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Veröffentlicht am 19.09.2019

interessantes Thema

Alles, was wir sind
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Der Klappentext war einfach so vielversprechend, da konnte ich gar nicht anders als zuzugreifen. Erzählt wird die Geschichte von Olga Iwinskaja, der Geliebten des bekannten russischen Autors Boris Pasternak. ...

Der Klappentext war einfach so vielversprechend, da konnte ich gar nicht anders als zuzugreifen. Erzählt wird die Geschichte von Olga Iwinskaja, der Geliebten des bekannten russischen Autors Boris Pasternak. Sie wird verhaftet, auch weil das Zentralkomitee in Moskau verhindern will, dass der neueste Roman von Pasternak „Dr. Schiwago“ herauskommt. Sie wird verhört, weil man Pasternak als Staatsfeind entlarven möchte. Aber sie hält unverbrüchlich zu ihm, lässt alle Fragen nach dem Inhalt des Romans und den Hintergründen dafür, warum Pasternak ihn geschrieben haben könnte, unbeantwortet. Sie übersteht drei Jahre Haft.
Auf einer weiteren Ebene versuchen die Amerikaner eine Agentin in Pasternaks Nähe einzuschleusen, denn sie wollen dessen Literatur gegen das russische Regime einsetzen. Erzählt wird von der Ausbildung junger Frauen, die zu Geheimagentinnen ausgebildet werden sollen.
Die Geschichte ist hoch politisch, beruht zumindest in Teilen auf wahren Begebenheiten und beleuchtet viele Aspekte und Situationen des Kalten Krieges. Es geht um die heiße Phase des „Kalten Krieges“ ist aber kein reiner Spionageroman sondern beleuchtet auch, wie die Menschen sich in Ausnahmesituationen verhalten, wie sie auf den Druck des Regimes unterschiedlich reagieren.
Ein Buch, welches Aufmerksamkeit fordert und ein hochinteressantes Thema neu aufbereitet.

Veröffentlicht am 09.09.2019

Der kleine Schubs

Jetzt noch nicht, aber irgendwann schon
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Jetzt noch nicht aber irgendwann schon, denkt Martin Simons, als er erfährt, dass er eine lebensbedrohliche Hirnblutung erlitten hat. Auch wenn er bald wieder aus dem Krankenhaus entlassen wird, so ist ...

Jetzt noch nicht aber irgendwann schon, denkt Martin Simons, als er erfährt, dass er eine lebensbedrohliche Hirnblutung erlitten hat. Auch wenn er bald wieder aus dem Krankenhaus entlassen wird, so ist dies doch ein Schuss vor den Bug und ein Weckruf, sein Leben zu überdenken, neu zu ordnen, anders zu leben, als bisher.

Der Autor schreibt von einer selbst erlebten Erfahrung. Er ist dabei wohltuend ehrlich und betrachtet sich selbst ungeschminkt und mit einer Portion Galgenhumor. Der Erzählstil ist es vor allem, der mir sehr gefallen hat. Und die leisen aber intensiven Töne, die in seiner Geschichte liegen. Fast zwangsläufig findet man sich in vielen Situationen wieder, kann sich ähnliche Fragen stellen, bleibt durchaus auch nach dem Zuschlagen des Buchdeckels an einigen Überlegungen hängen, die für jeden relevant sind.

Ich würde nicht so weit gehen zu sagen, das Buch ändert Lebenseinstellungen und Lebensentwürfe. Aber es gibt vielleicht einen kleinen Schubs, mal wieder selber zu reflektieren und auf das eigene kleine Selbst zu schauen.

Veröffentlicht am 05.09.2019

gute Fantasy

Kingdoms of Smoke – Die Verschwörung von Brigant
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Kingdoms of Smoke ist eine Fantasyreihe, die für 14-17-jährige LeserINNEN geschrieben wurde. Die Verschwörung von Brigant ist der erste Band, der mit über 500 Seiten ein umfangreicher Einstieg in eine ...

Kingdoms of Smoke ist eine Fantasyreihe, die für 14-17-jährige LeserINNEN geschrieben wurde. Die Verschwörung von Brigant ist der erste Band, der mit über 500 Seiten ein umfangreicher Einstieg in eine klassische High-Fantasy-Welt ist. Der Schreibstil ist gut lesbar und durchaus etwas für ältere Semester. Das Cover besticht natürlich mit dem roten Nebel der durchaus etwas mit der Story zu tun hat.

Da es eine neue Welt ist, werden erst mal eine Vielzahl an Personen und Orten vorgestellt. Es gilt die diversen politischen Strömungen zu durchschauen, die Hierarchien der Gesellschaften zu verstehen, die Charakter der Hauptdarsteller besser kennen zu lernen.

Es drohen Kriegshandlungen, in die jugendliche Protagonisten verwickelt werden. Besonders gefallen hat mir hier Prinzessin Catherine, die man ja gleich am Anfang in einer sehr prägnanten Szene gezeigt bekommt. Ihre anfängliche Unsicherheit verändert sich im Laufe der Geschichte. Sie hat das meiste Potential zu einem Wandel. Auch Tash ist ein toller Charakter. Durch sie kommt die nötige Magie in das Fantasy-Epos.

Unter dem Aspekt, dass es sich um einen Jugendroman handelt, kann ich das Buch empfehlen. Auch wenn ihm manchmal etwas die Tiefe fehlt, so hat er mich doch gut unterhalten und lies sich flott und gerne lesen. Ich werde sicherlich auch Band zwei ins Auge fassen. Fantasy von dieser Güte geht immer.

Veröffentlicht am 05.09.2019

ungewöhnliche Geschichte

Ein anderer Takt
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Ein ungewöhnlicher Roman, denn er beschreibt eine Situation, die so nie stattgefunden hat ist aber kein SF oder Fantasy-Roman sondern einer, der das Zeitgeschehen nur in ein neues Gewand verpackt.

Das ...

Ein ungewöhnlicher Roman, denn er beschreibt eine Situation, die so nie stattgefunden hat ist aber kein SF oder Fantasy-Roman sondern einer, der das Zeitgeschehen nur in ein neues Gewand verpackt.

Das Ganze spielt sich in der kleinen fiktiven Stadt Sutton im Süden der USA ab und beginnt im Juni 1957 als sämtliche schwarzen Mitbürger ihre Habseligkeiten packen, alles Haus und Gut vernichten und dann geschlossen die Stadt und den Staat verlassen. Ohne Angabe von Gründen, ohne dass man erkennt, warum sie dies tun und wer sie dazu veranlasst hat.

Die Weißen beobachten diesen Exodus verwirrt, überrascht später verstört und erschrocken, denn nun droht alles in der kleinen Stadt zusammenzubrechen, denn die Schwarzen, haben die Stadt am Laufen gehalten und niemand weiß, was zu tun ist.

Eine ungewöhnliche Geschichte erzählt aus der Sicht der zurückbleibenden Weißen. Ich musste fast schmunzeln über ihr Verhalten, ihre dümmliche Art dies alles abzutun und dann zu erkennen, dass sie jetzt erst merken, was sie an den schwarzen Mitbürgern hatten und was sie ihnen vorenthalten haben.

Das Buch liest sich schnell und hinterlässt ein Gefühl, dass die Geschichte sich auch heute noch in vielen Städten der USA so ähnlich ereignen könnte. Also immer noch aktuell.

Veröffentlicht am 03.09.2019

Die wahre Geschichte von Richard und John Plantagenet

Teufelskrone
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Rebecca Gable bleibt ihrer Waringham-Saga treu – zur Freude aller Fans. Und sie wagt den Sprung zurück in der Zeit und hat mit „Teufelskrone“ quasi ein Prequel geschrieben, welches die Ära von Richard ...

Rebecca Gable bleibt ihrer Waringham-Saga treu – zur Freude aller Fans. Und sie wagt den Sprung zurück in der Zeit und hat mit „Teufelskrone“ quasi ein Prequel geschrieben, welches die Ära von Richard Löwenherz und seinem Bruder John erzählt. Wer kennt die beiden nicht aus den diversen Robin-Hood-Geschichten. Aber was steckte wirklich hinter den beiden Königen? Wieviel Wahrheit ist tatsächlich in diesen Geschichten? Die Historikerin und versierte Histo-Autorin geht der Sache mit Freude am Erzählen auf den Grund. Was für ein Genre-Schmankerl hier vor einem liegt, merkt der neugierige Leser sehr schnell.

Yvain of Waringham wird Gefolgsmann des Königsbruders John. Schon als Teenager erlernt er das Kriegshandwerk, wird später zum Lord of the Horses und er wird mit seiner Familie fester Bestandteil des königlichen Haushaltes, als John nach seinem Bruder König wird. Anfangs schätzt John vor allem seine Ehrlichkeit und seine absolute Treue, die er weidlich ausnützt und ihn irgendwann zum Komplizen eines Mordes macht. Danach wendet sich das Blatt für Yvain. Der König wird immer launischer und gefährlicher und traut keinem seiner Gefolgsleute mehr. Um seinen Thron zu behalten, geht er über Leichen und bald lebt jeder in Angst und Schrecken vor dem Herrscher. Yvain, der inzwischen zum Mann gereift ist, erkennt, dass er sich vielleicht zwischen König und Vaterland entscheiden muss.

„Todeskrone“ ist bestes Handwerk aus der Feder einer der besten Autorinnen historischer Romane, die ich kenne.

„Todeskrone“ ist so detailliert, geschichtsträchtig, prall an Leben und Tod, an Freud und Leid, dass man kaum zu Atem kommt.

„Todeskrone“ ist keine Seite zu lang und jeden Cent wert.

„Todeskrone“ muss man gelesen haben, wenn einen historische Romane interessieren, wenn man wissen möchte, was hinter Richard und John Plantagenet steckte und wie das mit den Waringhams eigentlich alles begann.



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