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Veröffentlicht am 23.01.2019

Facettenreiche Familiengeschichte der Nachkriegszeit

Die Schwestern vom Ku'damm: Jahre des Aufbaus
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Die Schwestern vom Ku’damm ist der erste Teil einer Trilogie, in der die Familie Thalheim durch die Nachkriegsjahre und die 50er begleitet wird. In jedem Buch wird eine andere Schwester der Familie im ...

Die Schwestern vom Ku’damm ist der erste Teil einer Trilogie, in der die Familie Thalheim durch die Nachkriegsjahre und die 50er begleitet wird. In jedem Buch wird eine andere Schwester der Familie im Mittelpunkt stehen, in diesem Buch ist es die Älteste, Rike, die eine entscheidende Rolle bei dem Weg hat, den die Familie direkt nach dem Krieg einschlägt.

Von 1945 bis 1951 sind wir hier bei den Thalheims, die sich Schritt für Schritt aus den Schrecken der letzten Kriegstage auf den zaghaften Beginn des Wirtschaftswunders zu bewegen. Eine Vielzahl von Charakteren tauchen auf, vorwiegend Familienangehörige, aber auch Freunde, ehemalige Weggefährten, neue Bekanntschaften. Manchmal konnte ich einen Namen nicht gleich zuordnen, bei den nicht so häufig vorkommenden Charakteren wird aber auf angenehm unaufdringliche Art meistens noch eine kurze Erinnerung oder Erklärung eingefügt, was hilfreich war. Durch die vielen Personen bekommen wir auch einen guten Überblick über die verschiedenen Lebenswege während und nach dem Krieg. Während manche die Einschränkungen durch die Besatzung als Zumutung empfinden, andere einfach froh sind, wieder ohne Angst leben zu können, sind wieder andere vom vermeintlich besseren System in der SBZ/DDR angezogen. Es gibt hier ein schönes facettenreiches Panorama verschiedener Schicksale, welches die Situation im Nachkriegsdeutschland gut wiederspiegelt.

Überhaupt sind die geschichtlichen Fakten hervorragend recherchiert und meistens sehr gut ins Geschehen eingeflochten. Im letzten Drittel des Buches gibt es mehrere längere Passagen mit Hintergrundinformationen, die zwar interessant sind, die aber die Handlung manchmal etwas überlagerten. Sehr schön untergebracht wurden viele Alltagsdetails dieser Zeit und auch über die besondere Situation Berlins gerade während der Blockade habe ich viel Neues gelernt. Diese Situation wurde gekonnt mit dem Geschehen in der Familie und ihrem Kaufhausaufbau verbunden.

Der Schreibstil liest sich leicht, es gibt keine unnötigen Längen, was ich immer sehr begrüße. An manchen Stellen hätte ich mir sogar etwas mehr Detailfreude gewünscht, so ist der harte Hungerwinter 46/47 für meinen Geschmack etwas knapp behandelt - ich hätte gerne mehr darüber erfahren, wie die Familie zurechtkam.
Einige der Situationen in diesen Jahren wurden mir zu einfach und problemlos aufgelöst - auch wenn man bedenkt, daß die Thalheims sich aufgrund von Status, Vermögen und Beziehungen in einer privilegierteren Situation befinden, als die meisten anderen. Oft (für mich zu oft) kamen glückliche Zufälle zur Hilfe, ob nun im Kleineren (jemand taucht genau im richtigen Moment auf, oder verläßt genau im richtigen Moment ein Gebäude) oder auch bei recht monumentalen Dingen, bei denen mir der jeweilige Zufall einfach zu unwahrscheinlich war. Ich hätte weniger Zufälle und auch manchmal schwierigere Lösungen vorgezogen.

Die Atmosphäre wird gut geschaffen, insbesondere wenn es um das Kaufhaus geht, sieht man alles bildlich vor sich, aber auch die bedrückende Kelleratmosphäre am Anfang, die Tristesse des Trümmerräumens und vieles andere sind richtig gut beschrieben.

Es haben mich nicht alle Charaktere wirklich erreicht, aber einige haben mich neugierig gemacht oder waren mir sehr angenehm. Der Abschluß des Buches ist gut gelungen, das Ende gefiel mir richtig gut. Die Mischung zwischen noch offenen Punkten (wie bei einer Trilogie zu erwarten) und geklärten Fragen ist gut. Man merkt, es gibt in den beiden folgenden Büchern noch viel zu erzählen, bleibt aber nicht ohne inneren Abschluß wichtiger Fragen, die einen durch das erste Buch begleitet haben. Die weiteren Bände werde ich aber wohl eher nicht lesen, dafür haben mich die Charaktere nicht genug gepackt und aufgrund der zu leichten Lösungen fehlte mir der Realismus zu sehr.

Veröffentlicht am 23.01.2019

Tragische Schicksale sehr gut erzählt

Ungeliebte Königin
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Über nahezu vier Jahrhunderte lang begleiten wir hier, wie es im Untertitel heißt, "Ehetragödien an Europas Fürstenhöfen". Unglückliche Ehen gab es unter den Monarchen Europas zuhauf, wurden die Ehen ...

Über nahezu vier Jahrhunderte lang begleiten wir hier, wie es im Untertitel heißt, "Ehetragödien an Europas Fürstenhöfen". Unglückliche Ehen gab es unter den Monarchen Europas zuhauf, wurden die Ehen doch fast immer aus dynastischen und politischen Erwägungen geschlossen, die Ehepartner von anderen ausgesucht.

Helga Thoma greift sieben dieser Monarchen heraus und betrachtet deren Ehen genauer. Sie tut dies in einem sehr gut zu lesenden Schreibstil, schafft es, durchaus unterhaltsam zu erzählen, ohne aber je den Ernst und die Tragik der von ihr beschriebenen Ehen aus den Augen zu verlieren. Quer durch Europa und sogar bis nach Brasilien geht es. Natürlich darf Henry VIII nicht fehlen, in jedem Buch über gescheiterte royale Ehen hätte er den (Un)Ehrenplatz verdient. Aber auch weniger bekannte Verbindungen sind hier Thema.

Sehr schön betrachtet die Autorin beide Seiten und man sieht, welche Bürde eine solche aufoktroyierte Ehe auch oft für den Ehemann war, selbst wenn er wesentlich mehr Freiheiten hatte, als seine Ehefrau. Historische und familiäre Hintergrundfakten geben zudem nützliche Informationen über die Motivationen und besonderen Schwierigkeiten der Beteiligten. Die unterschiedliche Art, in der gerade die meist noch sehr jungen Frauen auf ihre Situation reagierten, ist interessant, ebenso wie die diversen Entwicklungen der Ehen. So konnte sich auch aus einer erzwungenen Ehe zwischen zwei Fremden in manchen Fällen durchaus zu Anfang eine Liebesbeziehung entwickeln, in anderen Fällen war die Abneigung von Anfang an vorhanden und dann gab es Ehen, in denen der eine Ehepartner den anderen tief und unerwidert liebte. Die charakterlichen Facetten der Beteiligten werden gut dargestellt und erklären viele tragische Entwicklungen.

So haben wir hier ein sehr abwechslungsreiches Buch, in dem geschichtliche und persönliche Faktoren gleichermaßen zur Geltung kommen und informativ beschrieben werden. Ich habe einiges zur Geschichte mir bis dahin geschichtlich nicht so vertrauter Länder gelernt und auch bei mir bereits "bekannten" Paaren noch Neues erfahren. Das Buch gleitet nie in skandalreiche Klatschereien ab, sondern bleibt stets sachlich, nutzt Zeitzeugenaussagen, insbesondere Briefe der behandelten Ehepartner, sehr anschaulich und ist somit durchweg erfreulich zu lesen.

Veröffentlicht am 23.01.2019

Faszinierend-verstörende Geschichte erstickt im Sprachgewirr

Die Klavierspielerin
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"Die Klavierspielerin" berichtet eine drastisch-verstörende Geschichte und dies durchaus mit psychologischer Raffinesse. Es geht um eine höchst ungesunde Mutter-Tochter-Beziehung und die psychologische ...

"Die Klavierspielerin" berichtet eine drastisch-verstörende Geschichte und dies durchaus mit psychologischer Raffinesse. Es geht um eine höchst ungesunde Mutter-Tochter-Beziehung und die psychologische Verstümmelung der Tochter Erika, die auf immer drastischere Weise versucht, sich selbst, überhaupt irgendetwas, zu spüren.

Das ist von der Thematik her ausgesprochen interessant und hat mich neugierig gemacht. Immer wieder las ich vorab, wie wichtig bei Jelineks Büchern auch die Sprache sei, und dem kann ich einerseits durchaus zustimmen. Der Umgang der Autorin mit Worten ist bewundernswert - hier agiert eine Sprachvirtuosin. Die gelungenen Vergleiche, die bildhafte Ausdrucksweise, die ungewohnte Verwendung von Worten haben mich gleich angesprochen.

Auch die Geschichte an sich ist, wie erwartet, faszinierend. Das Eingesperrtsein Erikas in die viel zu enge Beziehung zu ihrer Mutter ist förmlich spürbar. Ihr ganzes Leben schon wird sie von der Mutter erstickt, in die gewünschte Form gepreßt, überwacht, manipuliert. Sie wehrt sich einerseits zwar ab und an brutal, aber letztlich hat die Mutter die größere Macht. Die innerlich abgestumpfte Erika treibt es wie zum Ausgleich in die dunklere Seite der Stadt, sie wird zu Voyeurin in Peepshows, beobachtet Paare beim lieblosen Geschlechtsakt in den Praterauen. Sie fügt sich selbst körperlichen Schmerz zu und ist zu menschlichen Beziehungen nicht fähig.

So sollte doch eigentlich, wenn die Sprache so meisterhaft benutzt wird und die Geschichte derart fesselnd ist, dem Lesevergnügen nichts im Wege stehen. Leider habe ich mich durch dieses Buch mehr oder weniger durchgekämpft und nur wegen der Sprache und dem Interesse, wie es nun ausgehen wird, durchgehalten. Während ich Jelineks Sprache sehr mochte, fand ich ihre Erzählweise nahezu unerträglich zäh. In endlos langen Absätzen, die auf den Buchseiten schon wie solide Mauern wirken, nahezu ohne mündliche Rede, wird hier ausführlich erzählt und erzählt und erzählt. Jeder Gedanke wird mehrmals hintereinander ausgeführt, in lähmender Detailfreude. Jede Handlung, jedes Geschehen zieht sich dahin. Immer wieder begann ich einen neuen Abschnitt mit Interesse und merkte dann, daß sich wieder ein Berg an Worten vor mir auftürmte. Um an die Geschichte zu kommen, muß man sich durch viele redundante Worte und Sätze hindurchwühlen. Dadurch ging für mich auch die Wirkung der Geschichte meistens verloren. Ja, die Schilderungen sind oft drastisch, aber umpackt von zu viel Füllmaterial. Weniger wäre hier viel mehr gewesen.

Veröffentlicht am 23.01.2019

Eineinhalb spannende Lebensgeschichten und viel zähes Um-sich-Kreisen

Hannas Töchter
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Die Lebensgeschichten drei Generationen schwedischer Frauen verspricht der Klappentext, zusammen mit einem Einblick in die Entwicklung der schwedischen Gesellschaft über zwei Jahrhunderte. Das Versprechen ...

Die Lebensgeschichten drei Generationen schwedischer Frauen verspricht der Klappentext, zusammen mit einem Einblick in die Entwicklung der schwedischen Gesellschaft über zwei Jahrhunderte. Das Versprechen hat das Buch für mich nur etwa zu einer knappen Hälfte gehalten.

Die drei Generationen sind Hanna, die in den 1870er Jahren geboren wird, ihre Tochter Johanna (geboren 1902) und die in den 1930er Jahren geborene Anna. Die Beziehung zwischen der in den 1980ern im Sterben liegenden Johanna und ihrer Tochter formen eine Art Rahmenhandlung, die die drei Generationen verbindet. Die ist an sich eine gute Idee, weil so auch gezeigt werden kann, wie spätere Generationen die Erlebnisse ihrer Vorfahren betrachten, und eine neue Perspektive hineinkommt. Allerdings ist diese Rahmenhandlung und überhaupt alles, was mit Anna zu tun hat, so unglaublich zäh, daß ich das Buch fast schon relativ zu Anfang beiseite gelegt hätte. Anna grübelt und führt belanglose Unterhaltungen, tut belanglose Dinge und mißt ihnen, sowie ihren Gedanken, sehr viel Bedeutung bei. Das zieht sich und ist wenig interessant.

Einen abrupten Aufschwung nimmt das Buch dann mit der Lebensgeschichte von Hanna. In schnörkellos angenehmem Stil wird hier über das harte Schicksal einer wirklich starken Frau berichtet. Im Alter von 12 wird Hanna vergewaltigt, bringt mit 13 ein Kind zu Welt und ist Opfer der Zeit und der engstirnigen Umgebung - sie wird als Hure verunglimpft, ihr Kind als Hurenkind. Stoisch erträgt sie Demütigungen und harte Arbeit und gerade weil dies so lakonisch berichtet wird, ohne großes Drama, ist der Eindruck stark und man kann nur Bewunderung für Hanna empfinden. Als sie aus praktischen Gründen ein Ehe mit John eingeht, der ebenfalls eher aus Pragmatismus heiratet, erleben wir Leser eine interessante vielschichtige Beziehung zwischen zwei Menschen, die die Lasten ihrer jeweiligen Vergangenheit und ihrer Familien tragen und irgendwie zusammenfinden. Es gibt hier keine dramatischen Geschehnisse, es geht um den ganz normalen Alltag - normal für die Zeit und die ländlich-abgeschiedene Gegend - die Sorgen, Ängste, aber auch zaghaften Glücksmomente. Ich fand dieses Alltagsleben sehr interessant zu lesen und habe auch einiges gelernt. Die Charaktere sind hier größtenteils gut gezeichnet, auch hier ohne große Worte, ohne Details, aber man spürt sie.

Nach der Hälfte des Buches ist dieser Aufschwung dann leider auch schon vorbei. Das Witwenleben Hannas wird sehr summarisch abgehandelt, viel gibt es hier auch nicht mehr zu erzählen. Das ist schade, weil ich gerne mehr von Hanna gelesen hätte, aber durch Andeutungen über ihre Tochter Johanna wird eine zweite interessante Lebensgeschichte versprochen - sehr schön ist sie, ungewöhnlich intelligent, sie marschiert mit den roten Fahnen und schafft es, anders als ihre Mutter, sich gegen die versuchte Vergewaltigung ihres Dienstherren, zu wehren. Bevor wir in Johannas Leben eintauchen können, müssen wir erst durch ein weiteres zähes Zwischenspiel mit Anna kämpfen. Anna kreist mit großer Konzentration um sich selbst, was nicht lesenswert ist.

Johannas Lebensgeschichte beginnt unterhaltsam - die Hungerzeit des Ersten Weltkrieges, der allmähliche Aufschwung der 20er Jahre, der Eintritt der modernen Welt, dies alles erlebt sie. Da ich wenig über Schwedens Geschichte weiß, liest sich das gut, wenn mir auch ein wenig Details zum geschichtlichen Hintergrund fehlten. Aber auch das ändert sich leider. Irgendwann heiratet Johanna und ab dann wird es - und sie - banal. Ist das Alltagsleben Hannas noch interessant, so liest sich Johannas Alltag der Gartenarbeit, der Klatschereien mit Nachbarn uä einfach langweilig. Nazizeit und Krieg - Schwedens Haltung im Zweiten Weltkrieg würde viel Material bieten und ich hatte mir auch erhofft, darüber mehr zu lesen - werden rasch abgehandelt (ein historischer Fehler ist mir auch aufgefallen - die abscheuliche Ermordung psychisch Kranker in der Nazidiktatur begann in den Kriegsjahren, nicht bereits in den mittleren 30ern) und auch hier geht es fast nur um Banalitäten. Die Reichhaltigkeit dieses Themas bleibt völlig ungenutzt - sehr enttäuschend.

Ab dann versinkt das Buch im Um-sich-Kreisen von Johanna und Anna. Sie bestärken sich darin, wie unglaublich duldam sie doch sind und feiern diese von niemandem verlangte Duldsamkeit regelrecht, bestärken sich gegenseitig im jahrhundertelangem Leiden der Frauen und suhlen sich in Selbstmitleid über ihre Wehrlosigkeit und Machtlosigkeit, die gar nicht so besteht, wie sie sie sehen. Dies zeigt sich schon sehr gut in einer Szene, in der Johanna ihren Mann mit völlig unbegründeten Vorwürfen überschüttet und dieser den erwachsenen Vorschlag macht, sie könne ja schlichtweg mal mit ihm reden, anstatt sich in ihrer vermeintlichen Unterdrückung zu suhlen. Gerade weil Hannas Lebensgeschichte durch die Stärke Hannas ihre schwierige und oft ungerechte Lebenssituation so gut vermittelte, erscheinen Johanna und Anna weinerlich und selbstbezogen. Über die weitere Entwicklung der schwedischen Gesellschaft erfahren wir weitaus weniger, als über die sich kaum ändernden Gedanken von Mutter und Tochter, die mir vermehrt auf die Nerven gingen. So versickert der herrliche Erzählfluß von Hannas Lebensgeschichte in dem kraftlosen Bächlein der endlosen Selbstbetrachtungen der ihr nachfolgenden Generationen und ich lege das Buch am Ende enttäuscht beiseite.

Veröffentlicht am 23.01.2019

Prächtig illustrierter und gut geschriebener Detail-Überblick

Deutsche Geschichte
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Die Bücher von Dorling Kindersley sind bekannt für ihre herausragend bildhafte und farbige Ausstattung. Jedes Buch, das ich bisher von DK las, war schon ein visuelles Vergnügen. So ist dies genau der ...

Die Bücher von Dorling Kindersley sind bekannt für ihre herausragend bildhafte und farbige Ausstattung. Jedes Buch, das ich bisher von DK las, war schon ein visuelles Vergnügen. So ist dies genau der richtige Verlag für eine Bild-Enzyklopädie der deutschen Geschichte. Das Buch ist recht groß und schwer, so soll sich ein richtiges Buch anfühlen. Jede Doppelseite widmet sich chronologisch einem Thema der deutschen Geschichte; unterteilt ist das Buch in sieben Hauptabschnitte, die meines Erachtens eine gute Gliederung der historischen Epochen darstellen. Jedem dieser sieben Abschnitte ist eine Zusammenfassung dieser Epoche vorangestellt, gefolgt von einer chronologischen Zeitleiste. Auch diese ist sehr schön gestaltet und bereits mit zahlreichem Bildmaterial versehen.

Selbstverständlich strahlt auch jede Doppelseite dem Leser schon farbenfroh entgegen. Zahlreiche Abbildungen auf jeder Seite sorgen für Anschaulichkeit, passende Zitate im Großdruck oder biographische Übersichten reichern den Haupttext weiter an. Jede dieser Doppelseiten verfügt über eine "Vorher" und eine "Nachher"-Box, die das Thema historisch einordnet, einen Ausblick und Rückblick bietet und auch Zusatzinformationen liefert. Manche Doppelseiten sind fast ausschließlich großformatigen Abbildungen mit kürzeren Erklärungen gewidmet, wie zB eine Limes-Rekonstruktion, der Westfälische Frieden oder der Kniefall Willy Brandts in Warschau. Andere Doppelseiten enthalten Biographien bedeutsamer Deutscher, wieder andere bieten einen Fotoüberblick über prägende Gegenstände der Epoche. So hat man ein gut zusammengestelltes Kaleidoskop aus verschiedenen Informationen. In den doppelseitigen Artikeln geht es vorwiegend, aber nicht nur, um die historischen Entwicklungen, Herrscher, Kriege. Auch Lebensbedingungen, gesellschaftliche Entwicklungen, Kultur oder andere Alltagsthemen haben hier ihren Platz, wie es im Vorwort auch versprochen wird ("Geschichte ist aber viel mehr als das, weil sie letztlich von menschlichen Existenzen berichtet, von Höhen und Tiefen, Großem und Kleinem.").

Natürlich kann ein Buch, das auf 400 Seiten die gesamte deutsche Geschichte behandeln möchte, kein Detailwissen liefern. An manchen (wenigen) Stellen fehlen leider Erklärungen und/oder Hintergründe zu Erwähntem - eigentlich möchte ich nach der Lektüre nicht im Internet nachschauen müssen, worum es genau ging. (Und warum in den Artikeln über die Nachkriegskultur neben zahlreichen Schriftstellernamen einer der wirklich großen literarischen Chronisten unserer neueren Geschichte, Walter Kempowski, überhaupt nicht erwähnt ist, würde mich sehr interessieren).
Für einen Überblick aber ist das Buch hervorragend gelungen, letztlich ist es durchaus mehr als ein Überblick, bietet erstaunlich viele Hintergrundinformationen, Details und erklärt vor allem Zusammenhänge oft prägnant einleuchtend. Ich habe hier sogar zu einigen Themen, mit denen ich mich schon eingehender beschäftigt habe, noch neue Informationen erhalten; zu mir nicht so vertrauten Themen eine erstklassige Einführung.

Deshalb kann ich dieses sowohl informative wie auch wunderbar gestaltete Buch jedem empfehlen - dem Geschichtsneuling, der sich informieren möchte, wie auch dem tiefer Geschichtsinteressierten, der hier immer noch Neues finden wird, oder eben auch Vertrautes, gut dargestellt.