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Veröffentlicht am 13.05.2026

Die drei goldenen Schlüssel durch die Zeit

Das White Octopus Hotel
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Inhalt

Das White Oktopus Hotel, ist im Jahre 2016 nur noch ein sehenswürdiger Lost-Place, während es 1935 ein Grand-Hotel in den Schweizer Alpen war und 1918 ein Krankenhaus für Kriegsversehrte. Die Immobilie ...

Inhalt

Das White Oktopus Hotel, ist im Jahre 2016 nur noch ein sehenswürdiger Lost-Place, während es 1935 ein Grand-Hotel in den Schweizer Alpen war und 1918 ein Krankenhaus für Kriegsversehrte. Die Immobilie umgibt eine geheimnisvolle Aura und eine große Portion Zauberei. Der einstige Besitzer Nikolas Roth, war angeblich ein großer Künstler, doch sein Gesamtwerk gilt als verschollen. Das Interesse der Kunsthistorikerin Eve Shaw ist geweckt, zumal sie selbst eine magische Verbindung mit einem Oktopus pflegt, der als wanderndes Tattoo unter ihrer Haut lebt. Und so wird ihr Ausflug zur verfallenen Ruine am Berg zu einer faszinierenden Reise in die Vergangenheit. In drei Zimmern des Hotels sind Zeitreisen möglich und Eve ist im Besitz eines Schlüssels. Als sie erfährt, dass alle Gegenstände der Unterkunft eine andere magische Eigenschaft besitzen, und es angeblich hauseigenes Briefpapier gibt, welches eine Veränderung der Vergangenheit ermöglicht, setzt die junge Frau alles daran, dieses zu finden. Ändern möchte Sie ihr bisheriges Leben, weil ein Fehler aus ihrer Kindheit ihr gesamtes Dasein überschattet und sie mit einer nie enden wollenden Schuld belastet. Im Hotel trifft sie auf Max Everly, einen begabten Komponisten, der mit seiner Musik ihr Herz bewegt. Mit ihm scheint sie weit mehr zu verbinden, als zunächst geglaubt und auch er kann durch die Zeit reisen. Die gegenseitige Anziehungskraft führt dazu, dass sich die Wahrheiten von heute, gestern und vorgestern neu sortieren und möglicherweise eine ganz andere Gegenwart ermöglichen, doch jedes Glück fordert seinen Preis …

Meinung

Auf diese Geschichte voller Magie und abenteuerlicher Erlebnisse bin ich durch positive Leserstimmen aufmerksam geworden, denn normalerweise fehlt mir in Storys über Zeitreisen der Realitätsbezug. Hier jedoch entspinnt sich nach und nach eine sehr sympathische Erzählung über die Vergangenheit und ihre Möglichkeiten. Aus Sicht der jungen Eve, deren inneres Drama man sehr gut nachvollziehen kann, eröffnen sich Wege und Türen hinein in ein buntes Wirrwarr aus Zeitsprüngen und Ereignissen. Der Dreh-und Angelpunkt jedoch ist das White Octopus Hotel, mit seinen Bars, Spiegeln und der wunderbaren Aussicht auf die Schweizer Berge. Vieles bleibt während des Lesens sehr rätselhaft und man taucht immer tiefer in die Materie ein, ohne jedoch den Kern der Geschichte restlos zu erfassen. Erst die letzten Seiten des Buches bringen endgültiges Licht ins Dunkel und dennoch bleiben manche Dinge beinahe verborgen.

Sehr positiv empfand ich den gekonnten Zeitwechsel zwischen den Jahren und Eindrücken von Eve Shaw, die uns meist nur ihre Perspektive zeigt, dafür jedoch in zahlreichen Facetten. Geschichte, Magie und eine langjährige Liebesbeziehung ziehen den Leser in den Bann.

Fazit

Dieser ansprechende Roman passt in keine Schublade und weckt dadurch auch das Interesse von Lesern, die mit Fantasy im Allgemeinen eher wenig anfangen können. Es ist ein spannender Schmöker, der den magischen Realismus bedient aber auch historische Aspekte einfängt und hin und wieder Lebensweisheiten präsentiert. Sehr gern vergebe ich 4,5 Lesesterne, die ich zu 5 Sternen aufrunde. Gerade der bildliche Erzählstil würde mich zu einer Filmvorlage inspirieren, die Kunst, die Stimmung und die Hintergründe würden sicherlich tolle Bilder heraufbeschwören. Besonders die Zeitlosigkeit der Geschichte, macht sie vielen Lesern zugänglich und beinahe wirkt es so, als könnte man selbst, durch eine der magischen Türen das Hotel betreten, um in einer anderen Zeit den Horizont zu erweitern.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Der Wolf bleibt heute zu Hause

Das Signal
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„Sollte das wirklich der Grund sein, wäre es klüger, ich würde damit aufhören, unsere Beziehung retten zu wollen, denn dann muss ich wohl befürchten, dass er nach einem Ausweg aus unserer Ehe sucht, der ...

„Sollte das wirklich der Grund sein, wäre es klüger, ich würde damit aufhören, unsere Beziehung retten zu wollen, denn dann muss ich wohl befürchten, dass er nach einem Ausweg aus unserer Ehe sucht, der nichts mit Scheidung zu tun hat.“

Inhalt

Viola hat nach einem tragischen Unfall im eingestürzten Weinkeller ihr linkes Bein verloren. Ihr Mann Adam engagiert sofort eine Pflegerin für sie und leitet sämtliche Formalitäten in die Wege. Doch die Beziehung hat schon länger Risse, so das Viola befürchtet, dass Adam möglicherweise mehr weiß, als er vorgibt. Leider kann sie sich nicht an das Unglück erinnern und wittert bald hinter jeder Äußerung eine Falle. Damit sie nicht untätig herumsitzen muss und vom Schicksal eingeholt wird, installiert sie ein kleines, feines Überwachungssystem. Mehrere Mini-Tracker, platziert an den richtigen Stellen, geben Ihr Auskunft über den Aufenthaltsort ihres Mannes, der Pflegekraft, ihrer Freundin, des Autos und ihrer Gehhilfen.

Viola findet bald Gefallen an ihrem neuen Hobby und deckt immer mehr traurige Wahrheiten und Zusammenhänge auf: ihr Mann scheint eine Affäre mit ihrer Freundin zu haben, die Pflegekraft soll sie in Schach halten und von irgendwelchen Schritten abhalten, die Adam zum Verhängnis werden könnten. Für ihren Unfall jedoch, muss es eine andere Erklärung geben. Als nach und nach die Erinnerung zurückkehrt, ahnt sie, dass es eine weitere Möglichkeit gäbe, wie sie Adam eine Falle stellen kann und gleichzeitig den zweiten Verdächtigen aus dem Weg räumt…

Meinung

Da ich sowohl die Bücher der Autorin gerne lese, als auch Thriller mit ungewöhnlichen Plots, stand dieser Spannungsroman hier weit oben auf meiner Wunschliste. Und ich wurde nicht enttäuscht. Anfangs hat mich das tiefe Misstrauen der Protagonistin gegenüber ihrem Mann etwas irritiert und auch die Tatsache, wie mühelos sie sich in ihr eigenes Schicksal hineinfindet, aber nach den ersten Seiten verflüchtigt sich dieser Eindruck und weicht einer spannenden Story über Verrat, Missgunst und Bösartigkeit.

Viola wird dabei von ihren Mitmenschen permanent unterschätzt, obwohl sie sich sehr gut in einer Welt, die sich gegen sie verschworen hat, zurechtfindet. Zielgerichtet verfolgt sie ihre eigenen Pläne und lässt sich von Rückschlägen nicht entmutigen. Die konsequente Erzählperspektive der Ich-Erzählerin macht es besonders interessant, weil man dadurch selbst nur ein eingeschränktes Sichtfeld hat. Außerdem hütet sie auch ein Geheimnis, welches die Motivlage des Anschlags auf sie sehr eindeutig werden lässt.

Fazit

Sehr gerne vergebe ich hier 5 Lesesterne für einen temporeichen, interessanten Thriller, der das Augenmerk nicht auf Mord legt, sondern auf Hinterhältigkeit, Rachsucht, Betrug und Manipulation. Abwechslungsreich und unterhaltsam gestalten sich die einzelnen Szenen und der Leser wird zum Miträtseln animiert. Die Protagonisten punkten alle nicht mit vorbildlichen Charakteren und jeder trägt eine dunkle Seite in sich, deshalb ist das Identifikationspotential eher gering, dafür bleibt der Unterhaltungsfaktor das bestechende Argument und lässt die Lesezeit wie im Flug vergehen.

Veröffentlicht am 13.02.2026

Die Nacht bleibt wach

Der letzte Sommer der Tauben
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"Nein, Tauben sind wohl keine Bedrohung - sind weder atheistisch noch religiös. Westlich sind sie auch nicht."

Inhalt

Es ist noch nicht lange her, da haben die Mudschahedin die Willkürherrschaft übernommen ...

"Nein, Tauben sind wohl keine Bedrohung - sind weder atheistisch noch religiös. Westlich sind sie auch nicht."

Inhalt

Es ist noch nicht lange her, da haben die Mudschahedin die Willkürherrschaft übernommen und das Kalifat ausgerufen. Doch sehr schnell und direkt wird ihre Herrschaft manifestiert, indem rigorose, oft tödliche und sofortige Strafen verhenkt werden, bzw. auf offener Straße Demütigungen stattfinden. Es ist unmissverständlich: Wer sich nicht an die Vorgaben der Herrschenden hält, wird bestraft und bezahlt sein Ungehorsam mit dem Leben. Noah´s Familie ist gläubig aber auf eine ganz entspannte Art, man bemüht sich um ein gutes Miteinander und sorgt sich um die Seinen. Die nun regierende Strenge erlegt seiner Familie viele Bürden auf. Trotz der Tatsache, dass sich seine Angehörigen weitestgehend an die neuen Gesetze halten, erkennt Noah, dass jedwedes Andersdenken gefährlich sein kann. Als sein geliebter Onkel Ali, mit dem ihm die gemeinsame Taubenzucht verbindet, in einer Nacht und Nebelaktion fliehen muss, ahnt der Jugendliche das es kaum möglich sein wird, sich unter dem Radar der Regierenden zu verstecken.

Meinung

Dies ist bereits das dritte Buch des in Bagdad geborenen Abbas Khider, welches ich gelesen habe. Seine Romane thematisieren meist bewegende Familiengeschichten vor der Kulisse eines totalitären Staates. Auch hier findet er mühelos vom Kleinen ins Große: von praktizierenden Taubenzüchtern, die eine gemeinsame Passion verbindet, bleibt letztlich nur eine traurige Hobbygemeinschaft, die um ihre Mitglieder fürchtet und jeglicher Illussion beraubt wird. Es wird eindrücklich vermittelt, wie gezielte Verfolgung, Bestrafung und Unterdrückung aussieht und was sich dadurch in den Menschen verschiebt, je nachdem, wie alt, gesund und motiviert sie sind. Die Versprechen, die dem Einzelnen gegeben werden sind nur so lange gültig, wie dieser sich als nützlich erweist - jede Abweichung wird eliminiert.

Der Text selbst ist in kleine Passagen unterteilt, die Momentaufnahmen darstellen und durch den Filter des Jugendlichen an den Leser weitergereicht werden. Düstere Wolken türmen sich immer mehr auf und als selbst die Taubenzucht reglementiert und teilweise untersagt wird, erkennt auch der Junge, das Angst und Schrecken zum probaten Mittel gegen die Freiheit geworden sind. Die Geschichte birgt auf ca. 200 Seiten viele Weisheiten, sie regt zum Nachdenken an und beweist, das kleine Verschiebungen genügen, um ein ganzes Volk zu spalten.

Fazit

Ich vergebe gute 4 Lesesterne für diesen augenöffnenden, schlichten Roman, der mit wenig Worten vermag, sehr viel auszudrücken. Der Schreibstil war mir stellenweise etwas zu sachlich, was sicherlich auch an der gewählten Erzählperspektive lag, denn Noah ist ein gut erzogener, bisher meist angepasster stiller Teenager, der sich in erster Linie durch seine Freunde und Tauben verstanden fühlt. Die Reaktionen innerhalb seiner Familie und die bösartigen Entwicklungen, die immer mehr für Entzweiung sorgen, nimmt er wahr, doch lässt auch vieles unkommentiert bzw. schreckt er vor seinen Beobachtungen zurück. Am nächsten habe ich mich seinem Onkel Ali gefühlt, demjenigen, der schon viel gesehen und erlebt hat und sehr genau weiß, wann es an der Zeit ist, Vorkehrungen für ein anderes Leben zu treffen. Es hat mir ausgesprochen gut gefallen, dass die Inhalte hier metaphorisch vermittelt werden - die Tauben sind die Sinnbilder für die Hoffnung der Menschen und sie akzeptieren ihr Leben in Gefangenschaft genau so stoisch, wie es der Mensch können müsste, um unter diesen Bedingungen irgendwie existieren zu können. Doch sobald sich der Käfig öffnet, wissen die Tiere ganz genau, wohin sie müssen und wie sich Leichtigkeit und Zusammenhalt anfühlt.


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Veröffentlicht am 07.02.2026

Das Lied meines Herzens

Kleopatra
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" So ist das mit den Geschichten, du musst immer auch die Geschichte des Erzählers kennen."

Inhalt

Als ihr Vater stirbt, rückt die junge Kleopatra in der Geburtenreihenfolge auf seinen Platz. Fortan ...

" So ist das mit den Geschichten, du musst immer auch die Geschichte des Erzählers kennen."

Inhalt

Als ihr Vater stirbt, rückt die junge Kleopatra in der Geburtenreihenfolge auf seinen Platz. Fortan soll sie als Pharaonin die Geschicke ihres Heimatlandes Ägypten leiten und lenken. Sie selbst nimmt die Herausforderung an, fühlt sich mit Land und Leuten eng verbunden und möchte, das Ägypten stark, autark und voller Wohlstand bleibt. Doch die Ränkespiele ihrer jüngeren Geschwister, die mit ihren Gegnern unseelige Verbindungen schließen, zwingt sie dazu, sich Verbündete aus Rom zu holen. Sie wendet sich an Julius Caesar, der ebenfalls ein Weltreich führt und ihr als Freund des verstorbenen Vaters seine Unterstützung zusichert. Doch die beiden verbindet bald mehr als nur politisches Interesse. Der römische Kaiser verfällt der deutlich jüngeren Kleopatra schnell und sie planen gemeinsam weiter zu regieren. Doch auch Caesars Gegner schmieden unheilvolle Pläne und die Geschichte nimmt ihren Lauf ...

Meinung

Hier war meine Neugier von Anfang an geweckt, denn obwohl ich schon einige Sachbücher über Kleopatra gelesen habe , wurde hier bereits klar kommuniziert, das es sich nicht um ein weiteres historisches Werk handelt, sondern um einen fiktiven Roman, in dem Kleopatra selbst ihre Geschichte erzählt. Die Idee fand ich sehr reizvoll und wollte mich gern mit den Gedanken der jungen Königin auseinandersetzen, auch wenn die Wahrheit hier natürlich keine sein wird, sondern lediglich der Phantasie der Autorin Saara El-Arifi entsprungen ist.

Ganz im Gegenteil, ich wollte mich auf die Spuren der Ägypterin begeben und habe mir erhofft, ihrem Denken und Handeln näher zu kommen. Prinzipiell hat mich dabei auch nicht die Fokussierung auf die Männer in Kleopatras Leben gestört auf wildes Begehren und Seelenverwandschaft. Trotzdem bin ich vom Gesamtpaket etwas enttäuscht.

Die Hauptprotagonistin bleibt mir hier leider viel zu blass, ich hatte das Gefühl keine echten Emotionen und Gedanken wahrzunehmen, sondern solche, die stets bemüht sind das Bild der Pharaonin aus der Historie mit dem als Frau in Einklang zu bringen. Geschwisterbeziehungen, Männerliebschaften und Mutterliebe sind zentrale Punkte im Handlungsverlauf, bleiben aber viel zu unbestimmt. Kleopatra sieht sich hier selbst in ihrer Rolle als historische Figur und versucht im Nachhinein ihre eigenen Gedanken zu den verfälschten, bruchstückhaften oder beschämenden Kommentaren der Schreiber darzulegen. Das ganze wirkt wie eine Rechtfertigung, für all die Dinge in ihrem Leben, die sie mit Schuld besudelt haben aber auch mit Glanz und Glorie. Lange Zeit hat es für mich keinen Sinn gemacht, warum sie als eine Art auktoriale Erzählerin auftritt, obwohl ich doch auf den inneren Monolog gehofft habe. Erst im Epilog erschließt sich der Zusammenhang, der mich allerdings noch wesentlich stärker mit den Augen hat Rollen lassen. Diese Wendung erklärt zwar einiges, verdirbt aber die Story nachhaltig und lässt mich hier nur zu einer mittelmäßigen Bewertung kommen.

Fazit

Für diesen fiktionalen Roman über das Leben und Wirken der sagenumwobenen Pharaonin vergebe ich 3 Lesesterne. Die Idee dieser Erzählung hätte äußerst vielversprechend sein können und eventuelle historische Faux-Pas hätte ich verziehen, doch die fehlende Nähe zur Erzählerin, ihr ständiges Kalkül sich selbst gegenüber und die Oberflächlichkeit mit der sie ihre Gedanken beschreibt, haben mich als Leser im Stich gelassen. Tatsächlich hatte ich nach dieser Lektüre eher das Gefühl eine schwächere Person kennengelernt zu haben, als das Bild jener Frau, die ich bisher vor meinem inneren Auge hatte, auch wenn dieses lediglich aus dritter oder vierten Hand stammen mag. Die schillernde, besondere Frau, die mit Kalkül ein Weltreich regiert, wirkt hier eher schwach, einsam und abhängig von anderen, obwohl sie ja genau dies weder war noch sein wollte. Es gibt bestimmt viele Leser, die an dieser Geschichte mehr Gefallen finden, sie ist kurzweilig, bildlich beschrieben und entwirft einen stimmigen Hintergrund. Vielleicht liest sich der Text mit weniger Kenntnissen und anderen Erwartungen richtig gut, für mich war es leider nicht das Richtige.

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Veröffentlicht am 01.12.2025

Mama ist tot und Papa ein Mörder

Da, wo ich dich sehen kann
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"Trauer hat die unangenehme Eigenschaft, einen einzukapseln und irgendwie abzuspalten von allen anderen. Es ist ein zutiefst persönliches Gefühl, das eine Art unsichtbareMembran um einen zieht."

Inhalt

Maja ...

"Trauer hat die unangenehme Eigenschaft, einen einzukapseln und irgendwie abzuspalten von allen anderen. Es ist ein zutiefst persönliches Gefühl, das eine Art unsichtbareMembran um einen zieht."

Inhalt

Maja findet ihre leblose Mutter im Wohnzimmer und verständigt den Notarzt. Als die Sanitäter kommen, offenbart sich Ihnen ein Familiendrama - der Vater hat die Mutter stranguliert, die 9-jährige Tochter steht fassungslos daneben und sucht all die Schuld bei sich, denn eigentlich hatte sie Papa viel lieber als Mama und die beiden haben immer so laut gestritten, ganz gewiss wegen ihr. Nun ist Mama tot und Papa ein Mörder. Die kleine Welt des Kindes zerbricht von jetzt auf gleich. Zunächst kommt Maja zu den mütterlichen Großeltern, auch wenn die viele Kilometer weit weg wohnen, nach dem richterlichen Beschluss jedoch zu den Großeltern väterlicherseits. Das Kind fängt an, sich selbst zu verletzen, wegzulaufen und sich in ernste Schwierigkeiten zu bringen. Nur Mamas beste Freundin Liv, die selbst maßlos trauert, schenkt Maja ein bisschen Geborgenheit und erklärt ihr nicht nur das Universum, sondern auch, warum sie keine Schuld an den Entwicklungen trägt und ihre Mama sie ganz gewiss lieb hatte ...

Meinung

Von der Autorin habe ich bereits zahlreiche Bücher gelesen, die ich alle gern mochte, deshalb war ihr neuester Roman förmlich "Pflichtlektüre" für mich. Außerdem ist die Thematik des Femizids eine ganz besondere, die deutlich macht, wie schlimm das Leben mancher Frau unter der Hand eines gewaltätigen Mannes ist. Und dabei kann man die zahlreichen Familiendramen, die fast täglich durch die Medien flimmern, als Außenstehender vielleicht ausblenden, oder die Opfer bemitleiden, warum sie es nicht geschafft haben, sich von den Fesseln der Partnerschaft zu befreien, doch so einfach ist es nicht.

Im vergangenen Jahr hat in meinem Bekanntenkreis ein ähnliches Verbrechen stattgefunden. Opfer und Mörder waren zwar erst Anfang 20, aber die zurückgewiesene Liebe des einen, hat den anderen vorsätzlich zur Tat verleitet - letztlich sind zwei junge Menschen dem Mord bzw. Selbstmord zum Opfer gefallen und keiner der Hinterbliebenen hätte diese Entwicklung kommen sehen, geschweige denn verhindern können - die Ohnmacht der Trauernden ist auch in diesem Roman die grundlegende Komponente.

Gerade die Perspektivenvielfalt verleiht dem Text eine immense Tiefe, jede Zeile ist harter Tobak und ich musste ganz oft die Tränen wegblinzeln . Die psychologische Betreuung der Hinterbliebenen scheint mir enorm wichtig und wird auch hier angesprochen und gelebt, auch wenn man sieht, wie schwer der Zugang zu den Menschen herzustellen ist, die sich immer selbst in der Verantwortung für das große Unglück sehen.

Fazit

Ich vergebe 5 Lesesterne für dieses bemerkenswerte Buch, welches sehr nahbar und ehrlich die Schrecken in scheinbar "ganz normalen" Familien heraufbeschwört. Fraglich bleibt, ob irgendwer hätte die Tat verhindern können, doch letztlich kann man keine Antwort auf diese Frage finden. Es hat mich froh gestimmt, dass trotz der traurigen Grundstimmung und des vorherrschenden Schmerzes so viel Zusammenhalt zwischen den Menschen existiert, dass zumindest in diesem Fall ein Kind einen sicheren Zufluchtsort findet und sich irgendwann mit den unbeschreiblichen Taten angstfrei auseinandersetzen kann. Der Text ist zudem abwechslungsreich gestaltet, beinhaltet Kinderzeichnungen, psychologische Gespräche, Gerichtsurteile und Gutachten - viele Personen wirken mit, wenn es heißt, wieder einen Alltag zu bewerkstelligen, obwohl die Trauer das dominante Gefühl aller zu sein scheint und geliebte Menschen unwiderruflich ihren Status verlieren oder das Leben selbst.

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