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Venatrix

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Veröffentlicht am 01.04.2023

Eine Hommage an einen fast Vergessenen

Das Himmelreich der Lügner
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Dieses Buch ist ein Meisterwerk der österreichischen Nachkriegsliteratur. Geschrieben 1959, erzählt Autor Reinhard Federmann die Geschichte der dramatischen Wochen im Februar 1934, als sich Schutzbund ...

Dieses Buch ist ein Meisterwerk der österreichischen Nachkriegsliteratur. Geschrieben 1959, erzählt Autor Reinhard Federmann die Geschichte der dramatischen Wochen im Februar 1934, als sich Schutzbund und Heimwehr mit Waffen gegenüberstehen. Der Ausgang der Geschichte ist bekannt: Wenn sich zwei streiten, freut sich ein Dritter. Dieser lachende Dritte heißt Adolf Hitler. Soweit der historische Hintergrund, vor dem dieser historische Roman spielt.

Bruno Schindler und vier seiner Freunde, alles Sozialdemokraten, wollen 1934 die Welt und die Republik Österreich vor dem drohenden Untergang retten. Alle Bemühungen sind vergebens. Während Bruno Schindler die Flucht in die Sowjetunion gelingt, bleiben die anderen in Wien zurück. 1956 kehrt Schindler aus dem Exil, in dem auch nicht alles so rosig war, zurück und sucht nach seinen ehemaligen Gefährten. Er trifft seinen alten Genossen Beranek, der mit einem früheren Feind und nunmehrigen Politiker an einem Tisch sitzt.

„Zwei Männer, die irgendwann einmal, in ferner Vergangenheit aufeinander geschossen hätten“

Beranek hat sich, wie so viele andere auch, den neuen Gegebenheiten angepasst. So hat sich ein ehemaliger Mitstreiter den Nazis angeschlossen und ist nun ein tüchtiger Geschäftsmann, der von Beranek den berüchtigten „Persilschein“ erhalten.

„Natürlich habe ich ihm eine Art Leumundszeugnis ausgestellt. Was hättest du gemacht?“

Schindler wendet sich ab, denn er kann nicht vergessen oder verzeihen, dass sein jüdischer Freund in einem der Vernichtungslager ermordet worden ist.

So bleibt Heimkehrer Schindler in seiner Stadt fremd, heimat- und hoffnungslos zurück.


Meine Meinung:

Dieser Roman ist wie der Autor Reinhard Federmann (1923-1976) beinahe in Vergessenheit geraten. 1959 ist nicht die Zeit, in der man sich mit der NS-Zeit beschäftigen will. Es soll aufwärtsgehen. Die Bösen waren immer die anderen. Das Unrechtsbewusstsein ist nicht vorhanden. Man versteckt sich hinter der falschen Wahrheit, das „erste Opfer der NS-Diktatur gewesen zu sein“.

Der hier angesprochene Austrofaschismus ist ein noch nicht restlos aufgearbeiteter Teil von Österreichs Geschichte. Autor Reinhard Federmann schreibt mehrere zeitkritische Romane, die sich (natürlich) schlecht verkaufen. Es ist dem Picus-Verlag zu verdanken, dass Federmanns Werke neu aufgelegt werden.

Der Schreibstil ist stellenweise nüchtern, immer hochpolitisch und ob der Ereignisse oftmals erschütternd.

In seinem Nachwort schreibt Günther Stocker: „Federmann stellt sich quer zum Geschichtsverständnis der Zweiten Republik, das die Zeit der austrofaschistischen Diktatur zugunsten des großkoalitionären Friedens ausblendet.“

Dem ist, wenn man die Geschichte Österreichs kennt, wenig hinzuzufügen.

Fazit:

Diesem historischen Roman, der Dank der Neuauflage dem Vergessen entrissen worden ist, gebe ich gerne 5 Sterne.

Veröffentlicht am 26.03.2023

Eine gelungene Fortsetzung

Sturm über Triest
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In seinem dritten historischen Roman, der in der schönen Hafenstadt Triest spielt, bekommt es Bruno Zabini diesmal mit verschiedenen Geheimdiensten, einer undurchsichtiger als der andere zu tun. Der Deutschen, ...

In seinem dritten historischen Roman, der in der schönen Hafenstadt Triest spielt, bekommt es Bruno Zabini diesmal mit verschiedenen Geheimdiensten, einer undurchsichtiger als der andere zu tun. Der Deutschen, die Russen, Franzosen und die Engländer sowie ein Japaner jagen die Baupläne für die neuartigen Geschütztürme der Kriegsschiffe, die die Donaumonarchie in "Stabilimento Tecnico Triestino", also den Triestiner Werften, bauen lässt.

Zunächst sieht es ja so aus als ob Gustav Lainer, Schiffsbauingenieur und Sportfreund von Bruno, einem Unfall zum Opfer gefallen ist. Bald machen allerdings Gerüchte um einen Selbstmord die Runde, doch als Bruno endlich Kenntnis vom Tod Gustavs erhält, ist er sich ziemlich sicher, dass hier nachgeholfen worden ist.

In diesen undurchsichtigen Ränkespielen der Geheimdienste spielt auch die verführerische Gräfin Jekaterina Olenina eine nicht unbedeutende Rolle. Obwohl Bruno Zabini mit seinen beiden Liebschaften ohnehin schon jede Menge Zores hat, kommt er der schönen Spionin recht nahe.

Wird es Bruno gelingen, den Mord an Lainer und den anderen Toten, die als Kollateralschaden zurückbleiben, aufzuklären?

Meine Meinung:

In diesem dritten historischen Krimi ziehen von mehreren Seiten Stürme auf: Zum einen, das Wettrüsten mehrerer Staaten, um Englands Vorherrschaft auf den Weltmeeren zu brechen, und zum anderen in Brunos Privatleben, das, wie wir aus den Vorgängern "Dampfer ab Triest" und "Caffe in Triest" wissen, nicht ganz konfliktfrei ist. Doch über allem weht der Scirocco und die Bora, jener Fallwind, der regelmäßig für Kopfschmerzen und Zerstörung an der Adria führt, droht.

Die Bora ist auch schuld, dass Bruno Zabini nicht mit seinem Rennrad durch Triest flitzen kann. Der radelnde Polizist ist in ganz Triest und Umgebung eine bekannte Erscheinung.

Nach seiner Suspendierung wegen seines komplizierten Privatlebens darf Bruno wieder arbeiten und beginnt, seine Erfahrung mit modernen Ermittlungsmethoden, die nun endlich akzeptiert worden sind, an junge engagierte Kollegen weiterzugeben. So hat Bruno die Daktyloskopie und die Tatortfotografie, sehr zum Unmut seines italienischen Kollegen Emilio Pittoni eingeführt. Pittoni ist ein überzeugter Nationalist, der Bruno. als Vertreter der k. u. k. Monarchie so gar nicht leiden kann und ihm, wo immer es möglich ist, ans Bein pinkelt.

Ich mag Günter Neuwirths Krimis, seien es die historischen rund um Triest oder die zeitgenössischen, die in Wien spielen. Der Schreibstil ist ausgereift und lassen das Kopfkino anlaufen. Die Charaktere sind fein herausgearbeitet. Für die Bruno-Zabini-Krimis hat der Autor zahlreiche Recherchen angestellt, sodass sich der Leser in der Hafenstadt Triest zwischen den Molen und den typischen Kaffeehäusern sehr gut zurechtfindet.

Ob es eine weitere Fortsetzung geben wird? Wünschen würde ich es mir (und allen, die Bruno Zabini lieb gewonnen haben).

Wer gerne historische Krimis aus der k.u.k.-Zeit liest, wird hier fündig. Ich empfehle, die Reihe mit Band 1 "Dampfer ab Triest" zu beginnen, andernfalls brächte man sich um viele spannende Lesestunden.

Fazit:

Diesem penibel recherchierten und fesselnd erzählten historischen Krimi aus einer längst vergangenen Zeit gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 26.03.2023

Eine Hommage an die Frauen des MIttelalters

Femina
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„Frauen fallen durch ihre Seltenheit auf - die Präsenz des Nichtvorhandenseins“

Wann immer vom Mittelalter die Rede ist, fällt Einem höfisches Gepränge, scheppernde Ritter, zugige Burgen, da oder dort ...

„Frauen fallen durch ihre Seltenheit auf - die Präsenz des Nichtvorhandenseins“

Wann immer vom Mittelalter die Rede ist, fällt Einem höfisches Gepränge, scheppernde Ritter, zugige Burgen, da oder dort ein Burgfräulein, das gerettet werden muss und geknechtete Bauern, die Frondienste für ihre Herrscher leisten mussten sowie gotische Kathedralen ein. Frauen kommen wenig vor, denn die Geschichte wird fast ausschließlich von Mönchen geschrieben, und das sind ja bekanntlich Männer.

Janina Ramirez geht in diesem Buch der Frage nach, wo denn die Frauen des Mittelalters ihren Platz gefunden haben und warum sie kaum bekannt sind. Dabei fördert sie erstaunliches zutage.

Nach einer doch etwas längeren Einleitung macht sie uns mit zahlreichen Frauen, wie der wohl bekanntesten, nämlich Hildegard von Bingen, der polnischen Herrscherin Jadwiga (die eigentlich „König“ von Polen war) oder den Kriegerinnen, die Seite an Seite mit den Nordmännern kämpften. Mit Æthelflæd stellt uns die Autorin eine mächtige Frau vor, die mehrere Jahre umsichtig das Königreich Mercia beherrschte.

Janina Ramirez, Kunsthistorikerin, Litertaur- und Sprachwissenschaftlerin, zeichnet ein etwas anderes Bild des Mittelalters, das rund 1.000 Jahre mit dem Ende des Römischen Reiches (476 n.Chr.) bzw. mit dem Ende der Völkerwanderung beginnt und sich bis zur Entdeckung Amerikas erstreckt. Tausend Jahre, in denen zahlreiche Kriege und Krankheiten Europa überziehen, tausend Jahre, in denen großartige Kirchen erbaut werden, um dem Christentum zu seiner Herrschaft und Glanz zu verleihen.

Die Autorin nimmt uns zu Ausgrabungen mit, in deren Aufarbeitung so manche Überraschung wartet. So entpuppt sich das Grab eines Kriegers als Grab einer Kriegerin, wie die forensischen Archäologen mithilfe von DNA-Analysen feststellen.

Janina Ramirez teilt ihre Frauengestalten in neun Kategorien:

1. Die Macherinnen
2. Entscheidungsträgerinnen
3. Kriegerinnen und Anführerinnen
4. Künstlerinnen und Mäzeninnen
5. Universalgelehrte und Wissenschaftlerinnen
6. Spioninnen und Gesetzlose
7. Könige und Diplomatinnen
8. Unternehmerinnen und Influencerinnen
9. Ausnahmegestalten und Außenseiterinnen

Häufig ist es der Zufall, der schriftliche Aufzeichnungen über die Frauen des Mittelalters zutage fördern. Sei es, dass eine Abschrift eines Prozesses, in dem eine Frau angeklagt worden ist, oder sei es, dass Vorschriften über Verhaltensweisen für Frauen entdeckt werden.

Gemeinsam haben diese schriftlichen Beweise, dass sie von Männern geschrieben wurden und das, häufig Jahre nach dem Ereignis. Und, man weiß ja, dass „Geschichte von Siegern geschrieben wird“, in diesen Fällen von Männern, die Verdienst von Frauen gerne negieren und unter den sprichwörtlichen Teppich kehren.

Dieses Buch ist eine Hommage an die Frauen des Mittelalters, die vergessen und manchmal sogar bewusst aus der Geschichte entfernt wurden.

Das Cover hat mich ein wenig an die weibliche Vulva erinnert. Allerdings wird im Kapitel zu Hildegard von Bingen erklärt, dass dies eine Illustration einer ihrer Schriften ist, die sie „kosmische Weltenei“ genannt hat. Passt aber trotzdem zur geballten Weiblichkeit.

Fazit:

Dieses penibel recherchierte und fesselnd erzählte Sachbuch Buch ist eine Hommage an die Frauen des Mittelalters, die vergessen und manchmal sogar bewusst aus der Geschichte entfernt wurden. Diesem anderen Blick auf die Frauen des Mittelalters gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 23.03.2023

Leider keine Empfehlung

Die Kirschen in des Mörders Garten
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In den letzten Monaten sind einige Krimis, die im Umfeld von (Schreber)Gärten, spielen, herausgekommen. Verschiedene Städte, verschiedene AutorInnen - unterschiedlich Resonanz.

Dieser hier ist meiner ...

In den letzten Monaten sind einige Krimis, die im Umfeld von (Schreber)Gärten, spielen, herausgekommen. Verschiedene Städte, verschiedene AutorInnen - unterschiedlich Resonanz.

Dieser hier ist meiner Meinung nach nicht so recht gelungen. Es beginnt schon mit dem Titel, der ein wenig holpert: „Die Kirschen in DES Mörders Garten“. Beide Artikel weggelassen, klänge es ein wenig flotter „Kirschen in Mörders Garten“.

Doch nun zum Inhalt:

Marie Busch, Schlosserin und Metallkünstlerin, ist gerade auf dem Weg zu ihrer Tante Linde in den Kleingarten „Am Pappelwäldchen“, als eine tote Frau im hochwasserführenden Rhein entdeckt wird. Marie und Linde glauben, die Tote zu kennen, zumindest ihr Halstuch. Die Polizei in Person von KHK Raphael Hofmann nimmt den Hinweis nicht ernst. Ernst wird es erst, nämlich für Marie, als sich herausstellt, dass ihre Feile die Tatwaffe ist. Damit rückt Marie auf der Liste der Verdächtigen ein hübsches Stück nach oben. Holzmann versucht, das fehlende Motiv durch blöde Sprüche zu tarnen.

Wenig später wird bei einigen Kleingartenbesitzern eingebrochen. Es scheint, außer dem Geld aus der Vereinskasse, die bei Linde geparkt ist, nichts zu fehlen. Dann geht es Schlag auf Schlag! Auf einer (für mich) improvisierten Vereinssitzung, geht es hoch her. Linde wird als Säckelwartin abgewählt und Holger, ein Wichtigtuer, übernimmt den Job und verspricht den Kleingärtner das Blaue vom Himmel.

Am selben Abend bricht noch der Vereinsvorsitzende zusammen, wenig später fällt Linde von der Leiter und der Ausflug in Tulpenparadies wird zum finanziellen Fiasko. Alles nur Zufall?

Marie beginnt selbst zu recherchieren und deckt zahlreiche Ungereimtheiten auf.

Meine Meinung:

Mir hat der Krimi nicht wirklich gefallen. Er enthält ziemlich viele Klischees und merkwürdige Charaktere. Die Polizisten, allen voran Holzmann, der sich augenblicklich auf Marie einschießt. Auch Koray Levent vom LKA, der verdeckt ermittelt scheint ob seiner Geheimniskrämerei sonderbar.

Auch Maries Ehemann gehört, obwohl meisten abwesend, in die Kategorie Käuze. Die mehrfachen Erwähnungen seines Laufsports (Marathon!) ist für die Handlung unwichtig. Die Wiederholungen selbst, nerven. Wir, die Leserschaft, kann sich so etwas merken.

Ganz schräg finde ich, wie die Vereinssitzung abgelaufen ist. Ich kenne mich zwar im deutschen Vereinsrecht nicht aus, aber Fristen zur Einberufung einer Sitzung mit entsprechender Tagesordnung sollte die deutschen Kleingärtner wohl auch kennen. Eine Wahl per Akklamation (also per Handzeichen) kann in Österreich nur dann erfolgen, wenn VOR der Sitzung der Wahlvorschlag bekannt gemacht worden ist. Ebenso muss es Rechnungsprüfer geben, die die Vereinskasse prüfen usw. usw. - also Vereinsrecht ist nicht für schwache Nerven. Dass manchmal gemogelt wird, ist klar, aber so unprofessionell geht gar nicht.

Der Schreibstil wirkt auf mich stilistisch noch nicht ganz ausgereift. Der Krimi ist mäßig spannend und zieht sich für mein Dafürhalten ein wenig. Die detaillierte Beschreibung der Speisen (Schwarzwälder Kirsch versus Karottenkuchen mit Dinkelmehl) bringen die Handlung nicht weiter. (Ich nehme übrigens die Schwarzwälder Kirsch-Torte).

Für einen Cozy-Krimi fehlt ihm leider der Humor. Natürlich kann nicht jede Autorin eine Tatjana Kruse sein, die mit ihren humorvollen Krimis ihre Leser regelmäßig zum Wiehern bringt.

Fazit:

Einer der wenigen Fälle, in denen ein Krimi aus dem Haus Emons, das üblicherweise für packende Krimis steht, für mich persönlich ein Flop ist. Schade! Leider reicht es nur für 2 Sterne.

Veröffentlicht am 23.03.2023

Mutter und Tochter Primavesi - zwei unangepasste Frauen

Mäda & Mäda
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Autorin Margret Greiner ist für ihre packenden Romanbiografien rund um Frauen des Fin de Siècle bekannt. Nach Emilie Flöge (2014), Charlotte Salomon (2017) oder Margaret Stonborough-Wittgenstein (2018) ...

Autorin Margret Greiner ist für ihre packenden Romanbiografien rund um Frauen des Fin de Siècle bekannt. Nach Emilie Flöge (2014), Charlotte Salomon (2017) oder Margaret Stonborough-Wittgenstein (2018) widmet sie sich nun zwei weiteren unkonventionellen Frauen: Eugenia Primavesi(1874-1962) und deren Tochter Gertrude Primavesi (1903–2000), die jeweils Mäda gerufen wurden.

Was die beiden Mädas so besonders macht? Ihre Namen sind untrennbar mit Gustav Klimt (1862-1918) und den Wiener Werkstätten verbunden. Gustav Klimt malte die beiden in den Jahren 1912 und 1913 auf Auftrag von Otto Primavesi. Mit den Wiener Werkstätten hatte Otto Primavesi weniger Glück, denn sein Einsatz dafür hat ihn de facto ruiniert.

Anhand von zahlreichen, im Anhang angegebenen Quellen, zeichnet Margret Greiner die Leben der beiden Frauen nach. Einige Fotos aus den Archiven lassen uns in die Welt der Familie Primavesi eintauchen.

Sowohl Mutter als auch Tochter sind Symbole für ein unkonventionelles Frauenleben. Allerdings jedes auf seine eigene Art. So legt Mutter Mäda ihr gesamtes Vermögen und ihre Beziehungen in den Erhalt der Wiener Werkstätten und versucht eine politische Karriere, die mit dem Ständestaat endet, so geht Tochter Mäda einen anderen Weg: Sie emigriert mit Umwegen nach Kanada und gründet dort ein Kinderheim, das nach modernsten Erkenntnissen lange Jahre auch von ihr selbst geführt wird.

Ach ja, die beiden Bilder - sie spielen natürlich in diesem Buch auch eine Rolle. Das Bild der Tochter wird, nach der Zusammenbruch von Ottos Firmenimperium, 1928 wie viele andere Vermögenswerte verkauft. Die „Kleine Primavesi“ gelangt in den Besitz von Jenny Steiner aus der Familie Pulitzer. Steiner kann nach dem Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland noch rechtzeitig das Land verlassen. Ihr Vermögen und die zahlreichen Kunstschätze wurden von den Nazis beschlagnahmt und in den 1950er restituiert. Die „Große Primavesi“ bleibt jahrelang verschollen. Erst 1987 taucht es bei einer Versteigerung auf. Es war bis dahin im Besitz von Tochter Mäda.

Meine Meinung:

Ich schätze Margret Greiners Vorliebe für unangepasste Frauen aus dem Fin de Siècle. In wohlgesetzten Worten schreibt sie ihre penibel recherchierten Romanbiografien. Dort wo Quellen, weil z.B. Briefe oder Tagebücher fehlen, wenig hergeben, werden die Lücken elegant gefüllt. Zusätzlich erfährt die interessierte Leserschaft zahlreiche Details aus der Geschichte dieser Zeit. Dieser „Geschichtsunterricht“ findet so subtil und unterschwellig statt, dass sich die Leser dessen gar nicht bewusst werden.

Was bleibt von den Primavesis?

Zahlreiche Kunstwerke bedeutender Künstler wie Gustav Klimt oder Bildhauer Anton Hanak, die heute in verschiedenen Museen der Welt hängen oder wie Hanaks Skulpturen stehen. Die Villa Primavesi in Wien sowie jene in Olomouc (Olmütz) sind erhalten geblieben und aufwändig renoviert worden.

Das Cover zeigt Ausschnitte aus den beiden Gemälden von Gustav Klimt: Das farbenfrohe der Mutter und das in Blautönen gehaltene der Tochter. Eine gut gelungene Idee, die beiden wie eine Spielkarte darzustellen. Das Buch ist gediegener Ausstattung als Hardcover im Verlag Kremayr & Scheriau erschienen.

Fazit:

Diesem Buch, das sich mit zwei faszinierenden Frauen beschäftigt, gebe ich leichten Herzens 5 Sterne und eine Leseempfehlung.