Drei Namen, drei Leben, eine Bürde
Die Namen„Seit ein paar Jahren geht sie zu einer Therapeutin, aber auch sie hat lange gebraucht, um die schwersten Steine anzuheben und die dunkle Erde darunter zu betrachten, wo ihre Ängste und Sorgen vor dem ...
„Seit ein paar Jahren geht sie zu einer Therapeutin, aber auch sie hat lange gebraucht, um die schwersten Steine anzuheben und die dunkle Erde darunter zu betrachten, wo ihre Ängste und Sorgen vor dem Licht weghuschen, wie Kellerasseln.“
Inhalt
Bear ist der Sohn eines Mörders, seinen Vater kennt er nicht, weil dieser seit Jahren im Gefängnis sitzt. Julian ist Halbwaise, er musste ohne seine Mutter aufwachsen, die Opfer ihres gewalttätigen Mannes wurde. Gordon hat eine klassische Familie, doch in den eigenen vier Wänden dominiert der prügelnde Vater den Alltag. Die drei Männer sind ein und dieselbe Version in drei möglichen Parallelwelten. Wie würde das Leben aussehen, wenn man einen anderen Namen trägt und doch im gleichen Kontext lebt? Wer kann man werden und wer möchte man sein?
Meinung
Die Idee zu diesem spannenden Roman ist ebenso simpel wie genial. Eine leichte Fiktion bildet die Basis für verschiedene Szenarien, die sich dennoch nur geringfügig unterscheiden, denn die Prägung eines Individuums in jungen Jahren ist so nachhaltig und umfassend, dass selbst wechselnde Rahmenhandlungen nur bedingte Veränderungen zulassen. Trotzdem können Lebenswege ganz anders verlaufen, doch dazu bedarf es nicht nur eines anderen Namens, sondern ganz bewusster Entscheidungen für oder gegen ein bestimmtes Verhalten.
Die Konstanten der Geschichte sind hier die Mutter aber noch viel mehr die ältere Schwester des Hauptprotagonisten – zwischen diesen Polen erlebt der Leser abwechselnd die drei Wege eines Mannes im Abstand von jeweils sieben Jahren. Diesen Zeitraffer empfand ich als gelungen und glaubwürdig, dennoch hätte es mir besser gefallen, wenn der jeweilige Name in sich geschlossen gewesen wäre, bevor die nächste Episode unter anderem Namen nur zur gleichen Zeit aufgegriffen wird. So wie es war blieben mir alle drei Persönlichkeiten irgendwie fremd und gedanklich musste man gut sortieren, um nicht durcheinander zu kommen.
Fazit
Ich vergebe gute 4,5 Lesesterne, die ich zu 5 aufrunden möchte. Gerade der gängige Schreibstil und die einfache aber aussagekräftige Intention des Romans machen ihn zu einem Pageturner. Die Thematik der häuslichen Gewalt, die sich hier in erster Linie auf die Lebenspartnerin beschränkt, zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Die psychologischen Folgen für die Kinder und deren spätere Entwicklung vollzieht sich stimmig und dramatisch. Die Probleme der einen Generation werfen lange Schatten in die der nächsten hinein. Dabei spielt es nicht unbedingt eine Rolle, wann man dem Terror entkommen ist, sondern vielmehr wie man mit der Situation umgeht. Die Bürde der Verantwortung und die Schwierigkeiten, sich der eskalierenden Gewalt zu entziehen sind glaubwürdig und empathisch geschildert. Lediglich die Emotionalität geht auf Grund der Erzählstruktur etwas verloren: Der Leser schaut von außen zu, wie innen alles zerbricht und bleibt dem Geschehen als Beobachter verbunden.