Cover-Bild Olga
(25)
  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Diogenes
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 320
  • Ersterscheinung: 12.01.2018
  • ISBN: 9783257070156
Bernhard Schlink

Olga

Die Geschichte der Liebe zwischen einer Frau, die gegen die Vorurteile ihrer Zeit kämpft, und einem Mann, der sich mit afrikanischen und arktischen Eskapaden an die Träume seiner Zeit von Größe und Macht verliert. Erst im Scheitern wird er mit der Realität konfrontiert – wie viele seines Volks und seiner Zeit. Die Frau bleibt ihm ihr Leben lang verbunden, in Gedanken, Briefen und einem großen Aufbegehren.

Weitere Formate

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.10.2025

Die Würde des Durchhaltens - ein Leben im Warten und im Trotzdem

0

Von Bernhard Schlinks „Der Vorleser“ war ich begeistert, ein Buch, das mich damals sehr berührt hat. Ich war skeptisch, ob „Olga“ mich ebenso fesseln könnte. Jetzt, nach der letzten Seite, bin ich sicher: ...

Von Bernhard Schlinks „Der Vorleser“ war ich begeistert, ein Buch, das mich damals sehr berührt hat. Ich war skeptisch, ob „Olga“ mich ebenso fesseln könnte. Jetzt, nach der letzten Seite, bin ich sicher: Es hat mich genauso getroffen.
Schlink erzählt in ruhigen, klaren Sätzen die Lebensgeschichte von Olga Rinke, einem Mädchen aus einfachen Verhältnissen, das Ende des 19. Jahrhunderts in Pommern aufwächst. Früh verliert sie ihre Eltern und wächst bei einer kalten, strengen Großmutter auf, die ihr wenig Liebe entgegenbringt. Nur in Herbert, dem Sohn des Gutsherrn, findet Olga Nähe und Verständnis. Die beiden verbindet eine zarte, leise Liebe, die allen gesellschaftlichen Grenzen zum Trotz Bestand hat und doch nie richtig gelebt werden kann.
Während Olga sich mit Fleiß und Mut ein selbstständiges Leben als Lehrerin aufbaut, zieht es Herbert in die Ferne, nach Afrika, Amerika und schließlich in die Arktis, um Ruhm für Deutschland zu erlangen. Dort verliert sich seine Spur und Olga bleibt zurück, mit ihrer Sehnsucht, ihren Briefen und einem unerschütterlichen Glauben an die Liebe.
Was mich besonders bewegt hat, ist, wie still und unspektakulär Schlink diese Geschichte erzählt und wie viel Gefühl trotzdem zwischen den Zeilen steckt. Olga ist keine Heldin im klassischen Sinn, aber eine Frau mit Rückgrat, Stolz und einer tiefen inneren Stärke. Sie erlebt zwei Weltkriege, politische Umbrüche, Verlust und Einsamkeit und bleibt sich dennoch treu.
Der Roman ist in drei Teile gegliedert, was mir anfangs etwas sperrig vorkam. Bernhard Schlink montiert die Kapitel nicht chronologisch. Rückblickend war gerade diese Struktur das Besondere. Sie erlaubt es, Olga aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen, als junge Frau, als alte Dame und schließlich durch ihre eigenen Briefe. Diese Briefe sind der emotionalste Teil des Buches. Ich hatte beim Lesen mehr als einmal Gänsehaut, weil sie so ehrlich, so verletzlich und zugleich so kraftvoll sind.
Thematisch ist „Olga“ mehr als eine Liebesgeschichte. Es ist ein Buch über Verlust, Stolz, über die Sehnsucht nach Nähe und den Mut, allein weiterzugehen. Über eine Frau, die in einer lauten, männlich dominierten Zeit ihre stille Würde bewahrt.
Schlinks Sprache ist unaufgeregt, fast sachlich und doch voller Wärme. Ich liebe, wie er das Große im Kleinen findet und seine Figuren nie verurteilt. Gerade diese Zurückhaltung macht „Olga“ zu einem stillen, aber nachhaltigen Buch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2019

Berührendes Schicksal einer Frau

0

In frühester Kindheit lernen sie sich kennen, Olga und Herbert. Sie lieben sich, und doch werden sie nie als Ehepaar zusammenleben. Während Olga zu ihrer Liebe steht, muss Herbert mit der Ablehnung der ...

In frühester Kindheit lernen sie sich kennen, Olga und Herbert. Sie lieben sich, und doch werden sie nie als Ehepaar zusammenleben. Während Olga zu ihrer Liebe steht, muss Herbert mit der Ablehnung der Eltern für diese Verbindung leben. Dabei verliert er sich in seinen Träumen und Expeditionen rund um die Welt - die Geschichte einer Liebe über alle Hindernisse hinweg.

Aus mehreren Perspektiven lernt der Leser Olga kennen und wie sie mit dieser Liebe umgeht. Selbst wenn alles gesagt scheint, setzt der Autor Bernhard Schlink noch etwas drauf und das Bild von seiner Protagonistin wird nochmal klarer. Wer hätte wirklich geahnt, was in Olga vorgeht, fragt man sich am Schluss der Geschichte. Das ist sehr warmherzig und feinfühlig erzählt und steht für das Schicksal vieler kraftvollen Frauen, denen das Leben nicht immer die Liebe schenkt, die sie sich erträumt haben. Die Feinheiten der Geschichte zeigen sich erst nach und nach, man muss sie auf sich wirken lassen für den besten Genuss dieser Erzählung.

Diese intensive Geschichte hat mich sehr berührt, auf eine ganz besondere Weise. Sehr gerne empfehle ich sie weiter und vergebe dafür überzeugte fünf von fünf Sternen.

Veröffentlicht am 08.04.2018

Olgas Geschichte

0

Olga hat schon als Kind gern ihre Umgebung beobachtet. Als ihre Eltern sterben, nimmt ihre Großmutter sie zu sich in ein kleines Dorf in Pommern. Dort lernt sie Herbert kennen, der am liebsten rennt, so ...

Olga hat schon als Kind gern ihre Umgebung beobachtet. Als ihre Eltern sterben, nimmt ihre Großmutter sie zu sich in ein kleines Dorf in Pommern. Dort lernt sie Herbert kennen, der am liebsten rennt, so schnell und oft es geht. Sie freundet sich mit ihm und seiner Schwester Viktoria an, Sprösslinge einer wohlhabenden Familie. Olga möchte Lehrerin werden, während Herbert sich zwar zu ihr hingezogen fühlt, aber immer wieder das Abenteuer in der Ferne sucht. Jahrzehnte möchte ein junger Freund Olgas das Unausgesprochene in ihrer Lebensgeschichte aufdecken, um zu verstehen.

„Olga“ ist ein Buch, das aus drei ganz verschiedenen Teilen besteht. Es gibt dem Leser Einblicke in das Leben von Olga Rinke und lässt ihn schließlich auch hinter die Kulissen schauen. Wer einen emotionalen Roman erwartet, muss sich ein wenig gedulden. Denn erst einmal beginnt ein personaler Erzähler, in recht nüchternem Ton über Olgas Leben zu erzählen.

In diesen Kapiteln lernte ich Olga als strebsame Persönlichkeit kennen, die aus bescheidenen Verhältnissen kommt. Ihr Ziel ist es, Lehrerin zu werden, wozu sie sich das nötige Wissen selbst beibringen muss. Herbert ist dabei oft an ihrer Seite, während sich Viktoria mit den Jahren von ihr entfernt und nach standesgemäßen Freundinnen sucht. In hohem Tempo erhält man einen Abriss ihrer Kindheit und Jugend, der sich entwickelnden Liebe zu Herbert und seinen immer neuen Abenteuern in der Ferne, ihrer Tätigkeit als Lehrerin, wie es ihr in den Weltkriegen ergangen ist und in der Zeit danach.

Nach dem ersten Teil hatte ich einen umfassenden Eindruck von Olgas Lebensweg. Wie auch Olga gern beobachtet, so steht man als Leser am Rand und blickt auf die Ereignisse. Offen bleibt die Frage, wie sie sich bei all dem gefühlt hat. Im zweiten Teil berichtet ein Ich-Erzähler, der deutlich jünger ist als Olga, von seiner Freundschaft zu ihr, die in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg begann. Er vermittelt dem Leser seinen persönlichen Eindruck der gealterten Olga, die ihm seit seiner Kindheit gern Geschichten über Herberts Abenteuer erzählt und zu der er auch als Erwachsener Kontakt hält. Sein Bericht hat sich für mich ein wenig in die Länge gezogen. Schließlich stößt er auf alte Briefe, die Olga an Herbert geschrieben hat.

Im letzten Teil des Buches sind eben diese Briefe abgedruckt und vermitteln dem Leser ein noch klareres Bild von Olga. Endlich kommt sie selbst zu Wort. Alles Unausgesprochene, ihre Gefühle und Geheimnisse, hat sie hier festgehalten. Ihre Worte konnten mich berühren und ich begriff das ganze Ausmaß ihrer tragischen Geschichte und wie sie an Scheidewegen im Leben zu ihren Entscheidungen kam. Herbert bleibt eine Figur in der Ferne, die mehr ab- als anwesend ist, ein Objekt der Sehnsucht und vergeblicher Hoffnungen. Mir hat die schrittweise Annäherung an die Figur Olgas sehr gefallen. Das Buch zeichnet das Portrait einer entschlossenen und intelligenten Frau und ihrer großen Liebe vor dem Hintergrund des 20. Jahrhunderts. Ich gebe eine klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 02.04.2018

Liebe und Emanzipation

0

Vom späten 19.Jahrhundert bis in die 1970er Jahr entspinnt sich das Schicksal der Protagonistin Olga in Bernhard Schlinks neuestem Roman, der mit viel Wärme und einen umwerfenden Bezug zum Zeitgeschehen ...

Vom späten 19.Jahrhundert bis in die 1970er Jahr entspinnt sich das Schicksal der Protagonistin Olga in Bernhard Schlinks neuestem Roman, der mit viel Wärme und einen umwerfenden Bezug zum Zeitgeschehen in den Bann zu ziehen vermag.

Erzählt wird das Schicksal eines deutsch/polnischen Waisenmädchens, das in Pommern bei der kühlen Großmutter aufwächst und sich abseits aller Konventionen in den Sohn des ortsansässigen reichen deutschstämmigen Gutsherren verliebt. Olga geht unter Berücksichtigung der damaligen Zeit einen sehr emanzipierten und ungewöhnlichen Weg. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend schafft sie es, ohne entsprechenden Schulbesuch der Schule für höhere Töchter den Zugang zum Lehrerinnenseminar zu erhalten und später als Lehrerin zu arbeiten.
Schon seit ihrer Kindheit ist sie eine einsame Außenseiterin, die Verbindung zu ihresgleichen sucht. Jenseits der üblichen Verbandelungen zwischen Grundbesitzern und armen Pächtern trifft sie sich mit Herbert, dem Gutsbesitzersohn, auf Augenhöhe, und die beiden verlieben sich ineinander.
Olga hat den unabdingbaren Wunsch und Willen zur Unabhängigkeit, während Herbert rastlosen Bewegungsdrang verspürt und als Kämpfer nach Eintritt ins Garderegiment in die Ferne zieht, zuerst nach Deutsch-Südwestafrika in den Kolonialkrieg Anfang des 20. Jahrhunderts im heutigen Namibia. Olga steht diesem Kampf wie auch dem späteren deutschen Größenwahn sehr skeptisch gegenüber.
Sie erlebt den ersten und schließlich auch den zweiten Weltkrieg, wird vertrieben aus ihrer Heimat und findet neue Heimat. Stets handelt sie so, dass sie ihre Ideale erhält und ihnen treu bleibt, im Gegensatz zu den ihr am Herzen liegenden Männern.

Eindringlich und behutsam beschreibt Bernhard Schlink dieses Frauenschicksal einer klugen, belesenen, menschlichen Person, die leise und scheinbar mühelos lebt, aber dennoch gehört wird und ihren Weg verfolgt. Fast ein bisschen distanziert ist der anfängliche Stil, als man das junge Liebespaar Olga und Herbert aus der Ferne betrachtet, nahe und berührend hingegen der letzte Teil, als Olga selbst durch Briefe zu Wort kommt.

Ein sehr lesenswertes Buch ohne ganz große Überraschungen ist Olgas Lebensgeschichte, dennoch nicht zuletzt durch den geschichtlichen Hintergrund spannend und anregend, einfach empfehlenswert.

Veröffentlicht am 18.01.2018

Olga ist ein lesenswerter und sprachlich anspruchsvoller Roman über das Leben einer Frau zwischen Wirklichkeit, Sehnsucht und Aufbegehren

0

Bernhard Schlink, Olga, Diogenes 2018, ISBN 978-3-257-07015-6

Bernhard Schlink ist einer der vielseitigsten Schriftsteller im deutschsprachigen Raum. Mit seinem „Vorleser“ auch international berühmt geworden, ...

Bernhard Schlink, Olga, Diogenes 2018, ISBN 978-3-257-07015-6

Bernhard Schlink ist einer der vielseitigsten Schriftsteller im deutschsprachigen Raum. Mit seinem „Vorleser“ auch international berühmt geworden, hat er seither zahlreiche Romane veröffentlicht, die in all ihrer Unterschiedlichkeit eines verband: die Liebe für Geschichten und Menschenschicksale im Rahmen deutscher Geschichte.

Über einen langen Zeitraum deutscher Geschichte spannt sich auch sein neuer Roman, in dem Bernhard Schlink die fiktive Lebensgeschichte von Olga Rink erzählt und ihrer lebenslangen schwierigen Liebe zu Herbert Schröder, einem sozial höher gestellten Mann, mit dem sie nie zusammenleben konnte.

Schon als Kinder Endes des 19. Jahrhunderts waren sie zusammen und begründeten mit ihrer gegenseitigen Freundschaft eine Beziehung, aus der später ein Sohn namens Eik hervorgehen sollte, den Herbert aber nie kennenlernte. Zu oft und zu lange ist er immer wieder als Abenteurer unterwegs in der Welt, zunächst in Afrika, wo er eine dunkle Rolle beim Völkermord an den Hereros spielt, dann in Asien, später dann vorzugsweise in der Arktis, wo seine Faszination für die legendäre Nordostpassage ihn lange nicht los lässt, bis er bei einer Expedition verloren geht und ihn mehrere nach ihm suchende Expeditionen nicht finden können. Olga macht gegen erhebliche Widerstände eine Ausbildung und arbeitet in verschiedenen Dörfern als Lehrerin.

Olga schreibt ihm postlagernde Briefe nach Trömsö in Norwegen, wo er seine letzte Expedition nach Spitzbergen begann. Ihr Sohn Eik steigt schon vor dem 2. Weltkrieg zu einem hohen Nazischergen auf, was Olga großen Kummer macht.

All das wird erzählt von Ferdinand, einem pensionierten Beamten, in dessen Familie Olga nach dem Krieg als Näherin arbeitet. Seine Beziehung zu der alten Frau ist eng, sie liebt ihn wie einen eigenen Sohn. Der Erzähler vermittelt dem Leser in einem ausführlichen zweiten Teil des Buches seinen persönlichen Eindruck der gealterten Olga, die ihm seit seiner Kindheit gern Geschichten über Herberts Abenteuer erzählt und zu der er auch als Erwachsener Kontakt hält. Schon hier wundert man sich über seine Kenntnis zahlreicher Details aus der Lebensgeschichte Olgas, über deren Beschaffung er dann erzählt. Nach langen Recherchen gelingt es dem selbst schon gealterten Ferdinand in einem Antiquariat in Trömsö einen Packen von postgelagerten Briefen zu erwerben, die wie durch ein Wunder all die Jahrzehnte überdauert haben.

Diese Briefe, die in einem dritten Teil des Buches abgedruckt sind, geben nun Olga selbst das Wort und der Leser erfährt von manchem neuen Aspekt ihrer langen Lebensgeschichte, die er vorher schon von Ferdinand, dem Erzähler, erfahren hat. Wenn Ferdinand am Ende resümiert, dann spricht da durchaus Bernhard Schlink selbst von seiner Begeisterung über seine literarische Figur, für die es in seiner eigenen Lebensgeschichte vielleicht das eine oder andere Vorbild gegeben haben mag:
„Ich war stolz auf sie. Welches Glück, wenn das Leben, das ein Mensch lebt, und die Verrücktheit, die er begeht, zusammenstimmen wie Melodie und Kontrapunkt! Und wenn beides nicht nur zusammenstimmt, sondern der Mensch es selbst zusammenfügt. Die Melodie von Olgas Leben war ihre Liebe zu Herbert und ihr Widerstand gegen ihn, als Erfüllung und Enttäuschung. Nach dem Widerstand gegen Herberts Verrücktheit die verrückte Geste, am Ende des stillen Lebens der laute Schlag - sie hatte den Kontrapunkt zur Melodie ihres Lebens gesetzt.“

Olga ist ein lesenswerter und sprachlich anspruchsvoller Roman über das Leben einer Frau zwischen Wirklichkeit, Sehnsucht und Aufbegehren.