Für mich war dieses Buch eher enttäuschend
A Breath of WinterSmilla, eine junge Hexe, hat vor einigen Monaten ihre gesamte Familie verloren. Seitdem ist sie auf der Suche nach dem Mörder und möchte nur noch Rache üben. Aufgrund der Prophezeiungen einer Seherin, ...
Smilla, eine junge Hexe, hat vor einigen Monaten ihre gesamte Familie verloren. Seitdem ist sie auf der Suche nach dem Mörder und möchte nur noch Rache üben. Aufgrund der Prophezeiungen einer Seherin, versucht sie, sich der in ganz Middengard bekannten Söldnertruppe „Die wilde Jagd“ anzuschließen. Kurz nachdem ihr das gelingt, bekommt diese Truppe auch tatsächlich den Auftrag, den „Hexenschlächter“ zu stellen.
Dass sie selbst eine Hexe ist und ihre wahre Motivation, verbirgt sie dabei jedoch. Auch vor Gent, dem etwas geheimnisvollen Anführer der Truppe, der im Volksmund sogar „Fürst der Unterwelt“ genannt wird. Gent und Smilla kommen sich schnell näher und Smilla möchte gern alle seine Geheimnisse ergründen. Allerdings ahnt Smilla nicht, wie düster Gents Geheimnisse tatsächlich sind…
Der Schreibstil der Autorin ist zwar wirklich flüssig und die Sprache sehr bildhaft. Irgendwie hatte ich mir nach dem Lesen der Ankündigungen jedoch eine deutlich komplexere Fantasy-Welt mit Elementen aus der nordischen Mythologie vorgestellt. Es wird sich zwar durchaus aus Letzterer bedient, allerdings wird vieles davon einfach nur schnell abgehandelt und für mich nicht wirklich spannend umgesetzt.
Welche Auswirkungen der Rückzug der Götter aus Middengard auf die Menschen tatsächlich hat, sehe ich kaum. Wenn mir karge Landschaften sehr bildhaft vorgestellt wurden, dann waren das welche, in denen sowieso kaum Menschen leben. Wenn ich zusammen mit der Truppe jedoch in bevölkerte Ortschaften reise, dann sind diese eher prunkvoll beschrieben und den Menschen, die dort leben, scheint es sehr gut zu gehen. Es wird zwar durchaus auch immer wieder erwähnt, dass dies nicht überall so wäre, mir fehlte jedoch ein wirklich greifbarer düsterer Gegensatz.
Angriffe von Walküren erlebe ich eigentlich nur weitab von Ortschaften und die Reaktionen des Anführers Gent auf diese, empfand ich dabei immer recht widersprüchlich. Begegnungen mit Trollen gab es während der Lesezeit überhaupt nicht und die beschriebenen Ereignisse im Kampf gegen einen Berserker, empfand ich fast lächerlich. Warum und wieso Gent als Fürst der Unterwelt bezeichnet wird, erschließt sich mir überhaupt nicht. Ich sah ihn und eigentlich auch die gesamte Truppe nicht als wirklich furchterregende und nahezu unbezwingbare Kämpfer. Allerdings gab es in dieser Truppe einen Charakter, den ich wesentlich interessanter gestaltet fand, als die eigentlichen Hauptfiguren.
Besonderen Tiefgang hatten die Figuren Smilla und Gent für mich nämlich nicht. Ich lese wirklich sehr gern fantastische Literatur mit romantischen und erotischen Szenen. Hier gab es aber so viele auf mich übertrieben wirkende Szenen zu eigentlich wollen wir das gar nicht, können aber auch nicht widerstehen und wissen nicht mal warum, in denen dann im letzten Moment doch nichts passierte, dass es mich irgendwann sogar zu nerven begann und ich viel lieber etwas über einen Plan zum Ausführen des Auftrags der Truppe, nämlich zur Jagd auf den Hexenschlächter erfahren hätte.
Zwischenrein kam nämlich auch dieser immer mal anonym zu Wort und beschrieb seine gerade verübten Verbrechen. Diese brachte ich allerdings auch nicht wirklich mit dem in Verbindung, was Smilla mit ihrer Familie erleben musste. Die Auslöschung ihres gesamten Dorfes passte für mich irgendwie nicht mit den „überschaubaren“ Morden dieses Einzeltäters zusammen. Ich ahnte dann auch schon eine ganze Weile bevor die Katze von der Autorin aus dem Sack gelassen wurde, wer es ist. Ich las ab da eigentlich nur noch weiter, um meinen Verdacht bestätigt zu bekommen.
Wirklich überrascht war ich am Ende davon deshalb nicht, sondern eher von Smillas Reaktion darauf. Die war für mich irgendwie genauso wenig nachvollziehbar, wie die darauffolgenden Veränderungen in der Truppe, in der ein langjähriges und anscheinend bewährtes Mitglied wegen ihr mehr oder weniger zum Teufel gejagt wird. Ich habe dieses Buch zwar innerhalb einer sehr kurzen Zeit ausgelesen, bleibe insgesamt aber eher enttäuscht zurück. In Sachen düster romatischer Fantasy habe ich schon deutlich Aufregenderes gelesen.