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Veröffentlicht am 09.08.2024

Dritte Generation

Was die Gezeiten versprechen. Die St.-Peter-Ording-Saga
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Bereits die dritte Generation trifft der Leser in St. Peter-Ording im Jahre 1997 an. Diesmal steht Caro im Mittelpunkt mit ihrem Wunsch, Schauspielerin zu werden. Aber schon bald gerät sie in einen Zwiespalt ...

Bereits die dritte Generation trifft der Leser in St. Peter-Ording im Jahre 1997 an. Diesmal steht Caro im Mittelpunkt mit ihrem Wunsch, Schauspielerin zu werden. Aber schon bald gerät sie in einen Zwiespalt zwischen dem Traum, die weite Welt zu erobern und ihrer aufflammenden Liebe zu Jonas.

Schnell findet man sich wieder zurecht im Hotel und im Strandcafe im bekannten Urlaubsparadies. Die Zeit steht nicht still, schon steht Carolina vor dem Schulabschluss und plant – aufgrund ihrer Theatererfahrung im Gymnasium – eine Karriere als Schauspielerin. Ein Filmdreh am Strand beflügelt ihre Ideen und so bewirbt sich das junge Mädchen für aufregende Castings. Zwischendurch geht es selbstverständlich wieder in den Ruhrpott, wo Uropa Alfred an einer schweren Lungenentzündung leidet. Schön zu lesen, wie es den Figuren aus den vorangegangenen Bänden der St. Peter-Ording-Saga geht, allerdings gibt es fast zu viele Schauplätze und angerissene Themen, sodass kaum eines tiefgreifend erörtert werden kann. Auch das Flair der 1990er-Jahre ist mir persönlich zu schwach ausgeprägt, neben Techno-Beat und Baby-G-Uhr hätte es bestimmt noch andere interessante Details gegeben. Das Hin und Her einer ersten Liebe hingegen ist gut getroffen und stellt Caros und Jonas‘ Gefühle recht realistisch dar.

Alles in allem ein netter Band 3, aber durch die gewachsene Zahl an Familienmitgliedern kommen zu viele Blickwinkel auf, ein buntes Kaleidoskop an Szenen, welche eher oberflächlich bleiben. Auch wenn ich mir hier „weniger ist mehr“ gewünscht hätte, so hat auch dieser Teil seinen Wert an Unterhaltung und bietet einen gut zu lesenden Abschluss der Familiensaga.

Veröffentlicht am 08.08.2024

LKA Hamburg

Das Dickicht
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Juha Korhonen, ein Urgestein im LKA Hamburg, hat seit Kurzem einen neuen Partner, Lucas „Lux“ Adisa. Dass die zwei trotz ihrer Gegensätze perfekt zusammen arbeiten, zeigt dieser Fall einer Kindesentführung, ...

Juha Korhonen, ein Urgestein im LKA Hamburg, hat seit Kurzem einen neuen Partner, Lucas „Lux“ Adisa. Dass die zwei trotz ihrer Gegensätze perfekt zusammen arbeiten, zeigt dieser Fall einer Kindesentführung, welche Parallelen zu einem fast zwanzig Jahre zurückliegenden Verbrechen aufweist.

Spannend beginnt der Krimi und holt den Leser mit einem flotten Schreibstil ab. Wer meint, es gibt schon alle Facetten an Ermittlern und neue Serien von Kriminalromanen wären ein Abklatsch dessen, der irrt. Juha und Lux sind ein phantastisches Ermittlerduo, ihre Art und Weise, an eine neue Aufgabe heranzugehen, ist authentisch und nachvollziehbar, lediglich Juhas Auftritt am Ende der Handlung ist fragwürdig. Dafür lässt er sich aber auch gleich beurlauben und setzt damit schon einen Schritt in Richtung Fortsetzung.

Abwechselnde Kapitel aus den Sichtweisen von Juha und Lux werden ergänzt durch vereinzelte andere Blickwinkel und Schwenks in die Vergangenheit, logische, aber falsche Fährten lenken geschickt vom wahren Vergehen ab, sodass die Handlung durchwegs spannend verläuft. Ein paar private Details zum neuen Gespann werden passend, aber nicht aufdringlich eingestreut.

Kurzum: ein gelungener Serienstart mit einem interessanten Ermittlungsfall und zwei hellen Kriminalisten, von denen ich gerne mehr lesen möchte. Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 05.08.2024

Dorfstrukturen

Im Unterholz
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Vera Bergström, freischaffende Journalistin und Begleitlehrerin, soll für ihren ehemaligen Zeitungschef die Hintergründe an einem aktuellen Mordfall recherchieren. In den weiten Wäldern Järpens hat man ...

Vera Bergström, freischaffende Journalistin und Begleitlehrerin, soll für ihren ehemaligen Zeitungschef die Hintergründe an einem aktuellen Mordfall recherchieren. In den weiten Wäldern Järpens hat man die Leiche einer übel zugerichteten Frau aufgefunden. Während die Polizei im Dunklen tappt, erfährt Vera immer mehr über die komplizierten Verstrickungen in den kleinen Dörfern, wo jeder jeden kennt, aber niemand so recht reden will.

Extrem ruhig verläuft dieser bemerkenswerte Kriminalroman, der sich wohltuend aus der Masse abhebt. Vera Bergström ist keine schillernde Figur, die man um irgendetwas beneidet, ihr Alter erfährt man aufgrund einer Schmierblutung, welche schon ausbleiben könnte, ihre triste Stimmung passt irgendwie zur mystischen Landschaft und den verschlossenen Dörfern, aus deren Bewohnern man nur schwer Antworten herausbekommt. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, entpuppt sich dieses Buch als spannende Darstellung von Land und Leuten. Spannend weniger im Sinne von aufregend, als vielmehr im Sinne von detaillierter und überzeugender Abbildung realer Gegebenheiten, welche das Geschehen so interessant werden lassen. Während die Polizei nur am Rande vorkommt, liegt das Nachforschen und Recherchieren bei der Journalistin, deren eigene Vergangenheit nach und nach aufgerollt wird, gleichzeitig aber niemanden zu nahe heranlässt. Scheinbar unnötige Details fügen sich perfekt ins Ganze, legen unter Umständen eine Grundlage für weitere Bände rund um Vera Bergström.

Sara Strömbergs Schreibstil ist nichts, um schnell darüber hinwegzulesen, gerade ihre sorgfältige Betrachtungsweise sticht positiv heraus. Eingebettet in den Handlungsverlauf ist eine zweite Geschichte, welche anfangs eher nichtssagend ist, im Laufe der Kapitel allerdings zur Aufklärung von Ursachen und Auslösern beiträgt. Die Kriminalhandlung steht zwar nicht permanent im Vordergrund, das Zusammenspiel aller Puzzlestücke ist jedoch sehr gut gelungen.

Ich bin recht positiv überrascht von diesem Krimi, der wohltuend „anders“ ist und freue mich auf die Übersetzung weiterer Bücher dieser Serie.

Veröffentlicht am 01.08.2024

Zwischen zwei Familien

Und dahinter das Meer
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Als es im Zweiten Weltkrieg auch in London vermehrt zu Luftangriffen und Bombenalarm kommt, entschließen sich Millie und Reginald Thompson dazu, ihre elfjährige Tochter Beatrix zu einer Gastfamilie nach ...

Als es im Zweiten Weltkrieg auch in London vermehrt zu Luftangriffen und Bombenalarm kommt, entschließen sich Millie und Reginald Thompson dazu, ihre elfjährige Tochter Beatrix zu einer Gastfamilie nach Amerika zu schicken, wo sie eine Kindheit in Sicherheit erleben kann. Erst mit dem Gefühl, wie ein Paket abgeschoben zu werden, später mit einer gewissen Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit im Schoße der neuen Familie aufgenommen zu sein, wächst Beatrix mit ihren neuen Brüdern William und Gerald auf. Fünf Jahre von Verdrängen und Vergessen lassen den Abschied Richtung Heimat am Ende des Kriegs nicht einfach werden.

Mit einem Rückblick Beas auf ihre Zeit bei der Gastfamilie, auf die unvergleichlichen Sommer auf einer privaten Insel, wo man den Krieg tatsächlich hat hinter sich lassen können, beginnt dieser wunderbare Roman und zieht ob seiner bildhaften Beschreibungen den Leser sofort in seinen Bann. Eher sachlich im Schreibstil, aber doch sehr liebevoll und mit viel Gefühl zwischen den Zeilen erzählt Laura Spence-Ash diese Geschichte rund um ein Mädchen, das in und gleichzeitig zwischen zwei Familien aufwächst. Die Blickwinkel unterschiedlichster Figuren geben einen umfassenden Eindruck über das Geschehen während des Kriegs und der vielen Jahre danach. Die Zeitsprünge sind gut gewählt und lassen nichts vermissen. Sämtliche Personen sind sorgfältig charakterisiert, nicht nur US-Mama Nancy mit ihren Backwerken und London-Mutter Millie, die ihre Tochter mehr liebt, als sie zu zeigen vermag, hat man sofort recht lebendig vor Augen, auch die Augenblicke unbeschwerter Kindheit schildert Spence-Ash sehr eindrücklich.

Das Leben besteht nicht nur aus Glück – „Die Gegenwart war unter dem Gewicht der Vergangenheit verschwunden.“ (kindle, Pos. 2476), aber auch nicht nur aus Bitterkeit. Ich kann dieses Buch über die unterschiedlichsten Wege der Protagonisten, insbesondere Beas Pfad dies- und jenseits des Meeres, nur wärmstens weiterempfehlen und verdiente fünf Sterne vergeben!

Veröffentlicht am 01.08.2024

Familientragödie

Glutmoor (Janosch Janssen ermittelt 2)
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Als Carina frühmorgens von ihrer Schicht im Krankenhaus zurückkommt, ist das Elternhaus auffällig still – Mutter, Vater, Bruder und Neffe sind mit Kopfschüssen hingerichtet worden. Kriminalhauptkommissar ...

Als Carina frühmorgens von ihrer Schicht im Krankenhaus zurückkommt, ist das Elternhaus auffällig still – Mutter, Vater, Bruder und Neffe sind mit Kopfschüssen hingerichtet worden. Kriminalhauptkommissar Janosch Janssen und Kriminaloberrätin Diana Quester bietet sich ein schrecklicher Anblick. Hat diese Familientragödie etwas zu tun mit der nahegelegenen Gedenkstätte für Grenztote, welche letzte Nacht besudelt worden ist? Grimmbach mit seinem Moor ist zum zweiten Male Schauplatz aufregender Ermittlungen.

Spannend und abwechslungsreich gestaltet sich dieser zweite Band rund um Janosch und Diana. Alte Vorfälle aus der DDR und eine Gruppe Rechtsradikaler könnten mit dem Familienmassaker zu tun haben, kaum jedoch folgen die Polizisten einer Spur, nimmt der Fall wieder völlig neue Abbiegungen. Auch diesmal wieder gelingt es Lars Engels, fesselnde Ermittlungen mit allerlei Privatem zu verquicken und den Leser bestens zu unterhalten. Ein schöner Schreibstil mit allerlei Bildhaftem zur Kulisse der typischen Rhöner Landschaft, einem Mosaik aus Streuobstwiesen, Äckern, Wäldern, Wiesen und Sümpfen, rundet die kriminalistische Handlung wunderbar ab, sodass es eine Freude ist, an den schwierigen Nachforschungen teilzuhaben.

Auch Band Zwei der Janosch Janssen – Reihe hat mir sehr gut gefallen, das Ende lässt uns nun warten auf weitere Episoden mit dem beiden charismatischen Hauptfiguren.