000).

Als Hedwig Maria Kiesler, geboren, die einzige Tochter eines jüdischen Ehepaares in Wien, bricht sie die Schule ab und wird gegen den Widerstand der Eltern Schauspielerin. Sie dreht die erste Nacktszene in einem Spielfilm überhaupt und feiert große Erfolge. 1933 heiratet sie den reichsten Mann Österreich, den Waffenfabrikanten Fritz Mandl, um wie sie glaubt, sich und ihre Eltern vor den Nationalsozialisten zu schützen. Da auch Mandl jüdischer Abstammung ist, hilft nur das Anbiedern an das NS-Regime, um „Ehren-Arier“ zu werden. Die Ehe mit Mandl scheitert, doch diese Zeit hat sie genutzt, um zahlreiche geheime Informationen zu den diversen Waffengeschäften ihres Mannes zu notieren. Als schmückender Aufputz durfte sie an geschäftlichen Besprechungen teilnehmen. Schönen Frauen hat man keinen Verstand zugebilligt.

Das Buch umfasst allerdings nur die Zeit ihrer Jugend in Österreich bis zu ihrer Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann Fritz Mandl 1937 und endet im September 1942, als sie bei einer Veranstaltung für den Kauf von Kriegsanleihen wirbt.

Ihr Anliegen, den Zweiten Weltkrieg mit einer von ihr und George Antheil entwickelten Funkfernsteuerung für Torpedos, maßgeblich zu beeinflussen gelingt nicht. Die beiden erhalten zwar ein Patent auf die Erfindung, doch die Militärs lehnen Lamarrs Ideen einfach ab.

„Offen gestanden bezweifle ich, dass wir unsere Soldaten und Matrosen von einem Waffensystem überzeugen können, das von einer Frau entwickelt wurde. Und darum werden wir es auch gar nicht erst versuchen.“

Meine Meinung:

Der Roman ist gut geschrieben, wer allerdings eine Biografie erwartet, wird enttäuscht sein und muss zu anderen Büchern wie „Hedy Lamarr“ von Michaela Lindinger greifen.

Die angekündigte Erfindung nimmt nur wenig Raum in diesem Roman ein. Praktisch umgesetzt, wenn auch in abgeänderter Form, wird die Fernsteuerung für Torpedos erst während der Kuba-Krise (1962). Allerdings wird die Schauspielerin und Erfinderin spät aber doch noch dafür geehrt, denn diese Technik ist eine Vorläuferin des Bluetooth.

Hedy Lamarr ist, wie zahlreiche andere Schauspielerinnen vor, mit und nach ihr nur auf das Äußere reduziert worden und ist in der Männerwelt „die einzige Frau im Raum“.

Fazit:

Ein leicht lesbarer Roman, dem ich gerne 3 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 12.06.2023

Eine neue Krimi-Reihe mit alten Bekannten

Ein mörderisches Paar - Das Versprechen
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Nachdem ich einige Bände rund um KHK Ann Kathrin Klaasen (AKK) und Frank Weller sowie aus der Reihe „Rupert undercover“ gelesen habe, musste ich natürlich die Nase in Klaus Peter Wolfs neue Reihe, die ...

Nachdem ich einige Bände rund um KHK Ann Kathrin Klaasen (AKK) und Frank Weller sowie aus der Reihe „Rupert undercover“ gelesen habe, musste ich natürlich die Nase in Klaus Peter Wolfs neue Reihe, die vorab als Trilogie angelegt ist stecken.

Dr. Bernhard Sommerfeldt ist als Serienmörder schon aus den Krimis rund um AKK bekannt und die zukünftige Frau Sommerfeldt aus „„Rupert undercover“. Im Brotberuf sind die beiden Profikiller, mimen aber nun, ausgestattet mit neuen Identitäten und neuem Aussehen, ein normales Ehepaar.

Doch als sie erfahren, dass ein dreizehnjähriger Schüler durch eine Überdosis Heroin gestorben ist, und die Polizei bei den Ermittlungen geschlampt hat, weshalb der Dealer, den man nur den „Holländer“ nennt, vor Gericht freigesprochen wird, nehmen sie das Recht in ihre eigenen Hände und erhalten heimliche Unterstützung von der Polizei.

Meine Meinung:

Die Idee, ein Profikiller-Ehepaar das Recht in eigene Hände nehmen lassen ist nicht ganz neu. Der Krimi selbst ist in routinierter Art geschrieben. Ann Kathrin Klaasen und Frank Weller spielen diesmal nur Nebenrollen.

Wer die ursprüngliche Ostfriesland-Reihe nicht kennt, wird einerseits die Querverbindungen und Andeutungen nicht immer verstehen, aber andererseits keinen Vergleich zum Original haben. Daher bin ich ein wenig zwiegespalten, was mein Urteil betrifft.

Der Schreibstil ist locker und leicht zu lesen. Das Lokalkolorit von Aurich und Umgebung ist gut getroffen und lässt Urlaubsfeeling aufkommen.

Fazit:

Diesem Reihenauftakt, der uns ein Wiedersehen mit alten Bekannten beschert, gebe ich 3 Sterne.

Veröffentlicht am 11.06.2023

Urlaubskrimi

Miesmuschelmord
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In ihrem zweiten Krimi rund um Frederike „Freddie“ Weihs und den sympathischen Hoofdinspecteur Julian Doorn
muss Freddie, die eigentlich nur ihren Sommerurlaub bei Onkel Holger und Tante Gitti verbringen, ...

In ihrem zweiten Krimi rund um Frederike „Freddie“ Weihs und den sympathischen Hoofdinspecteur Julian Doorn
muss Freddie, die eigentlich nur ihren Sommerurlaub bei Onkel Holger und Tante Gitti verbringen, als sie vom gewaltsamen Tod von Nelleke, der Nachbarin, ihrer Verwandten erfährt. Noch größer ist ihre Verwunderung, dass Holger die Tat gesteht und Tante Gitti verschwunden ist. Gibt es da einen Zusammenhang? Will er seine Frau schützen oder welches Motiv könnte er haben?

Die Polizei, Hoofdinspecteur Julian Doorn und seiner Kollegin Vermeer, scheint keine anderen Verdächtigen zuzulassen, weshalb Freddie ihre eigenen Nachforschungen anstellt. Dabei entdeckt sie einige Geheimnisse nicht nur in der Familie der Toten, sondern auch in ihrer eigenen.

Und ist der Verkauf des Bungalow-Parks, jener Feriensiedlung, in der Generationen von Urlaubern am zeeländischen Strand geplanscht haben, nun vom Tisch?

Meine Meinung:

Dieser Krimi vermittelt Urlaubsfeeling von Sonne, Meer und Strand. Dazu dürfen kulinarische Spezialitäten nicht fehlen - also ein echter Wohlfühlkrimi, außer für die Leiche natürlich.

Zeitlich spielt sich alles innerhalb von fünf Tagen ab, wie man aus den Kapitelüberschriften, die auch einen Bezug zu den mossels (Miesmuscheln) haben, unschwer erraten kann.
Die Autorin schickt Freddie mit dem fiets, wie man die Fahrräder in den Niederlanden nennt, quer über die Halbinsel und lässt sie manchen falschen Schluss ziehen und in eine Sackgasse radeln.

Geschickt sind niederländische Sätze in den Text verwoben, wobei es wenig Mühe macht, sie zu verstehen. Entweder erschließt sich das Gesagte aus dem Inhalt oder es wird gleich die Übersetzung mitgeliefert. Zusätzlich gibt es im Anhang ein Glossar, anhand dessen man die wichtigsten Floskeln gleich auch lernen kann.

Die Charaktere sind recht gut beschrieben. Das zarte Pflänzchen der Zuneigen zwischen Julian und Freddie scheint zu gedeihen. Schauen wir einmal, was daraus wird. Interessant finde ich, dass Freddie für ihre Recherchen auch Familienaufstellungen zu Rate zieht, um die Beziehungen der Protagonisten untereinander zuordnen zu können.

Ach ja, Miesmuscheln spielen natürlich auch eine große Rolle.

Fazit:

Eine leichte Sommerlektüre, die am besten am Strand genossen werden sollte. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 11.06.2023

Ben Kittos persönlichster Fall

Düster ruht die See
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Als das Skelett, wegen dem die Baustelle eines umstrittenen Neubauprojektes eingestellt werden muss, aus der Baugrube gestohlen wird, weiß noch niemand, welche Konsequenzen das haben wird. Denn die Knochen ...

Als das Skelett, wegen dem die Baustelle eines umstrittenen Neubauprojektes eingestellt werden muss, aus der Baugrube gestohlen wird, weiß noch niemand, welche Konsequenzen das haben wird. Denn die Knochen sind rund 30 Jahre alt und nicht, wie vermutet, historisch. Ben Kitto und sein Kollege Eddie sind gefordert, dem unbekannten Toten seinen Namen zurückzugeben und den Mörder, der auf der Insel vermutet wird, zur Rechenschaft zu ziehen.

Gleichzeitig bereitet sich Ruby Travis, Tochter des sterbenskranken Craig Travis generalstabsmäßig darauf vor, alle jene Verräter zur Strecke zu bringen, die ihren Vater, einen mehrfachen Mörder, ins Gefängnis gebracht haben. Die Liste ist lang und Ben Kitto, der als Undercoverermittler Travis‘ Chauffeur war, steht als letzter auf ihrer Liste.

Neben dem fast „normalen“ Polizistenalltag, ein unbekanntes Skelett zu identifizieren, und der Bedrohung durch Ruby Travis, sieht sich Ben Kitto dem Ende von Ninas Schwangerschaft gegenüber, die wegen Komplikationen eine Verlegung in eine Klinik auf dem Festland notwendig macht, was in Anbetracht der wachsenden Gefahr durch Ruby keine so schlechte Option ist.

Meine Meinung:

Auch mit diesem 6. Fall weiß Kate Penrose ihre Leser zu fesseln.

Dieser Krimi wird in zwei Erzählsträngen, die anfangs parallel laufen, um dann auf der Insel Bryher zu einem spannenden, wenn auch unerwarteten Finale zusammenzulaufen, erzählt. Der eine, der sich um die Polizeiarbeit rund um das Skelett dreht, und der andere, der Rubys Rachepläne enthüllt. Der Leser ist in Rubys Rachefeldzug quasi „eingeweiht“ und muss um Ben Kitto zittern, zumal die versprochenen Bodyguards statt sechs Männer nur zwei sind.

Einige Charaktere wie Kittos Vorgesetzter Madron, die Forensikerin Liz Garrick oder sein Onkel Ray, dürfen wie andere Dorfbewohner wieder „mitspielen“. Madron entwickelt in diesem Krimi so etwas wie menschliche Züge Ben gegenüber. Ob sich das in einem nächsten Band fortsetzen darf?

Der Schreibstil ist fesselnd und der Krimi lässt sich gut lesen. Die Autorin weicht diesmal ein wenig von ihrer gerne verwendeten „looked room“-Situation ab. Es wird zwar versucht, wegen der drohenden Gefahr für Ben Kitto, die Insel von der Außenwelt abzuschotten, was aber, wie der geneigte Leser miterlebt, nicht gelingen wird.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem fesselnden Krimi 5 Sterne und eine Leseempfehlung.