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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.05.2023

Regt zum Nachdenken an

China, mein Vater und ich
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Anhand dieser Biografie seines Vaters Wenpo Lee erzählt Felix Lee ein fesselndes Stück deutsch-chinesischer Wirtschaftsgeschichte.

Während Felix in Wolfsburg, der VW-Metropole geboren ist, und recht ...

Anhand dieser Biografie seines Vaters Wenpo Lee erzählt Felix Lee ein fesselndes Stück deutsch-chinesischer Wirtschaftsgeschichte.

Während Felix in Wolfsburg, der VW-Metropole geboren ist, und recht wenig über die ehemalige Heimat seines Vaters weiß, musste dieser China verlassen. Als Kind ist Wenpo aus China geflüchtet, hat sein Leben als Straßenkind gefristet, wurde von einem Lehrerehepaar aufgenommen und Jahre später geht er nach Deutschland, um zu studieren. Er glaubt, mit dem China seiner Vergangenheit abgeschlossen zu haben, bis im April 1978 eine chinesische Delegation das VW-Werk besucht, und man sich des Chinesen erinnert, der Leiter der Forschungsabteilung ist.

Von da an müssen sich Wenpo Lee und seine Familie zwangsläufig mit China beschäftigen. Denn die Chinesen planen in der Zukunft Autos zu bauen und brauchen das Knowhow des Konzerns.

Mit einem lachenden und einem weinenden Augen erzählt Felix Lee, wie die Familie wieder nach China zurückkehrt und feststellen muss, dass die Welt des Vaters nicht mehr existiert, sondern einer anderen, unter Umständen nicht minder gefährlichen gewichen ist. Er selbst, Felix, kann China wenig abgewinnen. Sozialisiert zwischen süßsaurem Schweinefleisch und Knuspriger Ente, ist das moderne China so gar nichts für ihn.

Wenpo hat jedenfalls großen Anteil daran, dass China den Aufstieg zu einer Wirtschaftsmacht geschafft hat.

Der flüssige Erzählstil lässt die Seiten nur so dahinfliegen.

Fazit:

Felix Lee zeigt anhand der Biografie, wie sich China in den letzten Jahrzehnten verändert hat, verschweigt allerdings auch die Schattenseiten der Großmacht nicht, sodass die Leser einen interessanten Einblick in das moderne China erhalten. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 23.05.2023

Hat mich gut unterhalten

Sturzwasser
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Auch in diesem zweiten Fall stolpert Carolin Halbach, die Düsseldorferin, die seit ein paar Monaten in Bad Gastein lebt und die Stadtbibliothek leitet, über eine Leiche. Diesmal ist es ein Russe, der tot ...

Auch in diesem zweiten Fall stolpert Carolin Halbach, die Düsseldorferin, die seit ein paar Monaten in Bad Gastein lebt und die Stadtbibliothek leitet, über eine Leiche. Diesmal ist es ein Russe, der tot im Wassertrog auf der schönen Wiesneralm liegt. Schnell stellt sich heraus, dass der Tote zu einem Immobilienkonsortium gehört, das die Wiesneralm kaufen und zu einer Luxusferien-Lodge mit Seilbahn und Golfplatz umbauen lassen will. Allein, die Eigentümer, die Familie Grassl, wollen nicht verkaufen.

Naben gibt es noch allerhand andere Ereignisse für die Bad Gasteiner Miss Marple aufzulösen. Wer bröselt in der Stadtbibliothek, klaut ihr Fahrrad und warum bekommt das Haus gegenüber von Rosi, ihrer Vermieterin, statt eines neuen Daches gleich zwei ganze Dachgeschoße aufgesetzt?

Neugierige geworden? Um diese Fragen beantwortet zu bekommen, müsst ihr einfach das Buch lesen.

Meine Meinung:

Dieser Krimi aus der Feder von Karina Ewald besticht vor allem durch die Beschreibung von Land und Leuten. Da ist zu einem die malerische Landschaft, die mit grünen Almen und schroffen Bergen punktet, sowie die ehemals mondänen Hotels. Zum anderen wird die dörfliche Idylle, die manchmal ganz schön anstrengend sein kann, wie Carolin am eigenen Leib erfahren muss, gut dargestellt.

Zwischendrin gibt es auch den einen oder anderen Hinweis auf ernste Themen, wie die pflegebedürftige Ehefrau von Valentin, dem Dorfpolizisten, oder der homosexuellen Beziehung eines der Grassl-Männer. Über beides wird laut geschwiegen, während Carolin, die mit dem Arzt Bruno wandern und einem andern Dorfbewohnen essen geht, Dorfgespräch ist.

Der Schreibstil ist flüssig und so fliegen die Seiten nur so dahin. Die Kapitelüberschriften bereiten die Leser auf das Kommende vor. Gut gefällt mir das Layout mit dem dunklen Cover und dem violetten Blattschnitt. Der bunte Blattschnitt ist so etwas wie das Markenzeichen des Servus-Verlags.

Mit Carolin habe ich an manchen Stellen ein bisserl (m)ein Problem, denn hin und wieder benimmt sie sich eher wie eine Jugendliche denn wie eine g’standene Vierzigerin. Vielleicht liegt es auch daran, dass sie von Rosi, ihrer Vermieterin, mehr als notwendig umsorgt wird.

Schmunzeln musste ich über Grassls abschätzige Worte, nachdem er Carolins unpassendes Schuhwerk gesehen hat:

„Gibt nix Blederes als Leit, die mit die falschen Schuh in die Berge rennen.“

Womit er ja nicht unrecht hat, wie die Einsatzzahlen der Bergrettung zeigen. Die Dialektpassagen lassen sich auch nördlich des Weißwurstäquators verstehen und manchmal lässt die Autorin Carolin auch gezielt nachfragen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem unterhaltsamen Krimi 4 Sterne, auch wenn die Fußstapfen Vorschusslorbeeren der echten Miss Marple für die aus Bad Gastein doch ein wenig zu groß sind.

Veröffentlicht am 23.05.2023

Eine gelungene Fortsetzung

Halliggift (Ein Minke-van-Hoorn-Krimi 3)
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In diesem 3. Fall bekommt es Minke van Hoorne just in den Tagen rund um das Biikefeuer mit mehreren Morden zu tun, die anfangs zusammenhanglos erscheinen.

Eigentlich freut sich Minke auf das am 21. Februar ...

In diesem 3. Fall bekommt es Minke van Hoorne just in den Tagen rund um das Biikefeuer mit mehreren Morden zu tun, die anfangs zusammenhanglos erscheinen.

Eigentlich freut sich Minke auf das am 21. Februar stattfindende Biikefeuer, das den Winter vertreiben und den Frühling einleiten soll. Doch diesmal beschäftigt die ehemalige Meeresbiologin und nunmehrige Kommissarin nicht nur der Pottwal, der an der Küste zu stranden droht, sondern auch der Tod der allseits beliebten Chorleiterin Hanni. Die ist nach eine Kaffeejause in der Pfarre verstorben. Der Notarzt will einen Herztod bescheinigen, hat aber nicht mit dem vehementen Widerspruch von Minkes Bruder Bo gerechnet, der zurzeit mit zwei gebrochenen Beinen auf Midsand von Mutter und Schwester betüdelt wird. Warum Bo felsenfest von einem Mord ausgeht? Er ist, wenn er sich nicht beim Skifahren die Beine bricht, Rechtsmediziner in Kiel und weiß, riesige Pupillen weisen auf eine Vergiftung hin. Nur welches Gift? Tollkirsche, Blauer Eisenhut oder Eibe?

Während Bos fieberhaft nach dem Gift sucht, wird die Hochzeit von Christina und Jost Thomsen gefeiert, die mit dem Tod des jungvermählten Ehemanns endet. Ob dessen Sohn, den er auf der Feier vor allen Leuten bloßstellt, der Täter ist?

Wenig später ist auch er tot. Genauso vergiftet wie ein alter Leuchtturmwärter, der in einem teuren Altenheim lebt.

Was verbindet die Opfer?

Meine Meinung:

Greta Henning ist ein fesselnder Krimi gelungen, der sowohl die Ermittler als auch die Leser lange im Unklaren lässt. Die Auszüge aus dem Tagebuch eines Mädchens geben zwar einen Hinweis aus Ereignisse, die schon länger zurückliegen, aber wie ist der Zusammenhang?

In mühevoller Kleinarbeit arbeiten Minke van Hoorne und ihre aus Schwaben stammende Kollegin Lisa Röhrle die Liste von möglichen Zeugen und Verdächtigen ab, während Bo sich im Rollstuhl über die Hallig fahren lässt, um die „passenden“ Pflanzen zu suchen.

Daneben erfahren wir einiges über Minkes Privatleben und Bo interessiert sich für Lisa. Beim gemeinsamen Kochen „Schwaben trifft Nordsee“ fliegen zwar die Fetzen, aber wer weiß, was da draus wird.

Der einzige Kritikpunkt ist, dass Minke ohne Soko ermittelt. Bei einer solchen Häufung von Toten, müsste doch das LKA Kiel seine Ermittler schicken? Aber, das ist Jammer auf höchstem Niveau.

Fazit:

Dieser dritte Fall für Minke van Hoorne hat mich gut unterhalten, weshalb er 5 Sterne erhält.

Veröffentlicht am 21.05.2023

Eine gelungene Fortsetzung

Hattinger und der verschollene Bruder
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Es ist Weihnachten und Kommissar Hattinger versucht so etwas wie eine festliche Stimmung für seine Tochter und sich zu erzeugen, was nicht so leicht gelingt. Als dann noch sein Bruder Anton, den er seit ...

Es ist Weihnachten und Kommissar Hattinger versucht so etwas wie eine festliche Stimmung für seine Tochter und sich zu erzeugen, was nicht so leicht gelingt. Als dann noch sein Bruder Anton, den er seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr gesehen hat, in die ohnehin angespannte familiäre Situation hineinplatzt, kommt ihm, trotz Urlaubs, der Anruf der K1 gerade recht. Um eine bekannte TV-Serie zu zitieren: „Es gabat a Leich“.

Der Unternehmer Herbert Graf wird ermordet aufgefunden. Obwohl Laptop und Mobiltelefon fehlen, scheint es sich hier nicht, um einen Raubmord zu handeln. Wenig später ist auch Grafs Mitarbeiter tot.

Akribisch machen sich Hattinger und sein Team daran, das Leben der beiden Toten zu recherchieren. Dabei entdeckt Hattinger eine Spur, die möglicherweise zu seinem Bruder führen könnte, der es sich im Leben Hattingers breit macht, seine Vorräte plündert und sich absonderlich benimmt.

Eigentlich muss Hattinger diesen Verdacht melden, doch zuvor will er Fakten für oder gegen eine eventuelle Beteiligung seines Bruders finden.

Meine Meinung:

Wie schon die drei Vorgänger ist auch dieser Krimi in ziemlich breitem bayrischen Dialekt geschrieben. Das kann man mögen und verstehen, oder auch nicht. Mir persönlich war es ein wenig zu viel, dass alle Mundart gesprochen haben.

Der Kriminalfall ist verzwickt. Die Ermittlungen kommen nicht allzu gut voran, doch das Team um Hattinger macht trotz der Weihnachtsfeiertage seine Arbeit. Schmunzeln musste ich, dass einige die Morde als willkommene Flucht vor unliebsamen und anstrengenden Verwandtenbesuchen angesehen haben.

Sehr gut sind die Zweifel von Hattinger seinem Bruder gegenüber herausgearbeitet worden. Keine leichte Entscheidung für den Polizisten, der um sich selbst abzusichern, den einen oder anderen Gefallen bei Kollegen einfordert.

Fazit:

Autor Thomas Bogenberger ist mit diesem Krimi eine gute Mischung zwischen Arbeit und Familie gelungen. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 21.05.2023

Ein eindringliches Plädoyer für den Frieden

Dunkelnacht
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„Weil auch in diesen Zeiten irgendwer das Richtige tun muss, einfach, weil es richtig ist.“

Kirsten Boie ist eine der renommiertesten deutschen Kinder- und Jugendbuchautorinnen. Sie erhielt zahlreiche ...

„Weil auch in diesen Zeiten irgendwer das Richtige tun muss, einfach, weil es richtig ist.“

Kirsten Boie ist eine der renommiertesten deutschen Kinder- und Jugendbuchautorinnen. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für ihr Gesamtwerk, das Bundesverdienstkreuz und die Hamburger Ehrenbürgerwürde. Diese Novelle rund um das Massaker in dem kleinen Ort Penzberg in den letzten Kriegstagen wurde mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2022 sowie mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis
ausgezeichnet.

Worum geht’s?

Noch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges werden von fanatischen Anhängern des NS-Regimes Gräueltaten verübt. So geschehen in Penzberg am 28. April 1945.

Die meisten Bewohner haben innerlich kapituliert, man macht sich Sorgen um die Zukunft, denn die amerikanischen Truppen sind nur noch wenige Tagesmärsche entfernt. Eine Gruppe unerschrockener Bürger rund um den ehemaligen Bürgermeister Hans Rummer versucht, die Vorkriegsordnung wiederherzustellen, und setzt den NS-Bürgermeister Josef Vonwerden ohne Blutvergießen ab.

Mitten in diesen dramatischen Ereignissen befinden sich drei Jugendliche: Marie, Schorsch und Gustl, deren Angst, Zweifel und das Erleben des ersten Kusses in das Drama eingewoben ist.

Doch diese Vorgänge bleiben nicht unbeobachtet und eine der zahlreichen paramilitärischen, fanatischen „Werwolf-Gruppen“ erhält den Befehl, Hitlers „Nero-Befehl“ durchzusetzen und alle Männer, die dem nicht Folge leisten, zu exekutieren. Doch der Terror dieser Nacht macht auch vor zwei Frauen nicht Halt. Sie werden gemeinsam mit ihren Männern gehängt.

Die Amerikaner erreichen Penzberg am 30. April 1945 gegen Mittag.

Meine Meinung:

Mit dieser Novelle, die meiner Ansicht nach zur Pflichtlektüre an den Schulen sein sollte, deckt Autorin Kirsten Boie die beinahe vergessene Mordnacht in Penzberg und den laxen Umgang damit auf. In ihrem Nachwort schildert sie, dass die Angeklagten nach mehreren Rekursen gegen ihre Urteile alle freigesprochen worden sind, selbst die beiden eigentlich zum Tode verurteilten Wehrmachtsangehörigen. In den 1950er-Jahren sitzen die alten Nazis wieder an den Schaltstellen der Macht. Man hat ja nur Befehle befolgt, so die Rechtfertigung der Angeklagten und die Begründung der Richter für ihr beschämendes Urteil.

Insgesamt 16 Personen werden bei diesem Kriegsendphasenverbrechen ermordet. Im Nachwort listet Kirsten Boie ihre Namen auf, damit sie nicht der Vergessenheit anheimfallen, denn die Erinnerung an sie und die Mordnacht wird nicht allzu hoch gehalten.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem eindrücklichen Plädoyer für den Frieden 5 Sterne und eine Leseempfehlung.