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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.06.2026

Nur ein Appetithäppchen

Insel der Ratten
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Nur ein Appetithäppchen

„Insel der Ratten“ ist im Original bereits 2021 erschienen, und zwar in einem Sammelband, was meiner Meinung nach folgerichtig ist, denn als eigenständiger Roman bietet das Buch ...

Nur ein Appetithäppchen

„Insel der Ratten“ ist im Original bereits 2021 erschienen, und zwar in einem Sammelband, was meiner Meinung nach folgerichtig ist, denn als eigenständiger Roman bietet das Buch nicht genug. Ich empfand es eher als Appetithäppchen und hätte gerne mehr davon gelesen - allerdings lieber mit weniger unnötiger Gewalt. Die gut 200 Seiten im Taschenbuchformat, mittels stabilem Kartoneinband zum Hardcover aufgeplustert, lassen sich in kürzester Zeit weglesen.

Das Szenario ist düster, aber sehr interessant, da es einigermaßen realistisch erscheint und ich mir vorstellen kann, dass es in unserer Welt in nicht allzu ferner Zukunft so abgehen kann. Nach der Pandemie ist die funktionierende Gesellschaft am Ende. Marodierende Banden beherrschen das Land, Polizei und Justiz stehen dem machtlos gegenüber. Jeder schützt sich selbst, so gut er kann. Der reiche Unternehmer Colin Lowe bringt seine Familie auf die einigermaßen sichere Insel der Ratten, während sein Sohn Brad mit seiner Gang „Chaos“ auf dem Festland sein Unwesen treibt. Dabei vergreift er sich auch an der Frau und der Tochter des besten Freundes seines Vaters, Will Adams. Will sinnt auf Rache. Doch als Jurist glaubt er immer noch an Recht und Gesetz. Und so nimmt er die Rache nicht selbst in die Hand, sondern trickst Brad genial aus.

Das Büchlein ist durchaus lesenswert, wenngleich ein gutes Quantum weniger an Gewalt auch gereicht hätte. Manches wird viel zu brutal und detailliert beschrieben und wirkt einfach nur reißerisch. Das hat die Geschichte aber gar nicht nötig. Im Gegensatz dazu kommt mir der Verfall der Gesellschaft viel zu kurz. Es ist einfach so, fertig. Erläuterungen, wie es dazu kam, hätte ich hier sehr nützlich und wichtig gefunden. Auch bleiben die einzelnen Figuren relativ blass und distanziert. Nicht einmal Will und Yvonne, ein „Chaos“-Mitglied, aus deren Perspektiven abwechselnd erzählt wird, konnten mich wirklich berühren, obwohl sie einiges durchmachen.

Trotz aller Mankos hat Jo Nesbø ein spannendes Werk geschaffen, das viel Stoff zum Nachdenken gibt.

★★★☆☆

Veröffentlicht am 01.06.2026

Robert Seethaler mal anders und doch auch nicht

Die Straße
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Robert Seethaler mal anders und doch auch nicht

Die Straße ist eine ganz normale Straße, wie man sie überall finden könnte. Mit ganz normalen Bewohnern, die ganz normale Probleme haben. Und ich glaube, ...

Robert Seethaler mal anders und doch auch nicht

Die Straße ist eine ganz normale Straße, wie man sie überall finden könnte. Mit ganz normalen Bewohnern, die ganz normale Probleme haben. Und ich glaube, genau das war eins meiner Probleme mit diesem (Hör-) Buch. Wenn ich zu einem Buch greife, möchte ich darin etwas anderes erleben als das, was sich tagtäglich vor meiner Haustür abspielt. Ich möchte meinem Alltag entfliehen. Das konnte ich mit diesem Buch kaum.

Zudem war mir der Aufbau des Buches (Roman möchte ich es gar nicht nennen) zu kleinteilig. Hier reiht sich eine lose Szene an die andere. Ständig springen wir zwischen den einzelnen Bewohnern der Straße hin und her, lauschen ihren Dialogen und Gedanken, die sich nur selten auf die anderen beziehen. Ohne Kapitelüberschriften dauert es immer ein wenig, bis wieder klar wird, bei welcher Person wir uns gerade befinden. Bei sehr kurzen Szenen von nur wenigen Sätzen nervte mich das, denn gerade als ich endlich wusste, wo ich gelandet bin, wurde ich schon wieder weitergeschickt. Das war etwas frustrierend.

Robert Seethaler fühlt sich wie gewohnt punktgenau und detailliert in seine Protagonist*innen ein. Die Bewohner der Straße erwachen fast zum Leben, auch dank Matthias Brandt, der das Buch hervorragend eingelesen und jedem Protagonisten eine eigene Stimme gegeben hat. Als Lesende/Hörende bekommt man den Eindruck, daneben zu stehen, direkt dabei zu sein. Dieses Gefühl mochte ich sehr.

Das Hörbuch erschien im April 2026 ungekürzt bei Hörbuch Hamburg. Es hat eine Laufzeit von 4 h 9 min.

★★★☆☆

Veröffentlicht am 01.06.2026

Viel Lärm um nichts

Die Letzten werden die Ersten sein
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Viel Lärm um nichts

In der Regel finde ich die Romane von Lionel Shriver absolut stark. Leider konnte mich „Die Letzten werden die Ersten sein“ nicht begeistern. Die Autorin nimmt hier den Fitnesswahn ...

Viel Lärm um nichts

In der Regel finde ich die Romane von Lionel Shriver absolut stark. Leider konnte mich „Die Letzten werden die Ersten sein“ nicht begeistern. Die Autorin nimmt hier den Fitnesswahn aufs Korn und beschäftigt sich zudem mit dem Älterwerden samt körperlichem Verfall. Es hätte eine tiefgründige und/oder lustige Geschichte werden können. Tatsächlich fand ich es über weite Strecken etwas langweilig. Die Gesellschaft wird zwar treffend beschrieben, aber das wirkt oft recht banal und brachte mir kaum neue Erkenntnisse. Der detailreiche Schreibstil bläht die wenige Handlung auf, mehr Spaß bringt er nicht.

Alles in allem ein Buch, das man lesen, auf das man aber auch gerne verzichten kann.

★★★☆☆

Veröffentlicht am 28.05.2026

Als Winzer lebt man gefährlich

Weinstraßenbetrug
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Als Winzer lebt man gefährlich

Dies ist schon das 8. Buch in der Reihe Weinstraßen-Krimis von Markus Guthmann. Ich kenne die vorherigen leider nicht, kam aber auch ohne Vorkenntnisse super zurecht.

Ein ...

Als Winzer lebt man gefährlich

Dies ist schon das 8. Buch in der Reihe Weinstraßen-Krimis von Markus Guthmann. Ich kenne die vorherigen leider nicht, kam aber auch ohne Vorkenntnisse super zurecht.

Ein tödlicher Unfall in einer Weinpresse, der eigentlich gar nicht hätte passieren dürfen, lässt die Alarmglocken von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft läuten. Wenn man dann noch bedenkt, dass erst wenige Monate zuvor schon mal ein Winzer durch einen Unfall ums Leben kam, kann man schon fast sicher sein, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zuging. Und so ermitteln der Kriminalkommissar Steiner und der Oberstaatsanwalt Röder wegen Mordverdachts. Als dann auch noch Röders Freund, der Winzer Hellinger, unter Verdacht gerät, teuren Wein zu fälschen, muss Röder sich auch noch darum kümmern, diesen Verdacht zu entkräften. Das ist gar nicht so einfach, da Röder wegen Befangenheit nicht ermitteln darf.

Mir hat dieser Weinstraßenkrimi recht gut gefallen. Er birgt viel Lokalkolorit, zieht sich über weite Teile der pfälzischen Weinstraße und lebt von der entsprechenden Atmosphäre. Mir ist die Gegend gut bekannt und so konnte ich vieles auch problemlos einordnen. Auch die Pfälzer an sich kenne ich gut, und ja, sie sind genauso wie hier dargestellt samt ihrem Dialekt, der hier auch oft zum Vorschein kommt. 

Der Krimi ist einigermaßen spannend, auch teilweise überraschend, dann aber auch wieder ein bisschen vorhersehbar. Er macht auf jeden Fall Lust darauf, auch die vorherigen Bände zu lesen.

Die Reihe:
1. Weinstraßenmord
2. Weinstraßenmarathon
3. Weinstraßenrallye
4. Weinstraßenabsturz
5. Weinstraßengold
6. Weinstraßenrache
7. Weinstraßenhölle
8. Weinstraßenbetrug

★★★★☆

Veröffentlicht am 25.05.2026

Eine echt krasse Familie

Verlorene Schäfchen
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Eine echt krasse Familie

Alle fünf Mitglieder der Familie Flynn befinden sich in einer Krise. Catherine ist mit ihrer Rolle als Mutter und Ehefrau gar nicht glücklich. Sie beschließt, dass ihre Ehe fortan ...

Eine echt krasse Familie

Alle fünf Mitglieder der Familie Flynn befinden sich in einer Krise. Catherine ist mit ihrer Rolle als Mutter und Ehefrau gar nicht glücklich. Sie beschließt, dass ihre Ehe fortan offen sein soll - gegen den Willen ihres Ehemanns Bud. Während Catherine sich mit dem Nachbarn vergnügt, zieht Bud in die Garage und liebäugelt damit, seinem Leben ein Ende zu setzen. Die drei Töchter Abigail, 17, Louise, 15, und Harper, 12, sind sich selbst überlassen. Abigail verliebt sich in den mysteriösen „Kriegsverbrecher-Wes“, Louise chattet online mit einem Fundamentalisten und die hochintelligente Harper wittert überall eine Verschwörung.

Mit einem lockeren Schreibstil, mit viel Wortwitz und Situationskomik erzählt Madeline Cash in ihrem Debütroman eine herrlich turbulente Geschichte mit Tiefgang. Es ist ein Mix aus Satire, Coming of Age, Tragikomödie und Krimi. Und dieser Mix ist wirklich gut gelungen. Dabei beginnt die Story eher humorvoll und wird dann nach und nach immer ernster und tiefgründiger, ohne den Humor aber jemals ganz zu verlieren.

Da aus wechselnden Perspektiven erzählt wird und man dabei immer ganz nah an der jeweiligen Protagonistin bzw. dem Protagonisten dran ist, kann man alle Handlungsweisen und Beweggründe sehr gut nachvollziehen, auch wenn sie noch so skurril sind. Die Figuren sind liebevoll ausgearbeitet und konnten immer wieder meine Sympathie für sich gewinnen, selbst wenn ich ihr Verhalten nicht billigen konnte. Aber es ist alles so herrlich überzogen geschrieben, dass man gut hin und wieder ein Auge zudrücken kann.

Fazit:
Madeline Cash hat mich mit dieser turbulenten Familiengeschichte aufs Wundervollste gefesselt und unterhalten.

★★★★★