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WinfriedStanzick

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.09.2017

Für eingefleischte Bundesligafreunde ein schönes Geschenk.

55 Jahre Bundesliga - das Jubiläumsalbum
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Ben Redelings, 55 Jahre Bundesliga. Das Jubiläumsalbum. Unvergessliche Bilder, Fakten, Anekdoten, Verlag Die Werkstatt 2017, ISBN 978-3-7307-0326-7

55 Jahre Bundesliga aus der Sicht eines der bekanntesten ...

Ben Redelings, 55 Jahre Bundesliga. Das Jubiläumsalbum. Unvergessliche Bilder, Fakten, Anekdoten, Verlag Die Werkstatt 2017, ISBN 978-3-7307-0326-7

55 Jahre Bundesliga aus der Sicht eines der bekanntesten und erfolgreichsten Fußballkomiker Deutschlands versprechen einen etwas anderen Blick auf das Massenphänomen Bundesliga. Denn chronologisch nach den Spielzeiten von 1963/64 bis 2016/2017 geordnet, werden hier auf je zehn Seiten pro Saison nicht etwa Tabellen, Ergebnissen und Torschützenlisten veröffentlicht, sondern kuriose, lustige und witzige Ereignisse rund um Vereine, Spieler und Trainer zitiert.

Nach etwa 20 kurzen Geschichten sind auf der letzten Seite pro Saison noch einmal die „Zitate der Saison“ aufgeführt. Zum Teil wirklich zum Weglachen.

Für eingefleischte Bundesligafreunde ein schönes Geschenk.


Veröffentlicht am 31.08.2017

Ein politischer Thriller für Jugendliche und Erwachsene , wie er aktueller nicht sein könnte.

Endland
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Martin Schäuble, Endland, Hanser 2017, ISBN 978-3-446-25702-3

Das neue Buch des Schriftstellers Martin Schäuble ist eine hauptsächlich für Jugendliche geschriebene, aber auch für Erwachsene höchst interessante ...

Martin Schäuble, Endland, Hanser 2017, ISBN 978-3-446-25702-3

Das neue Buch des Schriftstellers Martin Schäuble ist eine hauptsächlich für Jugendliche geschriebene, aber auch für Erwachsene höchst interessante Dystopie, die einem beim Lesen jedoch wegen ihrer Realitätsnähe doch sehr unter die Haut geht.

Die Handlung spielt etwa zwei bis drei Jahre in der Zukunft. Eine der AfD sehr ähnliche Partei namens „Die nationale Alternative“ hat mit absoluter Mehrheit die Wahl gewonnen und die Regierung gebildet.
Die Wehrpflicht ist wieder eingeführt, Flüchtlinge heißen offiziell Invasoren, Deutschland ist aus der EU ausgetreten, hat sich politisch und wirtschaftlich isoliert. Die D-Mark ist wieder Zahlungsmittel, das Kopftuchverbot wird streng gehandhabt und es gibt neue, national gereinigte Lehrpläne an den Schulen. Genauso wie man es im Programm der AfD lesen kann. Obwohl es bei Houllebecqs „Die Unterwerfung“ die Islamisten sind, die in Frankreich an die Macht kommen, zeichnet Schäuble bis auf ein hoffnungsvolles Ende zunächst ein ähnlich düsteres Bild, in dem mit dem Fall Franco A. die Realität sogar, selbst zu des Autors eigener Überraschung, die Fiktion überholte.

Zu den handelnden Personen: Da ist Anton, der gerade seinen Wehrdienst absolviert, politisch stramm rechts eingestellt ist, auf der Linie der „Nationalen Alternative“. Durch seine Homosexualität und die Tatsache, dass sein Partner Noah ein Regierungskritiker ist, ist er erpressbar und kann einen Geheimauftrag, den er bekommt, nicht ablehnen. Eine radikale Splittergruppe der Regierungspartei schickt ihn als angeblichen Flüchtling in ein Flüchtlingslager, damit er dort einen Anschlag verüben soll. Die Begegnung mit den Flüchtlingen dort verändert ihn ganz allmählich, besonders die Begegnung mit der jungen äthiopischen Flüchtlingsfrau Fana, die vor dem Hunger und dem Elend in ihrer Heimat nach Deutschland geflohen ist und deren Weg von ihrem Leben in Äthiopien bis in das Lager Martin Schäuble sensibel und genau erzählt. Er lässt sie immer abwechselnd mit Anton und Noah zu Wort kommen und erzeugt damit eine ganz besondere Authentizität der drei Personen, ihrem Umgang mit den Verhältnissen und ihrer jeweiligen Veränderung.

Das Buch ist gründlich recherchiert. Man spürt, dass Schäuble sich nicht nur in Äthiopien gut auskennt, sondern auch die Politik der Rechten genau studiert hat. Er hat sein Buch jenen 71 Menschen gewidmet, die in Österreich in einem Lastwagen auf der Flucht erstickten. Sie tauchen in seinem Buch auf, überleben dort aber.

Ein politischer Thriller für Jugendliche und Erwachsene , wie er aktueller nicht sein könnte.











Veröffentlicht am 31.08.2017

„Der Sandmaler“ ist noch längst nicht das literarische Meisterstück, das Mankells spätere Werke auszeichnet. Es zeigt aber die Anfänge eines Schriftstellers, der wie kaum ein anderer sein literarisches unermüdliches Schaffen mit einem nicht weniger engagi

Der Sandmaler
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Henning Mankell, Der Sandmaler, Zsolnay 2017, ISBN 978-3-552-05854-5

Zwei Jahre nach dem Tod des großen schwedischen Schriftstellers Henning Mankell veröffentlicht sein Hausverlag Zsolnay in Wien sein ...

Henning Mankell, Der Sandmaler, Zsolnay 2017, ISBN 978-3-552-05854-5

Zwei Jahre nach dem Tod des großen schwedischen Schriftstellers Henning Mankell veröffentlicht sein Hausverlag Zsolnay in Wien sein allererstes in Schweden 1974 schon erschienenes Buch „Der Sandmaler“. In diesem Buch verarbeitet der junge Henning Mankell die Eindrücke, die er auf seiner ersten Afrikareise machte, die ihn 1971 nach Guinea-Bissau führte, das zu diesem Zeitpunkt noch eine portugiesische Kolonie war. Aus seinen Tagebuchaufzeichnungen entstand zwei Jahre später der Roman „Der Sandmaler“, in dem die Themen aller später folgenden Afrikaromane Mankells und sein späteres Engagement mit seinem Theaterprojekt in Maputo schon angelegt sind. Leider haben diese Bücher bei weitem nicht den großen Erfolg gehabt, wie seine Wallander-Romane, aber vielleicht werden sie länger gelesen werden als diese.

Konnte man in den beiden letzten Büchern von Henning Mankell „Treibsand“ und „Die schwedischen Gummistiefel“ den sich selbst todkrank wissenden Schriftsteller bei einer einzigartigen literarischen Bilanz seines Lebens und seiner Erfahrungen begleiten, kann der Leser von „Der Sandmaler“ Mankells erste zugegebenermaßen noch etwas unsicheren Schritte als Schriftsteller mitgehen. 23 Jahre war er damals alt und doch schon in der Lage, mittels seiner Hauptfiguren Wesentliches einzufangen von Afrika und dem Kolonialismus, das er dann später auf viel tieferem Niveau und mit immer erfahrener literarischer Kunst beschrieben hat.

Elisabeth und Stefan, die sich schon seit einiger Zeit kennen, treffen sich zufällig auf dem Flughafen, weil sie die gleiche Reise nach Westafrika gebucht haben. In einem Land, das ohne Namen bleibt, wollen sie zwei Wochen Urlaub machen und viel im Meer baden. Auch an Bord ist Sven, den Mankell als männlichen Gegenpart zu dem nur auf Genuss und Lustgewinn bedachten voller rassistischer Vorurteile steckenden Stefan zeichnet. Er hat eine ziemlich klare Analyse, kritisiert den Kolonialismus und den Kapitalismus, die die Menschen dort so arm halten.


Elisabeth, mit der sich Mankell stark identifiziert, bemüht sich, die Menschen, die sie dort trifft, die Bräuche und ihre Lebenseinstellungen wirklich kennenzulernen und zu achten. Sie trifft auf Ndou, einen kleinen Jungen, der ihr seine Dienste anbietet, und mit dem sie so etwas wie eine Freundschaft entwickelt. Auch seiner großen Schwester Yene kommt sie näher, und verachtet sie auch nicht, als sie mitbekommt, dass Sven mit diesem Mädchen, das sich ihm aus Not angeboten hat, sexuellen Verkehr hat.
Aus vielen kleinen Episoden zusammengesetzt, die die einzelnen Personen einzeln oder in wechselnden Konstellationen zusammen erleben, ergibt sich ein beeindruckend vielfältiges Panorama aus Eindrücken und Erfahrungen. Mankell will schon hier eine Botschaft senden, der er später sein halbes Leben widmen sollte, nämlich Menschen mit anderen kulturellen Wurzeln mit Achtung und Respekt aufgeschlossen zu begegnen.

Der "Sandmaler", der dem Buch seinen Titel gab, ist ein etwa Zwanzigjähriger junger Mann, auf dessen in den Sand gemaltes Porträt Elisabeth eines Tages trifft. Der junge Mann beobachtet sie, malt dann in Minutenschnelle ein Porträt Elisabeths und schreibt zwei Sätze in den Sand. „Die Zukunft ist ein sozialistisches Afrika“ und „Der Sozialismus rettet auch euch“.

Damals, so denke ich, war auch Henning Mankell noch dieser Meinung. Heute wissen wir, dass dieses Modell Afrika nicht das gebracht hat, was es braucht, und es scheint, als stünde der Kontinent noch immer am Anfang. Wenn Angela Merkel sagt, Afrika wird uns noch jahrzehntelang beschäftigen, dann ist das richtig und das nicht nur wegen der Millionen von Menschen, die aus mangelnder Perspektive diesen Kontinent in Richtung Europa verlassen wollen.

„Der Sandmaler“ ist noch längst nicht das literarische Meisterstück, das Mankells spätere Werke auszeichnet. Es zeigt aber die Anfänge eines Schriftstellers, der wie kaum ein anderer sein literarisches unermüdliches Schaffen mit einem nicht weniger engagierten politischen Engagement vor Ort verband.


Veröffentlicht am 31.08.2017

Witzig und überaus amüsant ist eine solche Lektüre und ihre treuen Fans wünschen sich von der agilen Ingrid Noll noch viele weitere Romane.

Halali
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Ingrid Noll, Halali, Diogenes 2017, ISBN 978-3-257-06996-9

Mit den Büchern von Ingrid Noll geht es mir seit Jahren so ähnlich wie mit den Brunetti - Romanen von Donna Leon, die wie Nolls Romane ebenfalls ...

Ingrid Noll, Halali, Diogenes 2017, ISBN 978-3-257-06996-9

Mit den Büchern von Ingrid Noll geht es mir seit Jahren so ähnlich wie mit den Brunetti - Romanen von Donna Leon, die wie Nolls Romane ebenfalls bei Diogenes in Zürich erscheinen. Weil ihre Vorgänger so überaus erfolgreich waren, neigen die Autorinnen dazu, auch im nächsten, von einer treuen und nicht kleiner werdenden Fangemeinde sehnlichst erwarteten Buch mit dem gleichen Strickmuster zu arbeiten.

Bei Ingrid Noll sind es vorzugsweise Frauen, die, mit viel schwarzem Humor beschrieben, auf die eine oder andere geniale Weise unliebsame Zeitgenossen entsorgen und sie sich vom Hals schaffen.

Im vorliegenden neuen Roman erzählt die über 80-jährige Holda ihrer mit ihr im gleichen Hochhaus wohnenden Enkelin Laura eine Geschichte aus den Gründungstagen der Bonner Republik. In der kurzen Rahmenhandlung, den Gesprächen mit ihrer hippen Enkelin, die eigentlich nur dazu dient, die Erzählung ab und zu unterbrechen zu können, zeigt sich die alte Erzählerin als auch der modernen Sprache mächtige Frau, die sich perfekt mit ihrer Enkelin versteht und es schafft, ihre Spannung und ihr Interesse an einer unglaubliche Geschichte wachzuhalten, der eine originelle Mischung aus Kriminalkomödie und Agentenroman gelingt.

Holda arbeitet zusammen mit Karin im Innenministerium der neuen Republik. Sie im Vorzimmer, Karin in der Dunkelkammer. Eines Tages stoßen sie in einem Versteck auf eine kryptische Botschaft. Schnell haben sie einen Vorgesetzten namens Jäger im Verdacht und furchtlos wird ihnen bald klar, dass dieser wohl in einen Spionagefall verwickelt ist. Furchtlos und bald selbst gegenspionagemäßig in Aktion tretend werden die beiden jungen Frauen aktiv. Nicht zu ihrem eigenen Nachteil wie sich bald herausstellen wird.

Wie in allen früheren Romanen bietet Ingrid Noll köstliche und leichte Unterhaltung mit Menschen, deren böse Seite ihrer Persönlichkeit sie vorzugsweise zum Ausdruck bringt und mit selbstbewussten Frauen, die meist ohne strafrechtliche Folgen sich Probleme vom Hals schaffen.

Witzig und überaus amüsant ist eine solche Lektüre und ihre treuen Fans wünschen sich von der agilen Ingrid Noll noch viele weitere Romane.

Veröffentlicht am 31.08.2017

Ein wichtiges, kluges, differenziertes und wohltuend unaufgeregtes Buch.

Trump verrückt die Welt
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Ansgar Graw, Trump verrückt die Welt. Wie der US-Präsident sein Land und die Geopolitik verändert, Herbig 2017, ISBN 978-3-7766-2807-4

Dieses aktuelle Buch des langjährigen USA Korrespondenten der WELT, ...

Ansgar Graw, Trump verrückt die Welt. Wie der US-Präsident sein Land und die Geopolitik verändert, Herbig 2017, ISBN 978-3-7766-2807-4

Dieses aktuelle Buch des langjährigen USA Korrespondenten der WELT, Ansgar Graw wurde in mit dem „Journalisten Award 2017“ ausgezeichnet und liefert viele neue erhellende Informationen und Eichsichten zum dem Phänomen Trump. Es wird sicher nicht das letzte bleiben, denn der Erklärungsbedarf von Trumps Wesen wird nicht nachlassen, im Gegenteil.

Für die ganze eine furchtbare Zumutung, ist sich Trump der Unterstützung seiner Wählerschaft nach wie vor sicher. Ansgar Graw schöpft aus acht Jahren Erfahrung in den USA, Reisen durch das ganze Land, wenn der Donald Trump vor aller aktuellen Empörung in einen politischen, gesellschaftlichen und erfreulicherweise auch historischen Kontext setzt. Bei der Wahl Trumps hat sich die USA in mehrere Bruchlinien gespalten, Brüche, die schon lange schwelten und nun sich verfestigen, sodass manche nach den Unruhen von Charlottesville schon von einem möglichen neuen Bürgerkrieg sprachen.
"Die Amerikaner sind so uneinig wie nie zuvor nach dem Sezessionskrieg im 19. und der Bürgerrechtsbewegung im 20. Jahrhundert. Ein Ausdruck dessen war, dass Trump zwar die electoral vote der Wahlleute klar für sich entschied, aber Clinton in der popular vote der Direktstimmen mit einem Vorsprung von fast 2,9 Millionen Stimmen deutlich vor ihm landete."
Ansgar Graw zeichnet in seinem Buch ein ausführliches Bild der familiären und politischen Biographie Trumps - inklusive seiner zahlreichen politischen Kehrtwenden, zweifelhaften geschäftlichen Usancen und unzweifelhaften charakterlichen Schwächen. All das, was die Welt seit seinem Wahlkampf empört – es ist nicht neu. Trump bleibt sich treu. Er ist Teil und Ausdruck eines historischen Stranges der amerikanischen politischen Kultur, des politischen Populismus.

Graw ist der Überzeugung, dass auch in einer Zeit nach Trump (mit oder ohne Amtsenthebungsverfahren) diese Brüche und Kontinuitäten bleiben werden. Dabei bleibe Europa auf die USA angewiesen, sagt er und kritisiert kürzliche Äußerungen Angela Merkels, Europa könne sich nicht mehr auf die USA verlassen:
"Insbesondere für Deutschland wäre eine neue Mittellage zwischen Amerika und Russland fatal, weil sie Misstrauen bei allen Nachbarn, den Polen und Franzosen allen voran, wecken würde. Darum sollte Berlin seine Rüstungsanstrengungen erheblich stärken, aber zugleich intensiv daran arbeiten, dass die deutsch-amerikanischen Beziehungen nicht verwechselt werden mit der Präsidentschaft des Donald Trump. Außenpolitik ist an Interessen orientiert, nicht an einzelnen Akteuren. Europa muss die USA davon überzeugen, dass die gemeinsamen Interessen überwiegen."

Ein wichtiges, kluges, differenziertes und wohltuend unaufgeregtes Buch.