Profilbild von claudi-1963

claudi-1963

Lesejury Star
offline

claudi-1963 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit claudi-1963 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.01.2026

Köstliche Liköre und ein unerwartetes Auftauchen

Schneeflocken, Likör und zweite Chancen
0

"Es gibt Augenblicke, in denen in unserem Leben Widrigkeiten auftauchen, die wir nicht verhindern konnen. Doch alles hat seinen Grund. Erst nachtraglich begreifen wir, warum es sie gegeben hat.“ (Paulo ...

"Es gibt Augenblicke, in denen in unserem Leben Widrigkeiten auftauchen, die wir nicht verhindern konnen. Doch alles hat seinen Grund. Erst nachtraglich begreifen wir, warum es sie gegeben hat.“ (Paulo Coelho)
Gemeinsam führen Lotta und Paul die Likörbrennerei „Kupferkessel“. Um auf den Sternmooser Weihnachtsmarkt vorbereitet zu sein, haben die beiden hart gearbeitet und neue Likörvariationen entwickelt. Paul hat während einer kurzen Pause beim Skifahren einen schweren Unfall und fällt für mehrere Wochen aus. Lotta hatte nie damit gerechnet, dass Pauls Bruder Lukas erscheint und sie aktiv unterstützt. Pauls Erscheinen stellt für Lotta keine einfache Situation dar, war er doch ihre große Liebe, die eines Tages einfach abgehauen und in die Schweiz gegangen ist. Dort realisierte er seinen Traum als Mediziner, allerdings blieben seine echten Gefühle für Lotte bei ihm stets präsent. Lotta kennt allerdings den tatsächlichen Grund für sein Verschwinden nicht. Lukas wird zu einer großen Hilfe für Lotta, und obwohl sie sich dagegen sträubt, kommen bei ihr ebenfalls alte Gefühle wieder hoch. Haben die beiden eine Chance, und kann sie ihm verzeihen, wenn sie den wahren Grund erfährt?

Meine Meinung:
Wie in den anderen Ausgaben dieser Reihe "Der kleine Weihnachtsmarkt in den Bergen" fühle ich mich sofort wieder wohl im schönen Südtiroler Bergdorf Sternmoos. Auch dieses Mal wird das Cover wieder entsprechend der Thematik gestaltet. Der Schreibstil ist dabei flüssig, locker und unterhaltsam. Es ist großartig, dass zwei Jugendfreunde sich zusammenschließen, um eine Likörbrennerei am Leben zu erhalten. Die von Lotta und Paul entwickelten Ideen und Varianten für Likör lassen einem sofort das Wasser im Mund zusammenlaufen. Selbstverständlich ist auch in diesem Text der alljährliche Weihnachtsmarkt das zentrale Thema. Es ist für mich nachvollziehbar, dass Lotta nach Pauls Unfall alles über den Kopf wächst. Es ist nur gut, dass Pauls Mutter ihren Sohn Lukas um Hilfe bittet. Ich kann nachvollziehen, dass Lotta nicht gerade begeistert ist, ihre große Liebe wiederzusehen. Er hat Lotta und Paul ja schließlich nie von dem wahren Grund abzuhauen, berichtet. Nur die Frage bleibt, ob sie Lukas nun vertrauen, wenn er sagt, dass er sie immer geliebt hat. Ein weiteres Mal erfahren wir von einer herrlichen, weihnachtlichen Liebesgeschichte, deren Höhepunkt auf dem Weihnachtsmarkt stattfindet. Außerdem haben wir mit Lotta und Lukas sympathische Hauptfiguren, die liebevoll, fleißig und warmherzig sind. So können Schicksalsschläge, wie zum Beispiel Pauls Unfall, letztendlich zu etwas Positivem führen. Das verschneite Bergdorf Sternmoos eignet sich hervorragend als Kulisse und versetzt einen sofort in Weihnachtsstimmung. Vor allem die zahlreichen Likörvarianten, die sich die Autorin ausgedacht hat, haben mich beeindruckt. Wie etwa den Schneeflockenlikör, der dem Titel seinen Namen verleiht. Ich gebe dafür 5 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.01.2026

Der gefährliche Aufbruch nach Kanada

Als die Freiheit starb – Rebellion
0

"Vor zwei Jahren wurden die Bürgerrechte und die Bewegungsfreiheit in der amerikanischen Republik zunehmend eingeschränkt und Diskriminierung und Unterdrückung weiter vorangetrieben." (Buchauszug)
Nach ...

"Vor zwei Jahren wurden die Bürgerrechte und die Bewegungsfreiheit in der amerikanischen Republik zunehmend eingeschränkt und Diskriminierung und Unterdrückung weiter vorangetrieben." (Buchauszug)
Nach der Befreiung des Frauenlagers durch die Freedom Fighters suchen sie Zuflucht in den Bergen. Nur Maria Broadus wurde nicht gefunden; sie wurde weggebracht, um weiterhin ein Druckmittel gegen Derek zu besitzen. Adriana möchte nun jedoch unbedingt ihren Sohn Anthony finden, ihn befreien und dann mit ihm zu ihrem Bruder nach Kanada fliehen. Sie erhält Hilfe vom Techniker Sam, der ein ähnliches Schicksal wie sie erfahren hat. Als die SAR das Versteck der Freedom Fighters entdeckt, kommt es zum Eklat. Dennoch schaffen es viele, zu fliehen. Sie planen zusammen mit Leona, Randy und Sam Anthonys Befreiung in Montana und die darauf folgende Flucht nach Kanada. Aber einer verfolgt Adriana weiterhin und erschwert ihr Leben. Was treibt ihn an, weshalb verfolgt er sie so verbissen, und wird es ihnen gelingen, nach Kanada zu Mateo zu fliehen?

Meine Meinung:
Band 2 mit dem Titel „Als die Freiheit starb – Rebellion“ setzt direkt dort an, wo der erste Band aufgehört hat. Sie setzt dort an, wo den Frauen nach der Befreiung endlich ein Durchatmen möglich ist. Natürlich ist der Unterschlupf der Freedom Fighters sehr beengt, weshalb man zügig arrangieren muss, dass die Frauen nach Hause kommen können. Adriana ist da anders, sie braucht weiterhin Unterstützung, da man bei Anthony nur seinen Aufenthaltsort kennt. Währenddessen verschärft sich die Situation für die US-Bürger, da die Regierung weitere Sanktionen gegen ihre Familien verhängt hat. Es sieht so aus, als wäre es nur eine Frage der Zeit, bis die Bevölkerung das nicht mehr hinnehmen wird. Die SAR hat jedoch weiterhin alles unter Kontrolle und sucht gezielt nach Derek Broadus und den Rebellen. Mateo, der Bruder von Adriana, hilft seiner Schwester mittlerweile, wo er kann, um alles für ihre Ankunft in Kanada vorzubereiten. Adriana ist jedoch noch nicht über ihre Trauer hinweg, und der zusätzliche Schicksalsschlag bei der Befreiung hat sie stärker getroffen, als sie angenommen hatte. Nachdem sie jedoch nun erfahren haben, dass Anthony in Montana in einem Kinderlager ist, hält sie nichts mehr. Die vier ahnen noch nicht, dass ihre Befreiung und Flucht schwieriger sein wird als erwartet. Es sieht ganz danach aus, als hätte Stan einen sorgfältig durchdachten Plan zur Verfolgung von Adriana ausgearbeitet. Weshalb geht er nur so verbissen gegen ihre Flucht vor? Auf ihrem Weg nach Kanada werden sie noch einige Überraschungen erleben. Der zweite Teil dieser Trilogie bietet uns eine Menge Spannung. Meiner Meinung nach übertraf dieser Teil den ersten Band, da er mit deutlich mehr Abwechslung, Action und Spannung aufwartet. Dennoch empfehle ich jedem, zunächst Band 1 zu lesen, um die Zusammenhänge besser nachvollziehen zu können. Die Autorin bietet zwar einige kurze Zusammenfassungen, doch um ein besseres Verständnis der angespannten Verhältnisse zu erlangen, empfiehlt sich die Lektüre der gesamten Trilogie. Die Darstellung der Protagonisten ist erneut äußerst kraftvoll. Aber noch beeindruckender ist für mich der Einblick in die Welt des Autismus, den uns die Autorin gewährt. Sie kann hier selbstverständlich ihre ganz eigene individuelle Erfahrung einbringen, ebenso wie die Trauer über den Ehemann. In jeder Phase des Lesens spürt man, wie sie selbst durch schwere Zeiten gegangen ist. Für alle, die – wie ich – keine Vorliebe für Dystopien haben, ist dieses Werk garantiert ein Genuss. In dieser Trilogie steckt sehr viel, was bereits jetzt in den USA schiefgeht. Ich freue mich sehr auf den dritten Band und vergebe erneut 5 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.01.2026

Ein Muss für jeden Stuttgarter Krimifan

Lasst uns bös’ und tödlich sein
0

"Spannung ist der Zustand der einen nervös macht, wenn er aufzuhören beginnt.“ (Anonym)
Hier zeigen zwölf Krimiautorinnen und -autoren aus der Umgebung von Stuttgart ihr schriftstellerisches Talent, um ...

"Spannung ist der Zustand der einen nervös macht, wenn er aufzuhören beginnt.“ (Anonym)
Hier zeigen zwölf Krimiautorinnen und -autoren aus der Umgebung von Stuttgart ihr schriftstellerisches Talent, um uns mit Spannung auf die bevorstehenden Weihnachtstage einzustimmen. Selbstverständlich kann man diese Anthologie auch außerhalb der Vorweihnachtszeit lesen. Hier erlebe ich Krimis, die mal heiter, mal spannend sind, aus der Perspektive des Täters oder der Opfer erzählt werden und natürlich mit einigen Überraschungen enden. Die Herausgeber sind die drei Autoren, die seit Jahren gemeinsam Lesungen mit ihrem Programm „MordsFrau trifft MordsKerle“ veranstalten. Julia Hofelich ist mit ihren Kriminalromanen hauptsächlich unter ihrem eigenen Namen bekannt, während Rudolf Georg auch unter dem Pseudonym Alessio Guerrini publiziert. Joachim Speidel ist vor allem für seine amüsanten Kurzkrimis bekannt, in denen gelegentlich der schwäbische Dialekt vorkommt. Bedauerlicherweise waren nicht alle Kriminalfälle in diesem Buch überzeugend für mich. Aber jeder hat hier sein eigenes einzigartiges Werk geschaffen, um die Zeit bis Weihnachten zu verkürzen und für Unterhaltung zu sorgen.
Ein paar Beispiele aus dem Buch: In „Eine Praline für Herzogin Franziska“ geschehen unerwartete Dinge bei der Vorstellung der neuen Franzi-Praline. Bei „Cinghiale speciale“ hat der italienische Sternekoch Lorenzo Angst vor einem Gastronomie-Kritiker. Welche Überraschung jedoch am Ende folgt, darauf war niemand vorbereitet. In „Mordmanntanne“ wird das Fällen eines Weihnachtsbaums für jemanden zum Verhängnis. Wer von uns kennt nicht Pulp Fiction? Etwas Ähnliches erleben wir auf eine humorvolle weihnachtliche Art in der Geschichte „Pulp Christmas". In „Weih.Nachts.Tod“ beschert der Bestatterin J. J. Schwarz an Heiligabend auf dem Friedhof ihren ganz persönlichen Albtraum. Mit dieser kleinen Auswahl möchte ich euch dieses Buch schmackhaft machen. Das Cover mit dem Stuttgarter Fernsehturm, das mit verschiedenen Mordwaffen gespickt ist, passt hervorragend zu dem Buch

Fazit:
Diese Anthologie ist ideal für alle, die Krimis aus dem Ländle mögen und dem schwäbischen Dialekt aufgeschlossen gegenüberstehen. Hier sorgen 12 Autorinnen und Autoren aus dem Stuttgarter Raum, die allesamt Kriminalgeschichten schreiben, für eine Menge Abwechslung, Spannung und Heiterkeit. Selbst wenn nicht alle Krimis mich angesprochen haben, so haben mich doch die meisten Geschichten bestens unterhalten. Ein paar Autoren könnten sich aber ruhig etwas mehr an unseren schwäbischen Dialekt herantrauen. Immerhin sind wir nicht in Hannover, sondern in Stuttgart unterwegs. Von meiner Seite gibt es für das Buch gute 4 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.12.2025

Was geschah mit meiner Schwester?

Safe Space
0

"Da Disharmonie jeden Ort dieser Erde erreicht, sollte man seinen eigenen Schutzraum mit harmonischen Gedanken und Gefühlen bewahren." (Christa Schyboll)
Psychologin Anna Salomon hat sich auf die forensische ...

"Da Disharmonie jeden Ort dieser Erde erreicht, sollte man seinen eigenen Schutzraum mit harmonischen Gedanken und Gefühlen bewahren." (Christa Schyboll)
Psychologin Anna Salomon hat sich auf die forensische Psychologie spezialisiert und möchte unter anderem mit Sadisten, Serienmördern und Psychopathen arbeiten. Weshalb sie sich für eine Stelle in der JVA Weyer beworben hat. Was jedoch niemand ahnt, Anna hat ganz andere, private Gründe, weshalb sie in diesem Gefängnis arbeiten möchte. Ausgerechnet in diesem Hochsicherheitsgefängnis vermutet sie einen Häftling, der ihr Fragen beantworten kann. Fragen, was vor 6 Jahren mit ihrer Schwester Sina geschah und ob sie vielleicht sogar noch am Leben ist. Allerdings ist diese Suche mehr als gefährlich und nicht gerade einfach. Denn alles, was sie über diese Person weiß, ist sein Spitzname Sonny und seit wann er ungefähr einsitzt. Was und ob er etwas mit Sinas Verschwinden zu tun hat, ist Anna bisher unklar. Darum möchte sie auch unbedingt Antworten von ihm. Doch wie soll man so jemanden in einem so großen Gefängnis finden, ohne dass ihre Kollegen etwas von ihrem Geheimnis erahnen? Ein gefährliches Spiel mit unbekanntem Ausgang, bei dem auf einmal jemand mit Annas Leben spielt.

Meine Meinung:
Bisher war ich nicht mit der Autorin vertraut, doch der Klappentext und die ungewöhnliche Gestaltung machen mich neugierig auf dieses Buch. Die Handlung wird in mehrere Handlungsstränge unterteilt, was dem Inhalt noch mehr Spannung vermittelt. Ich erlebe nicht nur Annas Spurensuche, sondern ebenso Sinas und Leons Leidensgeschichte. Leons Kindheit ist durch Misshandlung stark gerägt. Seine Eltern, die ihm nur schwer Liebe entgegenbringen können, sowie die Ängste, die daraus resultieren. Es ist für mich kaum nachvollziehbar, wieso diese Kindheit ihn nicht geprägt hat. Trotzdem scheint er jemand zu sein, der Sina Halt, Trost und Verständnis bietet. Sina ist mittlerweile so sehr durch ihren Freund Samu manipuliert, dass sie nur noch Positives an ihm sieht. Sie erkennt nicht einmal mehr, dass er ihr Leben entscheidend bestimmt. 6 Jahre nach Sinas Verschwinden endet nicht nur ihre Spur, sondern auch die ihres Freundes Samu. Kann er etwas mit dem Verschwinden von Sina zu tun haben und ist aus diesem Grund geflohen? Immer wieder kommen mir während des Lesens Fragen über Fragen in den Sinn, weshalb ich dieses Buch kaum weglegen kann. Auch Annas Suche wird zunehmend konzentrierter. Hinzu kommen die Gefangenen, für die sie zuständig ist und die sämtlich unberechenbar sind. Insgesamt gesehen ist das nicht gerade ein Safe Space, wie der Titel verspricht. Doch Annas Suche wird beobachtet, da der Täter sie bereits im Visier hat. Sie ahnt es nicht, aber er hat sein Spiel mit ihr bereits längst begonnen. Ein Psychothriller, der bis zum Schluss geheimnisvoll und fesselnd ist. Auch wenn mein Bauchgefühl sich letztlich als richtig herausstellt, hat mich dieses Buch überzeugt. Vor allem, weil es am Ende doch noch eine Menge Überraschungen bereithält. Ich konnte Menschen wie Sina, die sich so manipulieren lassen, noch nie ganz verstehen. Es handelt sich vermutlich um sehr labile Menschen oder Personen mit geringem Selbstwertgefühl. Wenn die Manipulation dann erfolgreich war, ist es kaum noch möglich, ihr zu entkommen. Im Fall von Anna ist das eher umgekehrt. Andernfalls wäre es ihr wahrscheinlich nicht möglich gewesen, ihre Tätigkeit als Psychologin in Weyer zu beginnen. Die Autorin demonstriert in diesem Buch eindrucksvoll ihr Wissen als Psychologin, und sie weiß, wie sie es in ihren Erzählungen effektiv nutzen kann. Selbst wenn einige der Ansicht sind, ihr Debüt „Happyend“ sei besser gewesen, hat mich ihr zweiter Thriller vollkommen überzeugt. Eine Erzählung, bei der Miträtseln leichtfällt, die einen bis zum Schluss in ihren Bann zieht und die von mir ganz klar 5 Sterne bekommt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.10.2025

Das Leben und die Suche nach Antworten

Das zweite Leben
0

"Unser ganzes Leben ist ein unausgesetzter Kampf mit Hindernissen, die am Ende den Sieg davontragen." (Arthur Schopenhauer)
Venedig 1968:
Ava, eine junge Journalistin aus München, reist zwecks Recherche ...

"Unser ganzes Leben ist ein unausgesetzter Kampf mit Hindernissen, die am Ende den Sieg davontragen." (Arthur Schopenhauer)
Venedig 1968:
Ava, eine junge Journalistin aus München, reist zwecks Recherche nach Venedig. Bei einem ersten Rundgang erhascht sie den Zauber der Stadt und lernt dabei Toma kennen. Die Einheimischen zeigen ihr die Schönheit Venedigs. Doch Ava ist nicht der Liebe oder der Schönheit wegen nach Venedig gereist, sie sucht nach Antworten. Denn die Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs lassen sie nicht los, und sie möchte darüber aufklären. Durch Zufall erfährt Rachel, eine Überlebende aus Birkenau, von Avas Venedigaufenthalt und bittet sie um ein Gespräch. Mit der Zeit verbinden sich ihre Gespräche zu einer Freundschaft. Von Rachel erfährt Ava vieles, das sie bisher nicht einmal ihrer Tochter Nuriel anvertraut hat. Dabei kommt irgendwann sogar ihre Verbindung zu Venedig ans Licht. Trotz der Distanz bleibt die Freundschaft zwischen Ava und Toma erhalten. Hat sie doch in ihm ihren Seelenverwandten gefunden. Allerdings für die Liebe und einen Umzug nach Venedig fehlt ihr der Mut. Ava hat sich für eine belastende Aufklärung der deutschen Nachkriegszeit und gegen ihr eigenes Glück entschieden.

Meine Meinung:
Ein Buch, das mich insbesondere wegen seines geteilten Covers und des Klappentextes angesprochen hat. Ich war neugierig, wie Venedig und Birkenau zueinander passen. Der Konflikt zwischen Gut und Böse, Freud und Leid angesichts der Herausforderungen der Geschichte wird bereits offensichtlich. Die eine Stadt ist geprägt von Schönheit, Freude und Liebe, während der andere Ort Leid, Schmerz und Tod verkörpert. Nur schade, dass der Abschnitt um Venedig dann für mich doch sehr mühsam war. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, einen Stadtführer durchzublättern. Die zahlreichen Straßennamen und Schauplätze der Stadt sind für jemanden, der Venedig bestens kennt, sicherlich bedeutend, mich allerdings haben sie fast überwältigt. Auch die italienischen Sätze wären für mich nicht notwendig gewesen, da sie nur unnötig Platz einnehmen. Ava und Toma philosophieren tagelang über Familie, das Leben und vor allem das Weltgeschehen, während ich mich frage: Wo genau ist der rote Faden dieses Buches und was will die Autorin und damit sagen? Es scheint mir oft so, als konnte sie keine richtige Entscheidung treffen und hat deshalb das komplette Weltgeschehen in diese Geschichte gepackt. Manche Szenen kommen mir sprachlich betrachtet recht hochgestochen und gekünstelt vor. Wodurch dieses Buch teilweise nicht gerade leicht verständlich ist. Rachels Handlungsstrang hat mich beeindruckt, aber vor allem emotional berührt. Ihre Erlebnisse beschönigen nichts, sondern es werden viele Gräueltaten aufgedeckt. Meiner Meinung nach war Rachels Geschichte jedoch viel zu kurz. Ich hatte wesentlich mehr von ihr erwartet. Seitenlange Diskussionen zwischen Ava und Toma, hätten von mir aus lieber durch Rachels Schilderungen ergänzt werden können. Dies ist zwar nicht mein erstes Buch einer Überlebenden der Shoah, und dennoch hat sie mich wieder sehr berührt. Im Nachhinein konnte ich dieses Buch nicht ganz einordnen. Zwischen Liebe, Geschichte, Politik, Zeitgeschehen und Stadtführer hat dieses Buch von jedem etwas zu viel. Wie schon erwähnt habe ich den Eindruck das gesamte Weltgeschehen der Nachkriegszeit sollte hier irgendwo seinen Platz finden. Selbst für mich war das letztlich zu viel des Guten, da alles nur kurz angeschnitten werden konnte. Es wäre besser gewesen, wenn die Autorin sich auf einige wenige Zeitgeschehen konzentriert und dies dafür intensiver behandelt hätte. Ob dieses Buch zur gehobenen Literatur zählt, wie einige in unserer Leserunde behaupteten, ist mir nicht verständlich. Nur eines steht fest: Dieses Buch ist ziemlich anspruchsvoll und herausfordernd. Es tut mir leid, aber ich muss diejenigen, die hier die Geschichte einer Überlebenden erwarten, enttäuschen. Es stehen nämlich zu viele andere Themen im Vordergrund. Trotzdem gebe ich dem Buch 3,5 Sterne, da es grundsätzlich gut geschrieben ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere