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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.02.2023

Transgenerationales Trauma

Männer sterben bei uns nicht
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Im Buch geht es um Luise, die die Erbin des Anwesens ihrer Familie ist. Ihre Großmutter hat sie als diese auserkoren und ihr beigebracht, was es bedeutet, eine mächtige Frau zu sein. Nach dem Tod ihrer ...

Im Buch geht es um Luise, die die Erbin des Anwesens ihrer Familie ist. Ihre Großmutter hat sie als diese auserkoren und ihr beigebracht, was es bedeutet, eine mächtige Frau zu sein. Nach dem Tod ihrer Großmutter fühlt Luise sich jedoch losgelöst und unsicher, weil der überwältigende Einfluss jener Frau fehlt. Und nun begleiten wir sie bei der Beerdigung und einer Reise in ihre Vergangenheit, um zu erforschen, wie es passiert ist, dass alle Frauen der Familie ihr eigenes Päckchen an Elend zu tragen haben.

Das Buch ist vollgepackt mit schwierigen Familienverhältnissen. Vor allem die Gegenwart zeichnet sich dadurch aus, dass wir die Folgen der Vergangenheit sehen, welche Luise als Erwachsene nun nicht mehr so romantisiert. Man merkt den weitreichenden und fragwürdigen Einfluss, den ihre Großmutter auf die Frauen hat. Generell wird generationsübergreifendes Trauma behandelt und wie Sexismus von Frauen weitergegeben wird. Die verschiedenen Zeitachsen dabei zu sehen, fand ich wirklich spannend.
Das Buch hatte meiner Meinung nach das Problem, dass es wichtige und interessante Themen behandelt hat und man die Tiefe sehen konnte, und dann wurde aber doch bloß von der Oberfläche abgeschöpft. So wurde zum Beispiel angedeutet, dass die Familie während der Nazizeit keine weiße Weste gehabt haben konnte, da sie auch währenddessen ihren Reichtum behalten konnte, aber dann wurde es nicht weiter aufgegriffen
Insgesamt hat mir das Buch jedoch gefallen und ich muss sagen, dass es einige Sätze gab, die mich in ihrer Formulierung fast umgehauen haben und die ich noch ein zweites Mal lesen musste.

Mir hat das Buch gut gefallen, aber ich hätte mir tatsächlich noch etwas mehr Tiefe gewünscht.

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Veröffentlicht am 21.02.2023

Furchtbar hässlich und zugleich wunderschön

Young Mungo
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Glasgow der Neunziger ist ein hartes Pflaster. Protestanten und Katholiken leisten einander brutale Straßenschlachten. Das Leben ist von Armut und Alkohol geprägt. Und mittendrin lebt Mungo. Als Bruder ...

Glasgow der Neunziger ist ein hartes Pflaster. Protestanten und Katholiken leisten einander brutale Straßenschlachten. Das Leben ist von Armut und Alkohol geprägt. Und mittendrin lebt Mungo. Als Bruder von einem der berühmt berüchtigten Bandenanführer wird eigentlich von ihm erwartet, dass er sich auch beteiligt und ordentlich austeilt. Aber Mungo ist zu sanft für seine Umgebung. Er möchte nicht die Schlachten seines Bruders kämpfen.
Irgendwann begegnet er James. Beide verlieben sich ineinander, was in dieser Gegend zu dieser Zeit höchst gefährlich ist.

Das Buch ist etwas Besonderes in meinen Augen. Es ist wirklich Wahnsinn, wie das Buch es handhabt, zwischen Schrecken und absoluter Schönheit zu springen. Es ist an einigen Stellen übelerregend brutal, während es an anderen Stellen mit solcher Sanftheit und Schönheit aufwartet, dass man ganz bezaubert ist. Dabei hilft der Schreibstil meiner Meinung sehr. Die Art, wie Douglas Stuart Charaktere beschreibt, muss eine meiner neuen Lieblingssachen sein. Die Charaktere werden teilweise so zart und poetisch beschrieben, dass ich mich in diese Art des Beschreibens verliebt habe.
Die Brutalität dieser Zeit, dieser Gegend wurde wahnsinnig gut gegen unseren Protagonist aufgewogen, dessen Art zu denken so nachfühlbar und weich war, dass man am liebsten weinen möchte.
Das Buch behandelt Homofeindlichkeit und toxische Maskulinität. Es zeigt auf, wie dumm und furchtbar es ist, zu erwarten, dass Jungen diesen Standard, wie ein Mann zu sein hat, gerecht werden müssen.
Die überaus komplizierten Familienverhältnisse zu verfolgen, war auch herzzerreißend. Die Liebe zwischen den Familienmitgliedern, die doch wieder an Konditionen gebunden ist, und unter den ärmlichen Umständen keine gute Chance hat zu gedeihen.

Dieses Buch hat mich sehr berührt und ich kann es nur wärmstens weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 13.02.2023

Wunderschönes Fantasyerlebnis

Skyborn – Die Goldflügel-Prüfung
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Ellidee Meadows will zu den Goldflügeln gehören, einer Gruppe von Rittern, welche dafür verantwortlich sind, Gargoyls abzuwehren. Dafür hat sie Tag und Nacht trainiert und fliegen geübt, damit sie trotz ...

Ellidee Meadows will zu den Goldflügeln gehören, einer Gruppe von Rittern, welche dafür verantwortlich sind, Gargoyls abzuwehren. Dafür hat sie Tag und Nacht trainiert und fliegen geübt, damit sie trotz der Tatsache, dass sie ein Spatz ist, mit den anderen mithalten kann. Leider läuft am Tag der Vorauswahl alles schief, als sie über den verletzten Nox stolpert. Um doch noch ein Goldflügel werden zu können, macht sie sich mit ihm zusammen auf den Weg, um am großen Rennen in Thelantis teilzunehmen. Leider hat Nox ihr nicht die ganze Wahrheit erzählt, wie er zu seiner Verletzung gekommen ist.

Die Beschreibungen der Gegend, in der die Geschichte spielt, sind wirklich schön. Man kann sich richtig gut in dieses zauberhafte Land hineinversetzen, in dem Menschen Flügel haben und in Vogelarten eingeteilt sind. Ich konnte die Welt gut vor mir sehen und es war wirklich toll, sich diese Welt vorzustellen, in der Gebäude konstruiert sind, in der Annahme man kann fliegen.
Elli ist ganz fabelhaft. Ich habe sie wirklich sehr ins Herz geschlossen. Sie ist einfach so gutmütig und ehrgeizig und lässt es sich von niemandem nehmen, ihren Traum zu verfolgen und anderen zu helfen, sodass ich sie einfach gern haben musste. Auch Nox und seine zwei Freunde, Twig und Gussie, sind wirklich toll. Sie wollen alle etwas anderes, als ihnen die Gesellschaft zugedacht hat. Aber sie lassen sich nicht in diese Boxen stecken.
Das ist auch das, was die Geschichte beschreibt. Es geht um unfaire Behandlung, Vorurteile und Klassismus. Und da ist es wirklich wunderschön und erfrischend, Elli gegen ankämpfen zu sehen. Als Leser ärgert man sich wahnsinnig darüber, wenn Elli schon wieder unterschätzt wird, aber zum anderen fiebert man auch bei jedem Höhenflug mit.

Mich konnte das Buch verzaubern und ich kann es guten Gewissens empfehlen.

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Veröffentlicht am 06.02.2023

Interessante und gefühlvolle Geschichte

Unsere Herzen auf Repeat
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Im Buch geht es um die queere Popband “Moonlight Overthrow”. Diese war super erfolgreich, bis sie sich recht spontan getrennt haben. Heute reden die Bandmitglieder nicht mehr miteinander. Zumindest nicht ...

Im Buch geht es um die queere Popband “Moonlight Overthrow”. Diese war super erfolgreich, bis sie sich recht spontan getrennt haben. Heute reden die Bandmitglieder nicht mehr miteinander. Zumindest nicht bis ihre ursprüngliche Heimatstadt, in der sie damals gemeinsam lebten, Opfer eines Unglücks wird. Und so finden sich alle vier Mitglieder wieder zusammen, um ein Benefizkonzert zu geben. Dabei müssen einige Mitglieder über gebrochene Herzen und andere Dramen hinwegkommen, um endlich wieder zusammen auf der Bühne zu stehen.

Abseits dessen, dass das Buch einfach wunderschön queer war, fand ich das Thema an sich auch super spannend. Ich persönlich hatte jetzt noch kein Buch gelesen, welches das Thema einer jungen Popband aufgegriffen hat und wie sich das auf die Mitglieder auswirkt. Vor allem wenn man bedenkt, dass sie queer sind. Das war auch unfassbar nahbar und interessant geschrieben, sodass ich das Thema wirklich als gut gelungen empfunden habe.
Dann ist es irgendwie auch einfach total toll zu sehen, wie sich diese Freundesgruppe wieder zusammenfindet. Man merkt echt, dass sie einander wichtig sind und dass sie eventuelle Fehler bereuen und einander vermissen. Auch ihre Leidenschaft für die Musik miterleben zu können, war einfach sehr cool.

Das Buch ist meiner Meinung nach sehr feelgood und ich mochte es wirklich gerne und kann es jedem empfehlen, der auf der Suche nach interessanter, queerer Literatur ist.

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Veröffentlicht am 06.02.2023

Schön aber nicht herausragend

A Night of Promises and Blood
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Winnie misstraut ihrer neuen Nachbarin. Jo ist vor Kurzem eingezogen und irgendwas an ihr macht Winnie Angst, sorgt aber auch dafür, dass sie wahnsinnig fasziniert von ihr ist. Und es ist tatsächlich so, ...

Winnie misstraut ihrer neuen Nachbarin. Jo ist vor Kurzem eingezogen und irgendwas an ihr macht Winnie Angst, sorgt aber auch dafür, dass sie wahnsinnig fasziniert von ihr ist. Und es ist tatsächlich so, dass Jo einige dunkle Geheimnisse bewahrt.

Der Schreibstil des Buches ist sehr geschmeidig. Ich bin quasi durch die Seiten geflogen und konnte mich gut festlesen.
Ich mochte die Charaktere sehr gerne. Mir hat vor allem die Beziehung zwischen Sasha und Winnie gefallen. Die beiden Schwestern sind einander so wichtig und man kann das echt wahnsinnig nachempfinden.
Außerdem natürlich die Beziehung zwischen Winnie und Jo. Ich persönlich fand sie sehr gelungen. Es war einfach toll zu sehen, wie sich diese furchtsame Obsession zu Faszination wandelt. Die beiden haben echt süße Momente, welche mich total begeistern konnten.
Das Buch ist größtenteils nicht sehr aktiongepackt, was für mich persönlich kein Problem war. Ich fand den Übergang zu den spannungsreichen Szenen dann nur leider eher so mittelmäßig. Das wirkte teilweise etwas zu überstürzt und hat irgendwie nicht so gepasst.
Die Welt, die von Anne Pätzold aufgebaut wurde, fand ich faszinierend und ich freue mich schon darauf, sie im nächsten Teil noch mehr erkunden zu dürfen.

Mir hat das Buch gefallen und ich kann es empfehlen, wenn man Lust auf eine sapphische Romantasystory hat.

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