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Veröffentlicht am 21.08.2025

Toll

Blinde Geister
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„Egal, wo man liegt, über einem ist der Himmel. Das war damals so, und so ist es noch immer. Er muss ja nicht blau sein.“

Olivia wächst in einer Familie auf, bei der ständige Angst vor einem neuen Krieg ...

„Egal, wo man liegt, über einem ist der Himmel. Das war damals so, und so ist es noch immer. Er muss ja nicht blau sein.“

Olivia wächst in einer Familie auf, bei der ständige Angst vor einem neuen Krieg die Eltern beherrscht, etwa durch panisches Vorräteprüfen oder Kellerverstecke suchen. Diese lähmende Angst wird ein ständiger Begleiter von Olivia. Sie verliebt sich, bekommt eine Tochter. Erst da erkennt sie Parallelen zu den Eltern und zur Großmutter und beginnt ihre Angst aufzuarbeiten. Die Geschichte beginnt in den 50er Jahren und reicht bis zum Beginn des Krieges in der Ukraine 2022, als alte Ängste wieder real zu werden scheinen.

Ganz klar und bildhaft wird uns diese Geschichte erzählt. Das Grauen, das die Familie erlebt hat, ist stets greifbar und immer unterschwellig da. Die Familie hält zusammen aber oft steht das Unaussprechliche zwischen ihnen, gefangen im Schweigen und stiller Sehnsucht. Jeder leidet für sich. Der Krieg ist vorbei aber die Ängste sind geblieben. Es geht um Kriegstraumata, die direkt an die nächsten Generationen weitergegeben werden, Nähe und Entfremdung innerhalb der Familie. Olivia ist eine authentische Protagonistin, deren innere Konflikte sie zu zerbrechen drohen. Der Roman kommt ohne Kitsch und Klischees aus und hat doch eine unglaubliche emotionale Kraft und Tiefe.

Ein beeindruckendes Debüt über das Schweigen der Nachkriegsgeneration. Gesellschaftlich so wichtig und dazu noch so berührend geschrieben. Möchte ich euch wärmstens empfehlen.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Traurig schön

Irgendwann kommt immer ein Meer
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Vor sechseinhalb Jahren ist der Vater des Erzählers verstorben und er ist immer noch präsent. Viele Erinnerungen sind geblieben. Gemeinsame Urlaube an der Ostsee, Flecken auf der Brille, Teewurtsbrötchen. ...

Vor sechseinhalb Jahren ist der Vater des Erzählers verstorben und er ist immer noch präsent. Viele Erinnerungen sind geblieben. Gemeinsame Urlaube an der Ostsee, Flecken auf der Brille, Teewurtsbrötchen. Warme Gefühle für den Vater, der ihm sehr nahe stand. Eine Lücke, die sich nicht schließen lässt.

In vielen kurzen Szenen wird uns sehr poetisch und ganz zart die Liebe zu seinem Vater aufgezeigt. Der Erzähler schwelgt in Erinnerungen. Lässt uns ganz nah ran. Gefühlvoll und doch ganz klar gedenkt er so seinem Vater. Lässt ihn so wieder lebendig werden. Vergessen will er nicht, hält viele alltägliche Dinge fest. Eine Sammlung an Erinnerungen um zu verarbeiten und sich klar zu werden wer er jetzt ohne ihn ist.

Ein literarisch anspruchsvolles Buch, voller warmherziger Erinnerungen, traurig und schön.

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Veröffentlicht am 16.08.2025

Leben in der Elfenbeinküste

Diese glühenden Sonnen
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Iro lebt in einem kleinen Dorf in der Elfenbeinküste. Er verlässt das Dorf und seine Familie um in Abidjan Literatur zu studieren. Dort lernt er Thierry kennen. Zusammen verkaufen sie T-Shirts auf der ...

Iro lebt in einem kleinen Dorf in der Elfenbeinküste. Er verlässt das Dorf und seine Familie um in Abidjan Literatur zu studieren. Dort lernt er Thierry kennen. Zusammen verkaufen sie T-Shirts auf der Straße um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Thierry ist ein selbstbewusster, mutiger junger Mann, der nach einem besseren Leben strebt. Iro dagegen ist eher zurückhaltend und nachdenklich. Beide träumen sie zusammen von einem besseren Leben. Als Iros Vater stirbt, holt ihn seine Vergangenheit ein. Er sah den Vater immer als Versager, hat Angst selber so zu werden. Jetzt beginnt er alles zu hinterfragen.

Ein ruhiger, sensibler Roman, der uns tiefe Einblicke in die Sorgen und das Leben der Jugendlichen in der Elfenbeinküste ermöglicht. Sie leben in Armut, hoffen auf ein besseres Leben. Sprachlich ist das Buch sehr klar und bildhaft. Ich hab die Hitze gespürt, die Hoffnung und die Träume der Jugendlichen. Ein etwas anderer Coming-of-age Roman, in einem Land, das im Umbruch ist, noch auf der Suche nach dem, was es einmal werden soll. So geht’s nicht nur dem Land, sondern auch den Menschen. Hier gibt’s keine aufregende Handlung, sondern leise Töne, viel Gefühl und Einblicke in ein Land, von dem ich bisher kaum etwas wusste. Manchmal war mir der Roman etwas zu durcheinander, durch den Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Der Grundton bleibt trotz aller Schwierigkeiten optimistisch.

Insgesamt ein sensibler, poetischer Blick auf junge Menschen, soziale Ungleichheit und familiäre Konflikte. Allen Lesern, die dieses Thema interessiert, empfehle ich das Buch gern weiter.

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Aufwühlend

Neues von den Unerwünschten
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In diesem Buch finden wir acht Erzählungen, die auf verschiedenen Orten auf der Welt spielen. Libanon, Frankreich, Mauritius, dem Grenzgebiet zwischen Mexiko und USA. In allen Geschichten geht um Menschen, ...

In diesem Buch finden wir acht Erzählungen, die auf verschiedenen Orten auf der Welt spielen. Libanon, Frankreich, Mauritius, dem Grenzgebiet zwischen Mexiko und USA. In allen Geschichten geht um Menschen, die mit Ausgrenzung, Armut und/oder Sehnsucht nach der Heimat kämpfen. Wir lesen zum Beispiel von Brüdern, die in einem zerstörten libanesischen Dorf leben, Maureez und ihrer traumatischen Kindheit und einem tunesischen Arbeiter, der sich nach der Familie sehnt.

Le Clézio klagt an. Er erzählt auf berührende Weise von den Menschen, die oft übersehen und vergessen werden und gibt ihnen eine Stimme. Spannend waren die unterschiedlichen Leben und doch teilweise ähnlichen Sorgen. Es gibt keine aufregende Handlung. Das Buch überzeugt eher durch Empathie und durchs Aufzeigen sozialer Missstände, die akzeptiert werden um unseren Wohlstand weiter abzusichern. Die Geschichten bleiben im Kopf und regen zum Nachdenken an.

Erzählungen voller Poesie und politischer Wucht. Wer das aushält, unbedingt lesen. Es ist so wichtig.

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Veröffentlicht am 12.08.2025

Spannend

House of Hollow - Ein Horror-Fantasy-Roman
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Iris und ihre Schwestern Vivi und Grey stehen sich sehr nah. Als sie Kinder waren, hatten sie ein schreckliches Erlebnis, dass sie noch enger zusammengeschweißt hat. Sie waren einen ganzen Monat lang ...

Iris und ihre Schwestern Vivi und Grey stehen sich sehr nah. Als sie Kinder waren, hatten sie ein schreckliches Erlebnis, dass sie noch enger zusammengeschweißt hat. Sie waren einen ganzen Monat lang verschwunden. Niemand spricht darüber und niemand kann sich richtig daran erinnern. Nach ihrer Rückkehr veränderten sie sich. Die dunklen Haare wurden weiß, die Augen schwarz. Ihr Vater glaubt nicht daran, dass es seine Mädchen sind und kämpft später mit psychischen Problemen. Als Grey wieder verschwindet, machen Iris und Vivi sich auf die Suche nach ihr und schließlich auch auf eine Reise in ihre traumatische Kindheit.

Dieser Roman ist wie ein geheimnisvolles Horror Märchen. Der Schreibstil ist herrlich düster und bildhaft. Der jagte mir doch den ein oder andere Schauer über den Rücken. Wunden, Käfer, Blumen, die aus Wunden sprossen aber ich will nicht zu viel verraten. Die Schwestern sind tief verbunden miteinander und doch umgibt sie etwas düsteres und geheimnisvolles. Überraschende Wendungen halten das Buch durchweg spannend. Manche Szenen waren für mich etwas verstörend aber das gehört zu einem Horror Buch ja dazu.

Ein düsteres, bildgewaltiges Werk und spannendes Werk. Für Fans von Horror Storys eine Empfehlung.

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