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Veröffentlicht am 02.06.2026

Eine aufwühlende Fahrt in Richtung Ewigkeit

Die Mitternachtsreise
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Wilbur ist 81 Jahre alt, als er an einem Herzinfarkt stirbt. Er findet sich als Geist an einem Bahnhof wieder, in der Hand ein Ticket für den Mitternachtszug. Dieser fährt kurz darauf ein, und ein weiterer ...

Wilbur ist 81 Jahre alt, als er an einem Herzinfarkt stirbt. Er findet sich als Geist an einem Bahnhof wieder, in der Hand ein Ticket für den Mitternachtszug. Dieser fährt kurz darauf ein, und ein weiterer Geist heißt ihn Willkommen. Es ist Agnes Bagdale, in deren Buchladen Wilbur als Kind stundenlang stöbern konnte und den er später übernommen und zu einer großen Kette ausgebaut hat. Sie nimmt ihn mit auf eine chronologische Reise durch sein Leben, beginnend bei seiner Kindheit. Bei den Momenten, die ihn am meisten geprägt haben, muss er aussteigen und sie als Geist beobachten. Wilbur durchlebt die Höhen und Tiefen seines Lebens und beginnt sich zu fragen, ob er etwas anders hätte machen sollen. Agnes beharrt darauf, dass die Vergangenheit unabänderlich ist und er sich an die Regeln halten müsse. Denn sonst… ja, was eigentlich?

Das Buch beginnt im Jahr 1974 in Venedig, wo sich Wilbur mit seiner Frau Maggie in den Flitterwochen befindet. Die beiden genießen die Zeit in vollen Zügen und überlegen, wie es wohl wäre, für immer in der Stadt zu bleiben. 52 Jahre später lebt Wilbur allein und ist verwundert, als Maggie ihn anruft, denn er hat seit Jahrzehnten nicht mit ihr gesprochen. Der Wunsch nach weiteren Gesprächen wird durch seinen Tod, der ihn kurz darauf ereilt, nicht erfüllt. Als Leserin war ich natürlich neugierig, was in all den Jahren dazwischen passiert ist.

Bevor man wieder im Jahr 1974 landet vergeht einige Zeit, denn erst einmal erhält man Einblicke in Wilburs schwierige Kindheit. Sein Vater ist im Krieg gestorben, seine Mutter ist mit zwei Kindern sichtlich überfordert und das Geld ist knapp. Wilburs älterer Bruder Dougie gerät schon früh auf die schiefe Bahn. Auch Maggie, die Wilbur schon seit der Kindheit kennt, hat bald ihren ersten Auftritt. Das Tempo ist hoch, da immer nur einzelne prägende Szenen aus Wilburs Leben herausgegriffen werden. Dazwischen gibt es Szenen im Zug, in denen Wilbur sein Leben vorbeiziehen sieht, Agnes über die Regeln ausfragt und reflektiert, wieso er welche Entscheidung getroffen hat.

Die sich langsam entwickelnde Liebesgeschichte zwischen Wilbur und Maggie hat mir sehr gut gefallen. Die beiden passen perfekt zusammen und als Leserin hoffte ich, dass Wilbur begreift, in welchen Momenten er Entscheidungen getroffen hat, die ihn von Maggie entfernt haben. Während Agnes darauf beharrt, dass Wilbur als Geist keinerlei Einfluss auf das Geschehene nehmen kann, gibt es immer wieder Momente, die daran zweifeln lassen. Daher blieb ich gespannt, ob nicht doch irgendetwas Unerwartetes passieren wird, bevor die Fahrt wie von Agnes angekündigt in der Ewigkeit endet.

„Die Mitternachtsreise“ ist eine wirklich gelungene Ergänzung zu „Die Mitternachtsbibliothek“. Über den Gastauftritt von Nora, der Protagonistin des ersten Buchs, habe ich mich sehr gefreut. Die Überlegungen, welche Leben man mit anderen Entscheidungen hätte leben können, werden hier durch eine rückblickende Perspektive ergänzt. Wer den ersten Band mochte, der sollte nicht zögern, in den Mitternachtszug einzusteigen!

Veröffentlicht am 14.05.2026

Neue Abenteuer in der Welt der Dschinn

Der Aschefeuerkönig
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Nach dem epischen Kampf gegen Omar und seine vierzig Räuber sind Loulie, Mazen und Rijah durch ein Loch in die Welt der Dschinn gestürzt. Dort finden sie sich auf einer Insel in einem Ozean aus Sand wieder. ...

Nach dem epischen Kampf gegen Omar und seine vierzig Räuber sind Loulie, Mazen und Rijah durch ein Loch in die Welt der Dschinn gestürzt. Dort finden sie sich auf einer Insel in einem Ozean aus Sand wieder. Ein Schiff bringt sie in die Stadt Dhahab, wo sie alles andere als freundlich empfangen werden. Die ehemalige Räuberin Aisha muss sich unterdessen damit abfinden, dass sie sich ihren Körper fortan mit der Dschinn der Auferstehung teilt. Als sie in der Wüste auf Hakim trifft, schmieden die beiden gemeinsam einen Plan, um Qadir aus den Fängen Omars zu befreien.

Den ersten Teil der Sandsea Chronicles, „Der Sternenstaubdieb“, habe ich vor über einem Jahr gelesen. Daher fand ich es klasse, dass zu Beginn dieser Fortsetzung auf ganzen acht Seiten zusammengefasst wird, was bisher geschah. Dadurch war ich schnell wieder mittendrin in der Geschichte und war neugierig, was Loulie in der versunkenen Welt der Dschinn erleben wird. Erst einmal müssen sie herausfinden, was in der Stadt Dhahab eigentlich vor sich geht, während an der Oberfläche Aisha und Hakim Pläne schmieden.

Das Tempo der Geschichte ist zunächst gemächlich. Es wird viel diskutiert und Pläne werden geschmiedet. Dabei musste ich erst mal verstehen, was genau nun das Problem ist. Die Welt der Dschinn ist nämlich versunken, und innerhalb der versunkenen Welt versinken nun die Städte im Sand. Nun wollen einige die von den Ifrit erschaffenen Bindungen gelöst werden, damit die ganze Welt wieder auftauchen kann, andere sind aber strikt dagegen. Das klingt kompliziert und ist es auch. Tagelang kam ich in der Geschichte nicht richtig vorwärts, bis endlich mehr Schwung in die Handlung kam.

In diesem Buch geht es viel um Bündnisse, die eingegangen und wieder gebrochen werden und geheime Pläne, welche das Schicksal der ganzen Welt beeinflussen können. Die magische Welt der Dschinn ist dafür eine tolle, atmosphärische Kulisse. Ich habe die Charaktere schnell wieder ins Herz geschlossen und bangte mit, ob ihre riskanten Wagnisse sich auszahlen werden. Mindestens hundert Seiten weniger hätten dem Buch gut getan, um mehr Schwung ins Geschehen zu bringen.

Letztlich ist es ein typischer Mittelteil, in dem viele Weichen für das große Finale im dritten Band gestellt werden und man das Gefühl hat, dass dafür noch einiges aufgespart wird. Ein fieser Cliffhanger am Ende des Buches sorgte dafür, dass ich am liebsten sofort weiterlesen will, um zu erfahren, wie die Geschichte enden wird. Wer die magische Welt aus „Der Sternenstaubdieb“ mochte, der findet in diesem Buch neue Abenteuer für die liebgewonnenen Charaktere auf dem Weg zum Showdown.

Veröffentlicht am 14.05.2026

So fühlt sich das Miteinander an

Hör mal (Soundbuch): DU und ICH und unser WIR
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Der Alltag in der Gartenstraße Nummer vier ist kunterbunt: Hier wird gespielt, gelacht, gegessen und geschlafen. Auf sechs Doppelseiten begleiten wir eine Mutter und ihr Kind durch den Tag. Neben der Katze ...

Der Alltag in der Gartenstraße Nummer vier ist kunterbunt: Hier wird gespielt, gelacht, gegessen und geschlafen. Auf sechs Doppelseiten begleiten wir eine Mutter und ihr Kind durch den Tag. Neben der Katze ist auch das kleine grüne Wir immer dabei. Ob beim gemeinsamen Gärtnern, beim Tanzen im Regen oder wenn man sich wehgetan hat – das Buch vermittelt gelungen, wie sich das Miteinander anfühlt. Die liebevollen Zeichnungen werden von kurzen, gereimten Texten begleitet. Richtig lebendig wird die Geschichte durch die Sounds, die auf jeder Seite abgespielt werden können. Es wird viel gelacht und gekichert, aber auch gekuschelt und das Aua weggepustet. Besonders praktisch finde ich, dass keine Batterie enthalten ist, sondern die Aufladung per USB-C erfolgt.

Ich finde es schön, hier eine alleinerziehende Mutter mit ihrem Kind zu sehen und meinem Sohn damit vermitteln zu können, dass Familien ganz verschieden sein können und es nicht immer einen Papa gibt wie bei uns. Die beiden haben leider keine Namen, daher haben wir uns welche ausgedacht. Ich kannte das kleine Wir vor diesem Buch noch nicht und finde die Idee, dieses als kuscheliges grünes Wesen darzustellen, gelungen. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter!

Veröffentlicht am 25.04.2026

Ein schönes Buch für kleine Helfer

Hilf den Tierkindern
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Das Mini-Mitmachbuch „Hilf den Tierkindern“ von Nico Sternbaum hat ein handliches 15x15 cm Format und lädt die Kleinsten zum Helfen ein. Fünf verschiedene Situationen laden dazu ein, einem oder mehreren ...

Das Mini-Mitmachbuch „Hilf den Tierkindern“ von Nico Sternbaum hat ein handliches 15x15 cm Format und lädt die Kleinsten zum Helfen ein. Fünf verschiedene Situationen laden dazu ein, einem oder mehreren Tierkindern zu helfen. Eine Doppelseite zeigt jeweils eine Problemsituation und es wird beschrieben, was zu tun ist. Auf der Folgeseite sind dann die glücklichen Tiere zu sehen, nachdem ihnen geholfen wurde. Man muss rufen, tippen und streicheln. Am Besten gefällt meinem 15 Monate alten Sohn das kleine Schaf, das Stroh am Kopf hat. Hier soll er mit dem eigenen Kopf wackeln, um dem Tierkind zu zeigen, wie es das Stroh wieder los wird. Ein großer Spaß!

Die Mimik der kleinen Tiere finde ich gelungen. Sie blicken zunächst traurig drein und freuen sich dann riesig, wenn das Problem gelöst wurde. Die Illustrationen enthalten wenige Details, sodass der Fokus ganz auf den Tieren liegt. Zu diesen hat mein Sohn gleich eine Verbindung aufgebaut, er freut sich immer wieder darauf, durch das Buch zu blättern und ihnen zu helfen. Sehr gerne empfehle ich das Buch an andere kleine Helfer weiter!

Veröffentlicht am 19.04.2026

Vom Erinnern, Loslassen und Nachvornblicken

Mirabellentage
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Anna ist Anfang 50 und hat die letzten Jahrzehnte als Haushaltshilfe des Dorfpfarrers Josef gearbeitet, mit dem sie seit ihrer gemeinsamen Kindheit befreundet ist. Als dieser unerwartet stirbt, gerät Annas ...

Anna ist Anfang 50 und hat die letzten Jahrzehnte als Haushaltshilfe des Dorfpfarrers Josef gearbeitet, mit dem sie seit ihrer gemeinsamen Kindheit befreundet ist. Als dieser unerwartet stirbt, gerät Annas bisher klar strukturierter Alltag ins Wanken. Sie muss die Beerdigung organisieren und den unerwartet schnell angetretenen neuen Pfarrer Willkommen heißen. Vor allem aber lässt ihr Josefs letzter Wunsch keine Ruhe: Er möchte, dass sie seine Asche ans Meer bringt. Doch wie soll das gehen? Seit ihrer Führerscheinprüfung ist sie nicht mehr Auto gefahren, sie war noch nie am Meer und die Mirabellen sind reif und warten darauf, zu Marmelade verarbeitet zu werden.

Als Leserin lernte ich Anna kurz nach dem Tod von Josef kennen. Sie ist damit beschäftigt, zu funktionieren und alle notwendigen Aufgaben abzuarbeiten. Auf diese Weise geht sie mit ihrer Trauer um. Dass schon vor der Beerdigung der neue Pfarrer anreist, den sie mit seinem norddeutschen Akzent als Bayerin kaum versteht, sorgt für zusätzlichen Wirbel. Und als sie ihren alten Fahrlehrer um eine Auffrischung ihrer Fahrpraxis bittet, muss sie feststellen, dass ihr Schwarm von damals immer noch ihr Interesse wecken kann.

Es gibt viele Rückblenden, denn zum einen erinnert sich Anna an ihre Erlebnisse mit Josef zurück und zum anderen erzählt sie dem neuen Pfarrer so manche Anekdote über das Leben im Dorf und in der Pfarrgemeinde. Martina Bogdahn erzählt liebevoll von dem Dorfleben mit all seinen Eigenheiten und skurrilen Begebenheiten und konnte mich damit sehr gut unterhalten. In der Gegenwartsebene trifft Anna Vorbereitungen für die Reise ans Meer, von der sie gar nicht weiß, ob sie diese wirklich antreten will. Ich fand es schön, sie dabei zu begleiten, das Geschehene zu verarbeiten und zu akzeptieren und sich dem zu stellen, was vor ihr liegt. Allerdings hätte ich mir auf dieser Zeitebene stellenweise noch mehr erzählerische Entwicklung gewünscht.

Insgesamt hat mir „Mirabellentage“ sehr gut gefallen. Es ist ein ruhiger Roman vom Erinnern, Loslassen und Nachvornblicken, der von Atmosphäre, Figurenzeichnung und einem augenzwinkernden Blick auf den Dorfalltag lebt. Wer solche Geschichten mag, der wird sich hier gut aufgehoben fühlen!