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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.06.2023

Fesselnd bis zur letzten Seite

Nordwestschuld
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Dieser Krimi ist der 4. aus der Reihe um die Soko St. Peter-Ording. Die beiden Ermittler Hendrik Norberg und Anna Wagner bekommen es diesmal mit der Betrugsmasche „Love-Scamming“ zu tun, mit der einsamen ...

Dieser Krimi ist der 4. aus der Reihe um die Soko St. Peter-Ording. Die beiden Ermittler Hendrik Norberg und Anna Wagner bekommen es diesmal mit der Betrugsmasche „Love-Scamming“ zu tun, mit der einsamen Frauen Geld aus der Tasche gezogen wird.

Doch das ist nicht das einzige Verbrechen, mit dem sich die beiden Polizisten herumschlagen müssen: Am Strand werden weibliche Überreste entdeckt, die sich als Cold Case einer vor Jahren verschwundenen Frau entpuppen. Und dann ist noch das rätselhafte Verschwinden von Klara Hensel, die von ihrer Angestellten Inken als vermisst gemeldet und anfangs von der Polizei nicht ernst genommen wird. Inken lässt nicht locker und eignet sich Klaras Laptop widerrechtlich an, auf dem sie einen eigenartigen Chat-Verkehr entdeckt, der auf genauso ein Liebesgeplänkel hindeutet.

Es gibt eine Liste mit mehreren Verdächtigen, auf der auch Inken steht, hat sie doch damit gerechnet, die Buchhandlung, in der sie gemeinsam mit Klara arbeitet, von Klaras verstorbener Tante zu erben.

Meine Meinung:

Geschickt ist „Love-Scamming“, dieses aktuelle und interessante Thema, in die Handlung eingeflochten.

Anna Wagner und Hendrik Norberg müssen, wie Jongleure ihre Bälle, die vielen Einzelergebnisse der Ermittlungen quasi in der Luft halten, um zu einer unerwarteten Auflösung zu kommen.

Für mich war das der erste Krimi dieser Reihe bzw. von Svea Jensen. Es wird aber nicht der letzte sein.

Das chaotische Privatleben der Ermittler ist mir an manchen Stellen unangenehm aufgefallen, was aber sicher daran liegt, dass ich die Vorgänger nicht kenne.

Der Schreibstil ist angenehm und der Krimi lässt sich leicht lesen.

Die Autorin hat akribische Recherchen zum Thema „Love-Scamming“ betrieben und weist in diesem Krimi auf die perfiden Machenschaften, mit denen, hauptsächlich Frauen, um ihre Ersparnisse gebracht werden, hin. Um den Leserinnen vor Augen zu führen, wie die Betrüger agieren, sind Auszüge aus echten Chat-Verläufen abgedruckt. Also liebe Leserinnen, wenn ihr solche Nachrichten bekommt, lasst euch nicht auf diese Süßholz raspelnden Ganoven ein, die euch anbaggern und „nur das Beste für euch wollen“. Stimmt alles nicht! Sie wollen EUER Bestes, nämlich euer Geld.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi 4 Sterne.

Veröffentlicht am 03.06.2023

Ein etwas anderer Blick auf den "Kutscher Europas"

der kleine metternich
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Am 15. Mai 2023 jährt sich der Geburtstag des früheren Staatskanzlers Clemens Wenzeslaus Nepomuk Lothar Graf von Metternich-Winneburg und Beilstein zum 250. Mal. Anlass genug, um den Menschen Metternich ...

Am 15. Mai 2023 jährt sich der Geburtstag des früheren Staatskanzlers Clemens Wenzeslaus Nepomuk Lothar Graf von Metternich-Winneburg und Beilstein zum 250. Mal. Anlass genug, um den Menschen Metternich ein wenig zu beleuchten. Die meisten von uns kenne ihn nur als Frauenheld, als Strippenzieher während des Wiener Kongresses und Unterdrücker der Pressefreiheit. Aber, war da nicht noch mehr?

Journalist Stefan Müller findet nach ausführlichem Quellenstudium auch die eine oder andere bislang unbekannte Seite, des auch als „Kutscher Europas“ bezeichneten Staatsmannes.

Diese Biografie enthüllt einen etwas anderen Metternich: einen interessierten, kultivierten Menschen, der gerne musizierte, Satire mochte und als Intellektueller, der mit den Geistesgrößen seiner Zeit wie Goethe oder Alexander von Humboldt korrespondiert hat. Mancher wird vielleicht fragen, wann hat er neben seinen Intrigen, Liebschaften und Politik noch Zeit für Schnurren und Pointen gefunden hat? Naja, dazwischen vielleicht? Mit irgendwas müssen ja die langweiligen Löcher zwischen zwei Intrigen oder Liebschaften gefüllt worden sein.

Wenn stimmt, was Müller schreibt – dass nämlich Metternich sehr viel für Schnurren und Pointen übrig hatte – darf man getrost annehmen: Er hätte Vergnügen an dieser Biografie gefunden. Denn Metternich war - wie Müller herausgefunden hat „war ein warmherziger, großzügiger Menschenfreund“, auch wenn ihm das keiner abzunehmen scheint.

Fazit:

Ich habe mich über diese kleine Biografie sehr amüsiert und werden demnächst wieder zu einer der zahlreichen Metternich-Biografen greifen.

Veröffentlicht am 03.06.2023

Regt zum Nachdenken an

Afrika und die Entstehung der modernen Welt
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Wie im folgenden Klappentext beschrieben, eröffnet Autor Howard W. French seinen Lesern eine vermutlich bislang unbekannte Sicht auf Afrika und seine Bewohner:

In dieser fesselnden Darstellung erkundet ...

Wie im folgenden Klappentext beschrieben, eröffnet Autor Howard W. French seinen Lesern eine vermutlich bislang unbekannte Sicht auf Afrika und seine Bewohner:

In dieser fesselnden Darstellung erkundet Howard W. French die zentrale, aber absichtlich vernachlässigte Rolle Afrikas und der Afrikaner bei der Entstehung von Wirtschaftssystemen und politischem Denken unserer modernen Welt. Souverän und aufrüttelnd zeigt der Autor, wie die tragische Beziehung zwischen Afrika und Europa, die im 15. Jahrhundert begann, unsere Moderne hervorbrachte. (Klappentext)

Nach einer etwas längeren Einleitung erläutert French seine Aspekte in fünf Kapiteln:

Die Entdeckung Afrikas
Der Dreh- und Angelpunkt
Der Wettlauf der Afrikaner
Der Lohn des Pythongottes
Der schwarze Atlantik und eine neugestaltete Welt

Nicht immer ist das Buch leicht zu lesen. Manches muss zwei Mal gelesen werden, was vielleicht auch an der Übersetzung liegen mag.

Einige Abbildungen, Zitate sowie ein ausführliches Nachwort mit Anhang ergänzen dieses interessante Buch, das zum Verstehen diverser Konflikte auf und um den afrikanischen Kontinent beitragen kann. Gerne gebe ich diesem Buch 5 Sterne.

Veröffentlicht am 03.06.2023

Eine gelungene Fortsetzung

Bleiche Erben
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Chefinspektor Martin Ruprecht kommt auf dem Heimweg an einer Unfallstelle vorbei, an der ein roter Mustang von der Straße abgekommen ist. Man rettet den schwer verletzten Fahrer aus dem Wrack und die örtliche ...

Chefinspektor Martin Ruprecht kommt auf dem Heimweg an einer Unfallstelle vorbei, an der ein roter Mustang von der Straße abgekommen ist. Man rettet den schwer verletzten Fahrer aus dem Wrack und die örtliche Polizei will den Unfall zu den Akten legen, denn der Fahrer ist als Raser bekannt.

Ruprechts Bauchgefühl meldet sich, als er den Namen des Verunglückten erfährt. Bei einem Millionenerben und Teilhaber einer kleinen, aber feinen Pharma-Firma möchte man doch genauer hinschauen. Und tatsächlich! Der Unfall ist nicht ausschließlich auf deutlich überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen. Da hat jemand nachgeholfen.

Wer da seine Finger im Spiel hat, lest bitte selbst.

Meine Meinung:

Mir hat dieser zweite Fall für Chefinspektor Martin Ruprecht sehr gut gefallen. Der Polizist ist bodenständig, schätzt gutes Essen, liebt seine Freundin Konstanze sowie Hündin Ella und fährt einen betagten Volvo Amazon, den er liebevoll Amazone nennt. Auch die anderen Charaktere fallen durch eine ungewöhnliche „Normalität“ auf. Keine Junkies, keine Psychopathen - alles ganz normale Leute. Das hebt die Krimis von Ernst Kaufmann wohltuend von anderen Reihen ab.

Wir Leser wissen natürlich von Beginn an, dass das kein gewöhnlicher Unfall war, dennoch finde ich den Krimi spannend. Hier geht es um Intrigen, Gier nach Macht und Profit sowie um gefühlte Benachteiligung beim Verteilen eines Erbes.
Auch Themen wie Bestechung, Korruption, Lobbying, Amtsmissbrauch sowie skrupelloses Durchsetzen von Konzerninteressen sind Teil dieses Krimis, frei nach dem Motto: Die Großen fressen die Kleinen, ob es ihnen gefällt oder auch nicht.

Die Stadt Salzburg und ihre Umgebung darf auch eine kleine Rolle spielen. Das gefällt mir auch sehr gut und ergibt mit den gut authentischen Charakteren sowie einer stringenten Handlung einen gelungenen Krimi. Allzu lange werden wir auf den dritten Fall für Martin Ruprecht nicht warten müssen.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser gelungenen Fortsetzung 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 31.05.2023

Ein gelungener Reihenauftakt

Zeit des Glanzes
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Die 20-jährige Katharina liebt den jüdischen Kaufhausbesitzer Joseph Weiss. Eine Liebe, die im Würzburg von 1933 zum Scheitern verurteilt ist. Während Joseph in die Schweiz flüchten kann, führt Katharina ...

Die 20-jährige Katharina liebt den jüdischen Kaufhausbesitzer Joseph Weiss. Eine Liebe, die im Würzburg von 1933 zum Scheitern verurteilt ist. Während Joseph in die Schweiz flüchten kann, führt Katharina sein Kaufhaus, das er ihr verkauft hat, weiter. Katharinas Vater tritt der NSDAP bei, um den Wohlstand der Familie abzusichern.

Der Krieg holt auch Würzburg ein. Mit Mühe rettet Katharina das Kaufhaus, mit Hilfe ihrer Schwestern, die jeweils eine passende Begabung hat. Sie nach wie vor im Glauben, es für Joseph bewahrt und im seinen Sinn erweitert zu haben.
Doch als Joseph nach dem Ende des Krieges zurückkehrt, fällt Katharina aus allen Wolken: Joseph ist nun mit einer Jüdin verheiratet, erhebt schwere Vorwürfe wegen des erzwungenen Verkaufs zu einem Spottpreis und fordert sein Kaufhaus zurück.

Meine Meinung:

Autorin C.S.Harris entführt ihre Leser diesmal in das Deutschland der Vorkriegs- und Kriegszeit.

Die Leser können sich selbst Gedanken darüber machen, ob Katharina und ihr Vater zu den Tätern (weil sie sich jüdischen Besitz zu einem Spottpreis angeeignet haben) oder zu den Mitläufern zählen sollen, weil ja vor allem bei Katharina eine gemeinsame Zukunft mit Joseph im Vordergrund steht.

Aber ist es wirklich so einfach?

Die Charaktere haben alle so ihre Ecken und Kanten, zweifeln häufig, an sich, am Regime - nur die Zahlen scheine für Katharina und ihren Vater etwas Beständiges zu sein.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem ersten Band dieser Familiensaga 4 Sterne. Bin schon neugierig, wie das Match um das Kaufhaus ausgeht.