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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.03.2018

Nicht ganz rund

Schweigegelübde (Ein Emma-Vaughan-Krimi 2)
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Emma Vaughan, Inspector bei der Mordkommission im irischen Sligo, protestantisch und alleinerziehende Mutter eines 15-jährigen Jungen, plagen nicht nur die Sorgen um ihren Exmann, dem ein Prozess als ...


Emma Vaughan, Inspector bei der Mordkommission im irischen Sligo, protestantisch und alleinerziehende Mutter eines 15-jährigen Jungen, plagen nicht nur die Sorgen um ihren Exmann, dem ein Prozess als IRA-Terrorist droht. Zwar weint sie ihm keine Träne nach, da ihm auch ihr gegenüber öfter mal die Hand ausrutschte, aber immerhin ist er der Vater ihres einzigen Kindes. Ein weiteres Problem ist ihre Medikamentenabhängigkeit. Nach einem schweren Autounfall, den ihr Exmann verursacht hat, leidet sie immer noch unter massiven Schmerzen. Nun schickt ihr Chef sie zu einem Drogenscreening, da auch ihm ihr Tablettenkonsum nicht verborgen geblieben ist. Im Krankenhaus bittet der Chefarzt Emma, den auffällig vielen Todesfällen der letzten Wochen nachzugehen. Offenbar geht ein ,,Todesengel“ in der Klinik um.
Etwas irritierend ist, dass dieser Fall schon nach etwa zwei Dritteln des Buches gelöst ist und sich recht vorhersehbar entwickelt. Eigentlich viel interessanter ist ein alter, ungelöster Fall, der Emma Vaughan noch immer keine Ruhe lässt. Im ersten Band ,,Lügenmauer“ hat Emma eine Täterin bewusst entkommen lassen, da es sich um ein lebenslanges Missbrauchsopfer handelt. Diese ,,Frau mit dem roten Zopf“ verfolgt die Inspectorin nun immer noch bis in ihre Träume. Während im früheren Umfeld dieser Frau immer wieder Personen eines unnatürlichen Todes sterben, muss Emma Vaughan sich fragen, ob sie einer Serientäterin Tür und Tor geöffnet hat.
Der zweite Band um Emma Vaughan bietet solide Unterhaltung. Mit von der Partie ist wieder ihr Kollege, die ,,Nervensäge“ James, der sich aber mehr für die attraktive Rezeptionistin als für seine Kollegin Emma interessiert. Dafür lernt Emma in dem Anwalt ihres Mannes einen interessanten Mann kennen. Im Vergleich zum ersten Band fällt der zweite aber etwas ab. Die Spannung, die erfrischenden Dialoge, die interessanten Hintergrundgeschichten aus ,,Lügenmauer“ finden sich eher abgeschwächt in ,,Schweigegelübde“, die unausgewogene Mischung aus neuem und altem Fall ergeben für mich keine runde Geschichte. Schade, da Emma eine sympathische Ermittlerin in einer interessanten Region darstellt. Aber vielleicht darf sie das ja in einem dritten Band unter Beweis stellen.

Veröffentlicht am 09.03.2018

Auf der Suche nach Gerechtigkeit

Die Vergessenen
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München im Jahr 2013: Manolis Lefteris ist ein Mann für Aufträge der besonderen Art. Er soll geheimnisvolle Akten aufspüren, die sich im Besitz von Kathrin Mändler, einer sehr alten Dame, befinden. Diese ...


München im Jahr 2013: Manolis Lefteris ist ein Mann für Aufträge der besonderen Art. Er soll geheimnisvolle Akten aufspüren, die sich im Besitz von Kathrin Mändler, einer sehr alten Dame, befinden. Diese Akten können offenbar jemandem sehr gefährlich werden, sodass dieser Auftraggeber bereit ist, sehr gut dafür zu bezahlen, dass diese Akten nicht an die Öffentlichkeit geraten.

Im Jahr 1944 tritt die junge Kathrin Mändler eine Stelle als Krankenschwester in der Heil- und Pflegeanstalt Winkelberg bei München an. Ihren Beruf erfüllt sie mit viel Freude und Hingabe. Als sich ihr Chef, der überaus attraktive Arzt Karl Landmann für sie interessiert, verfällt sie ihm leidenschaftlich. Bald bemerkt Kathrin, dass in der Heilanstalt nicht alles mit rechten Dingen zugeht, dass zu viele Patienten sterben, deren Leben als ,,minderwertig“ eingestuft wird. Doch durch ihre heimlichen Nachforschungen setzt sie sich selbst großer Gefahr aus.

Die zwei Zeitebenen werden geschickt miteinander verknüpft und der Leser erfährt so scheibchenweise, was sich hinter den Mauern der Anstalt Winkelberg abgespielt hat, aber auch, wer der geheimnisvolle Auftraggeber ist. Interessant ist, wie auch Manolis Lefteris Familiengeschichte in das Geschehen mit eingewoben wird. Seine Motive für sein ,,Nebentätigkeit“ wirken zu Beginn nicht besonders sympathisch, allerdings nachvollziehbar und verständlich. Seine Suche nach Gerechtigkeit ist durchaus von Rache getrieben, doch entwickelt sich die Figur im Laufe des Romans. Auch Kathrin Mändlers Nichte Vera, die sich als Journalistin für die Vergangenheit ihrer Tante und die gesuchten Akten interessiert, ist keine durchweg positive Figur. Doch gerade das macht dem Roman authentisch und realitätsnah. Die Autorin, die hier unter dem Pseudonym Ellen Sandberg schreibt, ist ansonsten für ihre Krimis bekannt. Eine kleine ironische Begegnung gibt es, als Manolis Lefteris fast auf Kommissar Dühnfort trifft, als er sich bei seinen Recherchen als Polizist ausgibt.
Ein spannender Roman um Schuld, Vergessen und Gerechtigkeit.

Veröffentlicht am 02.03.2018

Unterhaltsame Bauchnabelschau

Kühn hat Ärger
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Als der 17-jährige Amir, Sohn libanesischer Einwanderer, erschlagen an einer Trambahnhaltestelle gefunden wird, ermitteln Kommissar Martin Kühn und seine Kollegen von der Kripo. Kurz vor seinem Tod befand ...



Als der 17-jährige Amir, Sohn libanesischer Einwanderer, erschlagen an einer Trambahnhaltestelle gefunden wird, ermitteln Kommissar Martin Kühn und seine Kollegen von der Kripo. Kurz vor seinem Tod befand Amir sich bei seiner Freundin Julia, Tochter einer mehr als wohlhabenden Familie in der noblen Münchner Wohngegend Grünwald. Wie passt der aus mehr als prekären Verhältnissen stammende und kleinkriminelle Amir in die Familie van Hauten, die sich nur über Bonsai-Parkett oder Austern-Frühstücke den Kopf zerbrechen müssen?
Die Krimihandlung selbst bildet allerdings nur den Rahmen oder eher noch den Hintergrund dieser Geschichte. Eigentliche Hauptperson ist Martin Kühn, der, wie der Titel ja verrät, Ärger hat. Nachdem er erst kürzlich nach einem Burnout und erfolgreicher Reha wieder ins Arbeitsleben eingestiegen ist, beschäftigen ihn sehr viele Dinge. Da ist einmal die Veränderung seiner Frau Susanne, die neuerdings ins Yoga geht, Martin Kühn aber bald einen Liebhaber dahinter vermutet. Außerdem versucht er die Diagnose einer Prostata-Erkrankung zu verdrängen, was ihm aber mehr schlecht als recht gelingt. Und so testet er seinen Marktwert bei jüngeren Kolleginnen, ärgert sich über die Nachbarschaft und die verseuchte Erde in seinem Wohngebiet, wundert sich über Worte wie ,,Achtsamkeit“ und die van Hautens, die trotz ihres Reichtums nett und sympathisch sind. Das Ganze wirkt etwas wie die Bauchnabelschau des sensiblen Martin Kühns, die ausschweifend-essayistisch, aber durchaus sehr unterhaltsam und in einer interessanten Sprache erzählt wird.
Lesens- und empfehlenswert, wenn man beachtet, dass es sich in erster Linie um einen Roman und erst in zweiter Linie um einen Krimi handelt.

Veröffentlicht am 24.02.2018

Revolverhelden

Die Rache der Polly McClusky
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Als die elfjährige Polly McClusky von ihrem Vater Nate an der Schule abgeholt wird, weiß sie, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Eigentlich sollte ihr Vater im Gefängnis sitzen und sie hat ihn mehr ...

Als die elfjährige Polly McClusky von ihrem Vater Nate an der Schule abgeholt wird, weiß sie, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Eigentlich sollte ihr Vater im Gefängnis sitzen und sie hat ihn mehr als die Hälfte ihres Lebens nicht gesehen. Dennoch weiß sie sofort, dass es ihr Vater ist, mit all den Tattoos und den blauen Revolverheldenaugen. Nate McClusky entführt seine Tochter, um ihr Leben zu retten. Im Gefängnis hat Nate sich einen zu mächtigen Feind gemacht: die Aryan Steel Gang. Deren Kopf sitzt zwar im Hochsicherheitstrakt, regelt aber durch seine Kontakte alles, und zwar wirklich alles innerhalb und außerhalb der Gefängnismauern. Pollys Mutter und ihr Stiefvater sind von den Aryan Steels schon ermordet worden. Polly und Nate McClusky sollen die nächsten sein. So beginnt die Flucht der beiden durch Kalifornien. Die schüchterne, hochbegabte, aber teils auch noch sehr kindliche Polly wird durch Nates Kampf- und Überlebenstraining erwachsener und härter. Polly ist für Nate der einzige Überlebensgrund und das Motiv, seinen Feinden zuvorzukommen, koste es, was es wolle, zur Not auch sein eigenen Leben.
Zu Beginn irritiert die einsilbige und verkrampfte Kommunikation zwischen Vater und Tochter. Allmählich nähern sich beide allerdings an und öffnen sich etwas, was durchaus berührend wirkt. Allerdings ist mir die dargestellte Gewalt und Brutalität, die bei den Auseinandersetzungen und Überfällen teils detailliert beschrieben wird, zu viel. Die meisten Beteiligten sind in irgendeiner Weise kaputte Typen, zugedröhnt mit Drogen, hoffnungslos, im Netz der einen oder anderen Gang und deren Hierarchie gefangen. Der einzige Hoffnungsschimmer geht ausgerechnet von Polly aus, die zusehends reifer wird und sich in der aggressiven und teils dumpfen Erwachsenenwelt durchsetzen kann.
Sprache und Wortwahl spiegeln diese Welt durchaus wider: harte Schnitte, knappe Sätze, schlichte bis vulgäre Wortwahl lassen die Gedanken Nate McCluskys oder auch die Dialoge authentisch wirken, sind aber dennoch gewöhnungsbedürftig.
Ein harter, schonungsloser Roman, auf den man sich einlassen sollte.

Veröffentlicht am 08.02.2018

Komplex und spannend

Schlüssel 17
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In der Kuppel des Berliner Doms hängt die Dompfarrerin, Dr. Brigitte Riss. Sie wurde grausam zugerichtet und um ihren Hals hängt ein Schlüssel, in den die Zahl 17 eingeritzt wurde.
Tom Babylon vom LKA ...

In der Kuppel des Berliner Doms hängt die Dompfarrerin, Dr. Brigitte Riss. Sie wurde grausam zugerichtet und um ihren Hals hängt ein Schlüssel, in den die Zahl 17 eingeritzt wurde.
Tom Babylon vom LKA kennt die Pfarrerin schon aus seiner Jugendzeit in Stahnsdorf. Doch auch den Schlüssel erkennt er sofort. Als vor neunzehn Jahren seine kleine Schwester Viola spurlos verschwand, trug sie genau diesen Schlüssel!
Toms Interesse an dem Fall ist also viel mehr als nur professioneller Natur. Das Verschwinden seiner damals zehnjährigen Schwester lässt ihn bis heute nicht los, ja er kommuniziert sogar mit ihr! Der Schlüssel ist mit einem Ereignis in Toms Vergangenheit verknüpft, das er unbedingt bedeckt halten will. Bis heute lebt er mit Schuldgefühlen, doch die Vergangenheit holt ihn ein.
Als Partnerin wird ihm die eigenwillige Psychologin Sita Johanns zur Seite gestellt. Sie durchschaut Tom und seine Beweggründe, sich in den Fall zu verbeißen, recht schnell. Allerdings unterstützt sie ihn und deckt sogar teilweise seine Alleingänge. Sita Johanns eine interessante, außergewöhnliche Figur, mit einer Vergangenheit, die nur hin und wieder angedeutet wird. Offenbar führt die private Sita Johanns auch ein gänzlich anderes Leben als die offizielle Dr. Johanns, doch darüber erfährt man noch recht wenig.
Der Fall führt die Ermittler in die DDR-Vergangenheit, zu Stasi und Zwangsadoptionen. Doch auch in den eigenen Reihen haben Tom Babylon und Sita Johanns mit Widerständen zu kämpfen.
Neben den vielschichtigen Figuren und ihren teils undurchsichtigen Verflechtungen sind es auch die Wechsel zwischen den verschiedenen Zeitebenen (1998 und 2017), die den Leser immer wieder in die Irre führen und dem Krimi einen außergewöhnlichen Charakter verleihen. Der Fall ist hochspannend und wird zum Ende hin rasant, actionreich und zunehmend komplex. Allerdings bleiben zum Schluss einige lose Enden, sodass der Leser nicht beruhigt aufatmen und das Buch einfach zur Seite legen kann, sondern ungeduldig auf den nächsten Fall mit Tom Babylon warten muss.