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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.04.2026

´braucht etwas- aber dann catchy

Das Gehöft
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„Das Gehöft“ von Leo Brandt überzeugt vor allem durch sein atmosphärisch dichtes Setting: die abgeschiedene Hallig Westeroog wird schnell zu einem beklemmenden Schauplatz, der die zunehmende Bedrohung ...

„Das Gehöft“ von Leo Brandt überzeugt vor allem durch sein atmosphärisch dichtes Setting: die abgeschiedene Hallig Westeroog wird schnell zu einem beklemmenden Schauplatz, der die zunehmende Bedrohung spürbar macht. Besonders gelungen ist die Idee, eine kleine Gruppe von Menschen isoliert auf engem Raum zu zeigen – das steigert die Spannung und lässt Misstrauen und Angst glaubhaft wachsen.

Allerdings braucht der Roman etwas, um in Fahrt zu kommen. Der Einstieg konnte mich zunächst nicht vollständig fesseln, da sich die Handlung eher langsam entwickelt. Im weiteren Verlauf nimmt die Geschichte jedoch deutlich an Tempo auf, und es entsteht ein spannungsgeladener Sog, der zum Weiterlesen motiviert. Relativ früh hatte ich eine Vermutung, in welche Richtung sich die Handlung entwickeln könnte, was die Überraschungsmomente etwas abgeschwächt hat.

Die Figuren sind grundsätzlich interessant angelegt, dennoch hätte ich mir für einige Charaktere ein klareres oder befriedigenderes Ende gewünscht. Gerade im Finale wirkt manches etwas unübersichtlich und lässt Fragen offen, was teilweise als verwirrend empfunden werden kann.

Positiv hervorzuheben ist der Umgang mit sensiblen und potenziell belastenden Themen. Diese werden ernsthaft und differenziert behandelt, ohne reißerisch zu wirken, was dem Thriller zusätzliche Tiefe verleiht.

Insgesamt ein spannender Psychothriller mit starkem Setting und wichtigen Themen, der trotz kleiner Schwächen im Aufbau und einem etwas unklaren Ende lesenswert ist.

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.04.2026

Ich brauche Band 2!

Moorland. Die Zwillinge
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Schon nach wenigen Sätzen zieht Andreas Winkelmann seine Leser in den dichten Nebel der norddeutschen Marsch. Als die 18-jährigen Zwillinge Nike und Jana spurlos im Moor verschwinden, beginnt ein gnadenlos ...

Schon nach wenigen Sätzen zieht Andreas Winkelmann seine Leser in den dichten Nebel der norddeutschen Marsch. Als die 18-jährigen Zwillinge Nike und Jana spurlos im Moor verschwinden, beginnt ein gnadenlos spannendes Katz-und-Maus-Spiel, das von der ersten Seite an fesselt. Kommissarin Malia Gold ermittelt mit großem persönlichem Einsatz – und stößt auf ein Dickicht aus Schuld, Schweigen und alten Geheimnissen.

Winkelmann gelingt es meisterhaft, eine Atmosphäre zu schaffen, die man beinahe körperlich spürt: kalter Wind, feuchte Erde, das Schweigen einer Dorfgemeinschaft, in der jeder etwas zu verbergen scheint. Die Schauplätze wirken so realistisch, dass man förmlich im Nebel steht – ein Beweis für die sorgfältige Recherche, mit der der Autor das Moor als lebendigen, unberechenbaren Handlungsraum inszeniert.

Die Figuren sind kantig, glaubwürdig und vielschichtig gezeichnet. Besonders Ruth, eine Nebenfigur mit viel Kraft und innerer Zerrissenheit, bleibt im Gedächtnis. Gleichzeitig entwickelt Winkelmann seine Hauptkommissarin Malia Gold zu einer starken, aber verletzlichen Ermittlerin, deren familiäre Vergangenheit dem Roman zusätzliche Tiefe verleiht.

Inhaltlich überzeugt Moorland. Die Zwillinge mit hohem Tempo und einem konstanten Spannungsbogen. Es gibt keine Längen – der Thriller startet sofort mit voller Intensität und steigert sich bis zum Schluss. Überraschende Wendungen und ein packendes Finale sorgen dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.

Ein atmosphärisch dichter, kompromisslos spannender Thriller, der durch psychologische Tiefe, glaubwürdige Charaktere und eine meisterhafte Erzählstruktur besticht. Ein starker Reihenauftakt, der Lust auf Band 2 macht.

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Veröffentlicht am 29.03.2026

Mehr Romance für mich bitte

Und alles zerbricht (Paper Hearts 1)
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Das Cover hat mich gleich angesprochen – es wirkt leicht, zart und passt gut zu einem Coming-of-Age-Roman. Inhaltlich begleitet man Mila durch eine sehr schwierige Lebensphase: Nach einem Umzug nach Zürich ...

Das Cover hat mich gleich angesprochen – es wirkt leicht, zart und passt gut zu einem Coming-of-Age-Roman. Inhaltlich begleitet man Mila durch eine sehr schwierige Lebensphase: Nach einem Umzug nach Zürich verliert sie ihren Halt, entfremdet sich von ihrer besten Freundin und entwickelt eine Essstörung, die schließlich zu einem Klinikaufenthalt führt. Dort begegnet sie Nicolas, einem geheimnisvollen Jungen, der Licht und Dunkelheit zugleich in ihr Leben bringt.
Ich finde es grundsätzlich sehr wichtig und lobenswert, dass das Thema Essstörung hier offen behandelt wird. Viele Szenen sind eindringlich geschildert und geben authentische Einblicke in Milas Gedankenwelt. Besonders das Thema „Pro-Ana“-Internetplattformen wurde schockierend realistisch umgesetzt – allerdings hätte ich mir hier etwas mehr Sensibilität gewünscht, da die Darstellung stellenweise zu konkret und dadurch potenziell problematisch wirkt.
Die Familienkonflikte und Milas innere Kämpfe sind überzeugend erzählt, während mich der Romance-Teil hingegen weniger erreichen konnte. Nicolas tritt erst in der zweiten Hälfte richtig in Erscheinung, sodass die Liebesgeschichte etwas zu kurz und zu abrupt wirkt. Vielleicht war das bewusst so angelegt, um den Fokus stärker auf Milas Krankheit und Heilungsprozess zu legen – für mich blieb der emotionale Funke dennoch aus.
Insgesamt eine ernste, mutige Geschichte, die wichtige Themen anspricht, aber für meine Lesererwartung nicht ganz harmonisch erzählt war. Möglicherweise bin ich auch nicht die eigentliche Zielgruppe, doch die Botschaft und Milas Weg bleiben dennoch nachdenklich stimmend.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
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Veröffentlicht am 29.03.2026

Mehr erwartet

Whitestone Hospital - Colliding Hearts
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Nach dem vielversprechenden Klappentext und dem emotional intensiven Cover hatte ich wirklich hohe Erwartungen an diesen Band – leider wurden sie nur teilweise erfüllt.

Die Anziehung zwischen den beiden ...

Nach dem vielversprechenden Klappentext und dem emotional intensiven Cover hatte ich wirklich hohe Erwartungen an diesen Band – leider wurden sie nur teilweise erfüllt.

Die Anziehung zwischen den beiden Hauptfiguren, Ian und Jess, ist von Beginn an spürbar, wirkt aber wenig nachvollziehbar. Als Leserin konnte ich nicht erkennen, woher dieses Gefühl kommt oder auf welcher Entwicklung es beruht. Der Prolog, der vermutlich Bedeutung und Spannung erzeugen sollte, bleibt dagegen erstaunlich nichtssagend – ehrlich gesagt hätte man ihn auch einfach weglassen können.

Dramaturgisch problematisch finde ich zudem, dass der übergeordnete Handlungsstrang um Lauras Stalker – der die Reihe bislang zusammengehalten hat – bereits in der Mitte des Buches aufgelöst wird. Das hätte ein gelungenes Finale für die Reihe sein können, fühlt sich an dieser Stelle jedoch wie ein Missverständnis in der Struktur an. Der erste Teil liest sich dadurch, als habe man die Vorgeschichte verpasst, während der zweite Teil mit detailverliebten, teils recht langatmigen Alltagsszenen aus dem Krankenhaus gefüllt wird. Diese Szenen wirken zwar sorgfältig recherchiert, verlieren aber an Erzählfluss und Spannung.

Die Dialoge erscheinen oft künstlich, das Ende vorhersehbar. Ein wirklich packender Moment entsteht nur in der Mitte – ausgerechnet dort, wo das Buch sein eigentliches Ende hätte finden können. Schade auch, dass einige liebgewonnene Nebenfiguren kaum noch vorkommen. Der abrupte Stimmungswechsel danach wirkt zu hart und lässt die emotionale Tiefe des Romans verblassen.

Trotz allem erkenne ich die positive Grundbotschaft – das „Du-bist-nicht-alleine“-Thema – und freue mich für alle, die genau das aus der Geschichte mitnehmen. Für mich persönlich hat Colliding Hearts jedoch erzählerisch und dramaturgisch nicht das eingelöst, was Cover und Klappentext versprochen haben.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Klare Leseempfehlung!

A Beautiful Scandal
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Mit A Beautiful Scandal ist Ria Radtke eine gefühlvolle, lebendige Liebesgeschichte gelungen, die weit über klassische Romance hinausgeht. Im Mittelpunkt steht Schauspielerin Sam, die nach einem Zusammenbruch ...

Mit A Beautiful Scandal ist Ria Radtke eine gefühlvolle, lebendige Liebesgeschichte gelungen, die weit über klassische Romance hinausgeht. Im Mittelpunkt steht Schauspielerin Sam, die nach einem Zusammenbruch auf der malerischen Isle of Skye Zuflucht sucht – und dort Rory trifft, einen geheimnisvollen Autor, der ihr Leben auf unerwartete Weise verändert.

Was das Buch besonders macht, sind die vielschichtigen Figuren. Sam und Rory sind keine perfekten Heldinnen oder Helden, sondern authentische Menschen mit „Ecken und Kanten“, inneren Konflikten und emotionalen Wunden. Radtke zeichnet ihre Entwicklung feinfühlig, lässt Raum für Verletzlichkeit, Selbstzweifel und Heilung. Dabei fließt das Thema Mental Health ganz selbstverständlich in die Handlung ein und gibt der Geschichte Tiefe und Bedeutung.

Das Setting auf der Isle of Skye verleiht dem Roman eine fast magische Atmosphäre – wilde Landschaft, Seeluft und Rückzugsort in einem. Später kontrastiert die schnelllebige Welt des Filmsets diese Ruhe perfekt und unterstreicht die Spannung zwischen Schein und Sein, Authentizität und öffentlichem Druck.

Die Dynamik zwischen Sam und Rory ist von Beginn an intensiv. Dass beide einander etwas verheimlichen, schafft Reibung, Spannung und zugleich emotionale Tiefe. Besonders gelungen ist, dass die Autorin nicht auf einfache Lösungen setzt, sondern ihre Figuren wachsen lässt.

Alles in allem ist A Beautiful Scandal eine wunderschöne Liebesgeschichte mit realistischen Charakteren, viel Gefühl und einem überzeugenden Happy End. Wer feinfühlige Liebesromane mit psychologischem Tiefgang liebt, wird dieses Buch verschlingen.

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