Platzhalter für Profilbild

aoibheann

Lesejury Profi
offline

aoibheann ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit aoibheann über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.02.2023

Familiengeschichte mit einigen Schwächen

Malvenflug
0

Die Familie Prochazka lebt verteilt in Graz, Brünn und der Schweiz. Mutter Emma ist getrennt vom Vater ihrer Kinder und arbeitet in der Schweiz als Köchin, um von dort aus die Familie zu unterstützen und ...

Die Familie Prochazka lebt verteilt in Graz, Brünn und der Schweiz. Mutter Emma ist getrennt vom Vater ihrer Kinder und arbeitet in der Schweiz als Köchin, um von dort aus die Familie zu unterstützen und mit dem verdienten Geld Schulden abzuzahlen.
Ihre Kinder verbleiben derweil bei den Großeltern und wachsen in der Kriegszeit auf. Sie erleben diese Zeit alle sehr unterschiedlich. Über allem schwebt aber auch die Hoffnung und die Sehnsucht, bald wieder eine komplette Familie sein zu können.

Das Buch besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil schildern die einzelnen Personen aus der Familie Episoden aus den Jahren von 1940 bis 1945. Diese Episoden hängen nicht zwangsläufig miteinander zusammen, sondern sind eher lose Erlebnisse. Als Leser hat man hier die Möglichkeit sich einen Eindruck von den Figuren zu machen. Die Schwierigkeiten in der voranschreitenden Kriegszeit werden deutlich, die Figuren bleiben mir aber leider immer etwas fremd. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich als Leser Anteil haben „darf“ an ihrer Geschichte. Ich bleibe ein ferner Beobachter.
Im zweiten Teil kommt dann die älteste Tochter Helga zu Wort. Sie erzählt, wie es den einzelnen Familienmitgliedern nach dem Krieg erging. Hier wird eher Helgas Geschichte erzählt, die weiteren Lebensstationen der Geschwister und weiterer Familienmitglieder werden leider nur sehr kurz angerissen.

Es fällt mir gar nicht so leicht, das Buch eindeutig zu bewerten. Grundsätzlich mochte ich es gerne lesen. Mir gefällt der Erzählstil, der schnörkellos und gut zu lesen ist. Ich habe versucht mit den Figuren mitzufühlen, was mir als Leser nicht immer so leicht gemacht wurde. Gleichzeitig hat mir aber auch vieles gefehlt. Ich hätte z.B. mehr über die Beweggründe Emmas gewusst, ihre Kinder in Graz zurückzulassen. Viele Situationen werden leider nur angerissen und nicht weiterverfolgt. Auch die Lebensgeschichten nach dem Krieg bleiben für mich unvollständig. Das finde ich sehr schade, da hätten dem Buch aus meiner Sicht ein paar mehr Seiten durchaus gut getan, um etwas detailreicher zu erzählen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.01.2023

Eine alte Geschichte neu erzählt

STONE BLIND – Der Blick der Medusa
0

Griechische Mythologie ein wenig aufpoliert und in neuer Erzählung. Das ist es, was Nathalie Haynes dem Leser hier anbietet. Und ich finde das Ergebnis richtig gut gelungen. Eine tolle Mischung aus Mythologie ...

Griechische Mythologie ein wenig aufpoliert und in neuer Erzählung. Das ist es, was Nathalie Haynes dem Leser hier anbietet. Und ich finde das Ergebnis richtig gut gelungen. Eine tolle Mischung aus Mythologie und neuer Erzählung, die nicht nur die Herkunft einiger Mythen erklärt, sondern auch die verschiedenen Charaktereigenschaften der einzelnen Götter toll mit einbezieht. Ränkespiele und Streitigkeiten auf dem Olymp erklären sehr anschaulich das Verhältnis der Götter untereinander und gegenüber den Menschen.

Die bisher bekannte Erzählung widmet sich der Geschichte ja eher aus der Sicht Perseus und schildert seine Heldentaten und seine Heldenreise. Medusa wurde als abstoßende Kreatur beschrieben, ein Menschenschreck sondergleichen. Die Autorin zeichnet diese Reise jetzt aber aus anderen Blickwinkeln nach und damit steht Perseus plötzlich nicht mehr uneingeschränkt in "gutem Licht" dar. Eine erfrischend andere Perspektive, die mir sehr gut gefallen hat.

Das Buch hat mir großen Spaß gemacht. Sprachlich ist es einfach, aber sehr schön geschrieben, der Stil reicht von neutral über mitfühlend bis hin zu anklagend. Es gibt auf den ersten Blick sehr viele Erzählstimmen und Handlungsstränge, die etwas irreführend sein können, die aber am Ende eine runde Geschichte abgeben. Mich hat das Buch auf jeden Fall sehr begeistert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.01.2023

Unterhaltsamer Liebesroman

With All My Heart
1

Jane Doe wächst bei wechselnden Pflegefamilien auf. Als sie endlich bei einer Familie lebt, die es gut mit ihr meint und sich auch für sie interessiert, lernt sie in der Nachbarschaft die Familie McKenna ...

Jane Doe wächst bei wechselnden Pflegefamilien auf. Als sie endlich bei einer Familie lebt, die es gut mit ihr meint und sich auch für sie interessiert, lernt sie in der Nachbarschaft die Familie McKenna kennen. Die McKennas bestehen aus der älteren Schwester Skye, die sich um ihre jüngeren Geschwister Jamie und Lorna kümmert. Jane und Lorna freunden sich schnell miteinander an und auch Skye schließt Jane sehr schnell ins Herz. Dann kommt es, wie es kommen muss: Jamie und Jane verlieben sich ineinander. Das lässt den Haussagen schon mal gewaltig schief hängen, denn Lorna ist alles andere als begeistert von dieser Liebesgeschichte. Es beginnen eine Reihe von Problemen, die das Paar auf harte Proben stellen und ein finaler Schicksalsschlag, der alles nochmals ändert.

Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt. Der erste Teil spielt in der Vergangenheit, der zweite in der Gegenwart. In der Vergangenheit wird erzählt, wie Jane und die McKennas sich kennenlernen und anfreunden. Schnell fällt hier auf, das Lorna ein unheimlich vereinnahmender Mensch ist. Sie lässt Jane regelrecht nicht aus ihren Händen und wirkt mit dieser Art auf mich schon direkt wenig sympathisch. Jane ist eher das komplette Gegenteil. Introvertiert und zurückhaltend. Aber auch hier wird schnell klar: Jane ist intelligent und schafft es sich gegen die laute Lorna durchzusetzen und ihre persönlichen Grenzen zu ziehen.
Jamie hat bereits als Teenager soviel Wut in sich, dass er häufig nicht sieht, was um ihn herum passiert. Als er und Jane sich ineinander verlieben nimmt diese Beziehung so schnell an Fahrt und Intensität auf, dass man beiden zurufen möchte, doch mal einen Gang herunterzuschalten. Es nimmt obsessive Züge an und man bekommt unweigerlich den Eindruck, dass der eine ohne den anderen nicht mal alleine auf die Toilette geht.

Die Geschichte ist schon recht mitreißend geschrieben. Ich wollte auf jeden Fall unweigerlich wissen, wie es mit diesem „Dampfkessel-Paar“ weitergeht. Mir gefällt die Entwicklung von Jane im zweiten Teil, die mehr für sich einsteht, zielstrebig an einer Karriere arbeitet und sich von ihren Ängsten nicht einschüchtern lässt. Dagegen störte mich, dass von Jamies Seite aus Konflikte häufig mit Sex versucht werden zu lösen. Generell haben mich Jamies sehr sexuell orientiere Handlungsweisen mit dieser Figur nicht unbedingt warm werden lassen. Ich weiß nicht, ob das für dieses Genre in den Normalbereich fällt (ebenso wie die vermeintlich positive Darstellung von übertrieben männlicher Eifersucht), dazu lese ich aus diesem Bereich ehrlicherweise auch zu wenig.

Es geht im Grunde um toxische Beziehungen in jeglichen Formen. Unter Freunden, in der Familie, in Beziehungen. Und hier finde ich, hat die Autorin für mein Empfinden viel verschenkt. Den „Krimi“ im zweiten Teil es für mich gar gebraucht, wenn die Grundthematik aus dem ersten Teil weiter aufgegriffen und vertieft worden wäre.

Es bleibt aber trotzdem ein recht unterhaltsamer Liebesroman, mit dem man es sich bei dem momentan eher grauen Wetter gut auf dem Sofa bequem machen kann und der gute Unterhaltung bietet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.01.2023

Eine Familie, die schweigt

Saubere Zeiten
0

Jakob Auber, Sohn einer einst reichen und einflussreichen Familie, erfährt durch einen Anruf, dass sein Vater nach einem Schlaganfall im Koma liegt. Er reist von Berlin in seine Heimat. Sein Vater hat ...

Jakob Auber, Sohn einer einst reichen und einflussreichen Familie, erfährt durch einen Anruf, dass sein Vater nach einem Schlaganfall im Koma liegt. Er reist von Berlin in seine Heimat. Sein Vater hat ihm eine letzte Nachricht hinterlassen, die nur aus zwei Worten besteht. Jakob macht sich daran, dieses Rätsel zu entschlüsseln und ausgerechnet in seinem Elternhaus erfährt er mehr über die Geschichte seiner Familie. Und er lernt auch rückblickend sehr viel über seinen Vater. Und ganz nebenbei erfährt er auch sehr viel über sich selbst.

Ich tue mich mit der Bewertung dieses Buches ein wenig schwer, obwohl es mir insgesamt gut gefallen hat. Es ist angenehm geschrieben, regelrechter "Schmökerstoff" und man kann sich vorstellen, wie der Protagonist sich hinsetzt und seine Geschichte aufschreibt. Eine komplexe und vielschichte Familiengeschichte wird in recht direkter und einfacher Sprache erzählt. Schnörkellos und in kurzen Sätzen lässt Wunn den Leser an dieser Reise in die Vergangenheit teilhaben.
Jakob stößt bei seinen Nachforschungen auf eine Mauer des Schweigens, auf Verdrehungen und Verleugnungen. Die Auswirkungen dieser "Mauerschichten" reichen bis in die Gegenwart und prägen sogar die Beziehung zwischen Jakob und seinem Vater. Die knappen Dialoge und die häufige Sprachlosigkeit Jakobs spiegeln das zwar gut wider, lassen den Hauptcharakter aber auch gleichzeitig fast schon sehr distanziert auf mich wirken. Die Emotionen kamen bei mir nicht so recht an, das mitfühlen fiel mir bei ihm nicht so leicht. Dagegen finde ich Jakobs Vater unheimlich gelungen und ich konnte mich sehr viel schneller in dessen Gefühlswelt hineinversetzen.

Das Grundthema ist hochspannend und die zu Grunde liegenden Ereignisse haben sich so und ähnlich millionenfach in Deutschland abgespielt. Da kann man sich direkt auch mal selbst fragen: Wie gut kenne ich meine Familie und meine Familiengeschichte (wirklich)?
Das Tempo ist recht hoch, was sicherlich dem Umstand geschuldet ist, dass der zu überblickende Zeitraum relativ überschaubar ist. Allerdings wird vieles in den Episoden nur angerissen, so dass die Handlung häufig mittendrin zu anderen Ereignissen springt. Das bremst manchmal den Lesefluss ein wenig aus, weil man bspw. abrupt aus der Vergangenheit gerissen wird um dann über eine ziemlich merkwürdige Eifersuchtsszene aus der Gegenwart zu lesen. Und Jakob Auber war für mich nur eine bedingt sympathische Buchfigur. Trotz der Vorgeschichte verhält und handelt er manchmal einfach nur merkwürdig und ich konnte nicht erkennen, wo in diesem Teil der Fokus liegt. (Und warum sind diese Selbstfindungsphasen bei Männern in solchen Geschichten immer mit Sex verbunden?)

Und doch, trotz all der Kritikpunkte mochte ich das Buch. Ich habe es innerhalb kurzer Zeit regelrecht verschlungen und konnte nicht aufhören zu lesen. Ich kann das Buch daher weder als "super gut" noch als "total schlecht" einordnen. Ich würde es tatsächlich sogar verschenken und weiter empfehlen, weil ich glaube, dass es als Gesamtpaket viele Menschen ansprechen dürfte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.12.2022

Verzwickte Familiengeschichte

Kuckuckskinder (Ein Falck-Hedström-Krimi 11)
0

Ich lese mittlerweile nicht mehr allzu viele Krimis. Die Bücher von Camilla Läckberg begeistern mich allerdings noch immer.

In ihrem neuen Fall geht es in die Künstlerszene. Kunst, Malerei, Fotografie, ...

Ich lese mittlerweile nicht mehr allzu viele Krimis. Die Bücher von Camilla Läckberg begeistern mich allerdings noch immer.

In ihrem neuen Fall geht es in die Künstlerszene. Kunst, Malerei, Fotografie, Literatur im Dunstkreis des Nobelpreises - und zwei Morde in sehr erlauchten Kreisen.

Mir gefällt sehr, dass Läckbergs Geschichten durchdacht sind und es sich nicht nur um ein stumpfes Gemetzel handelt. Es ist die Art, wie sie jede ihrer Figuren formt. Egal ob Täter, Opfer, Ermittler oder eine beliebige Nebenfigur. Jede ist ganz individuell gestaltet, jede Handlung und Charaktereigenschaft sehr detailliert ausgearbeitet. Sie spielt mit Klischees und macht sie sich gleichzeitig zu Nutze.
Wie bei jedem Krimi versuche ich natürlich auch "mitzuermitteln". Ich liebe verschachtelte Auflösungen und hier habe ich nur ein paar wenige Puzzleteile richtig zusammensetzen können. Die Handlungsstränge passen für mich gut zusammen und die präsentierte Lösung finde ich nachvollziehbar. Der Strang um den Mordfall aus der Vergangenheit ist mir besonders nahe gegangen und auch wenn es "nur" eine Buchfigur ist, hätte es mich wirklich traurig gemacht, wenn dieser nicht vollständig aufgelöst worden wäre.

Alles in allem ein spannender Krimi mit verschiedenen sozialen Aspekten, den ich sehr gelungen finde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere