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Veröffentlicht am 03.07.2024

Maria

Die Glücksfrauen - Die Kraft der Bücher
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Die drei Freundinnen Luise, Maria und Anni reagieren ganz unterschiedlich auf den zunehmenden Antisemitismus im Berlin der 1930er-Jahre. Auf den Spuren Marias, einer Jüdin, geht es im zweiten Band dieser ...

Die drei Freundinnen Luise, Maria und Anni reagieren ganz unterschiedlich auf den zunehmenden Antisemitismus im Berlin der 1930er-Jahre. Auf den Spuren Marias, einer Jüdin, geht es im zweiten Band dieser wunderbaren Trilogie von Berlin nach Rio de Janeiro. Wiederum auf zwei Zeitebenen begleiten wir Maria auf der Flucht ab dem Jahre 1939 und ihre Enkelin Sandra auf einem ähnlichen Weg knapp 85 Jahre später.

Anna Claire hat aufgrund ausgiebiger Recherchen kurzerhand aus einer Vielzahl an historisch belegten Episoden einen aufregenden und authentischen fiktiven Roman erschaffen. Durch ihre detaillierte Beschäftigung mit dem schrecklichen Stoff von Judenverfolgung und Nazi-Gräueln wird jede einzelne Szene so lebendig, so berührend, dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag. Zu spannend, zu aufwühlend ist die Handlung, der man von einem Kapitel zum nächsten, von einer Zeitschiene zur anderen folgen möchte. Gekonnt sind die Wechsel von Maria und ihrer Familie zu Sandra und deren neu gewonnenen Freundin June angebracht, abrupte Kapitelenden steigern die Dramatik immer wieder. Besonders schön mitanzusehen ist es, wie mutig die Frauen in dieser Geschichte sind, wie stets neue Wege gefunden werden und die Flamme der Hoffnung, sei sie auch noch so klein, niemals erlischt. Als Leser darf man mitfiebern mit all den Figuren, die man bald liebgewonnen hat, jetzt heißt es noch, das letzte Geheimnis der damaligen drei Freundinnen Luise, Maria und Anni aufzuspüren.

Authentisch und lebendig ist auch Band Nummer Zwei der Glücksfrauen, ich bin schon sehr neugierig darauf, was Anni während der Kriegsjahre und danach widerfahren ist.

Veröffentlicht am 02.07.2024

Mit den Augen eines Kindes

Radio Sarajevo
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Mit den Augen eines Kindes erzählt Tijan Sila vom Krieg, mit seinen Augen, die im zarten Alter von nur zehn Jahren das Verbrechen gesehen haben. Plötzlich herrscht in Bosnien Krieg, Sarajevo wird bombardiert, ...

Mit den Augen eines Kindes erzählt Tijan Sila vom Krieg, mit seinen Augen, die im zarten Alter von nur zehn Jahren das Verbrechen gesehen haben. Plötzlich herrscht in Bosnien Krieg, Sarajevo wird bombardiert, während man gerade noch genüsslich sein Ohr am Radio hatte und Bon Jovi lauschte. Eindringlich beschreibt der Autor, wie es ihm damals ergangen ist und wie man sich automatisch angepasst hat an die schreckliche Situation.

Dieses Buch spiegelt keine Szenen am Schlachtfeld wider, zeigt keine typischen Kampfhandlungen, nein, dieses Buch erzählt von einem Zehnjährigen, den der Geruch von Sprengstoff ebenso überrascht wie seine Eltern und Nachbarn, den der ohrenbetäubende Lärm ebenso in Aufruhr versetzt wie seine Freunde. Aber – er lernt damit zu leben, lernt, durch Tauschhandel an Essen zu gelangen, lernt, seine Tränen zurückzuhalten, fast fünfundzwanzig Jahre lang, denn der Krieg in einem drinnen, der hört nicht einfach auf, nur weil man nach Deutschland flieht. Sehr authentisch, wenn auch immer wieder eher sachlich und distanziert, lässt uns Tijan Sila teilhaben an seiner Freundschaft mit Sead und Rafik, Burschen, die im selben Grätzel wohnen und daher wie selbstverständlich einer gemeinsamen Bande angehören. Aber der Leser trifft auch auf väterliche Gewalt und schnelles Erwachsenwerden mit der Bürde, den kleinen Bruder zu hüten und sich in Krisenzeiten seinen Platz zu sichern. Traurig und bewundernswert zugleich, welche Strategien zum Zug kommen, wie man das Unvermeidliche zu akzeptieren sucht und zwischendrin noch Platz hat für Humor.

Ein Roman des Verarbeitens, ein Roman zum Erinnern, ein Roman zum Aufrütteln. Kindliche Naivität trifft hier auf ganz plötzlich veränderte Anforderungen, denen man sich stellen muss. Ein erschütterndes Bild aus der Sicht eines Kindes, das viel zu schnell erwachsen wird – lesenswert.

Veröffentlicht am 01.07.2024

Luise

Die Glücksfrauen - Der Geschmack von Freiheit
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Berlin, 1936: Drei Freundinnen, Luise als Widerstandskämpferin, Maria als Jüdin und Anni als Freundin eines Gestapo-Mannes halten zwar eng zusammen, denken aber ganz unterschiedlich über die Auswirkungen ...

Berlin, 1936: Drei Freundinnen, Luise als Widerstandskämpferin, Maria als Jüdin und Anni als Freundin eines Gestapo-Mannes halten zwar eng zusammen, denken aber ganz unterschiedlich über die Auswirkungen des Nazi-Regimes. Luise entscheidet sich, nach New York auszuwandern und möchte dort, mit Anteilen ihrer Freundinnen, ein Restaurant eröffnen. Erst rund 85 Jahre später erfährt ihre Enkelin June von Maria und Anni und begibt sich aufgrund von Luises Testament auf Spurensuche.

In unregelmäßiger Abfolge wechselt die Geschichte zwischen dem Zweiten Weltkrieg und 2023. Beide Zeitstränge sind wunderbar zu lesen, werden Anna Claires warmherzige Worte zu lebendigen Erinnerungen an Geschehnisse, welche sich tatsächlich so ähnlich ereignet haben und die Autorin bei ihrer intensiven Recherche inspiriert haben. Ihre Figuren legt die Autorin vielschichtig an, stets sind diese glaubwürdig in ihren Gedanken und Handlungen. Sehr schön kann der Leser auch mitverfolgen, wie sich durch verändernde Situationen die jeweilige Person verändert, wie sich jede für sich arrangiert mit den neuen Gegebenheiten. Der Fokus liegt dabei zum Glück nicht auf detaillierten Nazi-Gräueltaten, sondern auf der Hoffnung, auch wieder eine bessere Welt und schönere Zeiten zu erleben.

Ein sehr herzlicher und lebensbejahender Roman mit vielen sympathischen Figuren, ich bin gespannt, wem ich in Brasilien (Band 2 der Trilogie) begegnen werde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.06.2024

Gelübde

Die Spur des grünen Leguans
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1863 – 1876: Dorothea, ursprünglich aus Köln, hat sich endlich mit ihrem Leben in Costa Rica arrangiert und hofft, alsbald ihre Jugendliebe Alexander wiederzusehen. Als jedoch Tochter Olivia entführt wird, ...

1863 – 1876: Dorothea, ursprünglich aus Köln, hat sich endlich mit ihrem Leben in Costa Rica arrangiert und hofft, alsbald ihre Jugendliebe Alexander wiederzusehen. Als jedoch Tochter Olivia entführt wird, legt Dorothea ein folgenschweres Gelübde ab. Spannend wie im Band Eins geht es in der vorliegenden Fortsetzung weiter.

Die sympathische junge Ehefrau und Mutter Dorothea spielt auch diesmal die Hauptrolle im Buch, aber auch sämtliche andere Figuren sind ebenso liebevoll und treffend charakterisiert. Dazu kommt die wunderbare Kulisse Costa Ricas mit bunter Tier- und Pflanzenwelt, die niemals zur Ruhe kommt. Dies trifft leider auch auf Dorothea zu, kaum scheint Ordnung in ihrem Leben einzukehren, kommt der nächste Schicksalsschlag. In schillernden Farben erzählt Anna Paredes die bewegende Geschichte über eine ungewöhnliche Ehe, ein mit viel Engagement geführtes Heim für Indigo-Mädchen und die komplizierten Strukturen innerhalb einer Familie. Mit gefühlvollen Worten beschreibt die Autorin unterschiedlichste Empfindungen, sei es jene, eines sich nicht geliebt fühlenden Sohnes, sei es jene, eines unglücklichen Familienvaters. Rasch kann man sich in die so verschiedenen Personen hineinversetzen und deren Stimmung spüren, welche in jeder einzelnen Zeile mitschwingt.

Eine sehr schöne Fortsetzung von Band Eins, den man zwar nicht zwingend gelesen haben muss, empfehlenswert ist es aber allemal. Mich haben beide Teile der Costa-Rica-Saga sehr gut unterhalten. Ich freue mich schon auf weitere Stunden mit Dorothea und allen anderen liebgewonnenen Personen.

Veröffentlicht am 29.06.2024

Auf den Spuren der Schokolade

Wunder aus Karamell
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Magdalena hat, ebenso wie ihre Eltern und ihr Onkel, ein feines Gespür für die Herstellung von Bonbons und entwickelt neue Süßigkeiten, unterdessen wird ihr nur um ein Jahr jüngerer Bruder Hermann immer ...

Magdalena hat, ebenso wie ihre Eltern und ihr Onkel, ein feines Gespür für die Herstellung von Bonbons und entwickelt neue Süßigkeiten, unterdessen wird ihr nur um ein Jahr jüngerer Bruder Hermann immer mehr zum Störenfried in der Familie. Während auch im deutschen Werther des Nationalsozialismus erstarkt und der Antisemitismus unerträgliche Ausmaße annimmt, ereignen sich auch ganz persönliche Höhen und Tiefen für die Menschen rund um die erfolgreiche Bonbonfabrik.

Wunderbare Bilder, aufregende Szenen, viele reale Elemente inmitten einer fiktiven Handlung – so geht es auch im zweiten Teil der Bonbonsaga weiter. Luise Bastin trifft stets den richtigen Ton, um Figuren und Ereignisse ins rechte Licht zu setzen. Liebevoll kreiert sie eine glaubwürdige Geschichte, in deren Mittelpunkt die Herstellung von feinsten Pralinen steht und haucht den einzelnen Familienmitgliedern entsprechend Leben ein. Neben Eifersucht und Missverständnissen widmen sich viele Seiten der Entstehung neuer süßer Kreationen, und auch wenn hier manches Detail der Phantasie der Autorin entspringt, so ist es nicht minder erstaunlich, wie kompliziert es ist, aus besten Zutaten geschmackliche und optische Harmonie zu erreichen. Aber auch in der Familie sollte Harmonie herrschen, der Leser darf hautnah miterleben, wie sich die einzelnen Figuren weiterentwickeln.

Wiederum spricht Luise Bastin viele Themen der Zeit, diesmal der 1930er-Jahre, an und vermittelt ein detailliertes Bild über die Rolle der Frau und die Judenverfolgung. Wunderbar verflicht sie in diese Kulisse von historischen Fakten eine fiktive Handlung mit Familienzwistigkeiten und einer sehr interessanten Reise nach Spanien und Mexiko, welche spannende Einblicke liefert in die Anfänge des Personenflugverkehrs und insbesondere über die Herkunft der Schokolade und anderen landestypischen Süßwaren. Aber Halt! Ich erzähle ja schon viel zu viel … am besten nimmt man selbst dieses wundervolle Buch zur Hand und lässt sich in die Welt von Karamell und Schokolade entführen!