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Veröffentlicht am 27.04.2026

Eine bewegende Geschichte - aber das ist doch kein Ende!

Der andere Arthur
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Arthur Opp war schon als Kind pummelig und wurde daher von seinem berühmten Vater einem Stararchitekten ebenso abgelehnt, wie seine übergewichtige, aber liebevolle Mutter, die viel zu früh, wahrscheinlich ...

Arthur Opp war schon als Kind pummelig und wurde daher von seinem berühmten Vater einem Stararchitekten ebenso abgelehnt, wie seine übergewichtige, aber liebevolle Mutter, die viel zu früh, wahrscheinlich an einem gebrochenen Herzen starb. Seither hat Arthur das Gefühl, von allen die ihm etwas bedeuten über kurz oder lang verlassen zu werden. Einst war er Literaturprofessor, doch seit 18 Jahren auch dies nicht mehr, doch ist er bestens versorgt. Mit einer ehemaligen Studentin, die sich nicht mehr als ein Semester am College leisten konnte, begann er einen jahrelangen Briefwechsel. Mit ihr Charlene Turner, deren Einsamkeit für ihn so greifbar war, wie seine eigene, fühlte er sich verbunden, wie mit niemand anderem. Seit 9/11, als niemand bei ihm anrief, um sich zu erkundigen, wie es ihm ging und er ebenfalls niemanden anrufen wollte, um sich zu erkundigen, verlässt er das Haus nicht mehr. Wozu? Niemand da draußen wartet auf ihn und er kann sich alles liefern lassen. Seither wird er immer dicker.... Doch eines Tages kommt Bewegung in seinen Trott. Charlene ruft plötzlich an, nachdem sie über ein Jahr nicht geschrieben hat und kündigt einen weiteren Brief an. Sie bittet ihn, ihrem Sohn bei seinen College-Bewerbungen zu helfen und er lädt sie ein. Doch so kann er sie nicht ins Haus lassen und mit Yolanda engagiert er eine junge, quirlige Haushaltshilfe, die sein Haus und ihn in Schwung bringt während er auf Charlene und ihren Sohn wartet.

Uve Teschner und Timmo Nisner interpretieren diese zwei Arthurs, die kaum unterschiedlicher sein könnten, die jedoch ihre tiefe Einsamkeit und die Liebe zu Charlene Turner Keller verbindet ganz wunderbar. So gut, dass es einem beim Hören ein wenig aufs Gemüt schlägt, denn die Geschichte ist sehr sensibel und feinfühlig, aber nicht gerade ein Stimmungsaufheller. Da hat der Klappentext etwas falsche Erwartungen geweckt, denn Spoiler, anders als der Klappentext vermuten lässt, begegnen sich die beiden bis zum Schluss nicht. Was letztendlich aus ihnen wird und ob sie ihre Einsamkeit erfolgreich überwinden statt nur neue Perspektiven zu erhalten, das muss man für sich selbst entscheiden, dass lässt die Autorin bewusst offen. Das mag poetisch sein, lässt einen jedoch auch etwas ratlos zurück. Mir fehlte hier so der Optimismuskick zum Schluß. Der Roman wird aus der Perspektive von Arthur Opp (Uve Teschner, der viel älter und müder klingt als sonst) und dem jugendlich, orientierungslosen Kel (Timmo Nisner) erzählt, die uns an dem jeweiligen, tief vergrabenen Schmerz und der Einsamkeit der Protagonisten teilhaben lässt.

Liz Keller versteht es auf jeden Fall Geschichten zu erzählen, über ganz eigene Charaktere, die im Gedächtnis bleiben. Kel ist an jeder Schule, an die er kommt erst mal ein Star. Er ist zwar kein überragender Schüler, aber ein großer, athletischer Kerl, der in fast jedem Sport glänzt und in Baseball außergewöhnlich ist. So außergewöhnlich, dass sich sogar die Scouts von Profi Vereinen und mehreren College-Mannschaften für ihn interessieren. So könnte er doch noch den größten Traum seiner Mutter erfüllen und auf's College gehen! Doch alles in ihm sträubt sich. So sehr er das eigene Heim meidet, da er niemanden mit nehmen kann, in ein Haus in der seine Mutter stets betrunken auf dem Sofa liegt und noch dazu zu viel isst... so sehr fühlt er sich auch für sie verantwortlich, denn sie hatten auch gute Zeiten. Jedes College würde ihn zu weit von ihr fortbringen und sie würde vor die Hunde gehen, wenn er nicht auf sie aufpassen würde. Je schlechter der Zustand seiner Mutter wird, desto mehr schottet er sich innerlich von der Außenwelt ab. Er zeigt seinen Kumpels und auch den Mädels mit denen er rummacht nur seine Fassade, ganz besonders auf der neuen Edelschule.... nur Lindsey ist da anders und sie wüsste gerne mehr von ihm... Ich wüsste so gerne, ob er es noch schafft, sein Leben in den Griff zu bekommen...

Eine Geschichte über Einsamkeit, Perspektiven und die Bedeutung sich anderen gegenüber zu öffnen.

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Veröffentlicht am 27.04.2026

Apokalypse, oder was wirklich zählt

Ins fahle Herz des Sommers
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Nordfrankreich in naher Zukunft. Nach einer Pandemie ist die Menschheit deutlich dezimiert. Nur wer genetisch immun war, hat überlebt. Dennoch sind es noch immer zu viele, denn die Sonne brennt erbarmungslos ...

Nordfrankreich in naher Zukunft. Nach einer Pandemie ist die Menschheit deutlich dezimiert. Nur wer genetisch immun war, hat überlebt. Dennoch sind es noch immer zu viele, denn die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel und ein Leben im Süden ist unerträglich. Wer konnte hat sich in den hohen Norden, Grönland, Sibirien, Island, Skandinavien Kanada, gerettet, doch jetzt sind diese Gebiete für alle, die es sich nicht leisten konnten, abgeriegelt. Die die zurückblieben müssen sehen, wie sie mit dem zurecht kommen, was sie vorfinden. Ob diese anderen Gebiete noch regiert und verwaltet werden? Wer weiß? Es herrscht das Recht der Überlebenden und Fausto ist einer von ihnen. Er hat sich ein Haus in Nordfrankreich ausgesucht, den Garten mit Sonnensegeln überschattet, einen eigenen Brunnen, Solarpaneele auf dem Dach, die den riesigen, energiearmen Kühlschrank betreiben... und er hat ein paar Nachbarn, den alten Pastor, die alte Madame Marveaux und eine isolierte 7 köpfige Bauernfamilie die Bracques.... bis Valterie, eine junge, schöne, Frau mit blasser, kühler Haus auftaucht. Ihr scheint die Hitze nichts auszumachen und sie isst die Kakteen, die sich überall ausbreiten... Er verliebt sich in sie und er schöpft Hoffnung, doch wo kommt sie her? Hat ihre Liebe eine Zukunft?

Die Crux liegt hier im Detail, denn der Autor spielt mit unseren Erwartungen an das Genre und an ihn. Oft kommt es anders, als wir es erwarten und das hat uns in der Hörrunde ganz schön verwirrt. Man sollte sich also nicht ablenken lassen und sich alles gut merken....

Matthias Koeberlin spricht auch diesen Eschbach wunderbar ausdrucksstark. Fausto ist eigentlich nicht der Typ für große Gefühle, wie sollte er auch, wenn er nur von Tag zu Tag leben kann? Wenn er eigentlich keine Perspektive mehr hat. Also ist er nüchtern, rational... bis sich etwas ändert und die Menschlichkeit ins Spiel kommt, mit all ihren Gefühlen und dem Unerwarteten. All diese Nuancen fängt er geschickt ein, ebenso wie die Interaktionen mit den übrigen Überlebenden. Dabei schafft er ein unterschwelliges Gefühl der unterschwelligen Bedrohung.... die unbewusste Gewissheit, da kommt noch was, knüppeldick... nur was? Es scheint ja gar nicht viel zu passieren, wie auch, es gibt keinen Niederschlag und kaum noch Menschen und Struktur...

Ich glaube Andreas Eschbach will nicht unbedingt die Xte Dystopie zum Klimawandel erzählen, sondern unser Bewusstsein schärfen, dafür was wichtig ist, dafür was zählt und ob es uns nicht wichtig genug ist, das zu erhalten und bewahren. Es ist eine Ode an die Menschlichkeit. Es passiert augenscheinlich nicht so viel, der Reiz liegt in der Interaktion der Charaktere und der Veränderung die auftritt, als in der bestehenden Gemeinschaft Fremde auftauchen und bleiben....

Ich fand es sehr eindringlich, berunruhigend und es hat mich nachhaltig beschäftigt, auch wenn ich nun keine Kakteen essen werde, eher nach einem Brunnen bohren... Brilliant gelesen und geschickt mit meinen Erwartungen gespielt, ist dieser Eschbach ganz anders, als gedacht... Was ich einen Reiz an sich finde, auch wenn das Ende uns alle vor den Kopf gestoßen hat.... Es erklärt übrigens den Titel... Ist aber durchaus schlüssig, entspricht nur nicht dem natürlichen Wunsch nach einem Happy End ;)

Ich bedanke mich ganz herzlich bei der Lesejury für diese wirklich intensive und kontroverse Hörrunde!

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Verheißungsvoller Reihenauftakt!

Ungelöst – Die erste Zeugin
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Dies ist der Auftakt zu einer neuen Thriller Serie von Arno Strobel

Luisa Menkhoff, Tochter von Bernd Menkhoff, mit dem einst Max Bischoff ermittelte, ist froh ihr 1. Staatsexamen hinter sich zu haben ...

Dies ist der Auftakt zu einer neuen Thriller Serie von Arno Strobel

Luisa Menkhoff, Tochter von Bernd Menkhoff, mit dem einst Max Bischoff ermittelte, ist froh ihr 1. Staatsexamen hinter sich zu haben und bald ins PJ zu starten, als sie erstarrt: Auf der Vermisstenmeldung entdeckt sie das Foto der ehemaligen Lebensgefährtin ihres Vaters, Nicole Klement, die vor 17 Jahren mit ihr in der Gewalt ihres Entführers, des Psychiaters Dr. Lichner war. Aufgrund ihres fotografischen Gedächtnisses kann sie sich noch an alles von damals erinnern, auch wenn sie erst 5 Jahre alt war. Als sie sich an die Nummer auf den Plakaten wendet, wird ihr die Angelegenheiten noch unheimlicher und sie wendet sich an die Vermisstenstelle der Polizei.

Dort landet sie ausgerechnet bei Ramin Brunner, dem jungen Erfolgskommissar der Vermisstenstelle, der ab morgen eine Cold Case Unit aufbauen soll. Doch heute ist er noch für Vermisste zuständig. Nicht nur die junge Medizinstudentin in ihrer ruhigen, sachlichen Art und ihr unglaubliches Gedächtnis fesseln den jungen Kommissar. Er spürt sofort dass mehr dahinter steckt und macht sich mit dem ersten Kollegen Sebastian Grohmann (den man eigentlich nur los werden wollte in der Vermisstenstelle) daran, der Sache auf dem Grund zu gehen. Schon bald entdecken sie, dass nicht nur Nicole Klement vermisst wird, sondern auch ein 7 jähriges Mädchen, dass Luisa auf den Bildern von damals verblüffend ähnelt und das ist längst nicht alles....

Mit Ramin Brunner, dem Münchner Ermittler mit persischen Wurzeln und Luisa Menkhoff, der beherzten Medizinstudentin mit dem unfehlbaren Gedächtnis sind Arno Strobel zwei sehr sympathische Ermittler gelungen, dennoch sind sie nicht meine Lieblinge. Der anarchische, völlig unkonventionelle, grummelige Grohmann, der allen auf den Keks geht, der es aber zur Verblüffung aller immer wieder schafft in den brenzligen Situationen den richtigen Ton zu treffen und der leicht pedantische Tewes, der sich ungefragt und unbestellt von Aachen aus, in diesen Fall einmischt, gefallen mir noch besser. Tatsächlich ist er ebenso eine Nervensäge wie Grohmann, wie gut, dass Brunner zumindest mit Kommissar Schröder noch ein normaler Kollege zur Seite steht ;) Wirklich interessante Ausgangspersönlichkeiten, die hier in einen Fall starten, in dem sich Cold Cases mit einer aktuellen Entführungsserie vermischt und bei der langsam allen dämmert, dass die Zeit drängt und sie es mit einem ausgesprochen gefährlichen Psychopathen, der noch dazu vom Fach ist, zu tun haben.

Dietmar Wunder, der Stammsprecher für Strobel Hörbücher (und auch die Synchronstimme von Daniel Craig) übernimmt auch hier wieder sämtliche Charaktere, unabhängig von der Tiefe ihrer Abgründe. Seine Ohrschmeichlerstimme erweist sich wieder als wunderbar wandelbar und vielschichtig, so dass er mühelos zwischen den Charakteren hin und her-switched und wir alle einzeln unterscheiden können, da sie alle ihre eigene Klangpersönlichkeit haben. Gekonnt spielt er mit der Spannung und Ungewissheit, weiß aber auch zwischendurch einen Gang herunter zu schalten, um uns in vermeintlicher Sicherheit zu wiegen.

Im letzten Drittel zeichnet sich ab, dass alles ganz anders gewesen sein könnte als geahnt... aber wie kann das sein? Dabei ist dies zwar etwas erstaunlich, aber in sich schlüssig und als ich die ersten Kapitel noch mal hörte, dämmerte mir, was mir beim ersten mal durchgerutscht war. Ich habe halt kein eidetisches Gedächtnis.

Arno Strobel ist ein neues Ermittlerteam gelungen, dem sicherlich noch einige spannende Fälle folgen werden. Durch die Stimme von Dietmar Wunder bleibt man kontinuierlich gefesselt und wird auch am Ende nicht enttäuscht.

Wer sich für Max Bischoff interessiert, aber den Einstieg verpasst hat, der ist hier genau richtig! Hier gelingt der Einstieg ohne Vorkenntnisse.

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Hörbuch-Rezi

Hot Young Royals – Herz über Krone
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Hier kommt die neue RomCom von Katy Birchall mit den Tropes: RoyalGossip FakeDating CinderellaStory Abschlussballkönigin #AdelsClique – Romance ohne Spice ab 14 Jahren.

Die 17 jährige Ruby Carter, Enkeltochter ...

Hier kommt die neue RomCom von Katy Birchall mit den Tropes:

RoyalGossip

FakeDating

CinderellaStory

Abschlussballkönigin #AdelsClique – Romance ohne Spice ab 14 Jahren.

Die 17 jährige Ruby Carter, Enkeltochter bzw. Nichte eines Earls, wächst relativ unspektakulär auf dem englischen Land auf, nur mit ihrer Mutter, die aus der Londoner Elite mit seinem Glamour und Partys auf Land floh, als sie mit 27 Jahren schwanger ist. Wer Rubys Vater ist, hat sie selbst auf ihrem Sterbebett nicht verraten. Kurz vor ihrem Schulabschluss zieht Ruby nun zu ihrer Tante Tabatha nach Knightsbridge, die anders als ihre jüngere Schwester dem Glamour, Gossip, Skandalen und Haute Couture nie entsagt hat. Das Landei umzumodeln ist ihr ein großes Vergnügen, als sie ihre Nichte nur wenige Monate vor Schluss in der edelsten Privatschule des Landes unterbringt, auf der auf sie und ihre Geschwister waren. Ruby fühlt sich verloren und als absolutes Mauerblümchen. Sie scheint nicht recht hineinzupassen und einzig im Stipendiaten Olli findet sie einen Freund, mit dem sie gerne in der Bibliothek abhängt. Mit ihm schaut sie dort in die alten Jahrbücher ihrer Mum, da sie ahnt, dass ihr Vater einer der Schulfreunde ihrer Mutter war. Deren Sprösslinge besuchen ebenfalls ihren Jahrgang und bilden eine Traube um Prinzessin Caroline, die Thronfolgerin. Wie soll sie bloß deren Interesse wecken, um an Infos zu ihrem Vater zu gelange? Dank Tabatha und Olli wird eine Cinderella-Story wahr, doch kann sie auch einen Prinzen oder Herzog für sich gewinnen, ohne sich selbst aufzugeben?

Also, ich weiß ja nicht, ob ich für eine solche Welt geschaffen wäre. Denn Tabatha gibt direkt bei Rubys Eintreffen eine kleine Party und die Wahl der Kleidung, der Getränke und der Gäste ist natürlich essentiell! Einen Empfang besuchen ohne sich zuvor von einem exklusiven Stylingteam herrichten zu lassen? Undenkbar? Wie soll man so in die Medien kommen?

Tabatha ist ein absolutes Energie Wunder und fegt Ruby einfach mit, sie lässt sich aber nur zugerne mitreißen. Ich habe ja Olli von Anfang an ins Herz geschlossen und mich so gefragt, ob diese Clique diesen Aufwand wirklich wert ist und ob sie es wert sind, Olli zu vernachlässigen....? Doch es ist jemand ganz anderes, der ihr Herz höher schlagen lässt und scheinbar unerreichbar ist.

Die Meisterin jugendlicher Brit-Society-Rom-Coms hat wieder zugeschlagen. Dieses mal ist es mehr Rom und Glam und weniger Com, aber auch. Sie hat einfach ein Talent die geheimen Sehnsüchte ihrer jungen Leserschaft zu erahnen und locker und spritzig, aber mit Drama und Glamour zu erzählen. Gefühle, aber kein Spice, nur ein angenehmes Prickeln, entsprechend des Alters der Zielgruppe. Wer Rubys geheimer Vater ist, wird schon im Prolog klar, aber der Titel verrät es auch schon. Aber es ist ja nicht unbedingt seine Identität das Wichtigste, sondern die Bedeutung und der Skandal, die daraus folgen.

Chantal Busses melodiöse und wohlmodulierte Stimme, bringt wunderbar Rubys Gefühlchaos zum Klingen. Sie klingt jung und mal verzagt, dann wieder entschlossen, verliebt oder verzweifelt, wobei man ihr auch die Freude am Pläne schmieden und all dem Gossip anhört... Ein Landei, das nicht zum Schwan, sondern gleich zur Prinzessin wird, allerdings keine gekrönte.

Leider ist dies ein Einzelband, ich wäre ja schon neugierig, wie es z.B. mit Prinzessin Caroline weitergeht, ob sie ihre Fassade aufrecht erhalten kann?

Katy Birchall hat jungen Hörerinnen wieder einen herrlich kurzweiligen, glamourösen und romantischen Einblick in die Welt der Schönen, der Reichen, der ganz schön Reichen und der Royals zu gewährt, der durch die Interpretation von Chantal Busse noch spritziger und gleichzeitig einfühlsamer wird.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Zwei Leben - zwei Schicksale - eine Freundschaft fürs Leben

Villa Rivolta
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Mailand 1979: der 15 jährige Tonio beobachtet nachts, wie seine Mutter heimlich in den Hof schleicht und etwas in eine Baugrube wirft. Heimlich schleicht er hinterher und birgt einen alten Revolver aus ...

Mailand 1979: der 15 jährige Tonio beobachtet nachts, wie seine Mutter heimlich in den Hof schleicht und etwas in eine Baugrube wirft. Heimlich schleicht er hinterher und birgt einen alten Revolver aus der Nazi-Zeit. Er nimmt ihn mit in seine edle Privatschule, wo er als Sohn einer Alleinerziehenden der Außenseiter ist. Der angesagte Anwaltssohn bietet ihm dafür seinen echten Walkman. Ein Traum! Doch sie werden erwischt und natürlich bekommt der vaterlose Junge den Ärger und droht von der Schule zu fliegen. Seine Mutter, eine engagierte Journalistin ist entsetzt, packt ihre Sachen und fährt mit Tonio in die Ferienresidenz ihres Kindheitsfreundes Piero Rivolta, um ihn um Rat zu fragen. Er, ihr bester Freund seit Kindertagen sollte ihren Sohn beschützen und seine Zukunft retten. Doch so einfach lässt sich der Jugendliche nicht abwimmeln, als Journalistensohn bohrt er nach, bis seine Mutter ihm alles erzählt was sie ihm bisher verschwiegen hat und doch seine Wurzeln ausmacht, inklusive eines bitteren Familiengeheimnisses. Es begann mit der Hinrichtung ihres Vaters als Partisan durch die Nazis, ihrer Flucht zu Vertrauten ihres Vaters, der Industriellenfamilie Rivolta. Enzo Rivolta war entschlossen Italien zu mobilisieren und schuf dabei u.a. die legendäre Isetta. Doch während ihre Mutter die geschätzte Haushälterin war, wurde Valeria die beste Freundin des ein Jahr älteren Piero. Sie fühlte sich in dem Garten der Villa geborgen und war doch kein Teil der Familie....

Mit Bella Germania einer deutsch-italienischen Familiensaga über drei Generation und ganz viel Liebe zu den BMW-Werken wurde Daniel Speck bekannt. Ach hier spiegelt sich seine Liebe zu Italien und Autos und immer wieder die Isetta wieder. Denn ehe BMW die Rechte an der Isetta kaufte und sie zu einem Kassenschlager machte, hatte Enzo Rivolta sie in der Nähe von Mailand entwickelt. Dieses Mal steht die Familie Rivolta sowie die der früheren Haushälterin im Mittelpunkt und immer wieder begleitet von mobilen Innovationen, die sie natürlich auch auf die IAA in Frankfurt führen... Doch es geht nicht nur um Autos und Wohlstand. Es geht um das Erwachsenwerden, die Suche nach seiner eigenen Identität und seinen Wurzeln. Es geht aber auch um Überzeugungen und Visionen. Während Enzo Rivolta Italien mobilisieren will, will sein Sohn Piero dessen Erbe fortsetzen und sieht seine Verantwortung gegenüber seinem Vater aber auch gegenüber den Familien ihrer Arbeiter. Dem steht nahezu unerbittlich Flavio, Toninos Vater, ein Sizilianischer Student gegenüber. Er hat sich den Kampf gegen „das System“ auf die Fahnen geschrieben. Ein Kind war da eigentlich nicht geplant, aber da ist es nunmal....

Ein faszinierender Blick in die 50er, 60er und 70er Jahre in Italien. Ich kann mich noch ganz dunkel an Don Camillo und Peppone aus Kindertagen erinnern, in denen der Pastor Kommunist und der Bürgermeister Faschist war.... ich fand diese Extreme erstaunlich, aber so ähnlich war es damals wohl überall in Italien. Das Land war in zwei Extreme gespalten. Die einen trauerten Il Duce nach, die anderen fürchteten ihn und seine Anhänger und waren folglich Kommunisten... Statt den aufkommenden Wohlstand zu genießen entfachte ein gesellschaftlicher Kampf, der hier am Beispiel von Toninos Familie dargestellt wird. Eine Zeitreise, die uns auch an unsere eigene Wurzeln und unser Erwachsen werden erinnert und vielleicht Ansporn gibt, die eine oder andere Familienlegende zu hinterfragen... Tatsächlich fand ich allerdings die Episoden der Rivoltas und ihrer Fahrzeuge deutlich spannender, als Flavios Klassenkampf. Erstaunlicherweise ist es dem Autor letztendlich doch noch gelungen, mit etwas Sympathie für ihn abzugewinnen, ebenso für Valeria, die ich bisweilen zu distanziert gegenüber ihrem Sohn fand. Den konnte ich hingegen nur allzu gut verstehen!

Dabei erweist sich Daniel Speck als exzellenter Sprecher. Ich bin ja nicht unbedingt ein Fan von Autorenlesungen, meist können es ausgebildete Sprecher oder Schauspieler besser den Gefühlen und Gedanken der Protagonisten eine Stimme zu verleihen. Er klingt absolut überzeugend und lebendig.

Eine interessante Familiensaga, mit wenigen, kleineren Längen.

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