Ereignisreiche und wichtige Jahre für Eva vom Hof Kamule
Tage des WandelsNachdem ich bereits mit großer Begeisterung den ersten Band über den großen Hof Kamule und die dort lebende und arbeitende Familie gelesen hatte, war ich nun gespannt, wie es nun weitergeht. Hatte ich ...
Nachdem ich bereits mit großer Begeisterung den ersten Band über den großen Hof Kamule und die dort lebende und arbeitende Familie gelesen hatte, war ich nun gespannt, wie es nun weitergeht. Hatte ich eine zeitlich fast nahtlose Fortsetzung erwartet, so begint der zweite Band rund 30 Jahre später. Diese nicht zeitlich nicht unerhebliche Unterbrechung führte dann dazu, dass mir der Einstieg in den zweiten Band leider etwas schwer gefallen ist, weil ich mit neuen Vornamen und Familienmitgliedern konfrontiert wurde und es eine Zeit brauchte, um mich wieder zurecht zu finden. Hilfreich dazu war für mich auf alle Fälle die Personenliste aus Band 1, die ich dann mit der Personenliste aus Band 2 kombinieren bzw. ergänzen konnte.
Erneut gelingt es der Autorin, Zeitgeschichte in die fiktive Handlung mit einzubeziehen, sie gelungen miteinander zu verknüpfen und auch so manche Entwicklung mit realem Leben zu füllen.
Seien es die Auswirkungen des Krieges zwischen den Niederlanden und Spanien, was zur Folge hatte, dass Soldaten marodierend und plündernd durch die deutschen Lande zogen und auch vor dem Hof Kamule nicht Halt machten. Oder sei es der Beginn der Hexenverfolgung, der so manches unschuldige Opfer, auch aus dem Freundes- und Bekanntenkreis der Familie Kamule, zum Opfer fiel. Zudem thematisierte die Autorin auch das Gebot des Zölibats für katholische Geistliche auf eine sehr empathische Art.
Dabei fällt Eva, die um wenige Minuten ältere Zwillingsschwester von Adam, eine tragende Rolle zu. Da sie um das große Talent und auch die Liebe ihres Bruders zum Hof weiß, verzichtet sie auf ihr Erstgeborenenrecht, damit auf das Erbe des Kamulehofes und kann nun als freier Mensch ein eigenständiges Leben führen. Das sie letztendlich als Haushälterin eines katholischen Pfarrers in einen kleinen Ort führt.
Mit großem Sachverständnis, Detailinformationen, die einen lebensechten Arbeitstag bzw. Alltag ins Leben rufen, hat mich die Autorin nach den ersten Seiten mit Orientierungsschwierigkeiten erneut in ihren Bann gezogen. Fesselnd, abwechslungsreich, fein nuanciert in der Darstellung der Gedanken und Gefühle, habe ich diesen Roman kaum aus der Hand legen können. Dabei für mich ganz besonders wichtig die (gedankliche) Auseinandersetzung des Pfarrers Heinrich Scharhautz mit der persönlichen Einstellung zum für ihn geltenden Zölibat.
Ein erneut gelungener zweiter Band über den Hof Kamule und ich bin sehr froh, dass es noch einen weiteren Band geben wird.