Platzhalter für Profilbild

cutter_99

Lesejury-Mitglied
offline

cutter_99 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit cutter_99 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.03.2026

Ergreifend, spannend, roh

Die Namen
0

Welche Macht hat ein Name? Wie viele Leben verliert ein Mensch, und beginnt dieser Verlust womöglich bereits mit der Namensgebung? Auf diese Fragen geht der Debütroman von Florence Knapp eindrücklich ein. ...

Welche Macht hat ein Name? Wie viele Leben verliert ein Mensch, und beginnt dieser Verlust womöglich bereits mit der Namensgebung? Auf diese Fragen geht der Debütroman von Florence Knapp eindrücklich ein.

In Die Namen wird verhandelt, welche Macht ein Name in sich trägt. Früh wird deutlich, dass eine Namenswahl nicht nur die Zukunft des Namenstragenden beeinflussen kann, sondern auch die seiner gesamten Familie. Im Mittelpunkt steht Cora, Mutter von zwei Kindern und Ehefrau von Gordon. Ihre Ehe ist von häuslicher und verbaler Gewalt geprägt und macht die Folgen eines patriarchalen Systems sichtbar. Als Cora nach der Geburt ihres Sohnes vor der Aufgabe steht, seinen Namen eintragen zu lassen, eröffnet sich ein möglicher Wendepunkt. Wird sie aus den vertrauten Mustern und der missbräuchlichen Dynamik ausbrechen oder Teil dieses Systems bleiben? Florence Knapp gelingt es schon auf den ersten Seiten, eine Atmosphäre zu erschaffen, die so nah, menschlich und roh wirkt, dass sie die Leserinnen und Leser sofort in ihren Bann zieht. Die Schönheit der Sprache geht dabei Hand in Hand mit der Schwere der verhandelten Themen. Der Ton ist zunächst ruhig, dann aufwühlend, dann wieder scheinbar beruhigend und zugleich verwüstend. Von Beginn an ist die Geschichte unerbittlich in ihrer emotionalen Intensität. Sie setzt mit Schmerz ein und zeigt, wie sich dieser durch Generationen hindurchziehen kann. Trotz dieser Schwere formt die Autorin eine zutiefst berührende und menschliche Erzählung. Mit Spannung verfolgt man die kommenden Lebensjahre von Bear, Julien und Gordon und sieht, wie die Autorin ihre unterschiedlichen Wege entfaltet. Nicht nur das Leben des Sohnes verändert sich je nach gewähltem Namen, auch das der Mutter Cora, der Schwester Maia und des Vaters wird maßgeblich davon beeinflusst. Besonders eindrucksvoll ist die Darstellung, wie Traumata und neue Erfahrungen und Erlebnisse auf das Leben von Cora, ihrem Sohn, Maia und dem Vater der Kinder weiterhin prägen werden.

Die Namen ist ein intensiver Roman über Identität, Verantwortung und die stille, oft unterschätzte Macht von Entscheidungen.

Triggerwarnung: häusliche Gewalt, verbale Gewalt, Misogynie

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Themen
Veröffentlicht am 09.11.2025

Architektur des Unheimlichen - Eine Rezension zu „HEN NA IE - Das seltsame Haus“

HEN NA IE - Das seltsame Haus
0

In „HEN NA IE – Das seltsame Haus“ bittet ein Freund den Erzähler, sich den Grundriss eines Hauses anzusehen, das er kaufen möchte. Gemeinsam mit einem befreundeten Architekten fällt dem Erzähler schnell ...

In „HEN NA IE – Das seltsame Haus“ bittet ein Freund den Erzähler, sich den Grundriss eines Hauses anzusehen, das er kaufen möchte. Gemeinsam mit einem befreundeten Architekten fällt dem Erzähler schnell auf, dass mit der Architektur etwas nicht stimmt: unübliche Raumaufteilungen, versteckte Kammern und bizarre, leere Zimmer.
Im Verlauf der Geschichte erkunden die Figuren nach und nach die Geheimnisse, die hinter diesen seltsamen Plänen stecken und enthüllen dabei ein düsteres Geheimnis.

Meine Meinung (spoilerfrei):

Die Idee hinter dem Buch fand ich ausgesprochen spannend, insbesondere den Ansatz, einen Kriminalfall über Grundrisse und architektonische Auffälligkeiten zu erzählen. Das Konzept wirkt frisch und ungewöhnlich. Dennoch konnte mich die Umsetzung nicht überzeugen. Leider empfand ich den Spannungsaufbau als etwas schwach. Die Figuren ziehen aus den Grundrissen oft sofort die richtigen Schlüsse, sodass man als Leserin oder Leser kaum Gelegenheit hat, eigene Theorien zu entwickeln oder sich überraschen zu lassen. Dadurch wirkt das Ganze eher wie das Nachlesen eines alten Ermittlungsprotokolls als wie ein mitreißender Krimi. Der Schreibstil ist schlicht und gut lesbar, größtenteils als Dialoge geschrieben, mit wenigen beschreibenden Passagen. Das macht das Buch zwar leicht zugänglich, nimmt ihm aber auch emotionale Tiefe. Die Figuren bleiben flach, ihre Gefühle und Entwicklungen werden kaum beleuchtet. Besonders schade fand ich, dass die wenigen emotionalen Szenen, in denen man den Beteiligten näherkommt, nur sehr vereinzelt vorkommen. Mehr solcher Momente hätten der Geschichte gutgetan. Trotz dieser Schwächen hat mich der „Skizzen-Krimi“-Ansatz fasziniert. Das Konzept ist originell, und Uketsus Fähigkeit, mit beunruhigenden Ideen zu spielen, bleibt beeindruckend. Auch wenn mich das Buch nicht restlos überzeugt hat, bin ich neugierig auf die weiteren Bücher des Autors.


Fazit:

„Das seltsame Haus“ ist ein ungewöhnlicher Kriminalroman, der Architektur, Mystery und spekulativen Horror auf interessante Weise verbindet. Trotz eines etwas flachen Spannungsbogens und blasser Figuren lohnt sich die Lektüre für alle, die nach etwas Anderem suchen. Der einfache Schreibstil macht das Buch gut zugänglich, perfekt für zwischendurch, auch wenn der Tiefgang fehlt. Ich werde auf jeden Fall einen Blick auf weitere Werke von Uketsu werfen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung