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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.03.2026

Warmherzig und berührend

Eine Maus namens Merlin
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Warmherzig und berührend

Nach über sechzig Jahren in Australien kehrt die 83-jährige Helen Cartwright wieder nach England zurück in den Ort, wo sie einst aufwuchs. Vieles hat sich verändert und Helen ...

Warmherzig und berührend

Nach über sechzig Jahren in Australien kehrt die 83-jährige Helen Cartwright wieder nach England zurück in den Ort, wo sie einst aufwuchs. Vieles hat sich verändert und Helen kennt keine Menschenseele. Ihr Mann und ihr Sohn sind schon verstorben, und auch Helen gedenkt, nicht mehr allzu lange zu leben. Der Tod schreckt sie nicht, und so will sie einen Tag nach dem anderen in ihrer Routine allein vor sich hinleben, bis es so weit sein wird.

Doch da hat sie die Rechnung ohne ihren neuen „Mitbewohner“ gemacht. Unabsichtlich holt Helen sich eine Maus ins Haus und will sie so schnell wie möglich wieder loswerden, aber bitte auf humane Weise. Doch weder der Einsatz einer Mausefalle noch der Anruf beim Tierheim sind von Erfolg gekrönt. Während Helen alles Mögliche versucht, das Tier aus dem Haus zu bekommen, kümmert sie sich in der Zwischenzeit fürsorglich darum - natürlich nur vorübergehend, der kleine Kerl wird ja nicht lange bleiben …

Unglaublich, was Helen alles für das Tier auf die Beine stellt! Das Schöne dabei ist, dass sie sich dadurch selbst wieder dem Leben und ihren Mitmenschen zuwendet. Dies ist sehr berührend geschildert. Besonders Helens Erinnerungen an ihren Mann, ihren Sohn, ihren Vater und den Zweiten Weltkrieg gingen mir zu Herzen.

Die Geschichte ist herzerwärmend und hoffnungsfroh. Helen ist eine tolle Protagonistin, die sich in kurzer Zeit sehr positiv entwickelt. Zunächst ihrer Umgebung gegenüber recht abweisend und barsch, beginnt sie nach und nach Hilfe anzunehmen und sich in Gesellschaft anderer sehr wohl zu fühlen und das Leben wieder zu lieben.

Die Handlung ist zwar sehr vorhersehbar, aber trotzdem interessant und lesenswert. Obwohl sie gut in die Handlung passen, störten mich manchmal zu detaillierte Beschreibungen von Alltäglichem. Diese untermauern zwar Helens ödes Leben, sind aber leider nicht besonders spannend.

Ich habe mir das Hörbuch von Frauke Poolman vorlesen lassen. Sie hat ihre Sache sehr gut gemacht, es war angenehm, ihrer Stimme zu lauschen. Das Hörbuch ist ungekürzt und läuft 6 h 35 min.


Veröffentlicht am 16.03.2026

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Noch fünf Tage
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Ein Wettlauf gegen die Zeit

Lis Castrop ist eine Spitzenköchin und sorgt als Privatköchin für das leibliche Wohl der schwerreichen Familie Harman. Doch beim Silvesterdinner geht etwas schief: Die Harmans ...

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Lis Castrop ist eine Spitzenköchin und sorgt als Privatköchin für das leibliche Wohl der schwerreichen Familie Harman. Doch beim Silvesterdinner geht etwas schief: Die Harmans sterben durch Gift im Essen. Auch Lis hat etwas davon abbekommen. Ihr Tod ist unausweichlich, doch es bleiben ihr geschätzt noch fünf Tage, um ihre Angelegenheiten zu regeln, vor allem die Zukunft ihrer zwölfjährigen Tochter Cosima, die Lis unmöglich dem alkoholkranken leiblichen Vater überlassen kann. Da Lis selbst unter Mordverdacht steht, sieht sie sich gezwungen, den wahren Mörder selbst zu ermitteln. Gar nicht so einfach, wenn man ans Krankenhausbett gefesselt ist und jeden Tag mehr abbaut. Doch Lis bekommt Hilfe von der Krankenschwester Esme …

Die Erzählung aus Lis’ Perspektive sorgt dafür, dass man sich gut mit ihr identifizieren kann. In der ihr verbleibenden Zeit erinnert sich Lis an Episoden aus ihrer Vergangenheit und der der Harmans, ruft sich Gespräche in Erinnerung, die irgendeinen Bezug zu dem Mord haben könnten. So lernen wir eine Menge Freunde und Feinde kennen, von denen etliche ein Mordmotiv haben könnten. Allerdings wirkt die Geschichte dadurch ein wenig zerhackt, da Lis sich mal an dies und mal an das erinnert.

Dadurch, dass sich die gesamte Handlung über fünf Tage nur in einem einzigen Krankenhauszimmer abspielt, hatte ich unterschwellig das Gefühl, dass nicht allzu viel passiert. Es sind allein Lis’ Erinnerungen, die die Handlung vorantreiben, aber kaum wirkliche Aktionen. Vor allem hat mich Lis’ Sorge um ihre Tochter berührt. Diese ist sehr authentisch dargestellt und sehr gut nachvollziehbar.

Eine gute Idee der Autorin ist das Voranstellen der jeweils aktuellen Uhrzeit bei jedem neuen Kapitel und die sehr häufige Erwähnung der noch verbleibenden Stunden bis zu Lis’ erwartetem Ende. So erlebt man als Lesende den Wettlauf gegen die Zeit hautnah mit, was für ein bisschen Spannung sorgt.

★★★★☆

Veröffentlicht am 14.03.2026

Großartiger 5. Band der Reihe

Die schlafenden Hunde von Dublin
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Großartiger 5. Band der Reihe

Patsy Logan, deutsch-irische Kriminalkommissarin in München, will nach einer Auszeit in Irland wieder zum Dienst in München antreten. Doch bevor es so weit ist, erfährt sie, ...

Großartiger 5. Band der Reihe

Patsy Logan, deutsch-irische Kriminalkommissarin in München, will nach einer Auszeit in Irland wieder zum Dienst in München antreten. Doch bevor es so weit ist, erfährt sie, dass der Münchner Pubbetreiber Fergal Massey, ein guter Freund ihres verschollenen Vaters und der ganzen Familie Logan, bei einem Besuch in Dublin erschossen wurde. In seinem Testament hat er ausgerechnet Patsy zur Testamentsvollstreckerin bestimmt. Natürlich versucht Patsy auch ohne offiziellen Auftrag, die Hintergründe des Mordes an Fergal herauszufinden. Dabei ist sie sich nicht der Gefahr bewusst, in die sich durch ihre Recherchen in ihrem persönlichsten Fall begibt.

Ich glaube, ich habe wirklich alle Bücher von Ellen Dunne gelesen, angefangen bei „Wie du mir“, in dem der Nordirland-Konflikt in den 1990er Jahre eine große Rolle spielt. Es ist für mich bis heute ihr beeindruckendstes Werk, wobei aber auch alle nachfolgenden absolut lesenswert sind. Daher freute ich mich, dass wir in „Die schlafenden Hunde von Dublin“ wieder mit Figuren aus diesem Konflikt konfrontiert werden, zum Teil aus „Wie du mir“ bekannt.

„Die schlafenden Hunde von Dublin“ ist bereits der 5. Band der Reihe um Patsy Logan und ist natürlich am besten mit Vorkenntnissen zu genießen, kann aber durchaus auch ohne gelesen werden.

Ich fand die Story super spannend und klasse aufgebaut. Aus der Sicht von Patsy erzählt - mit Einschüben einiger anderer Perspektiven aus den 1990er Jahren - fühlt man sich der Protagonistin unheimlich nah. Der bildliche, lebendige und teilweise aufs Minimum reduzierte Schreibstil lässt einen nur so durch das Buch rasen. Wir kommen dem großen Mysterium in Patsys Leben, dem vermuteten Selbstmord ihres Vaters, endlich näher.

Fazit:
Super spannende Unterhaltung mit Irland-Flair und einer starken Protagonistin. Für mich der bisher beste Band der Reihe.

Die Patsy Logan-Reihe:
1. Harte Landung
2. Schwarze Seele
3. Boom Town Blues
4. Unfollow Stella
5. Die schlafenden Hunde von Dublin

★★★★★

Veröffentlicht am 12.03.2026

Ganz nett zu lesen

Einatmen. Ausatmen.
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Ganz nett zu lesen

Marlene Buchholz ist nur noch einen Schritt von ihrem Ziel entfernt: Vorstandsvorsitzende des Aviola-Konzerns zu werden. Die Workaholic hat viel zum bisherigen Erfolg des Unternehmens ...

Ganz nett zu lesen

Marlene Buchholz ist nur noch einen Schritt von ihrem Ziel entfernt: Vorstandsvorsitzende des Aviola-Konzerns zu werden. Die Workaholic hat viel zum bisherigen Erfolg des Unternehmens beigetragen, doch Mitarbeiterführung ist nicht gerade ihre Kernkompetenz. Deshalb wird sie zu einem Achtsamkeitsseminar nach Brandenburg geschickt, wo sie sich zunächst gar nicht, dann widerwillig auf neue Sichtweisen einlässt.

Die Ankündigung des Buchs als „rasend komischer und tief berührender Roman“ empfinde ich als viel zu hoch gehängt. Damit werden unrealistische Erwartungen geschürt, die in meinem Fall nicht erfüllt wurden. Ich habe von Maxim Leo schon weit Besseres gelesen, Komischeres und Berührenderes.

Die Entwicklung der Marlene Buchholz und auch die des Akademie-Leiters Alex Grow in „Einatmen. Ausatmen.“ hat mich zwar ein wenig berührt, doch da wäre noch einiges mehr möglich gewesen. Doch bei vielen Themen kratzt der Roman nur an der Oberfläche. Es wird alles schnell abgehandelt, schließlich dauert das Seminar nur zwei Wochen. Husch, husch rast Maxim Leo durch zig aktuelle Themen und lässt auch den Figuren nicht viel Zeit, sich um einhundertachtzig Grad zu drehen. Das ist alles andere als glaubwürdig, aber wenigstens ein bisschen komisch.

Am besten haben mir die Dialoge zwischen Marlene und Alex gefallen. Marlene, bei der alles auf Fakten und Logik fußt, die Gefühle wegschließt und meint, dann keine zu haben; auf der anderen Seite Alex, der Guru für Persönlichkeitsentwicklung, der schon lange nicht mehr von seinen eigenen Methoden überzeugt ist. Hier prallen Welten aufeinander und das ließ mich dann doch immer wieder schmunzeln.

★★★★☆

Veröffentlicht am 11.03.2026

Gut, aber nicht so gut wie Band 1

Das Camp
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Gut, aber nicht so gut wie Band 1

„Das Camp“ ist Band 2 der Donkerbloem-Trilogie. Man sollte den ersten Band „Der Trailer“ besser gelesen haben, denn beide hängen inhaltlich doch stark zusammen.

Von ...

Gut, aber nicht so gut wie Band 1

„Das Camp“ ist Band 2 der Donkerbloem-Trilogie. Man sollte den ersten Band „Der Trailer“ besser gelesen haben, denn beide hängen inhaltlich doch stark zusammen.

Von Band 1 war ich absolut begeistert. Band 2 ist zwar auch gut, aber wirkt vor allem anfangs sehr zerrissen. Viele verschiedene Handlungsstränge, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, vermitteln nicht den Eindruck einer einzigen runden Geschichte. Für meinen Geschmack dauert es zu lange, bis die Verbindungen klar werden. Dem fällt die Spannung etwas zum Opfer, weil man immer wieder durch Orts- und Perspektivwechsel aus dem Geschehen gerissen wird. Hamburg, Köln, Hannover, Lausitz, Donkerbloem - das waren mir einfach zu viele Sprünge.

Gut gefallen hat mir die Entwicklung der Charaktere, die ich sehr authentisch empfand. Die vier Hauptfiguren Wout, Tayfun, Kathinka und Frieda sind ja bereits aus Band 1 bekannt und wir lernen sie hier noch besser kennen. Der Barbesitzer und Kriminelle Wout und die Polizistin Frieda sind dabei keine einfachen Personen, doch auch wenn sie nicht immer sympathisch rüber kommen, kann man doch gut verstehen, warum sie so denken und handeln, wie sie es nun mal tun. Ihnen zur Seite stehen der Ex-Boxer Tayfun und Kathinka, die wesentlich mehr Empathie für ihre Mitmenschen aufbringen und die ich beide ins Herz geschlossen habe.

Der Thriller endet mit einem Teilabschluss, aber immer noch ein wenig offen, sodass ich nun schon sehr gespannt bin auf den letzten Band, der für Juli 2026 geplant ist.

Die Donkerbloem-Reihe:
1. Der Trailer
2. Das Camp
3. Die Schlucht (erscheint voraussichtlich im Juli 2026)

★★★★☆