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WinfriedStanzick

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.10.2017

„Machen wir den Familientisch wieder zu einem zentralen Bestandteil unseres Familienlebens. Nicht jeden Tag wird das Familienglück mit am Tisch sitzen, aber ich glaube fest daran: Gemeinsam essen macht Familie stark.“

Essen kommen
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Jesper Juul, Essen kommen. Familientisch-Familienglück, Beltz 2017, ISBN 978-3-40786478-9

Der mittlerweile nach schwerer Krankheit seit längerer Zeit schon an den Rollstuhl gefesselte Jesper Juul hat ...

Jesper Juul, Essen kommen. Familientisch-Familienglück, Beltz 2017, ISBN 978-3-40786478-9

Der mittlerweile nach schwerer Krankheit seit längerer Zeit schon an den Rollstuhl gefesselte Jesper Juul hat ein neues Buch geschrieben über ein meiner Meinung nach zentrales Thema gelungenen Familienlebens und gelungener Erziehung von Kindern.

Es geht um die Wiederbelebung des Familientisches als Zentrum des Familienglücks. Gemeinsames Essen schon beim unter der Woche sicher kurz bleibenden Frühstück, ein längeres, vielleicht zusammen selbst gekochtes und zubereitetes Essen am Tag nach getaner Arbeit bzw. Schule identifiziert Juul als wichtiges Ritual nicht nur für die gemeinsame Nahrungsaufnahme, sondern auch als Forum für Gespräche, Austausch und Gemeinschaftspflege.

In vier Schritten, die er jeweils mit leckeren und leicht zuzubereitenden Rezepten abschließt, schreibt er einladend und werbend über die „Eltern als Gastgeber“, über das gemeinsame Essen als „Salz in der Suppe guter Beziehungen“, über „Tischmanieren“ und über „Konflikte rund um den Esstisch“.

In einem Nachwort ermutigt er alle seine Leser zu einer Art Neuanfang: „Machen wir den Familientisch wieder zu einem zentralen Bestandteil unseres Familienlebens. Nicht jeden Tag wird das Familienglück mit am Tisch sitzen, aber ich glaube fest daran: Gemeinsam essen macht Familie stark.“

Der Rezensent kann das seit 14 Jahren als Familienvater nur bestätigen.




Veröffentlicht am 04.10.2017

Eine romantische Liebesgeschichte voller wunderbarer Reminiszenzen an die beiden Städte, die immer wieder mit der Liebe in Verbindung gebracht werden: Paris und Venedig.

Das Café der kleinen Wunder
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Nicolas Barreau, Das Cafe der kleinen Wunder (tb), Piper 2017, ISBN 978-3-492-31053-6

Der neue Roman von Nicolas Barreau (mir ist es gleich, ob das ein Pseudonym ist oder nicht) erzählt wieder einmal ...

Nicolas Barreau, Das Cafe der kleinen Wunder (tb), Piper 2017, ISBN 978-3-492-31053-6

Der neue Roman von Nicolas Barreau (mir ist es gleich, ob das ein Pseudonym ist oder nicht) erzählt wieder einmal von einer jungen Frau, die durch viele Widrigkeiten hindurch ihre Angst und Zurückhaltung überwindet und nicht nur zu sich selbst, sondern auch zu ihrer großen Liebe findet. Barreaus Romane sind für Leser großer „wertvoller“ Literatur sicher wenig geeignet. Aber wer sich, wie der Rezensent, zwischendurch gerne einmal von einem durchaus anspruchsvollen Liebesroman entführen und unterhalten lassen will, findet immer wieder großen Gefallen an ihnen.

Der neue Roman mit dem Titel „ Das Cafe der kleinen Wunder“ hat es mir schon von Anfang an angetan, weil Barreau seine Protagonistin, die Philosophiestudentin Nelly, sich mit den Theorien des Franzosen Paul Virilio beschäftigen lässt und sie dem Leser auch auf eine verständliche Weise nahe bringt.
In ihren Professor, ein Virilio-Spezialist, ist sie schon lange heimlich verliebt. Als sie ihre Masterarbeit über Virilio, seine Wissenschaft von der Dromologie und seine Theorie vom Rasenden Stillstand abgibt, will sie ihm seine Liebe gestehen. Doch noch bevor sie einen langen Brief übergibt, erzählt der ihr, dass er ihr die versprochene Stelle nicht geben könne, das er sich in eine italienische Kollegin verliebt habe und nach Italien gehe.

Nelly ist am Boden zerstört, kauft sich spontan die begehrte rote Handtasche, an der sie schon tausend Mal vorbeigelaufen ist und flieht in ihre Wohnung. Dort findet sie eine Kiste mit zahlreichen Büchern ihrer verstorbenen Großmutter. In einem der Bücher und auf einem Granatring, den ihr die Großmutter überlassen hat, findet sie eine Gravur, die sie berührt: Amor vincit omnia. Überzeugt davon, dass ihre Flugangst Schuld daran ist, das ihr Professor mit eben dieser italienischen Wissenschaftlerin nach New York geflogen ist, statt mit ihr, die zunächst eingeladen war, hebt sie ihr Erspartes ab, mietet sich über das Internet eine Wohnung in Venedig und begibt sich auf sie Suche nach den Spuren dieser Widmung.
Dort trifft sie durch Zufall den Italiener Valentino, der ihr mehrfach aus der Patsche hilft und sich sofort in Nelly verliebt. Doch die zögert und halt ihn für einen Gigolo.

Dennoch kommen sie sich näher, erst recht, als Nelly im Cafe von Valentinos Vater sich den Spuren ihrer Großmutter nähert und deren Liebesgeschichte.

Als sich Valentino fast zwei Wochen für Nelly ziemlich rar macht, um mit Hilfe von Freunden an einer Riesenüberraschung zu arbeiten, mit der er ihr seine Liebe gestehen will, glaubt Nelly schon das auch bei ihr keimende zarte Pflänzchen verloren. Doch dann muss sie sich ihrer größten Angst stellen…

Mit vielen Wendungen, die immer wieder neue Geheimnisse hervorbringen, die dem Leser erst allmählich deutlich werden, erzählt Barreau eine romantische Liebesgeschichte voller wunderbarer Reminiszenzen an die beiden Städte, die immer wieder mit der Liebe in Verbindung gebracht werden: Paris und Venedig.





Veröffentlicht am 04.10.2017

Eine wunderbare Geschichte über das Glück, Freunde zu haben.

Ein Haufen Freunde: Ein Haufen Freunde – ganz schön stark!
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Kerstin Schoene, Ein Haufen Freunde ganz schön stark, Thienemann 2017, ISBN 978-3-522-45859-7

Mit „Ein Haufen Freunde“, einer Geschichte über einen Pinguin im Zoo, der traurig darüber ist, das er nicht ...

Kerstin Schoene, Ein Haufen Freunde ganz schön stark, Thienemann 2017, ISBN 978-3-522-45859-7

Mit „Ein Haufen Freunde“, einer Geschichte über einen Pinguin im Zoo, der traurig darüber ist, das er nicht fliegen kann und mit Hilfe einer genialen, von seinen Freunden, den anderen Zootieren, gebildeten vertikalen Kette schlussendlich die Erfahrung des Fliegens machen kann, hatte Kerstin Schoene 2012 großen Erfolg.

Klar, dass sie diesem erfolgreichen und von vielen Kindern geliebten Buch schon bald einen Nachfolger hinterherschickte. Wieder spielt es im Zoo und im Mittelpunkt steht dieses Mal eine kleine Schildkröte. Sie ist auch traurig, denn so sehr sie sich auch anstrengt, immer ist sie viel zu langsam. Ein schönes Bilderbuch war das über das Zeithaben und dass man sich für eine Freundschaft Zeit nehmen muss.

Das nunmehr dritte Bilderbuch aus dieser schönen Reihe spielt wiederum im Zoo. Die Tiere entdecken ein Lebewesen, das in einem großen Schlammloch steckt und nicht mehr weiß, wie es da herauskommen soll. Die Tiere, kleine und große, strengen sich an und versuchen in einer immer länger werdenden Reihe das Wesen aus dem Schlamm zu ziehen. Auch die Kinder, die das Buch in den Händen halten müssen mithelfen bis sich aus dem schmutzigen, undefinierbaren Wesen ein kleines Nilpferd herausschält.

Eine wunderbare Geschichte über das Glück, Freunde zu haben.





Veröffentlicht am 04.10.2017

Eine wunderbar verrückte und liebenswerte Geschichte über Familienzuwachs, Wünsche und Sehnsüchte.

Mein Bruder aus dem Gurkenglas
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Emilie Chazerand, Aurelie Guillerey, Mein Bruder aus dem Gurkenglas, Knesebeck 20187, ISBN 978-3-86873-938-1

Er heißt Hieronymus, der Erzähler des vorliegenden Bilderbuches aus Frankreich. Er ist ein ...

Emilie Chazerand, Aurelie Guillerey, Mein Bruder aus dem Gurkenglas, Knesebeck 20187, ISBN 978-3-86873-938-1

Er heißt Hieronymus, der Erzähler des vorliegenden Bilderbuches aus Frankreich. Er ist ein Einzelkind. Darunter und unter seinem hässlichen Vornamen leidet er. Natürlich hat das Einzelkinddasein seine Vorteile, unbestritten. Seine Eltern schenken ihm ihre volle Aufmerksamkeit und er muss nie etwas teilen. Dennoch schaut er neidisch auf die Familien seines Freundes Balduin. Der hat sechs Schwestern, über die er sich zwar ständig beklagt, aber mit denen er auch viel Spaß hat.

Sein Freund, Herr Colori, der Gemischtwarenhändler hat ein offenes Ohr für seine Sorgen und verkauft ihm für 1,28 Euro einen Bruder aus dem Gurkenglas. Hieronymus fühlt sich veräppelt, glaubt die Sache nicht, nimmt das Glas aber dennoch mit, zu verlieren hat er ja nichts, schüttet es wie angewiesen in die Badewanne und tatsächlich kommt ein Bruder herausherauskommt namens Archibald. Die Mutter benimmt sich, als wäre der Bruder schon immer da gewesen, liebt ihn und kümmert sich ebenso um ihn wie um Hieronymus.

Auch in der Schule ist Archibald bald sehr beliebt. All das gefällt Hieronymus überhaupt nicht. Wie er das Problem wohl löst?

Eine wunderbar verrückte und liebenswerte Geschichte über Familienzuwachs, Wünsche und Sehnsüchte.


Veröffentlicht am 02.10.2017

Eine bemerkenswerte und preisverdächtige Umsetzung eines auch Kinder bewegenden Themas.

Flucht
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Niki Glattauer, Verena Hochleitner, Flucht, Tyrolia 2017, ISBN 978-3-7022-3560-4

Es ist eine Katze namens E.T., die Niki Glattauer in dem von Verena Hochleitner eindrucksvoll illustrierten Bilderbuch ...

Niki Glattauer, Verena Hochleitner, Flucht, Tyrolia 2017, ISBN 978-3-7022-3560-4

Es ist eine Katze namens E.T., die Niki Glattauer in dem von Verena Hochleitner eindrucksvoll illustrierten Bilderbuch die Geschichte der Flucht einer Familie erzählen lässt. Sie darf nämlich mit auf die lange Reise, weil Katzen sieben Leben haben.

Es geht in diesem durchaus für Kindergartenkinder geeigneten Buch um die Frage, warum Eltern gemeinsam mit ihren Kindern ihre angestammte Heimat verlassen. Warum sie sich auf eine gefährliche Reise über das Meer begeben und all ihre Hoffnungen auf eine Zukunft in einem neuen Land richten.

Dass eine Katze erzählt aus ihrem Blickwinkel, ist der eine Kunstgriff. Der andere ist, dass Niki Glattauer die Flucht nicht von Süd nach Nord schildert, sondern umgekehrt. Im reichen Norden gibt es keinen Strom mehr, kein Wasser, kein Internet, keine Schule. Damit spricht er kleine Kinde ran, sodass sie verstehen was es bedeutet, seine Heimat zu verlassen.

Dem Text und den Bildern ist es gelungenen, Kindern keine Angst zu machen. Verlust, Angst, Spannung, Verlorenheit und Verletzlichkeit stehen gleichberechtigt neben Hoffnung, Erleichterung und Zuversicht.

Eine bemerkenswerte und preisverdächtige Umsetzung eines auch Kinder bewegenden Themas.