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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.09.2025

Highway to Hell

Katabasis
3

Alice ist Studentin der Analytischen Magie in Cambridge. Sie war auf dem besten Weg, ihren Abschluss beim besten Magieprofessor der Gegenwart zu machen. Leider stirbt genau dieser Professor bei einem grauenvollen ...

Alice ist Studentin der Analytischen Magie in Cambridge. Sie war auf dem besten Weg, ihren Abschluss beim besten Magieprofessor der Gegenwart zu machen. Leider stirbt genau dieser Professor bei einem grauenvollen Unfall, der während eines magischen Experiments passiert. Ein Experiment, bei dem Alice die Sicherheit kontrollieren sollte. Zum Glück weiß niemand von ihrer Mitschuld und so macht sie sich auf den Weg in die Hölle, um ihren Professor zu retten. Wäre da nur nicht Peter Murdoch, mit dem Alice eine Vergangenheit hat und der sich in die Rettungsaktion einklinkt.

Ich habe schon mehrere Bücher von R. F. Kuang gelesen. Sie hat einen kunstvollen und ausdrucksstarken Schreibstil. Daher war “Katabasis” auch eines der Bücher, worauf ich mich in diesem Jahr am meisten gefreut habe. Das Thema hat mich sehr angesprochen. Ein Trip in die Hölle aus akademischer Sicht mit vielen wissenschaftlichen und philosophischen Ansichten, das klang herrlich.
Das Buch selbst hat mich aber leider eher zwiegespalten zurückgelassen. Den Anfang fand ich herausragend. Das Magiesystem fand ich ebenso kreativ, einzigartig und faszinierend, wie das in “Babel”. Der Abstieg in die Hölle und die Rückblenden in Alice und Peters Vergangenheit sind gelungen und geben uns einen guten Einblick in ihre Ansichten, Persönlichkeiten, Beziehungen und Schwächen. Das Buch hat dabei einen klaren Fokus auf Elitismus und Sexismus in akademischen Zirkeln. Wir können sehen, was für toxische Verhältnisse in akademischen Kreisen herrschen, wo jeder den anderen ausnutzt und Menschen sich bis zur Erschöpfung abarbeiten nur um eine Mitautorenschaft oder ein Empfehlungsschreiben zu bekommen. Studierende und Lehrende werden für ihre körperlichen Bedürfnisse abgestraft und das Geistige wird über alle Maße erstrebt. Dieser Blick ist zynisch, wirkt aber leider auch gar nicht so unrealistisch. Auch den Sexismus der akademischen Welt können wir dank Alice hautnah erleben und es ist wirklich frustrierend.
Der Trip durch die Hölle hat sich teilweise ganz schön gezogen und gegen Ende haben sich einige Stellen vollkommen wirr und zusammenhangslos angefühlt. Das hat mir das Buch leider ganz schön versaut. So wurde aus einem guten Buch eine eher mittelmäßige Erfahrung.

Das Buch ist meiner Meinung nach nicht so gut geschrieben wie ihre anderen Bücher und auch wenn es nicht das schlechteste Buch ist, würde ich jedem, der etwas von R. F. Kuang lesen möchte, stattdessen “Babel” empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Fantasy
Veröffentlicht am 07.09.2025

Tolle Charaktere aber leider schlechte Mystery

Death at Morning House
0

Im Buch geht es um Marlowe Wexler, die während eines Dates mit ihrer Kollegin aus Versehen das Haus ihrer Bekannten abbrennt. Um dem Klatsch in ihrer Stadt zu entgehen, nimmt sie einen Sommerjob am Morning ...

Im Buch geht es um Marlowe Wexler, die während eines Dates mit ihrer Kollegin aus Versehen das Haus ihrer Bekannten abbrennt. Um dem Klatsch in ihrer Stadt zu entgehen, nimmt sie einen Sommerjob am Morning House an. Im Morning House hat die berüchtigte Ralston Familie gelebt. Der Vater war ein bekannter Eugeniker, der seine Kinder mit Blick auf Gesundheit und Reinheit der Gene erzogen hat. 1932 ereignete sich dort ein tragischer Unfall, bei dem zwei der Kinder starben. Auch in der Gegenwart häufen sich mysteriöse Todesfälle und Marlowe nimmt sich vor, diese aufzuklären.

Die Geschichte hat mir anfangs sehr gut gefallen. Marlowe hat eine lustige innere Stimme, die dafür sorgt, dass das Buch unterhaltsam war. Mir hat gefallen, wie natürlich queer die ganzen Charaktere waren. Es gibt einige queere Charaktere und keiner davon wird dafür diskriminiert oder seltsam angesehen, was erfrischend war.
Die Geschichte rund um das Morning House hat mir gut gefallen. Wir lernen den notorischen Eugeniker Phillip Ralston kennen und seine Kinder kennen. Die Kinder setzen sich mit den Ansichten des eigenen Vaters auseinander und wir sehen die Spannungen zwischen den Familienmitgliedern, was spannend war. Jedes Mal, wenn wir wieder von der Vergangenheit gelesen haben, war ich vom Buch gefesselt.
Leider kann ich das nicht für den Zeitstrang in der Gegenwart sagen. Die Charaktere sind zwar sympathisch, aber das Mysterium ist außergewöhnlich schlecht aufgebaut. Im ersten Teil des Buches gibt es in der Gegenwart gar kein Mysterium. Im zweiten Teil gibt es dann eines, das sehr unbefriedigend war. Es gibt kaum Hinweise, die wir sammeln, um uns das Mysterium langsam aber sicher anzueignen, stattdessen reimt sich Marlowe irgendwann alles zusammen und rät quasi. Das Mysterium aus der Vergangenheit wird einfach so aufgelöst und die Charaktere in der Gegenwart kriegen es gar nicht selbst raus, sondern es wird einfach irgendwann für sie aufgelöst.

Ich war bereit, dieses Buch für seinen Humor und seine ungezwungene Queerness zu lieben, aber leider war das Mysterium sehr schlecht geschrieben.

Veröffentlicht am 05.09.2025

Berührendes Buch mit interessanten Wendungen

Die Verlorene
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Im Buch geht es um Laura und ihre Familie. Ihre Großmutter Änne ist nach dem Zweiten Weltkrieg aus Schlesien geflohen. Über diese Zeit redet ihre Großmutter nicht gerne. Nach einem Sturz kommt sie ins ...

Im Buch geht es um Laura und ihre Familie. Ihre Großmutter Änne ist nach dem Zweiten Weltkrieg aus Schlesien geflohen. Über diese Zeit redet ihre Großmutter nicht gerne. Nach einem Sturz kommt sie ins Krankenhaus und es sieht aus, als ob weder Laura noch Ellen, Lauras Mutter, sie nach ihrer Vergangenheit fragen können. Kurzerhand entschließt sich Laura, auf den Gutshof zu fahren, auf dem Änne den ersten Teil ihres Lebens verbracht hat.

Das Buch wird in zwei Zeitsträngen erzählt. Wir sehen die Gegenwart, in der Laura und Ellen sich mit dem Mysterium ihrer Herkunft auseinandersetzen, und die Vergangenheit, wie Änne mit ihrer Familie auf dem Hof lebt und die Zeit erlebt, bis sie fliehen muss. Das Buch hat mich von seinem Aufbau an “Sehnsucht nach Licht” erinnert. Auch in diesem Buch haben wir eine berührende Familiengeschichte, die sich an den tragischen Ereignissen der Vergangenheit entlang hangelt.
Durch den Aufbau erhält man als lesende Person mehr Informationen als die Menschen in der Gegenwart, was der Suche nach der Wahrheit eine ganz besondere Perspektive gibt. Ich fand es beeindruckend, mit welcher Sensibilität die Autorin über die Schrecken der damaligen Zeit geschrieben hat. Es gab immer wieder hochinteressante Eröffnungen, die der Geschichte wieder und wieder eine ganz neue Dynamik verliehen haben, sodass das Buch konstant einen hervorragenden Spannungsbogen hatte.

Das Buch war für mich ein Überraschungshit und ich kann diese ergreifende und berührende Familiengeschichte nur empfehlen.

Veröffentlicht am 06.08.2025

Überaus enttäuschend

Junge Frau mit Katze
1

Im Buch setzt die Autorin sich autofiktional mit ihrem Kampf mit physischen und psychischen Beschwerden auseinander. Es ist der zweite autofiktionale Roman der Autorin, womit sie mit “Junge Frau mit Katze” ...

Im Buch setzt die Autorin sich autofiktional mit ihrem Kampf mit physischen und psychischen Beschwerden auseinander. Es ist der zweite autofiktionale Roman der Autorin, womit sie mit “Junge Frau mit Katze” den Faden nach “Lügen über meine Mutter” wieder aufnimmt.

“Lügen über meine Mutter” hat mir nach seiner Veröffentlichung unheimlich gut gefallen, weswegen ich mich sehr darüber gefreut habe, dass der neueste Roman der Autorin quasi die spirituelle Fortsetzung dessen werden soll. Ich habe wieder ein ausgezeichnetes Werk, wie den Vorgänger erwartet. Leider war das Buch gar nicht meins.
Das Thema fand ich interessant. Es geht darum, dass die Hauptcharakterin unter Krankheitssymptomen leidet, die von ÄrztInnen kleingeredet, ignoriert oder ihrer psychischen Krankheit zugeschrieben werden. Der Leidensweg und wie stark das auch die Beziehungen der Charaktere untereinander beeinflusst, wird hier festgehalten.
Die Suche nach dem Lösungsweg war aber leider so anstrengend geschrieben, dass ich gar keine Lust auf das Weiterlesen hatte. Irgendwann habe ich mich nur gefragt, warum ich von all diesen Dingen lese. Was ist der Sinn dahinter? Es war einfach nur seltsam.
Was mich auch gestört hat, war die Tatsache, dass es immer wieder Abschnitte im Buch gab, die exzessiv Gedankenstriche genutzt haben. Diese waren teilweise mitten in Sätzen ohne Sinn und Verstand gesetzt. Ich kann mir nicht erklären, was das stilistische Ziel dahinter war. Eine Googlesuche hat mir gesagt, dass exzessiver und unsachgemäßer Gebrauch von Gedankenstrichen auf die Verwendung von KI hindeutet. Vor allem die Tatsache, dass es immer wieder Textstellen gab, die das exzessiv genutzt haben und dann wieder welche, wo es gar nicht vorkam, hat mich stutzig gemacht. Ob es KI war oder nicht, es war ungeheuer störend.
Der einzige Grund dafür, dass das Buch zwei Sterne statt nur einen von mir bekommt, ist, dass das letzte Kapitel ganz wunderbar sacht war. Da habe ich gesehen, was das Buch hätte sein können.

Auch wenn das letzte Kapitel sehr schön war, fand ich den Rest leider so schlecht, dass ich das Buch absolut nicht empfehlen kann.

Veröffentlicht am 06.08.2025

Insekten in kleinsten Kosmen

Im Schatten von Giganten
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Im Buch geht es um Insekten und ihre vielen kleinen Lebensräume. Der Autorin ist wichtig, dass wir die Wertigkeit von Insekten anerkennen, die einen so wichtigen und großen Teil unseres Ökosystems stellen. ...

Im Buch geht es um Insekten und ihre vielen kleinen Lebensräume. Der Autorin ist wichtig, dass wir die Wertigkeit von Insekten anerkennen, die einen so wichtigen und großen Teil unseres Ökosystems stellen. Vor allem, weil sie nicht das beste Image haben im Vergleich zu anderen Tiergruppen.

Das Buch war nicht herausragend, aber es war interessant und es waren schöne, ausdrucksstarke Aufnahmen abgedruckt.
Es ist immer schön ein Buch zu lesen von einer Person, die leidenschaftlich bei ihrem Thema dabei ist. Die Autorin interessiert sich wirklich ausgiebig für Insekten und diese Einstellung kommt auch im Text rüber, was einfach super schön ist.
Das Buch war mir nicht spezialisiert genug, obwohl die Einteilung in die kleinen Biome cool war. Am besten hat mir “Das Leben in der Pfütze” und das letzte Kapitel, wo sie Mikrohabitate betrachtet, gefallen.
Ich würde mir wünschen, dass die Bilder dem Text besser zugeordnet sind. Die Bilder der Tiere, die im Text beschrieben wurden, waren teilweise nicht auf der gleichen Seite, sondern mehrere Seiten davor.
Generell ist es aber schön zu sehen, wenn sich Leute wie die Autorin für die Biodiversität einsetzen. Vor allem für die eher unbeliebten Teile unserer Tierwelt.

Das Buch ist toll, aber doch recht allgemein gehalten. Wer schon zwanzig Bildbände über Insekten hat, braucht diesen vermutlich nicht auch noch, für alle anderen ist es jedoch sehr empfehlenswert.