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WinfriedStanzick

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.12.2017

Eine Insel voller Schönheit ist Island. Wettkes Fotografien haben diese Schönheit in ihrer eigenen, für manchen sicher gewöhnungsbedürftigen Aart eingefangen und machen dem Betrachter Lust, irgendwann einmal diese Insel zu besuchen

Iceland
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Jürgen Wettke, Iceland. Nature of the North, teNeues 2017, ISBN 978-3-96171-028-
Jürgen Wettke, 1953 geboren, frönt neben seiner erfolgreichen beruflichen Karriere – u. a. in führender Position bei einer ...

Jürgen Wettke, Iceland. Nature of the North, teNeues 2017, ISBN 978-3-96171-028-
Jürgen Wettke, 1953 geboren, frönt neben seiner erfolgreichen beruflichen Karriere – u. a. in führender Position bei einer großen Unternehmensberatung – einer ganz besonderen Leidenschaft: der Fotografie. In den letzten Jahren konzentrierte er sich vermehrt auf die Landschaftsfotografie. Mit seinen fesselnden Aufnahmen möchte er ein größeres Bewusstsein für die Fragilität der Ökosysteme unseres Planeten schaffen. Bücher über das Wattenmeer und die namibische Wüste (alle bei teNeues) belegen das genauso eindrücklich wie das nun vorliegende neue Buch „Iceland. Nature oft he North“.

Der repräsentative Bildband ist in vier Teile gegliedert: Erde und Feuer, Eis und Gletscher, Wasser und Meer, Luft und Licht. Die jeweiligen Fotografien bleiben zunächst unkommentiert. Doch am Ende jedes Abschnitts findet man sie noch einmal in kleinem Format mit Kommentaren.

Eine Insel voller Schönheit ist Island. Wettkes Fotografien haben diese Schönheit in ihrer eigenen, für manchen sicher gewöhnungsbedürftigen Aart eingefangen und machen dem Betrachter Lust, irgendwann einmal diese Insel zu besuchen. Der Rezensent wird das 2019 tun und freut sich schon sehr darauf.


Veröffentlicht am 06.12.2017

„Kind ohne Namen“ Poschenrieders fünfter Roman, ist ein unterhaltsames Buch, das den Leser ins Nachdenken bringen soll. Dennoch reicht es für mich nicht ganz an seine Vorgänger heran.

Kind ohne Namen
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Christoph Poschenrieder, Kind ohne Namen, Diogenes 2017, ISBN 978-3-257 07000-2

In seinem neuen Roman erzählt der in München lebende Schriftsteller Christoph Poschenrieder von einem Dorf, das Angst vor ...

Christoph Poschenrieder, Kind ohne Namen, Diogenes 2017, ISBN 978-3-257 07000-2

In seinem neuen Roman erzählt der in München lebende Schriftsteller Christoph Poschenrieder von einem Dorf, das Angst vor Fremden hat. Seine Hauptperson ist Xenia, eine junge Frau, die nach dem Abitur sofort in die Großstadt flüchtet, um dort ein Studium der Literaturwissenschaft aufzunehmen:
"Mir tun die leid, die nicht auf dem Dorf aufwachsen; und die, die ihr ganzes Leben dort verbringen müssen. Sobald ich konnte, ging ich in die Stadt, weil ich dachte, nur dort finde ich die Welt." Doch bald schon tut sie schwer: "Auf einmal musste ich das, was mir immer warm und vertraut in der Hand lag, mit Zangen und Pinzetten anfassen - und das Papier wurde starr und spröde, die Worte darauf bockig und verstockt. Damit hatte ich nicht gerechnet."

Voller Heimweh und ungewollt schwanger kehrt sie in das abgelegene Dorf zurück, wird von ihrer Mutter, die früher die Bürgermeisterin und Lehrerin des Dorfes war, gut aufgenommen und beginnt in der Dorfkneipe von Georg, der ihr heimlich den Hof macht, zu jobben.
Sie hilft ihrer Mutter, das ehemalige Schulhaus für eine Gruppe von Flüchtlingen unterschiedlichen Alters herzurichten und engagiert sich auch beim Begrüßungsfest für die Flüchtlinge, das aber von den Einheimischen gestört wird. Sie schleudern Beuteln mit Hundekot auf die Tische und Xenias Bruder Josef, ein scharfer Nazi im Dienst des geheimnisvollen Burgherren, lässt Bananen regnen.
Xenia hat Mitleid mit den Flüchtlingen und nähert sich einem Jungen namens Ahmed an: "Einer der Jungs sah mich an, ich nahm seinen Blick und lenkte ihn weiter in Richtung Handyberg, unsichtbar über dem dunklen, stillen Wald. Fremder, der du hier eingehst, lass alle Hoffnung fahren, hätte ich auch sagen können. Er tat mir sofort leid, der Junge. Telefone, das sind die Luftwurzeln, die weit reichen, dorthin, woher sie gekommen sind, diese Leute."

„Kind ohne Namen“ ist nicht so sehr ein Flüchtlingsroman, denn ein Bild eines aussterbenden Dorfes, das sich radikalisiert und ein Porträt einer jungen selbstbewussten und kritischen Frau, die ihren Weg ins Erwachsensein sucht. Poschenrieder nimmt Anleihen bei der Novelle des Schweizer Pfarrers Jeremias Gotthelf „Die schwarze Spinne“ aus dem Jahr 1842, in der eingebettet in eine idyllisch angelegte Rahmenerzählung alte Sagen zu einer gleichnishaften Erzählung über christlich-humanistische Vorstellungen von Gut und Böse verarbeitet werden.

„Kind ohne Namen“ Poschenrieders fünfter Roman, ist ein unterhaltsames Buch, das den Leser ins Nachdenken bringen soll. Dennoch reicht es für mich nicht ganz an seine Vorgänger heran.




Veröffentlicht am 06.12.2017

Erinnerungsfragmente als Momentaufnahmen eines Lebens

Die Königin schweigt
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Laura Freudenthaler, Die Königin schweigt, Droschl 2017, ISBN 978-3-99059-001-0

In ihrem Debütroman „Traurige Freiheit“ hatte die Österreicherin Laura Freudenthaler im Jahre 2016 überzeugend und sehr ...

Laura Freudenthaler, Die Königin schweigt, Droschl 2017, ISBN 978-3-99059-001-0

In ihrem Debütroman „Traurige Freiheit“ hatte die Österreicherin Laura Freudenthaler im Jahre 2016 überzeugend und sehr einfühlsam das Scheitern, den Absturz und die Einsamkeit einer jungen Frau in ihrem Konflikt zwischen ihrer Beziehung und ihrer Arbeit beschrieben. Sie schilderte damals ihre Hauptfigur drastisch, gleichzeitig aber mit großer Sensibilität, viel sprachlichem Geschick ohne sentimental zu werden.

Dieses sprachliche Geschick hat sie auch bei ihrem zweiten Roman unter Beweis gestellt, der unter dem Titel „Die Königin schweigt“ 2017 ebenfalls bei dem kleinen ambitionierten österreichischen Droschl Verlag erschienen ist, und der soeben mit dem Bremer Literaturpreis 2018 ausgezeichnet wurde. Die Jury schreibt dazu:
„Mit dem Förderpreis des Bremer Literaturpreises wird Laura Freudenthaler für „Die Königin schweigt“ ausgezeichnet. Ein stiller, konzentrierter Roman, der eine alte Frau, die sich gegen das Erinnern und das Erzählen sperrt, auf ihr von Verlusten bestimmtes Leben zurückblicken lässt. Freudenthaler zeichnet das eindringliche Porträt einer Generation, die ein scheinbar unspektakuläres Dasein führte, in dem sich aber tatsächlich die große Geschichte verbirgt.“


„Die Königin, die schweigt“ ist Fanny. Eine Frau, die immer aufrecht bleibt, vieles für sich behält und dennoch viele Geschichten kennt. Aus ihrem langen und bewegten Leben erzählt Laura Freudenthaler, und sie tut es so, als hätte sie diese Frau gut gekannt. Sie erinnert sich an die tragischen und die schönen Ereignisse ihres Lebens, an das Leben mit Bruder und Eltern auf dem Bauernhof, an den Besuch der Wirtschaftsschule, wo sie das einzige Mädchen war.

Als der Bruder im Krieg fällt, ist dies das erste Lebensunglück, dem sich in den folgenden Jahrzehnten weitere anschließen werden. Nachdem Fanny nach dem Krieg den in der KPÖ aktiven Schulmeister geheiratet hat und ins Schulmeisterhaus gezogen ist, muss trotz ihrer tatkräftigen Unterstützung der elterliche Hof verkauft werden. Ihr Mann verunglückt tödlich und auch die Eltern sterben. Nachdem Fanny in der Großstadt gezogen ist, doch bald schon wieder in einer kleinen Stadt in der Nähe des Heimatsdorfes seßhaft wird, bleibt ihr nur ihr Sohn Toni, der, ihr im Wesentlichen fremd, schließlich erwachsen wird und sein eigenes Leben lebt.

Irgendwann wird Toni seinem Leben ein Ende setzen und seine Tochter Hanna zurücklassen. Doch auch mit ihr kann Fanny nicht wirklich Nähe aufbauen:
„Fanny schaute Hanna an. Noch so eine Vergangenheitsfahrerin. Wie die Enkeltochter, wie Toni auch. Alle wollen sie hingehen, wo irgendwann einmal etwas gewesen war, und begriffen nicht, dass eine Rückkehr unmöglich war.“

Erinnerungsfragmente als Momentaufnahmen eines Lebens, das Fanny zu einer unnahbaren und schweigsamen Frau gemacht hat: Laura Freudenthaler zeigt auch in ihrem zweiten Roman ein feinsinniges Gespür für Stimmungen und Emotionen.

Hier wurde ein literarisches Talent ausgezeichnet, von dem wir sicher in den nächsten Jahren noch mehr hören und lesen werden.


Veröffentlicht am 06.12.2017

Ein ehrliches, ein wahrhaft frommes Buch, das einlädt, sich mit der eigenen letzten Wegstecke auseinanderzusetzen

Als flögen wir davon
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Nikolaus Schneider (Hg.) Als flögen wir davon. Über die letzte Wegstrecke, Kreuz Verlag 2017, ISBN 978-3-946905-10-3

Nikolaus Schneider war bis 2014 Ratsvorsitzender der EKD. Er trat von diesem Amt zurück, ...

Nikolaus Schneider (Hg.) Als flögen wir davon. Über die letzte Wegstrecke, Kreuz Verlag 2017, ISBN 978-3-946905-10-3

Nikolaus Schneider war bis 2014 Ratsvorsitzender der EKD. Er trat von diesem Amt zurück, um sich ganz der Pflege seiner schwer an Krebs erkrankten Frau Anne zu widmen. Schon im Jahr 2005 war die gemeinsame Tochter Meike an Krebs gestorben. Seit dieser Zeit beschäftigt sich Nikolaus Schneider mit Fragen des Sterbens, der Sterbehilfe und der spirituellen Vorbereitung auf den eigenen Tod.

Obwohl sich durch eine viel längere Lebenserwartung der Tod für die meisten Menschen viele Jahre nach hinten verschoben hat, wird er nach wie vor von den meisten verdrängt. Dennoch kommt niemand wirklich daran vorbei, der Erkenntnis, den Zenit des eigenen Lebens überschritten zu haben, ins Auge zu blicken.
Wer auf ein langes Leben zurückblickt, wird seine/ ihre je eigenen Schlüsse ziehen: Würde ich es noch einmal so machen? Wie gestalte ich den Rest meines Lebens? Bereite ich mich auf den Tod vor oder verdränge ich die Tatsache meiner Sterblichkeit?

Nikolaus Schneider, der wie kaum ein anderer in den letzten Jahren auch ganz persönlich vom Sterben gesprochen und geschrieben hat, hat für das vorliegende Buch insgesamt 18 Weggefährten und Gesprächspartner eingeladen, auf jeweils 10-12 Seiten davon erzählen, wie und wie bewusst sie sich auf „die letzte Wegstrecke“ machen.

Dabei schreibt zum Beispiel der von mir sehr geschätzte Fulbert Steffensky: „Was wird nach meinem Tod sein? Ich weiß es nicht, und ich muss es nicht wissen. Aber wenn Gott lebt, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass unsere Tränen umsonst geweint wurden und dass die Opfer ungetröstet bleiben.“

Und Bärbel Wartenberg-Potter spricht wie ihre jüngst verstorbene Freundin Luise Schottroff vom “Sterbeglück“, eine Gedichtzeile von Dorothee Sölle zitierend: „Schmerzlos flöge ich in dich, mein immer dunklerer Himmel.“


Ein ehrliches, ein wahrhaft frommes Buch, das einlädt, sich mit der eigenen letzten Wegstecke auseinanderzusetzen.

Veröffentlicht am 05.12.2017

Ein Buch für junge Menschen, das zum echten Nachdenken und kritischen Bewusstsein einlädt.

Was kann einer schon tun?
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Peer Martin, Was kann einer schon tun, Oetinger 2017, ISBN 978-3-7891-0867-9

Peer Martin ist ein Schriftsteller, der für sein Romandebüt „Sommer unter schwarzen Flügeln“ 2016 den Jugendliteraturpreis ...

Peer Martin, Was kann einer schon tun, Oetinger 2017, ISBN 978-3-7891-0867-9

Peer Martin ist ein Schriftsteller, der für sein Romandebüt „Sommer unter schwarzen Flügeln“ 2016 den Jugendliteraturpreis erhalten hat. Mittlerweile lebt er mit seiner Frau, seinen drei Kindern und seinem Hund Lola in Quebec in Kanada, wo wohl auch das kleine hier vorliegende verstörende und verunsichernde Buch entstanden ist.

In etlichen fiktiven Gesprächen unter anderem mit seinem Hund Lola geht er mit seinen Gesprächspartner der ihn quälenden Frage nach, was, angesichts der vielen ungelösten Probleme in der Welt ein Einzelner schon tun kann.

Man hat schon an einzelnen Stellen das Gefühl, dass das alles schon arg konstruiert daherkommt und mit viel Moral gesättigt. Dennoch: man mag vielleicht über die Verzweiflung, die Martin quält lächeln, doch man nimmt ihm ab, dass ihn diese Fragen wirklich umtreiben, Fragen, die ich jedenfalls sehr oft denke, aber dann verdränge und nicht weiter verfolge, weil sie mir schlechte Laune machen.

Ein Buch für junge Menschen, das zum echten Nachdenken und kritischen Bewusstsein einlädt.