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WinfriedStanzick

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Veröffentlicht am 18.01.2018

Man möchte sie und andere ermutigen, ihre Positionen, die ich bei weitem nicht alle teile, aktiv und engagiert in ihre Partei und in die Öffentlichkeit zu tragen.

Und morgen regieren wir uns selbst ...
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Andrea Ypsilanti, Und morgen regieren wir uns selbst, Westend 2017, ISBN 978-3-86489-160-1

In den letzten Jahren war es in der politischen Öffentlichkeit des Landes eher still um sie geworden und sie ...

Andrea Ypsilanti, Und morgen regieren wir uns selbst, Westend 2017, ISBN 978-3-86489-160-1

In den letzten Jahren war es in der politischen Öffentlichkeit des Landes eher still um sie geworden und sie fristete im Hessischen Landtag ein unspektakuläres Hinterbänklerdasein. Nun, da Andrea Ypsilanti, die 2008 als erste an einem Versuch scheiterte, mit der Linken eine Koalition zu bilden, nachdem sie mit ihrer SPD Roland Koch eine schwere Niederlage bereitet hatte, in diesem Jahr nicht mehr zur hessischen Landtagswahl antreten und sich sozusagen in den politischen Ruhestand verabschieden wird, legt sie eine Streitschrift vor, in der sie ihrer eigenen Partei gehörig die Leviten liest.

Es ist eine dezidiert linke Politik, die sie vertritt und für die sie bei dem britischen Labourvorsitzenden Jeremy Corbyn ein immer wieder zitiertes Vorbild findet. Das Buch erscheint in einer Zeit, in der in der deutschen Sozialdemokratie nach der Bundestagswahl, der zunächst klaren Absage an eine Mitwirkung in einer Koalition und der zwischenzeitlichen Abkehr davon, nicht nur die eigenen Funktionäre, sondern eine veritable Mehrheit der 450 000 Mitglieder der Traditionspartei erhebliche Zweifel daran haben, wie es ohne eine grundlegenden Erneuerung an Haupt und Gliedern mit der SPD weitergehen soll. Die Wahl zwischen Pest und Cholera scheint die Partei in diesen Tagen zu zerreißen.

Ein gründliches Studium des Buches von Andrea Ypsilanti könnte nicht nur den Funktionären, die um ihr politisches Schicksal kämpfen, sondern gerade den vielen neuen Mitgliedern, eine dringend nötig Orientierung dafür geben, wie die Ohnmacht der sozialdemokratischen Partei nicht nur in Deutschland überwunden werden könnte. Aber vielleicht kommt das Buch zu spät für diesen Prozeß.

Normalerweise legen Politiker solche Bücher vor (zuletzt Robert Habeck und Christian Lindner) um sich für eine politische Zukunft inhaltlich zu positionieren. Der Rückzug Andrea Ypsilantis aus der parlamentarischen Arbeit in diesem Herbst scheint dazu so gar nicht zu passen. Man möchte sie und andere ermutigen, ihre Positionen, die ich bei weitem nicht alle teile, aktiv und engagiert in ihre Partei und in die Öffentlichkeit zu tragen.

Veröffentlicht am 18.01.2018

Zeigt mit liebevollen Illustrationen und lustigen Texten, welche vielfältigen Familienformen es gibt, und hilft Kindern, die in solchen, teilweise ungewöhnlichen Familienkonstellationen aufwachsen, ihr Anderssein zu akzeptieren.

Wer hat schon eine normale Familie?
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Belinda Nowell, Wer hat schon eine normale Familie, Carl Auer Verlag 2017, ISBN 978-3-8497-0203-8

Dieses zuerst in England erschienene, von Christel Rech-Simon ins Deutsche übersetzte Bilderbuch zeigt ...

Belinda Nowell, Wer hat schon eine normale Familie, Carl Auer Verlag 2017, ISBN 978-3-8497-0203-8

Dieses zuerst in England erschienene, von Christel Rech-Simon ins Deutsche übersetzte Bilderbuch zeigt mit liebevollen Illustrationen und lustigen Texten, welche vielfältigen Familienformen es gibt, und hilft Kindern, die in solchen, teilweise ungewöhnlichen Familienkonstellationen aufwachsen, ihr Anderssein zu akzeptieren.

Es beginnt, als Alex eine Tages seinen Schulfreunden erzählt, mit Emma sei gestern eine neue Schwester in seine Familie gekommen, ein Pflegekind so wie er selbst. Alle Kinder freuen sich darüber, nur der rüpelhafte Jimmy Martin schreit laut und abfällig, dass Alex` Familie doch nicht normal sei.

Traurig kehrt Alex nach Hause zurück und fragt seine Mama: „Sind wir normal?“ Die Mutter nimmt die Frage ernst und sagt“ „Ganz und gar nicht!“ Dann holt sie das letzte Klassenfoto heraus und sie gehen miteinander die einzelnen Schüler durch. Sie finden gemeinsam heraus, dass jeder Schüler in einer anderen Familienkonstellation lebt und erleben, dass das ganz normal ist.

In einem Nachwort für Eltern Erzieher und Vorleser beschreibt die analytische Kinder- und Jugendtherapeutin Christel Rech-Simon die sozialen, psychologischen und therapeutischen Zusammenhänge des Themas. Sie resümiert, „dass jede Familie einzigartig ist, dass es keine ‚normale‘ Familie im Sinne einer Gleichheit gibt und dass ihre Besonderheit ein wichtiger Bestandteil des individuellen Identitätsbildung ist.“


Veröffentlicht am 18.01.2018

Ein tolles, spannendes Buch

Durst
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Jo Nesbo, Durst. Ein Fall für Harry Hole, Ullstein 2017, ISBN 978-3-550-08172-9

Lange mussten die Fans von Harry Hole auf den neuen Roman seines Schöpfers warten, doch nun ist er wieder da, und er ist ...

Jo Nesbo, Durst. Ein Fall für Harry Hole, Ullstein 2017, ISBN 978-3-550-08172-9

Lange mussten die Fans von Harry Hole auf den neuen Roman seines Schöpfers warten, doch nun ist er wieder da, und er ist besser als je zuvor. Eigentlich gehört Harry Hole ja gar nicht mehr zur Truppe im aktiven Polizeidienst, er unterrichtet mittlerweile an der Polizeihochschule Oslo, aber für den vorliegenden Fall gibt es natürlich doch keinen besseren Kriminalisten als ihn, gerade bei stockenden Ermittlungen. Wer ist dieser Serienkiller, der seine Opfer über eine Dating- App findet, sie misshandelt und vampirhaft beisst und tötet, der Blut trinkt und neue Seiten perversester Verbrechen aufschlägt. „Wir haben es mit einem Doppelmord zu tun, Harry, vielleicht mit einer Serie. Kann es da noch schlimmer werden? – Ja, sagte Harry, es kann.“

Über 620 Seiten knüpft Nesbo an viel Altes an, doch auch der Erstleser kommt voll auf seine Kosten.
Harry Hole ermittelt in einer Spezialtruppe, die für diesen Fall jede erdenkliche Kompetenzen erhält. Ermittlungen, die auch in die Vergangenheit reichen und die den in die Jahre und zur Legende gewordenen Kommissar an Grenzen bringen. Es sei, so sagt er, „wie wenn du Musik hörst, die du noch nie gehört hast, gespielt von einer Band, die du nicht kennst, und trotzdem hörst du, wer das Lied geschrieben hat. Weil da etwas ist. Aber etwas, das du nicht greifen kannst.“ Nesbo ist ein Meister der Andeutungen, der seinen Leser geradezu quält und mit Details und scheinbaren Nebensächlichkeiten, mit kleinsten Puzzlestücken und Andeutungen, mit beiläufigen Bemerkungen und zunächst unwichtig erscheinenden Informationen einen stetig an Spannung immer reicher werdenden Erzählfluss schafft.

Ein tolles, spannendes Buch.



Veröffentlicht am 18.01.2018

Nachdenklich und eindrücklich erzählt Arno Geiger in einer sensiblen Sprache vom Krieg und von Menschen, die die Hoffnung nicht aufgeben, dass es auch nach dem Ende des Krieges eine Zukunft für sie geben kann

Unter der Drachenwand
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Arno Geiger, Unter der Drachenwand, Hanser 2018, ISBN 978-3-446-25812-9

In seinem neuen Roman erzählt der österreichische Schriftsteller Arno Geiger von Menschen, die im Jahr 1944 in einem kleinen Ort ...

Arno Geiger, Unter der Drachenwand, Hanser 2018, ISBN 978-3-446-25812-9

In seinem neuen Roman erzählt der österreichische Schriftsteller Arno Geiger von Menschen, die im Jahr 1944 in einem kleinen Ort namens Mondsee bei Salzburg zu Füßen der Drachenwand versuchen, in einer Atempause des Zweiten Weltkrieges zu sich selbst zu kommen.

Hauptperson ist der ich-erzählende kriegsversehrte Soldat Veit Kolbe. An der Ostfront schwer verletzt worden, reist er auf Anraten eines Hauptmannes im Lazarett nach Mondsee aufs Land, wo ein Onkel von ihm, der dort als Postenkommandant Dienst tut, ihm eine Unterkunft verschafft. Kolbes Vermieterin ist eine bösartige Frau, die ihm während seines gesamten Aufenthaltes das Leben schwer macht. Richtig gefährlich werden kann ihm allerdings der Mann der Vermieterin, ein fanatischer Nazi, der bei seinen Heimaturlauben alle mit Durchhalteparolen quält.

Veit Kolbe, so würde man es heute nennen, leidet unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, hat immer wieder Panikattacken und kann ohne das Medikament Pervitin nicht sein. Er hat auf dem Weg der Wehrmacht nach Osten alles gesehen, „was niemand sehen will“. Massenerschießungen von Juden, die wahllose Zerstörung von Dörfern und die Liquidierung unzähliger Zivilisten haben sich in sein Gedächtnis eingebrannt und er wird die inneren Bilder einfach nicht los.

So wie sein literarischer Schöpfer selbst es einmal von sich sagte, versucht auch Veit Kolbe mit Schreiben diese Leerstellen des Grauens zu füllen und zu bannen. Er hofft, dass sein Genesungsurlaub so lange dauern wird, bis der Krieg hoffentlich bald zu Ende ist, und tut auch einiges selbst dazu, um ihn immer wieder zu verlängern. Dennoch schwebt die drohende Rückkehr an die dann wohl sicher für ihn tödliche Front wie ein Damoklesschwert über ihm und bedroht die zarten Pflänzchen von Liebe, die mit der in der Wohnung neben ihm zusammen mit ihrem Baby wohnende Margot aus Darmstadt keimen.

Langsam lässt Arno Geiger ihre Beziehung sich entwickeln. Ähnlich behutsam führt er sukzessive weitere Personen in seinen dichten Roman ein. Da sind die Mädchen im Lager Schwarzindien, die dort aus verschiedenen Städten des Reichs gebracht wurden. Insbesondere das Schicksal des Mädchens Nanni Schaller bewegt ihn und seinen Erzähler, denn als es spurlos verschwindet, sind nicht nur die Bewohner Mondsees erschüttert, sondern auch der Cousin des Mädchens, dessen zahllose unbeantwortete Briefe von der Front an seine Freundin Geiger dokumentiert. Er wechselt auch immer wieder nach Darmstadt, der Heimat von Margot und lässt deren Mutter, die ihr Überleben in einer von Bomben gänzlich zerstörten Stadt zu organisieren sucht, zu Wort kommen.

Und da ist der „Brasilianer“, ein aus Brasilien zurückgekehrter Auswanderer und Bruder der garstigen und fanatischen Vermieterin. Veit Kolbe und Margit freunden sich mit dem regimekritischen Reformbiologen an, und führen, als er wegen einer abfälligen Bemerkung über das Regime für sechs Monate in Haft kommt, sein Gewächshaus weiter.

Doch der wichtigste Erzähler neben Veit Kolbe ist wohl der jüdische Zahntechniker Oskar Meyer. Er ist mit seiner Familie nach langem Zögern von Wien aus nach Budapest geflohen, wo er als Zwangsarbeiter zufällig auf Veit Kolbe trifft. Sonst allerdings gibt es keine Verbindung zwischen Oskar Meyer und dem Geschehen am Mondsee.

Selten habe ich die inneren Nöte einer jüdischen Familie, die versucht sich vor der tödlichen Gefahr der Nazis zu retten, so eindringlich und unter die Haut gehend beschrieben gelesen, wie in den Schilderungen von Arno Geiger.

Nachdenklich und eindrücklich erzählt Arno Geiger in einer sensiblen Sprache vom Krieg und von Menschen, die die Hoffnung nicht aufgeben, dass es auch nach dem Ende des Krieges eine Zukunft für sie geben kann. Wenn er in einer Nachbemerkung zu seinem Roman das Leben bzw. Sterben dieser fiktiven Figuren nach dem Krieg dokumentiert, verleiht er ihnen eine Form der Realität, die weit über die Fiktion hinausgeht und weit mehr ausdrücken möchte als ein herkömmliches versöhnliches Ende. Es ist Hoffnung auf Zukunft trotz allem gerade zu Ende gegangenen Schreckens.


Veröffentlicht am 18.01.2018

Man wird abwarten müssen, ob „Mission Manifest“ mehr Erfolg beschieden ist.

Mission Manifest
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Johannes Hartl, Mission Manifest. Die Thesen für das Comeback der Kirche, Herder 2018, ISBN 978-3-451-38147-8

Wenn in diesem Buch von der Kirche die Rede ist und konstatiert wird, dass sie immer bedeutungsloser ...

Johannes Hartl, Mission Manifest. Die Thesen für das Comeback der Kirche, Herder 2018, ISBN 978-3-451-38147-8

Wenn in diesem Buch von der Kirche die Rede ist und konstatiert wird, dass sie immer bedeutungsloser wird, dann ist die Katholische Kirche gemeint. Ob das, was in diesem Buch vorgeschlagen wird, auch für andere christliche Kirchen von Bedeutung sein kann, wäre separat zu überprüfen. Die zunehmende Bedeutungslosigkeit der Kirche und des Glauben wollen die Autoren des vorliegenden Buches nicht mehr tatenlos hinnehmen.
Sie wollen die Glut des Glaubens wieder entfachen und weitergeben. Damit das gelingt, haben sich die einflussreichsten Leiter religiöser Bewegungen und Organisationen zusammengeschlossen, um dieses Jahrhundert wieder zu einem Jahrhundert des Glaubens zu machen. Mit zehn Thesen zeigt dieses Buch, was sich ändern muss und wie das geht. Eine mitreißende Forderung, dass Mission wieder die höchste Priorität hat. Und eine Einladung an alle, die sich nicht damit abfinden wollen, dass der Glaube verdunstet – der eigene Glaube und der der Welt.
„Wir wollen, dass Mission Priorität Nummer eins wird“, sagen sie und setzten auf eine „Welle des Gebetes“ , den Zusammenschluss verschiedener Initiativen und Gruppen und eine Neuausrichtung kirchlicher Strukturen in der Seelsorge – diese müsse „missionarischer“, „expansiver und offener“ werden. Ohne indoktrinieren zu wollen.

Eine Fülle von modernen Events und Aktionen sollen vor allem junge Menschen mit ihren Fragen und Nöten ansprechen und sie für den Glauben gewinnen. Ich kenne aus den letzten Jahrzehnten aus dem Bereich der evangelischen Kirchen ähnliche Aktionen, die aber nach meiner Einschätzung nie über lokale Wirkungen hinausgingen.

Man wird abwarten müssen, ob „Mission Manifest“ mehr Erfolg beschieden ist.