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Veröffentlicht am 16.10.2022

Hoffnungen, Toleranz und geplatzte Träume

Café Hoffnung
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Sylt 1985: unter der Leitung von Olaf und Brit floriert das Café König Augustin. Tochter Kari jedoch fühlt sich im Hotelbetrieb zu sehr eingeengt und denkt nicht daran, den Betrieb eines Tages zu übernehmen. ...

Sylt 1985: unter der Leitung von Olaf und Brit floriert das Café König Augustin. Tochter Kari jedoch fühlt sich im Hotelbetrieb zu sehr eingeengt und denkt nicht daran, den Betrieb eines Tages zu übernehmen. Statt eine Ausbildung zu beginnen, lebt sie in den Tag hinein und feiert wilde Partys mit der Schickaria, bis zum Filmriss. Ihre Eltern sind zutiefst beunruhigt, für Kari ein Grund mehr, sie aus ihrer Obhut befreien zu wollen. Also schlägt sie dem Modedesigner Mike Heiser eine Scheinehe vor. In seiner abgelegenen Villa könnte sie frei leben, ohne Aufsicht ihrer Eltern und Mike könnte die Gerüchte zerstreuen, dass er homosexuell sei. In den Achtziger Jahren für die meisten Karrieren der Todesstoß. Doch kaum hat Kari diesen Schritt gewagt, bereut sie ihn schon. So frei, wie sie dachte ist sie bei Mike nicht. Weder bietet er ihr kreative Beschäftigung, noch kann sie weiter machen wie bisher, da sie ja den Schein der liebenden Ehefrau wahren muss. Wie wird Mike auf ihre Mitteilung reagieren, dass sie ein Kind erwartet, aber keine Ahnung hat, wer der Vater ist?

Ich war ja auf die Sylt Saga gespannt, weil Gisa Pauly mir nur als Krimi-Autorin bekannt war und sie mit dieser Saga eigentlich ein ganz untypisches Terrain betritt. Eigentlich, denn schon relativ bald entwickelt sich diese Familiengeschichte, deren Schicksale sich rund um die Insel Sylt ranken, mit ihren Skandalen, Hoffnungen und Träumen, zu einem Entführungsdrama, das mehr als die Hälfte dieses Bandes einnimmt. Das finde ich sehr schade. Es werden noch Themen wie die Vorurteile gegenüber Homosexuellen und Farbigen in den 80ern angesprochen, ebenso dass es wichtig ist, immer den schönen Schein zu wahren, aber statt Hotelintrigen, geht es hier vor allem um einen Kriminalfall. Schade, ich hätte gerne mehr von Karis Cousine Nicole mitbekommen, die nun bei Romy in die Lehre geht. Sie ist tatsächlich meine Lieblingsfigur in diesem Band, mit ihrer Bescheidenheit und Unsicherheit, aber entgegen aller Vorurteile ist sie nicht auf den Kopf gefallen, während Kari gar nicht zu schätzen weiß, wie gut es ihr geht. Ich empfinde diese Fortsetzung als Bruch mit dem Auftakt der Reihe. Zwar spricht sich auch dieser Band für Toleranz und Offenheit statt Geheimnissen und falscher Scham aus, aber er umfasst einen kürzeren Zeitraum, so dass es keine langfristigen Entwicklungen in den Persönlichkeiten gibt. Es spitzt sich vor allem auf ein-zwei besonders dramatische Erlebnisse zu, nachdenen anschließend für alle alles anders ist. Das finde ich schade. Allerdings habe ich mich auch an Kleinigkeiten erfreuen können, wie Frieda Häflig, die ihrem Mann tierisch auf den Geist geht, weil sie inzwischen stets mit Begeisterung im ganzen Haus Radio hört. Die kleine, feine Rebellion der unterdrückten Ehefrau, hat es mir angetan. So sind es oft die Randfiguren, die es mir dieses Mal angetan haben. Romy kann nicht aus ihrer Haut und bringt mich dabei zum Schmunzeln. Als es aber darauf ankommt, ist sie wieder die absolut Patente, der Fels in der Brandung, der auch schweigen kann wie ein Grab! Da ich die Achtziger Jahre selbst erlebt habe, hatte ich auch einige Wiedererkennungsmomente, sowohl bei der Mode, den Frisuren oder auch der Musik. Das fand ich sehr gut in die Geschichte eingebracht, ohne dass es sich aufdrängte. Es war nur eben damals so...

Simone Kabst verleiht mit ihrer vollen, warmen, weiblichen Stimme dieser Saga eine geballte Packung Weiblichkeit. Dabei spricht sie lebendig und voller Anteilnahme und klingt dabei stets völlig authentisch. Das Hörbuch ist wieder sehr ansprechend mit einer atmosphärischen Klap-Papp-Hülle mit Landschaftsaufnahmen und Zitaten gestaltet.

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Veröffentlicht am 07.10.2022

Wunderschön und zum Staunen

Wer schläft, wer wacht in der Nacht?
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Dieses informative und traumhaft illustrierte Bilderbuch erklärt unter anderem: „Warum Giraffen eingeklappt schlafen und Kraken nicht schnarchen“. Also alles Themen rund um Schlaf und Tiere, die erstaunen, ...

Dieses informative und traumhaft illustrierte Bilderbuch erklärt unter anderem: „Warum Giraffen eingeklappt schlafen und Kraken nicht schnarchen“. Also alles Themen rund um Schlaf und Tiere, die erstaunen, verblüffen und die man sich bisher vielleicht noch nie gestellt hat. Oder habt Ihr schon mal darüber nachgedacht, ob Kraken schnarchen? Beatrix Mannel ist eine erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautorin und schreibt sogar Thriller. Was die Tiere so nachts alles treiben, ist nicht weniger spannend und verblüffend. Wer kennt denn schon den Papageienfisch, der seinen erholsamen Schlaf durch einen Kokon aus giftigem Schleim schützt? Ein wunderbares Wissensbilderbuch, perfekt zum gemeinsamen Schmökern vor dem Einschlafen, denn es beantwortet auch die Frage: Warum müssen Tiere schlafen? Müssen alle Tiere schlafen? Müssen Menschen schlafen? Was passiert wenn wir schlafen? Ist schlafen und träumen das gleiche? Warum schlafen wir nachts? Menschen und Tiere haben viel mehr gemeinsam als wir denken. Dabei werden hier auch Tiere vorgestellt, die wir alle kennen, über die wir aber nicht unbedingt nachdenken wollen, wie die Gartenkreuzspinne. Ihre Netze sehen aus wie Traumfänger und tatsächlich fängt sie ihre Beute quasi im Schlaf. Die Kälber von Walen und Tümmler schlafen anfangs fast gar nicht. Warum? Lest es nach! Ab 8 Jahren!

Die Illustrationen sind unglaublich intensiv und von wunderbarer Leuchtkraft. Im Original wurden sie alle per Hand in Öl von Karolina Benz gemalt und erzielen dadurch diese unglaublich Wirkung. Man hat die sternenklare Nacht in der Wüste direkt vor Augen und würde am liebsten mit der Giraffe kuscheln!

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Veröffentlicht am 07.10.2022

Ein Hörhighlight

Bunte Schnurrbart-Tage
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Maddie (10) geht in die 4. Klasse, hat vier Brüder und ist noch reicher an Fantasie, genau wie ihr Vater, der bald sein 1. Kinderbuch veröffentlichen will. Wenn sie sich gerade keine aufregenden Spiele ...

Maddie (10) geht in die 4. Klasse, hat vier Brüder und ist noch reicher an Fantasie, genau wie ihr Vater, der bald sein 1. Kinderbuch veröffentlichen will. Wenn sie sich gerade keine aufregenden Spiele ausdenkt, liebt sie es andere zum Lachen zu bringen, besonders mit vielen bunten Schnurbärten. Als sogar Cassie, die Königin der 4. Klasse über ihre Schnurbärte lacht, schwebt sie im 7. Himmel, bis Cassie eine Bemerkung über Maddies komische Handhaltung abgibt. Sie erklärt es mit der Wachstumsphase, bis auch ihr Bein nicht mitspielt. Bei Maddie wird ein Hirntumor festgestellt und das ausgerechnet dann, als die Theateraufführung kurz bevorsteht. Sie hatte sich schon so auf einen Auftritt als Julia mit einem bunten Bart gefreut. Doch durch die Angst vor dem Tumor lernt Maddie für die Dinge und Menschen einzutreten, die ihr wichtig sind. Mit bunten Bärten, abenteuerlichen Fantasie-Geschichten und lustigen Spielen kämpft sie gegen den Tumor an.

Ich war ein wenig besorgt, dass mir diese Geschichte zu traurig sein könnte. Eine 10 Jährige mit Hirntumor und dann eigentlich noch diese Klassenkameradin, die als eingebildete Königin ihre Mitschülerinnen herumkommandiert, hätte das Potenzial zu deprimieren. Tatsächlich ist es sehr warmherzig und humorvoll. Dass mit Maddie etwas nicht stimmt, zeichnet sich schon früh ab, da sie ihren Arm seltsam abwinkelt. Anfangs fand ich sie etwas merkwürdig, weil sie sich von Cassie soviel gefallen lässt. Cassie will nicht, dass ihre Freundinnen noch andere Freundinnen neben ihnen hat und Maddie nimmt das ebenso hin, wie die anderen Mädchen der Klasse.

Maddies Klasse soll einige Szenen von berühmten Shakespeare Theaterstücken aufführen. Sehr gut gefällt mir, dass hier nicht einfach selbstverständlich mit Namen und Rollenbezeichnungen um sich geworfen wird, sondern die Essenz der jeweiligen Stücke und worum es darin geht und was sie ausmacht, kurz skizziert wird. Sehr kindgerecht und gut verständlich werden sie wirklich auf den Punkt gebracht, so dass auch junge Hörer nachvollziehen können, warum einige Rollen attraktiver für Kinder sind als andere. So wird auch die Perfidität von Cassies Plänen und Manipulationen gut durchschaubar, auch für Maddie selbst, die dadurch ins Grübeln kommt.

Sehr einfühlsam und voller Zuversicht liest Julia Nachtmann diese sensible Geschichte und verleiht ihr damit eine Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, die zu Herzen geht. Ihre Stimme strahlt Maddies Optimismus und Fröhlichkeit aus und man fühlt richtig mit ihr mit.

Absolut umwerfend finde ich, dass Maddie nicht nur fröhlich und optimistisch ist und mit ihrer Fantasie auch andere begeistert und mitreißt, nein sie ist auch sehr empathisch. Sie kann sich auch für ihre Mitschülerinnen freuen, aber auch mit ihnen traurig sein und verstehen, wenn es ihnen nicht gut geht. Vor allem aber hat sie die Größe zu verzeihen und ihnen eine neue Chance zu geben. Bei so vielen Brüdern hat sie aber auch eine Menge Gelegenheit dies alles zu üben.

Diese Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit, der von der Tochter der Autoren. Sie hatten so viele Pläne, die alle über den Haufen geworfen wurden von einem Tumor! Dieser führt ihnen vor Augen, was wirklich zählt und wie wichtig es ist, schöne gemeinsame Erinnerungen zu schaffen, von denen man in Zukunft zehren kann. Diese Erinnerungen lassen Kraft und Mut schöpfen, Eltern wie Kinder. Es hat mich allerdings ganz besonders gefreut, dass es Maddie auch heute noch gut geht und der Tumor bis zum Erscheinen des Buches nicht wieder zurück gekehrt ist. Ein wirklich ganz besonderes Hörbuch!

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Veröffentlicht am 03.10.2022

Voller überraschender Twists!

Nothing More to Tell
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Brynns Seele brennt für Journalismus, das ist es was sie später machen will. Doch nachdem sie bei Recherchen Belastendes über den Captain der Schulmannschaft entdeckt, stellt der sie journalistisch bloß, ...

Brynns Seele brennt für Journalismus, das ist es was sie später machen will. Doch nachdem sie bei Recherchen Belastendes über den Captain der Schulmannschaft entdeckt, stellt der sie journalistisch bloß, um ihr zuvor zu kommen. Nun brennt sie vor Scham, aber ihre Eltern ziehen berufsbedingt wieder zurück in ihren Heimantort, in ihr altes Haus. Beide Töchter müssen zurück an die alte Privatschule. Dort hatte sie einst ihr damals bester Freund Tripp bloßgestellt, kurz bevor er und zwei weitere Klassenkameraden, die Leiche ihres erschlagenen Lieblingslehrers im Wald fanden. Der Mord wurde nie aufgeklärt. Da Tripp mit den anderen Schülern, deren Spuren auf der Mordwaffe gefunden wurden, nichts zu tun hatte glaubte man ihm. Brynn haben weder die Ungereimtheiten, noch der ungeklärte Mord je losgelassen. Um ihre Journalistenkarriere noch zu retten, bewirbt sie sich bei einem seriösen True Crime Kanal und stellt dort den Fall vor. Zu Brynns Überraschung ist Chefin Carly überzeugt und neben der Schule beginnt Brynn zu ermitteln. Es ist erstaunlich, wie viel das Rechercheteam und sie in kurzer Zeit ausgraben, noch erstaunlicher wie sehr Tripp ihr Herz inzwischen höher schlagen lässt.

Brynn kommt aus einer Familie erfolgreicher Naturwissenschaftler, womit sie selbst nichts anfangen kann. Nicht zu wissen was man will, ist für ihre Eltern unvorstellbar. Jeder muss ein besonderes Talent haben, sonst endet man noch wie Onkel Nick, der mit Mitte Zwanzig noch nichts erreicht hat! Puh, ganz schön hohe Erwartungen, die da auf Brynn und ihrer jüngeren Schwester lasten. Kein Wunder also, dass sie so unbedingt ihren Journalismus-Traum retten will. Tripp weiß noch nicht einmal was er nach der High School machen soll. Seine Chancen auf ein Uni Stipendium sind seiner Meinung nach gleich Null. Seine jetzigen Freunde Shane und Charlotte, können das als rich kids nicht vorstellen, sie wissen ja noch nicht mal wie er lebt. Eine traurige Alltäglichkeit in Amerika, wo Bildung oft leider Luxus ist.

Brynn ist klein und zart. Sie wirkt zerbrechlich, obwohl sie clever und hartnäckig ist. Lydia Herms mit ihrer jungen mädchenhaften Stimme passt sehr gut zu der aufgeweckten High School Schülerin. Sie harmoniert zudem sehr gut zu der von Andreas Dyszweski, der die Geschichte aus Tripps Sicht erzählt. Tripp, der intelligente, ehrgeizige Sohn eines Schreiners, der in ärmlichen Verhältnissen lebt. Mit seinem guten Aussehen und seinem brillianten Kopf gehört er inzwischen zur In-Clique der Schule, doch der Verrat seiner Mutter, die sich einfach aus dem Staub machte und sich nie um ihn scherte, lastet schwer auf ihm. Wie wohl hat er sich früher bei Brynn und ihrer Familie gefühlt? Auch Andreas Dyszewski klingt jung, wie ein dynamischer, angesagter High School Typ, wenn da nicht immer die Selbstzweifel wären. Die Last der Geheimnisse macht ihn fast ebenso fertig, wie die Gefühle die ausgerechnet Brynn in ihm auslöst, Brynn, die er vor allen lächerlich gemacht hat.

Es gibt heutzutage kaum noch ein Jugendbuch ohne Homosexualität, weil dies dem Alltag der Jugendlichen entspricht. Dies wird hier mit Brynns Schwester Ellie ebenso selbstverständlich und lässig eingebracht, wie mit Brynns altem Freund Mason. Es ist so und damit basta, was gibt es da zu diskutieren? Das gefällt mir nicht nur gut in seiner Unaufdringlichkeit, es ist für mich auch ein gutes Beispiel, wie man damit umgehen sollte. Zur Kenntnis nehmen und gut is.... Das gehört zu ihrem Leben ebenso wie die Schulspinde, die auf dem Klapp-Cover abgebildet und im Laufe der Handlung immer wieder vorkommen.

Zuerst beginnt es eher gewöhnlich und ruhig, doch relativ schnell hat es mich gefesselt. Dabei kommt die Spannung nicht aus wilder Action, sondern aus den widersprüchlichen Charakteren, die hier auf einander treffen, die alten Verletzungen und Wunden, die wieder aufreißen und die Geheimnisse, die jeder zu verbergen scheint. Doch was steckt hinter all den Geheimnissen? Führen sie wirklich zur Aufklärung des Mordes an Mr. Larkin? Mit jeder Antwort die Brynn zu finden glaubt, tun sich quasi zwei neue Fragen auf. Die Twists werden immer schneller und überraschender und dieses sich steigernde Tempo an Twists steigert ungemein die Spannung. Der Thriller ist relativ unblutig, aber nicht weniger faszinierend. Ich wurde steitig aufs Glatteis geführt. Kaum meinte ich zu ahnen, was damals passiert war, entpuppte es sich als Finte. Dazu kommen natürlich auch romantische Verwicklungen. So mit einer spannenden Handlung mag ich auch Liebesgeschichten. Nicht nur für True Crime Fans ab 14 Jahren.

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Veröffentlicht am 30.09.2022

Traue Deinem Bauchgefühl!

Gut Aubenhausen – Emilia und das Glück der Pferde
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Die zurückhaltende, sensible Emilia (13) reitet schon ein paar Jahre in einer Reitschule vor Ort, als ihre Eltern ihr ihren größten Wunsch erfüllen: ein eigenes Pony! Allerdings entflammt ihr Herz auf ...

Die zurückhaltende, sensible Emilia (13) reitet schon ein paar Jahre in einer Reitschule vor Ort, als ihre Eltern ihr ihren größten Wunsch erfüllen: ein eigenes Pony! Allerdings entflammt ihr Herz auf den ersten Blick für den erst fünfjährigen temperamentvollen Fuchs Valentin. Beide Eltern haben Zweifel, ob so eine unerfahrene Reiterin auf einem so unerfahrenen Pferd eine gute Kombination sei, doch als ihnen der besonders erfolgreiche und erfahrene Trainer Florian Hogrefe empfohlen wird, sind sie einverstanden. Zuerst scheint alles wunderbar zu sein und Emilia findet auch schnell in Leonie eine Pferdefreundin. Doch nach und nach kommen ihr immer mehr Zweifel an Florians Methoden, der ihre Bedenken nie ernstnimmt, sondern herrisch abtut. Als es zu einem Unfall kommt, will Emilia so nicht mehr weiter machen. Es scheint jedoch niemand sie und ihre Bedenken zu verstehen, weshalb sie beschließt lieber nie wieder zu reiten, als Valentin zu gefährden. Somit soll Valentin verkauft werden, vorher allerdings soll die erfahrene Bereiterin Lisa von Gut Aubenhausen Valentins Verhaltensauffälligkeiten beheben. Lisa ist von Valentin begeistert und schließt Emilia in ihr Herz. Sie bittet ihre Chefin Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl um Hilfe. Behutsam nimmt diese sich Emilias an, um ihr wieder Mut und Selbstvertrauen im Umgang mit Valentin zurückzugeben.
 
Mit der Unterstützung der erfahrenen Autorin und Reiterin Antje Szillat gibt hier die Doppelolympiasiegerin im Dressurreiten in Emilias Geschichte gebettet wertvolle Tipps und Ratschläge zu einem vertrauensvollen und behutsamen Umgang mit Ponys und Pferden. Die jungen Leserinnen sollen lernen Zweifel in sich zu erkennen, daraus zu lernen und Stärken zu entwickeln. Fehler sind normal, in allen Bereichen des Lebens, auch beim Reiten. Aber Fehler sind nicht unbedingt dramatisch, solange man mit Bedacht reagiert und das Beste daraus macht. Emilia ist ein sympathisches Mädchen, dass die Bedürfnisse ihres geliebten Ponys über ihre eigenen stellt. Doch wie sie das am Besten umsetzen soll, begreift sie noch nicht. Hier wird gerade der sportliche Ehrgeiz nicht über das Tierwohl gestellt. Das war den Autorinnen nach den Skandalen im Dressurreitsport bei den letzten olympischen Spielen offensichtlich ganz wichtig. Dabei räumt die Doppel-Olympiasiegerin durchaus freimütig als fiktives Buch-Ich ein, dass es Zeiten in ihrem Leben gab, in welchem aus Ehrgeiz bisweilen den optimalen Umgang mit den Pferden aus dem Augen verloren hat. Eine perfekte Einheit werden Tier und Reiterin allerdings nur, gemeinsam. Daher ist es der Buch-Jessica ganz wichtig, dass nicht nur Valentin sich wohl und entspannt fühlt, sondern auch Emilia wieder das Vertrauen in sich und in ihre Tierliebe zurückgewinnt. Die Geschichte ist nicht autobiografisch, allerdings hat die Gutsherrin durchaus auch Anleihen von ihrer Namensvetterin, wie die Hofhunde oder das Bedürfnis auch noch Zeit mit ihrem Kind (damals war es noch nur eins) zu verbringen. Sprachlich finde ich den Kunstgriff, dass die Geschichte wie aus einer Beobachter Perspektive wirkt, nicht immer optimal, da es etwas auf Distanz hält. Ich finde es aber ungewöhnlich, dass es hier wirklich um das Verhältnis von Emilia und ihrem Pony geht, die nach einem verstörenden Erlebnis, nicht mehr miteinander harmonieren. Es ist nicht wie andere Geschichte eine Freundschafts- oder Liebesgeschichte. Die Freundschaft zu Leonie von ihrem alten Hof kommt eher am Rande vor und bietet Emilia die Möglichkeit der Selbstreflexion. Ist sie ihr böse? Kann sie ihr Verzeihen? War es nicht eher ihre eigene Schuld? Warum hat sie sich dazu hinreißen lassen? Emilia ist nicht nur sehr fair zu ihrem Pony Valentin, sondern auch gegenüber Leonie und dabei ernsthaft selbstkritisch. Das finde ich sehr reif für eine Dreizehnjährige.
 
Ein Glossar mit Fotos des wahren Gutes Aubenhausen und der Olympiasiegerin mit ihren Pferden runden diese einfühlsame Geschichte ab 10 Jahren ab.

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