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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.06.2026

Robert Seethaler mal anders und doch auch nicht

Die Straße
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Robert Seethaler mal anders und doch auch nicht

Die Straße ist eine ganz normale Straße, wie man sie überall finden könnte. Mit ganz normalen Bewohnern, die ganz normale Probleme haben. Und ich glaube, ...

Robert Seethaler mal anders und doch auch nicht

Die Straße ist eine ganz normale Straße, wie man sie überall finden könnte. Mit ganz normalen Bewohnern, die ganz normale Probleme haben. Und ich glaube, genau das war eins meiner Probleme mit diesem (Hör-) Buch. Wenn ich zu einem Buch greife, möchte ich darin etwas anderes erleben als das, was sich tagtäglich vor meiner Haustür abspielt. Ich möchte meinem Alltag entfliehen. Das konnte ich mit diesem Buch kaum.

Zudem war mir der Aufbau des Buches (Roman möchte ich es gar nicht nennen) zu kleinteilig. Hier reiht sich eine lose Szene an die andere. Ständig springen wir zwischen den einzelnen Bewohnern der Straße hin und her, lauschen ihren Dialogen und Gedanken, die sich nur selten auf die anderen beziehen. Ohne Kapitelüberschriften dauert es immer ein wenig, bis wieder klar wird, bei welcher Person wir uns gerade befinden. Bei sehr kurzen Szenen von nur wenigen Sätzen nervte mich das, denn gerade als ich endlich wusste, wo ich gelandet bin, wurde ich schon wieder weitergeschickt. Das war etwas frustrierend.

Robert Seethaler fühlt sich wie gewohnt punktgenau und detailliert in seine Protagonist*innen ein. Die Bewohner der Straße erwachen fast zum Leben, auch dank Matthias Brandt, der das Buch hervorragend eingelesen und jedem Protagonisten eine eigene Stimme gegeben hat. Als Lesende/Hörende bekommt man den Eindruck, daneben zu stehen, direkt dabei zu sein. Dieses Gefühl mochte ich sehr.

Das Hörbuch erschien im April 2026 ungekürzt bei Hörbuch Hamburg. Es hat eine Laufzeit von 4 h 9 min.

★★★☆☆

Veröffentlicht am 01.06.2026

Viel Lärm um nichts

Die Letzten werden die Ersten sein
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Viel Lärm um nichts

In der Regel finde ich die Romane von Lionel Shriver absolut stark. Leider konnte mich „Die Letzten werden die Ersten sein“ nicht begeistern. Die Autorin nimmt hier den Fitnesswahn ...

Viel Lärm um nichts

In der Regel finde ich die Romane von Lionel Shriver absolut stark. Leider konnte mich „Die Letzten werden die Ersten sein“ nicht begeistern. Die Autorin nimmt hier den Fitnesswahn aufs Korn und beschäftigt sich zudem mit dem Älterwerden samt körperlichem Verfall. Es hätte eine tiefgründige und/oder lustige Geschichte werden können. Tatsächlich fand ich es über weite Strecken etwas langweilig. Die Gesellschaft wird zwar treffend beschrieben, aber das wirkt oft recht banal und brachte mir kaum neue Erkenntnisse. Der detailreiche Schreibstil bläht die wenige Handlung auf, mehr Spaß bringt er nicht.

Alles in allem ein Buch, das man lesen, auf das man aber auch gerne verzichten kann.

★★★☆☆

Veröffentlicht am 28.05.2026

Als Winzer lebt man gefährlich

Weinstraßenbetrug
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Als Winzer lebt man gefährlich

Dies ist schon das 8. Buch in der Reihe Weinstraßen-Krimis von Markus Guthmann. Ich kenne die vorherigen leider nicht, kam aber auch ohne Vorkenntnisse super zurecht.

Ein ...

Als Winzer lebt man gefährlich

Dies ist schon das 8. Buch in der Reihe Weinstraßen-Krimis von Markus Guthmann. Ich kenne die vorherigen leider nicht, kam aber auch ohne Vorkenntnisse super zurecht.

Ein tödlicher Unfall in einer Weinpresse, der eigentlich gar nicht hätte passieren dürfen, lässt die Alarmglocken von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft läuten. Wenn man dann noch bedenkt, dass erst wenige Monate zuvor schon mal ein Winzer durch einen Unfall ums Leben kam, kann man schon fast sicher sein, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zuging. Und so ermitteln der Kriminalkommissar Steiner und der Oberstaatsanwalt Röder wegen Mordverdachts. Als dann auch noch Röders Freund, der Winzer Hellinger, unter Verdacht gerät, teuren Wein zu fälschen, muss Röder sich auch noch darum kümmern, diesen Verdacht zu entkräften. Das ist gar nicht so einfach, da Röder wegen Befangenheit nicht ermitteln darf.

Mir hat dieser Weinstraßenkrimi recht gut gefallen. Er birgt viel Lokalkolorit, zieht sich über weite Teile der pfälzischen Weinstraße und lebt von der entsprechenden Atmosphäre. Mir ist die Gegend gut bekannt und so konnte ich vieles auch problemlos einordnen. Auch die Pfälzer an sich kenne ich gut, und ja, sie sind genauso wie hier dargestellt samt ihrem Dialekt, der hier auch oft zum Vorschein kommt. 

Der Krimi ist einigermaßen spannend, auch teilweise überraschend, dann aber auch wieder ein bisschen vorhersehbar. Er macht auf jeden Fall Lust darauf, auch die vorherigen Bände zu lesen.

Die Reihe:
1. Weinstraßenmord
2. Weinstraßenmarathon
3. Weinstraßenrallye
4. Weinstraßenabsturz
5. Weinstraßengold
6. Weinstraßenrache
7. Weinstraßenhölle
8. Weinstraßenbetrug

★★★★☆

Veröffentlicht am 25.05.2026

Eine echt krasse Familie

Verlorene Schäfchen
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Eine echt krasse Familie

Alle fünf Mitglieder der Familie Flynn befinden sich in einer Krise. Catherine ist mit ihrer Rolle als Mutter und Ehefrau gar nicht glücklich. Sie beschließt, dass ihre Ehe fortan ...

Eine echt krasse Familie

Alle fünf Mitglieder der Familie Flynn befinden sich in einer Krise. Catherine ist mit ihrer Rolle als Mutter und Ehefrau gar nicht glücklich. Sie beschließt, dass ihre Ehe fortan offen sein soll - gegen den Willen ihres Ehemanns Bud. Während Catherine sich mit dem Nachbarn vergnügt, zieht Bud in die Garage und liebäugelt damit, seinem Leben ein Ende zu setzen. Die drei Töchter Abigail, 17, Louise, 15, und Harper, 12, sind sich selbst überlassen. Abigail verliebt sich in den mysteriösen „Kriegsverbrecher-Wes“, Louise chattet online mit einem Fundamentalisten und die hochintelligente Harper wittert überall eine Verschwörung.

Mit einem lockeren Schreibstil, mit viel Wortwitz und Situationskomik erzählt Madeline Cash in ihrem Debütroman eine herrlich turbulente Geschichte mit Tiefgang. Es ist ein Mix aus Satire, Coming of Age, Tragikomödie und Krimi. Und dieser Mix ist wirklich gut gelungen. Dabei beginnt die Story eher humorvoll und wird dann nach und nach immer ernster und tiefgründiger, ohne den Humor aber jemals ganz zu verlieren.

Da aus wechselnden Perspektiven erzählt wird und man dabei immer ganz nah an der jeweiligen Protagonistin bzw. dem Protagonisten dran ist, kann man alle Handlungsweisen und Beweggründe sehr gut nachvollziehen, auch wenn sie noch so skurril sind. Die Figuren sind liebevoll ausgearbeitet und konnten immer wieder meine Sympathie für sich gewinnen, selbst wenn ich ihr Verhalten nicht billigen konnte. Aber es ist alles so herrlich überzogen geschrieben, dass man gut hin und wieder ein Auge zudrücken kann.

Fazit:
Madeline Cash hat mich mit dieser turbulenten Familiengeschichte aufs Wundervollste gefesselt und unterhalten.

★★★★★

Veröffentlicht am 24.05.2026

Solider Reihenauftakt

Schlafende Vulkane
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Solider Reihenauftakt

Inhalt:
Helga Jónsdóttir ist recht neu im Dezernat für Gewaltverbrechen in Reykjavík. Dank Personalmangels muss sie trotzdem beim aktuellen Mordfall die Leitung übernehmen. Anfangs ...

Solider Reihenauftakt

Inhalt:
Helga Jónsdóttir ist recht neu im Dezernat für Gewaltverbrechen in Reykjavík. Dank Personalmangels muss sie trotzdem beim aktuellen Mordfall die Leitung übernehmen. Anfangs zwar noch unsicher, aber dann zunehmend entschlossener begibt sie sich auf die Spuren des Täters, der eine junge allein erziehende Mutter auf dem Gewissen hat. Deren zehnjähriger Sohn ist vor dem Mörder geflohen und irrt in der Wildnis herum. Der Verkehrspolizist Bjarki ist hier der Mann der Stunde, denn keiner kennt sich in der Gegend so gut aus wie er. Gemeinsam suchen Helga und Bjarki den Jungen. Auch bei den weiteren Ermittlungen arbeiten die beiden zusammen. Bald schon wird klar, dass sie es mit einem intelligenten, planvoll vorgehenden Täter zu tun haben, der es nicht bei dem einen Opfer belässt …

Meine Meinung:
Von Michael Hjorth habe ich schon einiges mit Begeisterung gelesen; Bjarni Thorsson war bislang ein Unbekannter für mich. Die Gemeinschaftsarbeit der beiden Autoren hat mir insgesamt gut gefallen. Der Thriller, der im Mai 2026 im Rowohlt Verlag erschien, ist solide ausgearbeitet und bietet Zerstreuung und auch Spannung. Letztere kommt allerdings vor allem in der zweiten Hälfte des Buches zur Geltung. Und leider ist sie der Tatsache zuzuschreiben, dass sowohl Helga als auch Bjarki gravierende, dumme Leichtsinnsfehler machen. Ohne diese würde es nicht zu einer gefährlichen Situation kommen. Aber sei’s drum. Alles andere hat gepasst und ich habe das Buch sehr gerne gelesen.

Vor allem die Protas haben mir gut gefallen. Beide sind mir ziemlich sympathisch, auch wenn viele Kollegen etwas an ihnen auszusetzen haben. Aber einfach dafür, dass sie ihr eigenes Ding durchziehen und sich nicht hinter Paragrafen verstecken, haben sie meinen Respekt.

Auch die Einblicke in Island, die wir in diesem Buch bekommen, fand ich sehr interessant. Landschaftsbeschreibungen, Atmosphäre, Land und Leute eben - da stimmt alles.

Nach einem kleinen Cliffhanger am Ende freue ich mich jetzt schon auf Band 2, der im November 2026 unter dem Titel „Stumme Fjorde“ veröffentlicht werden soll.

★★★★☆