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Venatrix

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Veröffentlicht am 23.07.2023

Ein feiner Urlaubskrimi

Der Tod kommt von See
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Auf Einladung ihrer Freundin, die hier auf Sylt eine Fremdenpension betreibt, will sich Katharina Weller, Forscherin zum Thema Deutsche Sagen ein paar Tage von zunächst nicht näher erläuterten Schicksalsschlägen ...

Auf Einladung ihrer Freundin, die hier auf Sylt eine Fremdenpension betreibt, will sich Katharina Weller, Forscherin zum Thema Deutsche Sagen ein paar Tage von zunächst nicht näher erläuterten Schicksalsschlägen erholen. Die Ruhe und Idylle endet abrupt, als in ihrer unmittelbaren Umgebung ein Mord geschieht. Ein Mann liegt mit durchgeschnittener Kehle in seinem Doppelbett und die andere Betthälfte ist nass.

Sofort denkt Katharina an die Sage des Gonger, eines Wiedergängers, der in seinem Grab keine Ruhe findet. Als sie das der Polizei mitteilt, wird sie ein wenig scheel angesehen und gleich einmal auf die Liste der Verdächtigen gesetzt. Wenig später wird eine Frau, eine Steuerberaterin, auf ähnliche Weise ermordet. Auch dazu gibt es eine Sage, denn die Inselbewohner weigerten sich in der Vergangenheit, ihrem dänischen Herrscher Steuern zu zahlen.
Die beiden Hauptkommissare Dahl und Janssen tappen im Dunkeln. Was haben der tote Wachmann und die ermordete Steuerberaterin gemeinsam?

Erst als ein kleiner Junge, dem Katharina ein Eis spendiert hat, ebenfalls ermordet wird, ist klar, Katharina ist die Empfängerin einer Botschaft des Mörders und muss sich mit ihm treffen, um weitere Morde zu verhindern.

Wie Katharina weiß, stecken in den alten Überlieferungen verborgene Traumata, die nur von nachfolgenden Generationen gelöst werden können. Hier scheinen die Geister der Verstorbenen die Lebenden aufzufordern, ihrer zu gedenken.

Mit ihrer akribischen, wissenschaftlichen Art beginnt Katharina Nachforschungen anzustellen. Sie entdeckt in einer alten Zeitung eine, nur wenige Zeilen lange Notiz über ein Bootsunglück, bei dem sieben Menschen zu Tode gekommen sein sollen.

Die Polizeiarbeit ist als solide beschrieben und doch merkt man, dass nicht alle von Katharinas Ahnungen überzeugt sind. Immer mehr Indizien zeigen in Richtung des Bootsunglücks, bei dem es eine Explosion gab. Während die Polizisten dem Bootsunglück bis nach Dänemark folgen, dringt der Täter in Katharinas Zimmer ein und hinterlässt Hinweise.

Meine Meinung:

Das Eintauchen in die oft gruselige Welt von Märchen und Sagen ist vermutlich nicht für alle Leser gleich gut möglich. Geschickt sind die Sylter Sagen in die Handlung eingewoben.

Daneben müssen wir lesen, wie selbst eine gute Freundin auf Abstand geht, wenn durch ihren Feriengast wirtschaftliche Turbulenzen drohen. Denn, so das Argument, wer würde in einer Fremdenpension, in der ein Mord geschehen ist, absteigen? Die Angst ist unbegründet, denn der Gruselfaktor lockt sicherlich Neugierige an.

Der Ausklang dieses Krimis lässt offen, ob es eine Fortsetzung gibt. Möglich wäre es, denn Katharina Weller lässt ihre Vergangenheit hinter sich.

Der Krimi ist flüssig zu lesen. Die Insel Sylt darf auch eine großartige Kulisse abgeben. Gut gefällt mir, wenn die Insulaner ihren eigenen Dialekt sprechen dürfen.

Fazit:

Ein gelungener Urlaubskrimi, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 23.07.2023

Eine gelungene Fortsetzung

Wiener Magnolienmord
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Der zweite Fall für Anna Bernini, Chefinspektorin in der Wiener Leopoldstadt, führt uns gemeinsam mit der Ermittlerin in das Prater Cottage zu einer Vernissage. Dort fällt ihr ein abgetrennter Kopf vor ...

Der zweite Fall für Anna Bernini, Chefinspektorin in der Wiener Leopoldstadt, führt uns gemeinsam mit der Ermittlerin in das Prater Cottage zu einer Vernissage. Dort fällt ihr ein abgetrennter Kopf vor die Füße. Schnell ist klar, dass es sich um den der Schuldirektorin der benachbarten privaten Magnoliengartenschule, Amelie Meyher, handelt. Der Verdacht fällt recht bald neben anderen Verdächtigen auf Alfons, dem Ex-Ehemann der Schulleiterin. Blöderweise ist der doch der aktuelle Lover der Bernini. Sie gibt die Ermittlungen wegen Befangenheit ab, grübelt aber heimlich über das mögliche Motiv ihres Fonsis nach und stellt auf eigene Faust Nachforschungen an.

Als dann zwei weitere Frauen, die in Zusammenhang mit der Magnoliengartenschule stehen, sterben, ist guter Rat teuer, zumal Miss Biggy, die IT-Virtuosin der Dienststelle auf Kur weilt.

Meine Meinung:

Anna Bernini ist eine eigenwillige Ermittlerin. Sie hat, wie viele ihrer BerufsgenossInnen schon häufig in die Abgründe der Menschheit gesehen und deswegen so ihre eigenen Probleme. Wegen Alkohol am Steuer des Dienstwagens hat sie ihren Führerschein abgeben müssen und kurvt nun, ebenso waghalsig, mit dem Fahrrad durch die Gegend. Apropos Gegend: Der Krimi führt uns in das Pratercottage, das zwar nicht so bekannt wie jenes in Währing rund um die Sternwartestraße ist, aber nicht minder imposant. Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten reiche Industriellenfamilien zwischen Donaukanal und Prater ihre Jugendstilvillen bzw. Zinshäuser. Teile davon stehen heute noch. Daneben dürfen wir rund um den Karmelitermarkt diverse Lokale aufsuchen. Das erwähnte „Venezia“, eine Pizzeria, auf der Praterstraße, in der ich viele Stunden und Tage verbracht habe, gibt es leider nicht mehr.

Der Kriminalfall ist komplex und man merkt deutlich, dass Miss Biggy fehlt. Sie ist ein Mittelding zwischen „Grauer Eminenz“ und Nerd. Kein Rechner, kein Server ist vor ihr sicher, wenn sie sich (dienstlich natürlich) auf Spurensuche in die Tiefen der Netzwerke begibt. Da kann sich der Jungspund, der nun aushilft noch eine dicke Scheibe abschneiden.

Der Schreibstil ist wie schon im ersten Band „Wiener Rosenmord“ ein wenig anders als bei Krimis üblich. Zeitweise wird in der Ich-Form erzählt und der Leser wird direkt angesprochen.

Fazit:

Wer gerne Wien-Krimis liest, die abseits der Touristenpfade spielen, ist hier genau richtig. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 23.07.2023

Hat mich nicht ganz gepackt

Waldviertelspur
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Dieser Krimi von Maria Publig beschäftigt sich wieder mit gesellschaftlich relevanten Themen: Das ist u.a. das, durch den Klimawandel bedingte Waldsterben. Nicht nur, dass Stürme durch das Waldviertel ...

Dieser Krimi von Maria Publig beschäftigt sich wieder mit gesellschaftlich relevanten Themen: Das ist u.a. das, durch den Klimawandel bedingte Waldsterben. Nicht nur, dass Stürme durch das Waldviertel brausen und dabei Schneisen in die Wälder reißen, sorgt das nicht abgeholte Schadholz für eine Borkenkäferplage. Das Überangebot an Holz drückt die Preise und der örtliche Sägewerksbesitzer Reuther will noch weniger bezahlen. Nebenbei will er auch den Wildbestand reduzieren, um Wildverbiss an den Bäumen zu vermeiden. Gleichzeitig hat Reuther eine Software entwickeln lassen, die die Herkunft der Hölzer aus anderen Ländern verschleiern soll.

Als Wally Winzer den Reuther dann tot im Wald findet, ist die Trauer der Bevölkerung nicht wirklich groß. Verdächtige gibt es viele und Dorfpolizist Grubinger ist gezwungen, auf Wallis Hilfe zurückzugreifen.

Meine Meinung:

Ich mag ja gemütliche Krimis recht gerne, doch diesmal ist es zu viel des Gemütlichen. Diesmal gibt es die erste Leiche erst am Ende des achten (von 23 Kapiteln). Da ist beim Lesen schon einiges an Geduld gefragt. Dafür erfahren wir zwar einiges aus dem Privatleben von Wallis Freunden und dürfen ihr beim Male (ihr neues Hobby) über die Schulter schauen, aber so richtige Spannung kommt nicht auf. Die neu eingeführte Figur des schnuckeligen Trüffelsuchers samt ebenso schnuckeligen Trüffelspürhund hat in mir Erwartungen geweckt, die leider nicht erfüllt worden sind, schade.

Der Preisverfall beim (Schad)Holz und Raubbau am Wald ist ein derzeit wenig beachtetes Thema, außer es handelt sich um den Regenwald. Dass durch die milden Winter und langen trockenen Sommer den Monokulturen Gefahr droht, ist hinlänglich bewiesen.

Fazit:

Diesmal nicht ganz so spannend, daher nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 23.07.2023

Das Burgenland entdecken

Gehmütliches Burgenland
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Nach den „ge(h)mütlichen Wanderungen in der Steiermark“ entführt uns das Autorentrio, bestehend aus Anni und Alois Pötz sowie Johannes Dormann in Österreichs jüngstes Burgenland, das mitnichten immer nur ...

Nach den „ge(h)mütlichen Wanderungen in der Steiermark“ entführt uns das Autorentrio, bestehend aus Anni und Alois Pötz sowie Johannes Dormann in Österreichs jüngstes Burgenland, das mitnichten immer nur „brettleben“ ist oder nur aus dem Neusiedlersee zu bestehen scheint.

Wie schon aus den anderen ge(h)mütlichen Wanderführern bekannt, begeben wir uns abseits touristischer Trampelpfade auf vierzig Genusswanderungen. Dabei entdecken wir neben landschaftlichen Kleinoden Interessantes aus Geschichte und Kultur.

Das Burgenland ist ja bekanntlich erst 1921 zu Österreich gekommen und hieß vorher Deutschwest-Ungarn. Der magyarische Einfluss auf Land und Leute ist auch heute noch spürbar.

Geografisch erstreckt sich das Burgenland von Norden nach Süden, was man leider an nicht ganz so tollen öffentlichen Verkehrsmitteln merkt, die eher West-Ost ausgerichtet sind. Aber, wir wollen ja ohnehin das Burgenland erwandern. Um zu manchem interessanten Ort zu gelangen, muss Österreich einmal Richtung Ungarn kurz verlassen und dann wenig später wieder betreten werden.

Die Autoren teilen das Burgenland in drei große Räume ein:

das nördliche Burgenland mit dem Neusiedlersee, der Parndorfer Platte, Teilen der pannonischen Tiefebene und dem Seewinkel
das Mittelburgenland eingebettet zwischen dem Rosaliengebirge, dem Ödenburger und dem Günser Gebirge
das Südburgenland zwischen dem Günser Gebirge, dem Raabtal und der Grenzregion zu Slowenien

Bei der ge(h)mütlichen Runde durch das Burgenland dürfen weder herrschaftlichen Anwesen wie das Schloss Esterhazy in Eisenstadt, die Burg Güssing und die Burg Schlaining oder Burg Forchtenstein noch geschichtsträchtige Orte wie MOgersdorf oder Bildein fehlen, die an die Lage des Burgenlandes an der Grenze zum Eisernen Vorhang erinnern. Nicht vergessen sollte der Hinweis auf den Uhudler und die anderen köstlichen Weinsorten, die im sonnenreichen Burgenland gekeltert werden.

Daneben sind noch die Hochburgen der Sommerfestspiele wie Mörbisch oder St. Margarethen zu nennen und die zahlreichen Künstler, wie Joseph Haydn, Toni Stricker, Franz Liszt und viele andere, die im Burgenland geboren und gewirkt haben.

Ach ja, die höchste Erhebung des Burgenlands ist der Geschriebenstein mit 884m, der tiefste Punkt (Österreichs) liegt in Apetlon mit 114m über Adria.

Zwei kurze Abstecher ins benachbarte Ausland in die beiden Städte Bratislava (einst Pressburg und die Hauptstadt des Königreich Ungarns) und Sopron (Ödenburg), die einst zu Österreich-Ungarn gehörten, seien auch noch empfohlen.

Jede dieser Wanderungen wird gut beschrieben. Details zu Schwierigkeitsgrad, Länge, Höhenunterschied, Gehzeit sowie Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ergänzen den Kartenausschnitt. Natürlich dürfen kulinarische Tipps und interessante Informationen zu Land und Leuten nicht fehlen.
Fazit:
Auf diesen 40 Wanderungen warten zahlreiche, vielleicht bislang unbekannt gebliebene Kleinode des Burgenlands darauf, von uns entdeckt zu werden. Von mir gibt es dafür 5 Sterne.

Veröffentlicht am 23.07.2023

Eine gelungene Fortsetzung

Perlenbach
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Dieser zweite Band, der im Dorf Wollseifen und der Stadt Monschau, die wir schon aus „Ginsterhöhe“ kennen, spielt, ist zeitlich die Vorgeschichte dazu.

Wir lernen Luise, Jacob und Wilhelm, drei Kinder ...

Dieser zweite Band, der im Dorf Wollseifen und der Stadt Monschau, die wir schon aus „Ginsterhöhe“ kennen, spielt, ist zeitlich die Vorgeschichte dazu.

Wir lernen Luise, Jacob und Wilhelm, drei Kinder unterschiedlicher Herkunft kennen, die alle drei durch den Wunsch aus dem Gefüge der Zeit und dem Ort ausbrechen zu können, verbunden sind. Luise, Tochter eines Arztes, will in seine Fußstapfen treten, was im 19. Jahrhundert Mädchen und Frauen verboten ist. Jacob soll die Fabrik des Vaters übernehmen und Wilhelm, der jüngste Sohn eines Schafbauern soll entweder als Knecht am elterlichen Hof oder im nahe gelegenen Bergwerk arbeiten, denn die Landwirtschaft erbt der älteste Sohn.

Die Jahre vergehen und während Luise mithilfe ihrer Hauslehrerin ihrem Ziel, doch noch Medizin studieren zu dürfen in kleinen Schritten näher kommt, muss Jacob ins Internat nach Aachen und Lehrjahre in der Fabrik eines väterlichen Freundes verbringen. Wilhelm, so scheint es, hat es gut getroffen, denn er wird als Lehrjunge in der Fabrik von Jacobs Vater aufgenommen, wo er so richtig aufblüht.

Doch dann nimmt das Verhängnis seinen Lauf, als ein im Zorn dahin gesagter Satz Wilhelms, beinahe Jacobs Geheimnis aufdeckt ....

Meine Meinung:

Wie schon in „Ginsterhöhe“ ist dieser historische Roman penibel recherchiert und gekonnt erzählt. Die Autorin verquickt Fakten mit Fiktion und zeichnet so ein stimmiges Bild der „guten alten Zeit“, die so gut gar nicht war.

Meistens sind die rigiden Zwänge und Einschränkungen, denen Frauen unterworfen waren Thema historischer Romane. Dass auch Männer unter dem Klüngel der Zeit gelitten haben, wird nicht so häufig dargestellt. Hier erleben wir am Schicksal Wilhelms, wie es kaum möglich ist, die eigene Herkunft hinter sich zu lassen und sich emporzuarbeiten. Doch auch der Fabriksbesitzerssohn Jacob hat es nicht einfach. Zum einen ist er aufgrund eines Unfalls in der Kindheit beeinträchtigt und zum anderen macht er sich wenig aus Frauen.

Im letzten Drittel des Romans begegnen wir dann den italienischen Bauarbeitern, die den Staudamm für das Kraftwerk bauen. Von ihnen ist ja in „Ginsterhöhe“ zu lesen.

Der Schreibstil ist flüssig und der historische Roman gut zu lesen. Wir verfolgen die drei Kinder auf ihren Lebenswegen bis ins hohe Alter. Einzig der Titel gebende Perlenbach kommt für mich zu kurz.

Fazit:

Eine sehr gut gelungene Fortsetzung der unterschiedlichen Lebenswelten am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.