Gelungener Reihenauftakt
Mörderische Brise - Der Tote am SandstrandDas Bestsellerautorenduo Nina Ohlandt und Jan F. Wielpütz bringt mit „Mörderische Brise“ eine neue Ostseekrimireihe in die Buchhandlungen. Konzept und Figurenensemble stammen noch aus der Feder der 2020 ...
Das Bestsellerautorenduo Nina Ohlandt und Jan F. Wielpütz bringt mit „Mörderische Brise“ eine neue Ostseekrimireihe in die Buchhandlungen. Konzept und Figurenensemble stammen noch aus der Feder der 2020 verstorbenen Nina Ohlandt. Jan F. Wielpütz lässt die Figuren im Auftaktsband „Der Tote am Sandstrand“ lebendig werden.
Kommissarin Hannah Bülow kehrt nach 30 Jahren zurück in ihre Heimat Ostersande um sich dort um ihren Vater zu kümmern und die stellvertretende Leitung der Polizeidienststelle zu übernehmen. Dass gleich darauf ein Todesfall die Erinnerungen an den tragischen Unfall in den sie und ihre Freunde vor 30 Jahren verwickelt waren wachruft, damit hätte sie jedoch nicht gerechnet.
Der Krimi lässt sich wunderbar flüssig lesen und die vielen offenen Fragen sorgen zwar nicht unbedingt für große Dramatik, aber eben doch für durchgängige Spannung und dafür, dass ich das Buch nur schwer aus der Hand legen konnte. Die (Ostsee-)Kulisse wird an vielen Stellen bildhaft beschrieben ohne sich dabei vor die Handlung zu drängen. Über die Tatsache, dass die Polizeiarbeit nicht allzu authentisch dargestellt wird, kann ich problemlos hinwegsehen. Wozu gibt es schließlich künstlerische Freiheit. Ein kleines Manko sind dann aber doch einige ziemlich abstruse Logikfehler. Es wäre also schön, wenn das Lektorat im nächsten Band sorgfältiger arbeitet. Trotzdem können Handlung, Spannung,Erzählstil und vor allem die Figuren bei mir absolut punkten.
Im Mittelpunkt steht Hannah Bülow, Kommissarin und verwitwete Mutter zwei erwachsener Töchter. Sie denkt praktisch und logisch, verlässt sich gelegentlich aber auch auf ihr Bauchgefühl. Mit ihrer ziemlich direkten Art eckt sie teilweise ziemlich an. Diplomatie ist also nicht ihre größte Stärke. Da sie sich um ihren Vater kümmern möchte, der offenbar zunehmend verwahrlost, kommt das Angebot ihre Jugendfreundin Constanze in ihrer Dienststelle zu unterstützen gerade recht. Allerdings kommen bei ihrer Rückkehr auch die traumatischen Erinnerung an den tragischen Unfall vor 30 Jahren wieder hervor, zumal sie es unverhofft mit allen Beteiligten zu tun bekommt. Obendrein entwickelt Hannah ausgerechnet für einen der Hauptverdächtigen in einem Todesfall romantische Gefühle. Zum weiteren Ermittlungsteam gehören die zerstrittenen Polizeibeamten Diekfoß und Hansen, sowie Hannahs Vorgesetzte und Freundin Constanze, die mal souverän, oft aber nervlich ziemlich angespannt wirkt. Hinzu kommen die beiden Kripobeamten: Grewe hat während der Ermittlungen eigentlich gar keinen Kopf für seinen Job, denn eine familiäre Ausnahmesituation fordert in bereits auf ganzer Linie. Er möchte den Fall möglichst schnell zu den Akten legen, entwickelt auf Hannahs Drängen dann aber doch größere Einsatzbereitschaft. Die unerfahrene Kollegin Mara Steyn will manchmal noch mit dem Kopf durch die Wand, ist aber begierig ihre Fälle zu lösen. Der Psychiater Henry Fleming steht unter Verdacht seinen beruflichen Konkurrenten getötet zu haben. Seine oft ziemlich verwirrte Art und seinen scheinbar fehlenden Ehrgeiz nehmen die Polizisten ihm nicht ab. Trotzdem kann Hannah ihren Gefühlen Fleming gegenüber keinen Einhalt gebieten. Ganz besonderen Gefallen habe ich an Hannahs gefräßigem Hund Tobby und ihrem liebenswert-grummeligen und ziemlich chaotischen Vater Georg gefunden. Der Unfall vor 30 Jahren hat auch Georg schwer zu schaffen gemacht und einen Keil in das Vater-Tochter-Verhältnis getrieben. Nach dem Tod seiner Frau kann Georg seinem Chaos freien Lauf lassen. Ihm fehlen definitv eine Tagesstruktur und eine neue Aufgabe bzw. ein erfüllender Lebensinhalt.
Mein Fazit: Ein toller Reihenauftakt mit einer spannenden Handlung und interessanten Persönlichkeiten, der Lust auf den zweiten Teil von „Mörderische Brise“ macht.