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Veröffentlicht am 28.05.2024

Glück in Karlsbad

Die Hotelerbin
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Als Stubenmadl hat Eva, die Tochter eines Tagelöhners, in Karlsbad angefangen, durch Fleiß und Eifer hat sie sich im Hotel Janker bis zur rechten Hand der Chefin hochgearbeitet. Das Glück, sich selbst ...

Als Stubenmadl hat Eva, die Tochter eines Tagelöhners, in Karlsbad angefangen, durch Fleiß und Eifer hat sie sich im Hotel Janker bis zur rechten Hand der Chefin hochgearbeitet. Das Glück, sich selbst bald mit dem Ersparten einen Verkaufsstand leisten zu können, wird jedoch getrübt von der Gier des Vaters, der von der noch minderjährigen Tochter immer wieder Geld fordert.

Einige Zeit ist vergangen, seit Eva vom Hotel Adonis ins Janker gewechselt hat. Mit etlichen Freundinnen steht sie nur mehr im Briefkontakt, auch von ihrer Familie am Land entfernt sie sich immer mehr. Was Eva allerding nicht verliert, sind ihr Lebensmut und ihre sorgfältig gehegten Zukunftspläne. Entschlossen und zupackend wie am ersten Tag, begeistert die junge Dame Kollegen ebenso wie Vorgesetzte und erobert viele Herzen im Flug. Auch in diesem dritten Band zeigt sie Courage und Hausverstand, was sie so sympathisch werden lässt. In angenehmem Schreibstil entwirft Ada Caine einige Hürden, welche Eva nehmen muss, will sie ihr Glück erreichen. Der Abschluss der Trilogie ist gut gewählt, bevor der Geschichte der Pfiff ausgeht. So kann der Leser sich selbst gut vorstellen, wie es in der Kurstadt weitergehen könnte, wie jene Erfolg verzeichnen, die mit ganzem Herzen bei der Sache sind und nicht allein nach Ruhm und Geld gieren.

Auch wenn es mit Hunde- und Räuberszenen manchmal an den Rand der Glaubwürdigkeit geht, ist „Die Hotelerbin“ ein schöner Abschluss der Karlsbad-Reihe, die ich als sehr unterhaltsam gerne weiterempfehle.

Veröffentlicht am 27.05.2024

Zwanzig Jahre

Wenn sie lügt
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Thüringer Wald, 2023: Knapp zwanzig Jahre nach dem tragischen Zerfall seiner Jugendclique kehrt Goran nach Waldesroda zurück. Dort trifft er unter anderem auf seine ehemals beste Freundin Norah, deren ...

Thüringer Wald, 2023: Knapp zwanzig Jahre nach dem tragischen Zerfall seiner Jugendclique kehrt Goran nach Waldesroda zurück. Dort trifft er unter anderem auf seine ehemals beste Freundin Norah, deren Ex 2004 zum Mörder geworden ist. Aktuelle Drohbriefe an sie lassen die erschütternde Vergangenheit wieder erwachen, Goran nach Geheimnissen graben. Was ist wirklich geschehen, wer bedroht Norah?

Interessante Tatsachen aus Statistik und Bundeskriminalamt bilden einen aussagekräftigen Rahmen zu den unterschiedlichen Themen, welche in diesem fesselnden Thriller angesprochen werden. Erzählt wird aus der Sicht der Hauptfiguren Goran, Norah und einem unbekannten „Er“, jeweils aus neutraler Perspektive. Überwiegend spielt die Handlung im Jetzt, bisweilen entfaltet sich aber auch nach und nach über Rückblenden, was sich im Jahre 2004 zugetragen hat. Durch den flotten Schreibstil kann der Leser kaum innehalten, muss sich an das hohe Tempo anpassen, und umso mehr darauf achten, kein Detail zu übersehen. Die verschiedenen Sichtweisen und unterschiedlichen Wissensstände der einzelnen Figuren lassen eine besondere Spannung aufkommen, die exzellent geschaffene Atmosphäre mit düsteren Örtlichkeiten im Thüringer Wald und geheimnisvollen Personen, sowie das lauernde Unheil aus der Vergangenheit lässt Geschke gekonnt zu einem aufreibenden Ganzen zusammenspielen. Welche Informationen darf der Leser glauben? Was ist wahr? Was könnte eine irreführende Fährte sein? Liegt Norah falsch oder kombiniert man als Leser verkehrt? Viele Fragen kommen auf, der Sog, sie zu beantworten steigt ohne Unterlass. Lebendige Dialoge, glaubwürdige Figuren und eine hervorragend durchdachte Abfolge des Geschehens befeuern den Leser von der ersten bis zur letzten Seite, dranzubleiben und kaum eine Pause einzulegen. Raufhändel, Machtausübung gegenüber Schwächeren, Prostitution und mitunter derbe Ausdrücke sollten toleriert werden, dann wird dieses Buch zum wahren Lesevergnügen.

Am besten, man hält sich einen Tag oder ein Wochenende frei, um diesen nervenaufreibenden Thriller ohne größere Unterbrechungen genießen zu können. Ich bin auch von diesem Werk von Linus Geschke begeistert und empfehle es sehr gerne weiter!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.05.2024

Im Widerstand

Wir waren nur Mädchen
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Während des Zweiten Weltkriegs schließt sich die unscheinbare Jusstudentin Hannie Schaft dem Widerstand an. Aus vergleichsweise harmlosen Aufgaben wie dem Verteilen von Zeitungen wird bald mehr für die ...

Während des Zweiten Weltkriegs schließt sich die unscheinbare Jusstudentin Hannie Schaft dem Widerstand an. Aus vergleichsweise harmlosen Aufgaben wie dem Verteilen von Zeitungen wird bald mehr für die entschlossene junge Frau: sie wird ausgebildet im Umgang mit Schusswaffen. Zielstrebig hält sie mit ihren Freunden und Mitstreitern durch bis zum bitteren Ende.

Basierend auf historischen Tatsachen und akribischer Recherche erzählt Autorin Buzzy Jackson aus dem Leben Hannie Schafts. Erst kommt die Geschichte etwas langatmig und unspektakulär daher. Hannie scheint so emotionslos wie schüchtern zu sein, ihre Handlungen scheint sie zwar strukturiert, aber eher automatisiert zu setzen und vermittelt so den anfänglichen Eindruck einer naiven oder oberflächlichen Person. Vielleicht ist aber auch genau das wesentlich, um im Widerstand bestehen zu können? Nach einigen Längen steigt die Spannung endlich an, bis es im letzten Viertel tatsächlich zu überaus realistischen, recht grausigen Szenen kommt. Aufgrund zahlreicher Überlieferungen gelingt es Jackson hervorragend, aus dem wahren Leben zu berichten, fehlende Teile werden geschickt ergänzt und verweben Fiktion mit Historie. Erwähnenswert sind jedenfalls auch das Nachwort und die Anmerkungen der Autorin, wodurch der Leser nochmals einen guten Überblick bekommt zu historischen Persönlichkeiten und Details zur niederländischen Zeitgeschichte.

Fazit: trotz einiger Längen zu Beginn und im Mittelteil ein überaus interessanter Roman mit sehr realistischen, besonders am Ende sogar brutalen Szenen, die nur schwer zu ertragen sind.

Veröffentlicht am 23.05.2024

Fast verjährt

Nacht über Valldemossa
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Fast verjährt ist der Mord an einem älteren Millionär, der Täter hat seine Haftstrafe bereits abgesessen. Und nun sucht der Mörder ausgerechnet seine Tochter auf Mallorca auf, die ihre Großmutter als Privatermittlerin ...

Fast verjährt ist der Mord an einem älteren Millionär, der Täter hat seine Haftstrafe bereits abgesessen. Und nun sucht der Mörder ausgerechnet seine Tochter auf Mallorca auf, die ihre Großmutter als Privatermittlerin unterstützt. Zweifel am Gerichtsentscheid kommen auf, da zwanzig Jahre zuvor sehr schlampig ermittelt worden ist. Ist der Verurteilte etwa unschuldig?

Ein spannender alter Fall, dazu noch zweifelhafte Beobachtungen einer Nachbarin, die eine Leiche da vermutet, wo überhaupt niemand einen Mord beobachtet hat. Mit einer sehr unterhaltsamen Szene am Flughafen beginnt dieser Mallorca-Krimi. Das Geplänkel während des Fluges ist ebenso originell wie die Zusammenarbeit zwischen Enkelin Gemma und Oma Johanna. Allerdings kommt für einen Krimi dann trotz aller detaillierten Betrachtungen kaum die erwartete Spannung auf, die Handlung plätschert eher träge dahin.

Fazit: nette Unterhaltung mit winterlichem Urlaubsflair und schrägem Enkelin-Großmutter-Duo.

Veröffentlicht am 23.05.2024

Alle Sinne

Verwildern
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Die Erzählerin, später auch von einem Freund Olo genannt, wächst mit ihrer Mutter einsam an einem See auf. Als sie an ihren älteren Bruder erinnert wird, begeben sich Mutter und Tochter auf die Suche, ...

Die Erzählerin, später auch von einem Freund Olo genannt, wächst mit ihrer Mutter einsam an einem See auf. Als sie an ihren älteren Bruder erinnert wird, begeben sich Mutter und Tochter auf die Suche, streifen durch Wälder, über Felder, dringen ein in das Ungetüm einer Stadt und lernen dabei viel über sich selbst, über das nackte Sein und die Natur als Ursprung und Ende jeglicher Existenz.

Voller Poesie, einem Gedicht gleich, mutet Douna Loups Sprache an, geschickt spielt sie mit ihren Worten, die zu einer Melodie zusammenfließen. Virtuos erklingen die Gedanken der Ich-Erzählerin, welche dem Leser ganz nah ist und doch auch so fern in ihrer Lebensweise. Nur sie und ihre Mutter leben am See, erst später, auf der langen Reise, treffen sie auf andere Lebewesen und tauschen sich mit diesen aus. Raum und Zeit verschwimmen zu einem wesentlichen Element, nämlich zur Natur, welche gibt und nimmt, welche alles bereithält, was man zum Leben braucht. Der Einklang mit dem Kosmos ist es, wonach es zu streben gilt. Trotz der wunderbaren Sprache und der brillanten Idee, die Welt mit allen Sinnen zu erleben, spricht mich die Handlung mit allerlei Ungewöhnlichem nicht recht an. Immer wieder geht es auch um körperliche Erfüllung und Ekstase, was mich in dieser Form eher befremdet als vergnügt. Die Botschaft drückt Douna Loup klar aus, die Handlung drum herum kann mich jedoch wenig fesseln.

Beeindruckend an diesem Buch ist vor allem die poesiehafte Sprache, auch das Titelbild ist überaus ansprechend. Zurück zur Natur als Thema lässt Neugierde erwachen, die konkrete Geschichte über die Suche der Erzählerin bleibt mir allerdings bis zum Ende hin fremd.