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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.05.2018

Ein Buch über Entscheidungen, die Liebe und echte Menschen

Alles Begehren
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Die Gestaltung und Aufmachung des Buches fällt mir sofort auf, ist ansprechend und sehr hochwertig gestaltet. Die Autorin schreibt anschaulich und angenehm, so dass ich schnell in einen Lesefluss komme. ...

Die Gestaltung und Aufmachung des Buches fällt mir sofort auf, ist ansprechend und sehr hochwertig gestaltet. Die Autorin schreibt anschaulich und angenehm, so dass ich schnell in einen Lesefluss komme.
Es ist Sommer in Schottland im Jahr 1985, als der Lehrer Callum seinem Bruder in dessen Kneipe aushilft, in der die 21-jährige Schauspielschülerin Kate die neue Aushilfe ist. Callum verliebt sich sofort Hals über Kopf, obwohl er sich gerade noch von seiner hochschwangeren Frau und den beiden kleinen Kindern verabschiedet hat. Die beiden fangen eine Affäre an, die jedoch auffliegt. Callum entscheidet sich dafür, bei seiner Frau und den Kindern zu bleiben. 17 Jahre später ist auch Kate verheiratet und hat eine kleine Tochter. Bei einem Jubiläum an ihrer alten Schule, an der Callum arbeitet, treffen die beiden wieder aufeinander und sofort sind die beiden wieder zueinander hingezogen und stellt das Leben der beiden auf den Kopf
Auch Kates Ehemann Matt und seine Studienfreundin Hetty, die wiederum ihre ganz eigenen Begehren und Probleme haben, spielen eine Rolle. Das Buch wird abwechselnd aus der Sicht der verschiedenen Personen geschrieben und es gibt immer wieder Sprünge in Gegenwart und Vergangenheit, was aber nicht störend ist – im Gegenteil, ich fand die Erzählweise sehr spannend. Die Autorin schreibt anschaulich und angenehm, so dass ich schnell in einen Lesefluss komme.
Ich habe dieses Buch gerne gelesen, gewünscht hätte ich mir allerdings einen tiefergehenden Einblick in das Innere und die Beweggründe von Callum und Kate. Gerade bei dem Thema wäre dahingehend etwas mehr Tiefe hilfreich gewesen, um mehr Nähe zu den Figuren herzustellen. Diese wirken nämlich in ihrer Entwicklung stehengeblieben und lassen nachvollziehbare Emotionen vermissen. Schön ist es, dass die Figuren nicht geschönt werden, Ecken und Kanten haben.

Veröffentlicht am 12.02.2018

Historisches Werk mit starken Figuren

Olga
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Eine anspruchsvolle Liebesgeschichte die berührt, Sehnsucht weckt und einen tieferen Sinn aufweist. Gewohnt stilsicher zeichnet Bernhard Schlink seine Hauptfiguren sehr detailliert – eine Frau, die kämpft ...

Eine anspruchsvolle Liebesgeschichte die berührt, Sehnsucht weckt und einen tieferen Sinn aufweist. Gewohnt stilsicher zeichnet Bernhard Schlink seine Hauptfiguren sehr detailliert – eine Frau, die kämpft und sich findet und ein Mann, der träumt und sich verliert. Die Liebesbeziehung des ungleichen Paares beginnt am Abend vor Ausbruch des ersten Weltkrieges. Obwohl von der Familie nicht geschätzt, halten die beiden aneinander fest und verteidigen ihre Beziehung gegen Zweifel. Es kommen jedoch Schwierigkeiten und auf, da Herbert, den es in die Weite zieht, Olgas Wunsch nach Nähe nur schwer nachkommen kann und eine geplante Expedition in die Arktis die Beziehung auf die Probe stellt.

Die Dreiteilung des Buches (der erste Teil beschreibt Olgas Werdegang, der zweite Teil erzählt von der Zeit nach der Expedition aus Sicht einer dritten Person, der dritte Teil besteht aus Briefen) ist klug und abwechslungsreich, wenn auch gewöhnungsbedürftig. Insgesamt fehlt es mir an Leidenschaft und Emotionen, die Auseinandersetzung ist sehr sachlich und intellektuell. Erst im letzten Teil erfahren wir mehr über Olgas Inneres, ihre Beweggründe und Sehnsüchte. Hier werde ich fast wieder versöhnt – aber eben nur fast.

Veröffentlicht am 12.02.2018

Eine berührende Familiengeschichte

All die Jahre
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Als ich das Buch in die Hand nehme, fällt mir zunächst die hochwertige Verarbeitung auf: unter dem ansprechend gestalteten Schutzumschlag kommt ein grünes Hardcover mit Prägung zum Vorschein, zudem fühlen ...

Als ich das Buch in die Hand nehme, fällt mir zunächst die hochwertige Verarbeitung auf: unter dem ansprechend gestalteten Schutzumschlag kommt ein grünes Hardcover mit Prägung zum Vorschein, zudem fühlen sich die Seiten auffällig gut an.

J. Courtney Sullivan ist es gelungen Personen zu erschaffen, die einem nah gegen, obwohl sie bei weitem nicht unfehlbar (und vielleicht deshalb so sympathisch) sind. Der Schreibstil der Autorin ist angenehm klar, direkt und doch anschaulich. Mit Rückblenden und Erzählungen in mehreren Ebenen ist die Gliederung spannend gemacht und das Gegenteil von eintönig.

Es wird ein sehr interessantes Familiengeflecht beschrieben, in dem es um ungesagte Dinge und Geheimnisse, uneheliche Kinder, Alkoholsucht, Homosexualität geht. Die Schwestern Nora und Theresa wachsen in Irland auf und wandern in die USA aus, als es dort keine Zukunft mehr für sie gibt. Doch auch das neue Leben gestaltet sich schwierig, Pläne und Sehnsüchte bleiben unerfüllt. Fünfzig Jahre später trifft die Familie anlässlich einer Beerdigung wieder aufeinander und stellt sich endlich den Dingen, die seit der Einreise in Amerika geschehen sind.

Ein wunderbar kluges und großartiges Buch, das ich sehr gerne gelesen habe.

Veröffentlicht am 12.02.2018

Porträt einer faszinierenden Frau

Die amerikanische Prinzessin
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Der niederländischen Autorin und Historikerin Annejet van der Zijl ist ein wunderbares Porträt einer faszinierenden Frau gelungen. Bei Recherchearbeiten stieß van der Zijl auf die Amerikanerin Allene Tew, ...

Der niederländischen Autorin und Historikerin Annejet van der Zijl ist ein wunderbares Porträt einer faszinierenden Frau gelungen. Bei Recherchearbeiten stieß van der Zijl auf die Amerikanerin Allene Tew, einer Tante des Mannes der holländischen Königin Juliane und war so fasziniert von ihrem Leben, dass sie beschloss, ein Buch über Allene zu schreiben. Sehr umfangreich und gut recherchiert ist eine spannende, historisch interessant aufbereitete Geschichte einer aufregenden Frau, die sehr unterhaltsam und sicher alles andere als langweilig ist, herausgekommen.
Im 19. Jahrhundert wird Allene Tew in einfache Verhältnisse geboren. Sie heiratet ihre erste Liebe, einen Millionär, und bekommt Kinder mit ihm. Allerdings wird sie nie herzlich in der neuen Familie aufgenommen und auch ihr Mann Tod entpuppt sich als Spieler und stirbt mit 32 Jahren. Auch weitere Ehen (insgesamt 5) gestalten sich schwierig. Ehemann Nr. 4 macht sie zur „amerikanischen Prinzessin“, aber auch von seiner Familie wird sie nie angenommen – mehr noch, die reiche amerikanische Witwe wird verachtet, ihr Geld jedoch gerne angenommen. Glanz und Glamour vergehen schnell.
Berührt hat mich auch die Frage danach, wie man mit Verlusten umgeht, die im Buch mitschwingt. Die starke Hauptperson verliert trotz aller Rückschläge nie den Mut und die Lebensfreude getreu ihrem Motto „Courage all the time“.
Positiv zu erwähnen ist noch der Schreibstil der Autorin: Auf den Punkt, klug und anspruchsvoll wohnt van der Zijls Worten doch eine gewisse Leichtigkeit inne. Ich habe dieses Buch sehr gerne gelesen.

Veröffentlicht am 12.02.2018

Ein kluges Buch mit viel Herz

Die Herzen der Männer
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Was macht einen Mann aus? Nicholas Butler beschäftigt sich in seinem Roman in drei Geschichten über drei Generationen hinweg mit den Schwächen, Geheimnissen, Bedürfnissen und Werten der Männer sowie der ...

Was macht einen Mann aus? Nicholas Butler beschäftigt sich in seinem Roman in drei Geschichten über drei Generationen hinweg mit den Schwächen, Geheimnissen, Bedürfnissen und Werten der Männer sowie der einzigartigen Beziehung zwischen Vätern und Söhnen. Verbunden sind Generationen, Geschichten und Männer durch gemeinsame Erlebnisse bei den Pfadfindern.
Hauptfigur Nelson ist als Junge ein Außenseiter, sehr strebsam bei den Pfadfindern, gut in der Schule und bei den anderen Jungen nicht wirklich beliebt. Das Verhältnis zu seinem Vater ist schwierig. Lediglich der zwei Jahre ältere Jonathan steht ihm zur Seite und spielt immer wieder eine Rolle in seinem Leben.
Mehr als 30 Jahre später erfahren wir die Geschichte des nun erwachsenen Jonathan, der mit seinem Sohn auf dem Weg ins Pfadfinderlager ist. Auf der Fahrt konfrontiert Jonathan seinen Sohn mit allerlei harten Lebensweisheiten und wir treffen auch Nelson wieder, der vom Krieg stark gezeichnet ist.
Im dritten Teil, wieder um die 30 Jahre später, lernen wir Thomas, Nelsons Sohn, auf dem Weg ins Pfadfinderlager kennen, das sein Vater nun leitet. Thomas kann den Pfadfindern allerdings so gar nichts abgewinnen.
Die Entwicklung der Männer wird sehr vielschichtig und einfühlsam berichtet, die Charaktere sehr anschaulich und tief dargestellt. Leider ist das Buch stellenweise etwas langatmig, vor allem der mittlere Teil hätte weniger Seiten gut vertragen. Teil eins und drei kommen im Vergleich sehr stark daher und können den insgesamt guten Eindruck des Buches bekräftigen.